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WSI GenderDatenPortal: Sorgearbeit: Elterngeldbezug in Deutschland 2008-2015

Die Daten der Elterngeldstatistik belegen, dass nahezu alle Frauen für ihre in den Jahren 2008 bis 2015 (1. Halbjahr) geborenen Kinder Elterngeld in Anspruch genommen haben.(1) Der Anteil der Elterngeld beziehenden Mütter liegt beständig bei mindestens 95 Prozent (Grafik 1). In den (seltenen) Fällen, in denen Mütter kein Elterngeld beziehen, kann dies entweder an einem zu hohen Einkommen liegen, sodass kein Anspruch auf Elterngeld besteht(2), oder daran, dass abhängig beschäftigte oder selbständig tätige Mütter ihre Erwerbstätigkeit nach dem Mutterschutz nicht unterbrechen bzw. reduzieren.

Demgegenüber nutzen Männer sehr viel seltener ihren Anspruch auf Elterngeld: Für die im (1. Halb-)Jahr 2015 geborenen Kinder hat nur jeder dritte Vater von seinem Anspruch auf Elterngeld Gebrauch gemacht. Allerdings ist der Anteil der Väter, die Elterngeld beziehen, innerhalb des Beobachtungszeitraums stark angestiegen: Für die 2008 geborenen Kinder bezog nur jeder fünfte Vater (21 Prozent) Elterngeld. Bis zum Jahr 2015 ist der Anteil auf mehr als ein Drittel (35 Prozent) angestiegen. Damit nutzen wesentlich mehr Väter das 2007 eingeführte Elterngeld als das bis 2006 existierende Erziehungsgeld, das zuletzt nur 3,5 Prozent der Väter in Anspruch genommen hatten (für im Jahr 2006 geborene Kinder).

Im regionalen Vergleich (Grafik 2) zeigt sich, dass Männer in Ostdeutschland seit 2008 das Elterngeld durchgängig zu einem etwas höheren Anteil nutzen als Männer in Westdeutschland. Für 2015 beträgt der Abstand zwischen Ostdeutschland (38,5 Prozent) und Westdeutschland (34,3 Prozent) immer noch
mehr als 4 Prozentpunkte.

Allerdings zeigen sich auch zwischen den einzelnen Bundesländern in Ost- wie auch Westdeutschland große Unterschiede (Grafik 3): Im Jahr 2015 liegen Sachsen, Bayern und Thüringen mit Anteilen von über 40 Prozent Elterngeld-beziehenden Männern an der Spitze aller Bundesländer, dicht gefolgt von Baden-Württemberg, Berlin und Hamburg. Am seltensten beziehen Väter Elterngeld im Saarland (23 Prozent), in Bremen (26 Prozent) und in Nordrhein- estfalen (28 Prozent). Eine ähnlich geringe Elterngeldnutzung durch Männer liegt auch in den ostdeutschen Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern (29 Prozent) und Sachsen-Anhalt (30 Prozent) vor.

Der Zeitvergleich von 2008 und 2015 lässt deutlich erkennen, dass die Elterngeldnutzung durch Männer in jedem einzelnen Bundesland stark zugenommen hat, an der Rangfolge der einzelnen Bundesländer hat sich dabei innerhalb der sieben Jahre aber nur wenig geändert, d.h. die meisten Bundesländer, die 2015 weit vorne lagen, lagen auch schon 2008 weit vorne. Der Vergleich nach Bundesländern zeigt, dass der Elterngeldbezug durch Männer nicht nur von einem Ost-West-Gefälle, sondern von einem noch stärker ausgeprägten Süd-Nord-Gefälle geprägt ist (mit Ausnahme der Stadtstaaten Berlin und Hamburg). Es sind vor allem die wirtschaftlich starken Bundesländer, in denen Männer häufiger ihren Anspruch auf Elterngeld nutzen. In dieser Richtung deuten auch die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien, die belegen, dass ökonomische Faktoren einen starken Einfluss auf die Elterngeldnutzung von Vätern haben. Väter gehen eher dann in Elternzeit, wenn ihre Partnerin eine starke Erwerbsneigung und ein hohes Einkommen hat. Eine stärkere Nutzung des Elterngeldes konnte zudem für Väter nachgewiesen werden, die selbst einen hohen Bildungsabschluss haben, unbefristet beschäftigt sind und in größeren Unternehmen arbeiten.(3)

Dabei ist zu beachten: Die Inanspruchnahme des Elterngeldes wird im Paarkontext entschieden. Die Analyse der Einflussfaktoren auf den Elterngeldbezug von Männern sollte darum unbedingt den Partnerschaftskontext berücksichtigen: Die Elterngeldnutzung von Männern hängt von den ökonomischen Ressourcen beider Partner ab, aber auch von der spezifischen Lebenssituation der Partnerin und von lokalen Opportunitätsstrukturen ab – insbesondere von den institutionellen Möglichkeiten der Kinderbetreuung und von der Arbeitsmarktlage.(4)

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Linda Hentschel

Literatur
Geyer, Johannes / Krause, Alexandra (2016): Veränderungen der Erwerbsanreize durch das Elterngeld Plus für Mütter und Väter. DIW Discussion Paper 1592, https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.538202.de/dp1592.pdf, letzter Zugriff: 25.10.2018.

Huebener, Mathias / Müller, Kai-Uwe / Neumann, Michael / Wrohlich, Katharina (2016): Zehn Jahre Elterngeld: Eine wichtige familienpolitische Maßnahme. In: DIW Wochenbericht 49, Seiten 1159-1166, https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.548384.de/16-49-1.pdf, letzter Zugriff: 25.10.2018.

Müller, Kai-Uwe / Neumann, Michael / Wrohlich, Katharina (2015): Familienarbeitszeit: mehr Arbeitszeit für Mütter, mehr Familienzeit für Väter. In: DIW Wochenbericht 46/2015: Familienarbeitszeit „reloaded“, Seiten 1095- 103, https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.518983.de/15-46-1.pdf, letzter Zugriff: 25.10.2018.

Pfahl, Svenja / Reuyß, Stefan / Hobler, Dietmar / Weeber, Sonja (2014): Nachhaltige Effekte der Elterngeldnutzung durch Väter: Gleichstellungspolitische Auswirkungen der Inanspruchnahme von Elterngeldmonaten durch erwerbstätige Väter auf betrieblicher und partnerschaftlicher Ebene. Projektbericht SowiTra. Berlin, https://www.sowitra.de/wp-content/uploads/2016/01/projektberichtelterngeldv%C3%A4ter_2014-12-04_END.pdf, letzter Zugriff: 25.10.2018.

Statistisches Bundesamt (2018): Bundesstatistik zum Elterngeld. Qualitätsbericht, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Qualitaetsberichte/Soziales/Elterngeld.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 25.10.2018.

Statistisches Bundesamt (2017): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im 2. Vierteljahr 2015 geborene Kinder. April 2015 bis September 2016, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2016a): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im 1. Vierteljahr 2015 geborene Kinder. Januar 2015 bis Juni 2016, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2016b): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2014 geborene Kinder. Januar 2014 bis März 2016, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2015): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2013 geborene Kinder. Januar 2013 bis März 2015, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2014): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2012 geborene Kinder. Januar 2012 bis März 2014, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2013): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2011 geborene Kinder. Januar 2011 bis März 2013, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2012): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2010 geborene Kinder. Januar 2010 bis März 2012, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2011a): Statistik zum Elterngeld – Gemeldete beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2009 geborene Kinder. Januar 2009 bis März 2011,Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2011b): Statistik zum Elterngeld – Gemeldete beendete Leistungsbezüge für Geburten 2008. Januar 2008 bis März 2010, Wiesbaden.

Trappe, Heike (2013): Väter mit Elterngeldbezug: Nichts als ökonomisches Kalkül? In: Zeitschrift für Soziologie, 42. Jahrgang, Heft 1/2013, Seiten 28 – 51.


(1) Da die Elterngeldstatistik jeweils für die in den einzelnen Jahren (bzw. Quartalen) geborenen Kinder erhoben wird, beziehen sich die Jahresangaben jeweils auf die Geburtsjahre der Kinder (siehe dazu: Methodische Anmerkungen).

(2) Ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 250.000 Euro (Alleinerziehende) bzw. 500.000 Euro (Paare) entfällt der Anspruch auf Elterngeld.

(3) Vgl. Huebener et al. (2016): Zehn Jahre Elterngeld: Eine wichtige familienpolitische Maßnahme. In: DIW Wochenbericht 49/2016, Seite 1163.

(4) Vgl. Trappe, Heike (2013) Väter mit Elterngeldbezug: Nichts als ökonomisches Kalkül? In: Zeitschrift für Soziologie, 42. Jahrgang, Heft 1/2013, Seite 45. Vgl. dazu auch: Pfahl, Svenja et al. (2014): Nachhaltige Effekte der Elterngeldnutzung durch Väter: Gleichstellungspolitische Auswirkungen der Inanspruchnahme von Elterngeldmonaten durch erwerbstätige Väter auf betrieblicher und partnerschaftlicher Ebene. Projektbericht SowiTra. Berlin.

(5) Gesetzliche Grundlage ist das am 5. Dezember 2006 erlassene Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit (Bundeselterngeld- und Elternzeit Gesetz – BEEG).

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