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WSI GenderDatenPortal: Sorgearbeit: Abhängig beschäftigte Frauen und Männer mit Pflegeverantwortung 2017

Jede/r elfte abhängig Beschäftige in Deutschland ist im Jahr 2017 zusätzlich zur eigenen Erwerbstätigkeit mit privaten Pflegeaufgaben betraut. Frauen übernehmen dabei etwas häufiger als ihre männlichen Kollegen Pflegeverantwortung. So pflegt jede zehnte Arbeitnehmerin (10 Prozent), aber nur etwa jeder dreizehnte männliche Arbeitnehmer (8 Prozent).

Die Differenzierung nach Altersgruppen zeigt deutlich, dass Pflegeverantwortung unter den abhängig Beschäftigten mit zunehmendem Alter stark ansteigt:

  • Im Alter von 60 und mehr Jahren, also in der Phase der letzten Erwerbsjahre sind mehr als jede sechste Frau bzw. jeder sechste Mann an der Pflege einer anderen Person beteiligt.
  • Demgegenüber fällt der Anteil der pflegenden Arbeitnehmer/innen im mittleren Alter, d. h. bei den 30- bis unter 40-jährigen Frauen und Männern, mit 4 Prozent eher gering aus.
  • Unter den 40- bis 60-jährigen Beschäftigten, also im etwas höheren Lebensalter, steigt der Anteil der Pflegenden dann jedoch deutlich an. 

Die Zunahme der Pflegeverantwortung über den Lebensverlauf fällt bei Frauen deutlicher aus, d. h. Frauen pflegen im mittleren Erwerbsalter bereits deutlich häufiger als ihre männlichen Kollegen. Dieser Befund deckt sich mit den Ergebnissen anderer Studien, denen zufolge Frauen früher Pflegeverantwortung übernehmen, weil sie – häufiger als Männer – ihre eigenen Eltern und ihre Schwiegereltern pflegen.(1) Trotz der bestehenden geschlechterbezogenen Unterschiede bleibt hier festzuhalten, dass auch männliche Arbeitnehmer ab dem mittleren Alter in zunehmendem Maße in die Pflege von Angehörigen eingebunden sind.

Bei der wöchentlich für Pflege aufgewendeten Zeitdauer zeigen sich ebenfalls Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Beschäftigten. Jeweils etwa die Hälfte der abhängig beschäftigten Frauen und Männer mit Pflegeverantwortung wenden bis zu 10 Stunden pro Woche für die Pflege von Angehörigen auf – dabei pflegen aber die Männer häufiger mit einer geringen Zeitdauer von weniger als 5 Stunden pro Woche, während die Frauen häufiger zwischen 5 und 10 Stunden pflegen. Jeweils ein Drittel der Männer und Frauen wendet zwischen 10 und 25 Stunden pro Woche für die Pflege von Angehörigen auf. Eine wöchentliche Pflegezeit von mehr als 25 Stunden übernehmen jede sechste Frau und jeder zehnte Mann mit Pflegeverantwortung noch neben der eigenen Erwerbstätigkeit.

Als Ursache für den höheren durchschnittlichen Zeitaufwand der von Frauen übernommenen Pflege ist auf die höhere Teilzeitquote von Frauen zu verweisen. In diese Richtung deuten zumindest die Begründungen von befragten Teilzeitbeschäftigten: Unter den Beschäftigten (ohne minderjährige Kinder) begründet fast jede vierte Frau, aber nur jeder zwanzigste Mann die eigene Teilzeittätigkeit mit familiären Verpflichtungen (inklusive Pflege).(2) Pflegende Frauen, die in Teilzeit beschäftigt sind, pflegen mit 19 Stunden/Woche doppelt so lang wie vollzeitbeschäftigte Frauen (9 Stunden/Woche) bzw. rund 1,5- Mal so lang wie vollzeitbeschäftigte Männer (12 Stunden/Woche). 3 Teilzeit scheint damit unter Frauen eine weit verbreitete Lösung zu sein, um Pflege und Berufstätigkeit vereinbaren zu können.

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Esther Mader

 

Literatur
Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2018): Wochenarbeitszeiten und Erwerbstätigenquoten 1991–2016. In: WSI GenderDatenPortal. Institut des DGB-Index Gute Arbeit (2018): Berufstätige mit Pflegeverantwortung. Zur Vereinbarkeit von Arbeit und Pflege. In: DGB-Index Gute Arbeit Kompakt, Nr. 02/2018, http://index-gute-arbeit.dgb.de/++co++bf2674ba-0a6a-11e8-bcc4-52540088cada, letzter Zugriff 29.10.2018.

Institut DGB-Index Gute Arbeit (2017): DGB-Index Gute Arbeit. Der Report 2017 - Themenschwerpunkt: Arbeit, Familie, private Interessen – wodurch die Vereinbarkeit behindert wird und wie sie zu fördern ist, Berlin, http://index-gute-arbeit.dgb.de/++co++614dfaea-bee1-11e7-98bf-52540088cada, letzter Zugriff 29.10.2018.

Rothgang, Heinz / Rolf Müller / Runte Rebecca / Unger, Rainer (2017): BARMER Pflegereport 2017. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse, Band 5, Berlin, https://www.barmer.de/presse/infothek/studien-und-reports/pflegereport/pflegereport-2017-134762, letzter Zugriff 29.10.2018.

Rothgang, Heinz / Kalwitzki, Thomas / Müller, Rolf/Runte, Rebecca / Unger, Rainer (2015): BARMER GEK Pflegereport 2015. Schwerpunktthema: Pflegen zu Hause. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse, Band 36, Berlin, https://www.barmer.de/presse/infothek/studien-und-reports/pflegereport/report-2015-39004, letzter Zugriff 29.10.2018.

 


(1) Rothgang et al. (2017): BARMER Pflegereport 2017, Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse, Seite 146.

(2) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2018): Wochenarbeitszeiten und Erwerbstätigenquoten 1991–2016. In: WSI GenderDatenPortal. Auch der DGB-Index Gute Arbeit zeigt, dass vor allem Frauen „familiäre Verpflichtungen“ als Grund für die eigene Teilzeitarbeit angeben. Vgl. Institut DGB-Index Gute Arbeit (2017): DGB-Index Gute Arbeit. Der Report 2017 - Themenschwerpunkt: Arbeit, Familie, private Interessen – wodurch die Vereinbarkeit behindert wird und wie sie zu fördern ist, Seite 14

(3) Vgl. Institut DGB-Index Gute Arbeit (2017): DGB-Index Gute Arbeit. Der Report 2017 - Themenschwerpunkt: Arbeit, Familie, private Interessen – wodurch die Vereinbarkeit behindert wird und wie sie zu fördern ist, Seite 13.

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