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Arbeitsmarkt im Wandel: Folgen von Corona: Anstieg der Arbeitslosigkeit

Trotz des enormen Einsatzes der Kurzarbeit ist im Zuge der Corona-Krise auch die Arbeitslosigkeit (Bundesagentur für Arbeit 2020c) in der Bundesrepublik zwischen März und Mai 2020 um knapp 478.000 Personen oder 20,5 Prozent angestiegen. Allerdings spiegelt dies nicht den gesamten durch die Corona-Krise bedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit wider, da es im Frühjahr normalerweise zu einem saisonalen Rückgang der Arbeitslosigkeit kommt, der Corona-bedingte Anstieg folglich unterschätzt würde. Um diesem Umstand gerecht zu werden hat die Bundesagentur (2020f, S.12f.) ein einfaches Verfahren vorgeschlagen, bei dem angenommen wird, dass die Entwicklung im Vorjahr den Normalfall abbildet.

Nach dieser Methode ergibt sich, dass die Arbeitslosenquote Corona-bedingt um rund 1,3 Prozentpunkte gestiegen ist (Bundesagentur für Arbeit 2020d, S.15). Dies erscheint angesichts des gewaltigen wirtschaftlichen Einbruchs und des enormen Einsatzes der Kurzarbeit durchaus moderat.

Die größten Anstiege der Corona-Quote haben die Tourismusregionen und die Hauptstadt zu verkraften. Im Einzelnen handelt es sich um die Landkreise Vorpommern-Rügen (3,2 Prozentpunkte), Wittmund (2,6 Prozentpunkte), Berlin (2,5 Prozentpunkte), Garmisch-Partenkirchen (2,4 Prozentpunkte) und das Berchtesgadener Land (2,3 Prozentpunkte). Im Vogelsbergkreis (0,3 Prozentpunkte), Tirschenreuth (0,4 Prozentpunkte) sowie Erlangen-Höchstadt, Neumarkt in der Oberpfalz und Neustadt an der Waldnaab (alle 0,5 Prozentpunkte) fällt Zunahme hingegen gering aus.

Die Karte zeigt, dass es oft strukturschwache Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit sind, die einen hohen Corona-bedingten Anstieg der Arbeitslosenquote aufweisen, während die boomenden Regionen im Süden weitgehend verschont bleiben. Eine mögliche Erklärung liegt in den bundesweiten Kontaktverboten zur Eindämmung der Pandemie, die den Einsatz der aktiven Arbeitsmarktpolitik erschwerten und so einen Anstieg der registrierten Arbeitslosigkeit auslösten.

Zweitens legt ein Blick auf die Karte nahe, dass das Gastgewerbe (Bundesagentur für Arbeit 2020d, S.16) für die Erklärung regionaler Unterschiede von Bedeutung sein dürfte. In der Tat stammt ein großer Teil derjenigen, die aus einer Beschäftigung heraus arbeitslos geworden sind, aus dem Gastgewerbe (Weber/Gehrke 2020, S.7f.). Schließlich ist die Rolle der Leiharbeit zu beachten. Wie in jeder Rezession, werden die Leiharbeiter zu den ersten gehören, die ihre Anstellung verlieren. Kreise, in denen viele Leiharbeiter wohnen, sollten daher einen stärkeren Anstieg Corona-bedingter Arbeitslosigkeit zu verzeichnen haben.

Die im WSI Policy Brief 43 dokumentierten Ergebnisse einer linearen Regressionsanalyse zeigen, das die oben formulierten Vermutungen weitgehend zutreffen. Besonders deutlich zeigt sich die Auswirkung der Corona-bedingten Entwicklung der entlastenden Arbeitsmarktpolitik auf die Corona-Quote.

Detaillierte Daten und Analysen

Download WSI Policy Brief 43, 06/2020 (pdf)
Download Daten (xlsx)
Download Karte (png, Print-Auflösung)

Literatur

Bundesagentur für Arbeit (2020c): Arbeitslose und Arbeitslosenquoten - Zeitreihe (Monatszahlen). Deutschland - April 2020, Nürnberg
Bundesagentur für Arbeit (2020d): Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt, Nürnberg
Bundesagentur für Arbeit (2020f): Der Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Deutschland. Mai 2020, Nürnberg
Weber, E./Gehrke, B. (2020): Kurzarbeit, Entlassungen, Neueinstellungen: Wie sich die Corona-Krise von der Finanzkrise 2009 unterscheidet, Nürnberg

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