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Arbeitsmarkt im Wandel: Befristete Beschäftigung im regionalen Vergleich

Befristete Beschäftigungen sind atypische Arbeitsverhältnisse, die - gerade aus der Perspektive der zumeist jungen Betroffenen - eine erhebliche ökonomische und soziale Belastung darstellen: Studien zeigen, dass Befristete im Vergleich zu unbefristet Beschäftigten über ein niedrigeres Einkommen verfügen und ein größeres Armutsrisiko aufweisen (Seils 2016). Darüber hinaus erschweren befristete Beschäftigungsverhältnisse die Familiengründung (Auer/Danzer/Fichtl 2015) und die soziale Teilhabe (Gundert/Hohendanner 2011). Die Regierungskoalition hat sich daher in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, insbesondere die sachgrundlos befristete Beschäftigung einzudämmen (CDU/CSU/SPD 2018). Vor diesem Hintergrund geht der WSI Policy Brief 36 auf der Basis aktueller amtlicher Daten den folgenden Fragen nach: Wie verbreitet ist die befristete Beschäftigung im Bund und in den Ländern? Wie haben sich die unterschiedlichen Varianten befristeter Beschäftigungsverhältnisse entwickelt? Wie lassen sich Unterschiede in der regionalen Verbreitung erklären?

 

Den Daten des IAB-Betriebspanels zufolge lag die Zahl der befristeten Beschäftigungsverhältnisse im Jahr 2018  bei 3,2 Mio. Das entspricht 8,3 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse. Damit hat die absolute Zahl einen neuen Höchststand seit Beginn der Erhebung 1996 erreicht (Hohendanner 2019b).

 

Wie die interaktive Karte und auch die Daten im Appendix des WSI Policy Briefs 36 zeigen, ist die allgemeine Zunahme der befristeten Beschäftigung heute mit einer ungleichmäßigen regionalen Verbreitung verbunden. Dies gilt sowohl für die befristete Beschäftigung insgesamt als auch für die Variante der sachgrundlosen Befristung (in der Karte können beide Werte für alle Bundesländer abgerufen werden).

Gegenwärtig sind Berlin (12,9 Prozent) und Bremen (10,4 Prozent) die Bundesländer mit den höchsten Anteilen befristeter Beschäftigungsverhältnisse. In den beiden Stadtstaaten sind das auch die höchsten Werte seit Beginn der Zeitreihe im Jahre 1998.

Die niedrigsten Werte finden sich nach den Zahlen des IAB-Betriebspanels in den Bundesländern wie Hessen (7,2 Prozent), Bayern (6,9 Prozent), Schleswig-Holstein und Thüringen (jeweils 6,8 Prozent) und Sachsen, wo nur 6,7 Prozent aller betrieblichen Beschäftigungsverhältnisse befristet sind.

Quantitativ zeigt sich ein recht deutlicher regionaler Zusammenhang zwischen dem Anteil der großbetrieblichen Beschäftigung und der sachgrundlosen Befristung (mehr dazu hier) .

 

Detaillierte Daten und Analysen:

Download WSI Policy Brief 36, 03/2020 (pdf)
Download Daten (xlsx)
Download Karte (png, Print-Auflösung)

Literatur

Auer, W./Danzer, N./Fichtl, A. (2015): Ökonomische Unsicherheit: Befristete Verträge erschweren Familiengründung, in: ifo Schnelldienst 68 (18), S. 35-41

CDU/CSU/SPD (2018): Ein neuer Aufbruch für Europa Eine neue Dynamik für Deutschland. Ein neuer Zusammenhalt für unser Land. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, Berlin, https://www.cdu.de/system/tdf/media/dokumente/koalitionsvertrag_2018.pdf?file=1

Gundert, S./Hohendanner, C. (2011): Soziale Teilhabe ist eine Frage von stabilen Jobs, Nürnberg

Hohendanner, C. (2019b): Immer mehr befristet Beschäftigte werden übernommen, Nürnberg

Seils, E. (2016): Jugend und befristete Beschäftigung. Eine Auswertung auf der Basis aktueller Daten des Mikrozensus. WSI Policy Brief 8, 12/2016, Düsseldorf

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