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Arbeitsmarkt im Wandel: Betriebsräte zur Entwicklung des Arbeitsumfelds in der Arbeitswelt 4.0

Für einzelne Branchen, vor allem für den Finanz- und Versicherungssektor, fällt die Bewertung deutlich negativ aus: Hier sieht jeder dritte Betriebsrat negative Konsequenzen für die Beschäftigten. Die Rationalisierung von Arbeitsplätzen und fortschreitende Standardisierung von Arbeitsprozessen führt zu mehr Arbeitsintensivierung und birgt die Gefahr, dass die die Beschäftigten über digitale Technologien stärker kontrolliert und beobachtet werden zu können.

Die Befunde der WSI-Betriebsrätebefragungen zeigen, dass weite Teile der digitalen Arbeitswelt bisher nicht oder kaum reguliert sind und den Beschäftigten daher wenig Schutz vor Überwachung, Leistungskontrolle und Datenmissbrauch bieten. Dazu gehören auch der Umgang mit dienstlichen Smartphones, Tablets (digitale Endgeräte) sowie generell die Nutzung von Social Media.

Die Ergebnisse belegen auch, dass sich die Arbeitsbedingungen in den letzten fünf Jahren vor allem in Richtung steigender Arbeitsintensität verändert haben (78 %). Die Arbeitszufriedenheit ist dagegen - nach Ansicht jedes zweiten Betriebsrats (56 %) - gesunken. Arbeitsintensivierung trifft besonders den Dienstleistungsbereich (Finanz- und Versicherungsdienstleistungen 87 %, Erziehung/Gesundheit/Schule 84 %, Handel 80 %).

Unter Arbeitsintensivierung wird eine Zunahme der im Beschäftigungsverhältnis geleisteten Anstrengung über die Zeit verstanden (Green/McIntosh 2001): entweder als Verlängerung der Arbeitszeiten (Verlängerung der täglichen Arbeitszeit und/oder das Arbeiten an freien Tagen, Verkürzung täglicher Ruhezeiten, Wegfallen von Pausen, s. Beermann et al. 2017) oder als erhöhter Arbeitseinsatz innerhalb vorgegebener Zeiteinheiten (Zunahme der Arbeitsgeschwindigkeit und/oder die subjektive Wahrnehmung von Zeitdruck).

Arbeitsintensivierung geht nachgewiesen einher mit Gefährdungen für die Gesundheit und Beschäftigungsfähigkeit (u. a. Korunka/Kubicek 2017): z.B. schlechtere Schlafqualität und eingeschränkte Regenerationsfähigkeit (Rau 2012). Je höher die gefühlte Arbeitsbelastung durch lange Arbeitszeiten und hohen Arbeitsdruck, desto eher haben Beschäftigte den Eindruck, die Tätigkeit nicht bis zum Rentenalter ausüben zu können (DGB Index Gute Arbeit 2015). Diese negativen gesundheitlichen und sozialen Konsequenzen zu begrenzen, sollte als zentrale Herausforderung für Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften angesehen werden.

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