zurück

Arbeitsmarkt im Wandel: Leiharbeit im regionalen Vergleich

Ende 2018 waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 2,4 Prozent der Beschäftigten mit Wohnsitz in Deutschland in der Leiharbeit tätig.

Wie die Karte zeigt, bestehen erhebliche regionale Unterschiede in der Verbreitung von Leiharbeit. So ist in den Arbeitsmarktregionen Gotha (5,6 Prozent) und Dingolfing (5,1 Prozent) mehr als jeder zwanzigste Beschäftigte in der Arbeitnehmerüberlassung tätig. In den Arbeitsmarktregionen Anhalt-Bitterfeld (4,2 Prozent) und Dessau-Roßlau (4,1 Prozent) sind die entsprechenden Anteile ebenfalls hoch. Eine geringe Bedeutung hat die Leiharbeit hingegen in den Arbeitsmarktregionen Garmisch-Partenkirchen, Bad Reichenhall und Husum mit 0,7 Prozent der Beschäftigten.

Dies wirft die Frage nach Gründen für die regionalen Unterschiede auf. Ein Blick auf die Struktur der Nachfrage und des Angebots in der Arbeitnehmerüberlassung verspricht Antworten: Eine sehr hohe Nachfrage nach Beschäftigten aus der Arbeitnehmerüberlassung besteht in der Lagerwirtschaft. Mehr als ein Viertel aller sozialversicherungspflichtigen Leiharbeitnehmer war Ende 2018 in Berufen der Lagerwirtschaft, Post, Zustellung sowie des Güterumschlags tätig, während es unter allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nur 5,7 Prozent waren. Auch im Metallbau und der Schweißtechnik sind Leiharbeiter überproportional häufig eingesetzt (Bundesagentur für Arbeit 2019c). Dabei sind es vor allem die größeren Betriebe, die Leiharbeit nutzen (Keller/Seifert 2013, S. 34). Für die Betriebe mit Betriebsrat zeigt sich auf Basis der WSI-Betriebsrätebefragung, dass die Wahrscheinlichkeit der Nutzung von Leiharbeit mit der Betriebsgröße steigt (Absenger et al. 2016, S. 29).

Das Angebot an Leiharbeit resultiert häufig aus dem Bestreben, Arbeitslosigkeit zu beenden bzw. zu vermeiden (Jahn 2016, S. 2). Aus dem Zahlenwerk der Bundesagentur für Arbeit geht hervor, dass 65,2 Prozent derjenigen, die im zweiten Halbjahr 2018 eine Beschäftigung in der Arbeitnehmerüberlassung aufnahmen, zuvor nicht beschäftigt waren (Bundesagentur für Arbeit 2019c). Wie im WSI Policy Brief 35 veröffentlichte Regressionsergebnisse zeigen, können die regionalen Unterschiede hinsichtlich der Verbreitung von Leiharbeit zu einem substantiellen Teil durch die genannten angebots- und nachfrageseitigen Einflussgrößen aufgeklärt werden. Grundsätzlich gilt: Je größer die Bedeutung der Lagerwirtschaft, des Metallbaus und der Großbetriebe in einer Arbeitsmarktregion, desto größer wird auch der Anteil der Arbeitnehmerüberlassung an den Beschäftigten in der Arbeitsmarktregion sein. So ist ein um zehn Prozentpunkte höherer Anteil an Lagerarbeitern im Mittel mit 1,7 Prozentpunkten mehr Leiharbeitern in der Arbeitsmarktregion verbunden. Auch Arbeitslosigkeit und Leiharbeit hängen zusammen: Je höher die Arbeitslosenquote, desto größer wird im Durchschnitt auch die Bedeutung der Leiharbeit sein.

 

Anmerkung: Angaben zum Arbeitsort von Leiharbeitern sind wenig aussagekräftig, da es sich beim Arbeitsort um den Sitz des Verleih- und nicht den Sitz des Entleihbetriebes – also den tatsächlichen Arbeitsort handelt. Aus diesem Grund wird hier auf den Wohnort der Leiharbeiter (Kreis) abgestellt. Die Kreisdaten sind in der Abbildung zu 257 Arbeitsmarktregionen zusammengefasst. Arbeitsmarktregionen sind eine vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung auf der Basis von Pendlerströmen geschaffene Raumabgrenzung. Soweit die Leiharbeiter in der Arbeitsmarktregion ihres Wohnsitzes eingesetzt werden – was wegen der zugrunde liegenden Raumabgrenzung sehr wahrscheinlich ist -- entspricht die Arbeitsmarktregion dem tatsächlichen Arbeitsort der Leiharbeiter.

 

Detaillierte Daten und Analysen:

Download WSI Policy Brief 35, 01/2020 (pdf)
Download Daten (xls)

Literatur

Absenger, N./Priebe, A./Baumann, H./Amlinger, M./Brehmer, W./Schulze Buschoff, K./Seikel, D./Schulten, T./Kleinknecht, A. (2016): Leiharbeit und Werkverträge. Die aktuellen Reformvorhaben der Bundesregierung, Düsseldorf

Bundesagentur für Arbeit (2019c): Leiharbeitnehmer und Verleihbetriebe, Nürnberg

Jahn, E. (2016): Zeitarbeit kann Perspektiven eröffnen. Brückeneffekte für Ausländer am Arbeitsmarkt, Nürnberg

Keller, B./Seifert, H. (2013): Atypische Beschäftigung zwischen Prekariat und Normalität. Entwicklung, Strukturen und Bestimmungsgründe im Überblick, Berlin

Zugehörige Themen

Newsletter mit Ihren Themen

Bleiben Sie informiert: Neueste Forschungsergebnisse und Infos zu den Themen Mitbestimmung, Arbeit, Soziales, Wirtschaft. Unsere Newsletter können Sie jederzeit abbestellen.

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Der Beitrag wurde zu Ihrerm Merkzettel hinzugefügt.

Merkzettel öffnen