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WSI GenderDatenPortal: Erwerbsarbeit: Selbstständige Frauen und Männer, mit und ohne Beschäftigte, 1991-2017

Frauen sind in Deutschland im Jahr 2017 seltener selbstständig als Männer. Dies gilt sowohl für Frauen als Solo-Selbstständige als auch für selbständig tätige Frauen mit Beschäftigten.

Die Anzahl der Selbstständigen in Deutschland hat sich innerhalb des Beobachtungszeitraums 1991 bis 2017 von 2,9 Millionen (1991) auf 3,7 Millionen erhöht (2017) (vgl. Grafik 1). Dies entspricht einer Zunahme von etwa einem Viertel. Dieser Anstieg fällt unter Frauen und Männer jedoch unterschiedlich stark aus: Bei den Frauen hat sich die Anzahl der Selbstständigen im Beobachtungszeitraum fast verdoppelt (von 743.000 auf 1,25 Millionen), während bei den Männern – allerdings auf deutlich höherem Ausgangsniveau – lediglich ein Anstieg von etwa einem Achtel zu verzeichnen ist (von 2,16 auf 2,43 Millionen) (vgl. Tabelle).

Dabei muss strukturell unterschieden werden zwischen einer Selbständigkeit ohne weitere Beschäftigte (sog. Solo-Selbständigkeit) und einer Selbständigkeit mit Beschäftigten. Die starke Zunahme der Selbstständigkeit insgesamt in den Jahren 1991 bis 2017 ist vor allem auf den Anstieg der Solo-Selbstständigkeit zurückzuführen (vgl. Grafik 1). Sowohl bei Frauen als auch bei Männern verdoppelt sich die Anzahl der Solo-Selbstständigen bis Mitte der 2000er Jahre. Danach flacht der Zuwachs jedoch ab, bei den Männern kommt es sogar zu einem leichten Rückgang der Solo-Selbständigkeit.

  • Über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg sind Frauen stets häufiger solo-selbstständig als selbstständig mit Beschäftigten. Männer hingegen waren bis 2003 vor allem als Selbständige mit Beschäftigten tätig, bis 2013 waren sie überwiegend als Solo-Selbständige tätig und seitdem sind beide Formen bei ihnen etwa gleich stark vertreten.
  • Die Anzahl der Selbstständigen mit Beschäftigten stieg innerhalb des Beobachtungszeitraums für Frauen um gut ein Viertel an (von 336.000 auf 429.000) – für Männer war sie dagegen insgesamt leicht rückläufig.

Was sind die Hintergründe für den starken Zuwachs an Solo-Selbstständigkeit bei Frauen und Männern innerhalb des Beobachtungszeitraums? Dies hängt zum einen damit zusammen, dass sich in einer Phase konjunkturellen Abschwungs vermehrt Arbeitskräfte selbstständig gemacht haben, mangels besserer Erwerbsalternativen. (1) Zum anderen wurde im Zuge der Hartz-Reformen die Förderung von Arbeitslosen im Falle einer Existenzgründung erheblich ausgeweitet. (2) Zusätzlich wurde die Handwerksordnung geändert, sodass neue Betriebe nun auch von Personen ohne Meisterbrief gegründet werden konnten. (3) Die Ausweitung der Solo-Selbstständigkeit steht darüber hinaus auch mit dem Strukturwandel hin zu einer wissensbasierten Dienstleistungsgesellschaft in Zusammenhang. Gerade infolge der Entwicklung moderner Kommunikationstechnologien können auch Solo-Selbständige inzwischen vielfältige Dienstleistungen anbieten. (4)

Zwischen 1991 und 2017 ist der Frauenanteil an allen Selbstständigen insgesamt um rund 10 Prozentpunkte angestiegen, er liegt im Jahr 2017 bei rund einem Drittel (vgl. Grafik 2). Insbesondere Solo-Selbstständigkeit gewinnt für Frauen zunehmend an Bedeutung. Auch hier stieg der Anteil der Frauen im Beobachtungszeitraum um rund 10 Prozentpunkte: von 31 Prozent im Jahr 1991 auf 41 Prozent im Jahr 2017. Der Frauenanteil unter den Selbstständigen mit Beschäftigten stieg im Vergleich dazu langsamer an – und zudem von einem niedrigeren Ausgangsniveau aus (1991: 21 Prozent, 2017: 26 Prozent).

Selbstständigkeit muss für Frauen und Männer allerdings unterschiedlich bewertet werden. Denn aus der Gleichstellungsperspektive fallen bedeutende Ungleichheiten zwischen selbstständigen Frauen und Männern auf:

  • Die Einkommen selbstständiger Frauen liegen durchschnittlich etwa 44 Prozent unter den Einkommen selbstständiger Männer.(5) Insbesondere bei Solo-Selbstständigkeit sind Frauen häufiger als Männer dem Niedrigeinkommenssektor zuzuordnen.(6)
  • Knapp die Hälfte der solo-selbstständigen Frauen übt die Selbstständigkeit im Zu- oder Nebenerwerb aus, während dies nur für ein Fünftel der solo-selbstständigen Männer gilt.(7)
  • Gut die Hälfte der Frauen, die im Zuerwerb selbstständig tätig sind, hat Kinder. Unter selbstständig tätigen Männern im Zuerwerb gilt dies jedoch nur für ein Viertel.(8)
  • Frauen machen sich vermehrt im Dienstleistungsbereich, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Bildungssektor selbstständig, Männer hingegen häufiger im Baugewerbe, in Informations- und Kommunikationsbereichen oder in den Bereichen Verkehr und Lagerei.(9)
  • Bei den Bildungsabschlüssen hingegen zeigt sich, dass selbstständige Frauen häufiger über höhere Bildungsabschlüsse (vor allem akademische Abschlüsse) verfügen als selbstständige Männer. (10)

Problematisch ist grundsätzlich, dass ausschließlich selbstständig tätige Frauen und Männer nicht verpflichtend in die gesetzliche Altersvorsorge eingebunden sind.(11) Für Frauen ergeben sich aus den genannten strukturellen Unterschieden besondere Einkommensunsicherheiten. Hinzu kommen gesetzliche und sozialversicherungsrechtliche Nachteile für selbständig tätige Frauen rund um die Schwangerschaft (Mutterschutzgesetz, Mutterschutzleistungen).(12)

Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den Pdf-Dateien enthalten, die zum Download bereit stehen.“.

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Lena Mann

Literatur

Biermann, Ingrid (2017): Mutterschutz für selbstständige Frauen. Soziale Sicherung: Gleichstellung von (Solo-)Selbstständigen mit abhängig Beschäftigten. In: Gather, Claudia / Schürmann, Lena / Trenkmann, Jeannette (Hg.): (Solo)-Selbstständigkeit als gleichstellungspolitische Herausforderung. Expertise im Rahmen des Zweiten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung, https://www.gleichstellungsbericht.de/de/article/51.expertisen.html, letzter Zugriff: 19.06.2019.

Bliemeister, Patricia (2017): Zum Stand beruflicher Selbstständigkeit aus Gleichstellungsperspektive. In: Gather, Claudia / Schürmann, Lena / Trenkmann, Jeannette (Hg.): (Solo)-Selbstständigkeit als gleichstellungspolitische Herausforderung. Expertise im Rahmen des Zweiten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung, https://www.gleichstellungsbericht.de/de/article/51.expertisen.html, letzter Zugriff: 19.06.2019.

Brenke, Karl (2015): Selbstständige Beschäftigung geht zurück. In: DIW-Wochenbericht 36/2015, https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.513229.de/15-36-3.pdf, letzter Zugriff: 13.06.2019.

Brenke, Karl (2013): Allein tätige Selbstständige: starkes Beschäftigungswachstum, oft nur geringe Einkommen. In: DIW Wochenbericht 07/2013, https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.415656.de/13-7-1.pdf, letzter Zugriff: 19.06.2019.

Bundesweite Gründerinnenagentur (2015): Gründerinnen und Unternehmerinnen in Deutschland – Daten und Fakten IV, https://www.existenzgruenderinnen.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/39-Gruenderinnen-Unternehmerinnen-Deutschland-Daten-Fakten-IV.pdf%3F__blob%3DpublicationFile, letzter Zugriff: 19.06.2019.

Europäische Kommission (2016): EU Labor Force Survey. Explanatory notes (to be applied from 2016Q1 onwards). Luxemburg, https://ec.europa.eu/eurostat/documents/1978984/6037342/EU-LFS-explanatory-notes-from-2016-onwards.pdf/0fd0fa60-b533-4a94-8766-fe3d78bcccad, letzter Zugriff: 27.05.2019.

Eurostat (o. D.): Arbeitskräfteerhebung der Europäischen Union (AKE): Beschreibung des Datenbestandes, https://ec.europa.eu/eurostat/web/microdata/european-union-labour-force-survey, letzter Zugriff: 27.05.2019.

Fachinger, Uwe (2017): Alterssicherung. Soziale Sicherung: Gleichstellung von (Solo-)Selbstständigen mit abhängig Beschäftigten. In: Gather, Claudia / Schürmann, Lena / Trenkmann, Jeannette (Hg.): (Solo)-Selbstständigkeit als gleichstellungspolitische Herausforderung. Expertise im Rahmen des Zweiten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung, https://www.gleichstellungsbericht.de/de/article/51.expertisen.html, letzter Zugriff: 19.06.2019.

Fritsch, Michael / Kritikos, Alexander / Pijnenburg, Katharina (2013): Unternehmungsgründungen nehmen zu, wenn die Konjunktur abflaut. In: DIW-Wochenbericht 12/2013, https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.417653.de/13-12.pdf, letzter Zugriff: 13.06.2019.

Gerner, Hans-Dieter / Wießner, Frank (2012): Solo-Selbstständige: Die Förderung bewährt sich, der soziale Schutz nicht immer. In: IAB-Kurzbericht, 23/2012, http://doku.iab.de/kurzber/2012/kb2312.pdf, letzter Zugriff: 13.06.2019.

Koch, Andreas / Rosemann, Martin / Späth, Jochen (2011): Soloselbstständige in Deutschland. Strukturen, Entwicklungen und soziale Sicherung bei Arbeitslosigkeit. Studie im Auftrag der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung, WISO-Diskurs, http://library.fes.de/pdf-files/wiso/07831-20110309.pdf, letzter Zugriff 13.06.2019.

Statistisches Bundesamt (2018): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2017, Fachserie 1 Reihe 4.1, https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Publikationen/Downloads-Erwerbstaetigkeit/erwerbsbeteiligung-bevoelkung-2010410177004.pdf?__blob=publicationFile&v=4, letzter Zugriff: 27.05.2019.

Statistisches Bundesamt (2012): Methodeninformation. Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung: Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit ab dem Jahr 2011, https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00031125/MethodenArbeitskraefterhebung.pdf,letzter Zugriff: 27.05.2019.

 


(1) Vgl. Fritsch, Michael / Kritikos, Alexander / Pijnenburg, Katharina (2013): Unternehmungsgründungen nehmen zu, wenn die Konjunktur abflaut. In: DIW-Wochenbericht 12/2013, S. 7.

(2) Vgl. Brenke, Karl (2015): Selbstständige Beschäftigung geht zurück. In: DIW-Wochenbericht 36/2015, S. 791.

(3) Vgl. Koch, Andreas / Rosemann, Martin / Späth, Jochen (2011): Soloselbstständige in Deutschland. Strukturen, Entwicklungen und soziale Sicherung bei Arbeitslosigkeit. Studie im Auftrag der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung, WISO-Diskurs, S. 17.

(4) Vgl. Gerner, Hans-Dieter / Wießner, Frank (2012): Solo-Selbstständige: Die Förderung bewährt sich, der soziale Schutz nicht immer. In: IAB-Kurzbericht, 23/2012, S. 2.

(5) Vgl. Bliemeister, Patricia (2017): Zum Stand beruflicher Selbstständigkeit aus Gleichstellungsperspektive. In: Gather, Claudia / Schürmann, Lena / Trenkmann, Jeannette (Hg.): (Solo)-Selbstständigkeit als gleichstellungspolitische Herausforderung. Expertise im Rahmen des Zweiten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung, S. 20.

(6) Vgl. Brenke, Karl (2013): Allein tätige Selbstständige: starkes Beschäftigungswachstum, oft nur geringe Einkommen. In: DIW Wochenbericht 07/2013, S. 13.

(7) Vgl. Bliemeister, Patricia (2017): Zum Stand beruflicher Selbstständigkeit aus Gleichstellungsperspektive. In: Gather, Claudia / Schürmann, Lena / Trenkmann, Jeannette (Hg.): (Solo)-Selbstständigkeit als gleichstellungspolitische Herausforderung. Expertise im Rahmen des Zweiten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung, S. 15.

(8) Vgl. a. a. O., S. 19.

(9) Vgl. Bundesweite Gründerinnenagentur (2015): Gründerinnen und Unternehmerinnen in Deutschland – Daten und Fakten IV, S. 19 f.

(10) Vgl. a. a. O., S. 28.

(11) Vgl. Fachinger, Uwe (2017): Alterssicherung. Soziale Sicherung: Gleichstellung von (Solo-)Selbstständigen mit abhängig Beschäftigten. In: Gather, Claudia / Schürmann, Lena / Trenkmann, Jeannette (Hg.): (Solo)-Selbstständigkeit als gleichstellungspolitische Herausforderung. Expertise im Rahmen des Zweiten Gleichstellungsberichts der Bundesregie- rung, S. 70.

(12) Vgl. Biermann, Ingrid (2017): Mutterschutz für selbstständige Frauen. Soziale Sicherung: Gleichstellung von (Solo-) Selbstständigen mit abhängig Beschäftigten. In: Gather, Claudia / Schürmann, Lena / Trenkmann, Jeannette (Hg.): (Solo)-Selbstständigkeit als gleichstellungspolitische Herausforderung. Expertise im Rahmen des Zweiten Gleichstel- lungsberichts der Bundesregierung, S. 88.

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