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Arbeitsmarkt im Wandel: Betriebsräte und die wichtigsten betrieblichen Probleme

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Arbeitnehmer können sich nach § 84 Abs. 1 bei den zuständigen Stellen im Betrieb beschweren, wenn sie sich „vom Arbeitgeber oder von Arbeitnehmern des Betriebs benachteiligt oder ungerecht behandelt oder in sonstiger Weise beeinträchtigt“ fühlen. Dazu können sie sich zwecks Unterstützung oder Vermittlung an den Betriebsrat wenden. Der Betriebsrat wiederum muss die Interessen aller Arbeitnehmer im Betrieb vertreten. Die Abbildung zeigt, mit welchen Problemen sich Arbeitnehmer besonders häufig an den Betriebsrat gewandt haben.

Laut § 75 BetrVG muss jegliche „Benachteiligung von Personen aus Gründen ihrer Rasse oder wegen ihrer ethnischen Herkunft, ihrer Abstammung oder sonstigen Herkunft, ihrer Nationalität, ihrer Religion oder Weltanschauung“ unterbleiben. Dabei ist zwar zu beachten, dass Probleme, die sich vage mit dem Themenfeld „Migration“ umschreiben lassen, (noch) relativ selten auftreten. Dennoch sollte nicht vernachlässigt werden, dass immerhin 8 Prozent aller Betriebsräte angaben, dass sich Beschäftigte in den letzten zwei Jahren mit dem Thema „Fremdenfeindlichkeit“ an sie gewandt haben.

Im „Mittelfeld“ der beschriebenen Probleme befinden sich zunächst sehr aktuelle Themen wie der Datenschutz, der besonders angesichts der zunehmenden Digitalisierung im Betrieb besonders virulent wird und zu dem auch viele Betriebsvereinbarungen bestehen, aber auch das Thema „Entfristungen“, das sicherlich im Zusammenhang mit dem Phänomen der sachgrundlosen Befristungen gesehen werden muss. Hinzu kommen hier Themen, die sich seit Längerem als „Dauerbrenner“ der Betriebsratsarbeit präsentieren – wie der Arbeits- und Gesundheitsschutz.

An den beiden Top-Problemen, mit denen sich Beschäftigte an den Betriebsrat wenden, zeigt sich jedoch, dass der Betriebsrat immer auch vor allem ein Vermittler bei Konflikten zwischen Personen ist. Dies gilt einerseits für Konflikte zwischen direkten Kollegen (75 Prozent). Dies gilt aber in noch deutlicherem Ausmaß für Probleme, die mit Vorgesetzten auftreten: Dies zeigt, dass bei aller Diversifizierung von Betriebsratstätigkeit der „klassische“ Konflikt zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber nach wie vor ein bestimmendes Thema im Alltag der Arbeitnehmervertreter ist. Dabei sollte das Wort „Konflikt“ nicht allzu negativ verstanden werden: Gegensätzliche Interessen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber liegen, in gewissem Rahmen, in der Natur der Sache und so ist es nur folgerichtig, dass Betriebsräte sich dieser Auseinandersetzungen annehmen; gerade für Arbeitgeber ist es sinnvoll, in der betrieblichen Interessenvertretung einen Mediator vorzufinden, der im besten Fall im Konfliktmanagement geschult ist und ggfs. Missverständnisse ausräumen kann. Umso ratsamer sollte es für Arbeitgeber sein, Gründungen von Betriebsräten offen gegenüberzustehen.


Literatur

DGB Abteilung Arbeitsmarktpolitik (2017): Sachgrundlose Befristungen – ein Massenphänomen. Arbeitsmarkt aktuell 03/2017, Berlin.

Ahlers, Elke (2016): Arbeit und Gesundheit im betrieblichen Kontext. Befunde aus der Betriebsrätebefragung des WSI 2015 (pdf). WSI Report 33, Düsseldorf.

Baumann, Helge; Maschke, Manuela; Mierich, Sandra (2018): Betriebsvereinbarungen 2017. Verbreitung und Trendthemen (pdf). WSI-Policy Brief 25, Düsseldorf.

Baumann, Helge (2015): Die WSI-Betriebsrätebefragung 2015, in: WSI Mitteilungen 8/2015, S. 630-638.

Anmerkungen zur Grafik: N=2.391. Mehrfachantworten waren möglich. Alle Angaben beziehen sich auf Betriebe mit Betriebsrat und mindestens 20 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Es handelt sich um gewichtete Angaben, so dass die Ergebnisse repräsentativ für alle Branchen und Betriebsgrößenklassen in Deutschland sind.

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