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WSI GenderDatenPortal: Zeit: Lage der Arbeitszeit von abhängig Beschäftigten 1996–2017

Frauen und Männer sind im Jahr 2017 unterschiedlich häufig von besonderen Arbeitszeitlagen betroffen. Im Einzelnen:

Im Vergleich zu Frauen leisten Männer etwa doppelt so häufig regelmäßige Abend- und Nachtarbeit: Im Jahr 2017 arbeitet fast jeder dritte abhängig beschäftigte Mann an mindestens der Hälfte der Arbeitstage (innerhalb der letzten 4 Wochen) abends zwischen 18 und 23 Uhr. Unter den abhängig beschäftigten Frauen trifft dies nur etwa auf ein Sechstel zu. Nachtarbeit zwischen 23 und 6 Uhr leisten im Jahr 2017 (an der Hälfte der Arbeitstage in den davorliegenden 4 Wochen) 7 Prozent der abhängig beschäftigten Männer, jedoch weniger als 4 Prozent der Frauen.

  • Arbeit an Samstagen ist unter abhängig beschäftigten Frauen in Deutschland stärker verbreitet als unter Männern: Im Jahr 2017 arbeitet mehr als jede vierte Frau aber nur knapp jeder fünfte Mann an mindestens der Hälfte der Samstage (in den vorhergehenden 4 Wochen). Deutlich seltener kommt es im Vergleich dazu zur Arbeit an Sonn- und Feiertagen. Jede achte Frau sowie knapp jeder achte Mann arbeitet 2017 an mindestens der Hälfte dieser durch das Arbeitszeitgesetz besonders geschützten Tage.
  • Wechselschicht wird in Deutschland häufiger von abhängig beschäftigten Männern als von abhängig beschäftigten Frauen geleistet: In Wechselschicht arbeiten im Jahr 2017 fast 16 Prozent der Männer, aber nur 12 Prozent der Frauen (an mindestens der Hälfte der Arbeitstage in den vorhergehenden 4 Wochen).

Innerhalb des Beobachtungszeitraums von 1996 bis 2017 fällt zunächst der deutliche Bruch der Ergebnisse zwischen den Jahren 2016 und 2017 auf. Diese starken Veränderungen sind methodisch bedingt, denn ab dem Jahr 2017 wurden in den betreffenden Fragen sowohl der abgefragte Zeitraum als auch die möglichen Antwortkategorien geändert (vgl. Glossar und Methodische Anmerkungen). Der Anteil der Abendarbeit unter Männern fällt dadurch 2017 deutlich höher aus als 2016, während der Anteil der abends arbeitenden Frauen sowie der nachts arbeitenden Frauen und Männern niedriger ausfällt als in den vorausgegangenen Jahren.

Für die Einschätzung der Veränderungstendenzen innerhalb des Beobachtungszeitraums werden daher nur die Ergebnisse der Jahre 1996 bis 2016 herangezogen:

  • Abend- und Nachtarbeit: Im Beobachtungszeitraum ist der Anteil der Männer, die regelmäßig abends arbeiten, um die Hälfte angestiegen. Bei den Frauen fiel dieser Anstieg mit fast zwei Drittel sogar noch deutlicher aus. Abendarbeit hat damit für beide Geschlechter stark an Bedeutung gewonnen. Im Vergleich dazu ist bei der Nachtarbeit eine deutlich langsamere, wenn auch stetige Zunahme zu verzeichnen. Zwischen 1996 und 2016 betrug der geschlechtsbezogene Abstand bei regelmäßiger Abendarbeit recht konstant 3 Prozentpunkte. Der geschlechtsbezogene Abstand bei regelmäßiger Nachtarbeit ist zwischen 1996 und 2016 sogar leicht angestiegen (von 5 auf 6 Prozentpunkte).
  • Samstags- sowie Sonn- und Feiertagsarbeit: Generell hat die regelmäßige Arbeit am Wochenende und an Feiertagen zwischen 1996 und 2016 zugenommen. Die Samstagsarbeit nahm insbesondere bis 2006 zu, blieb seither jedoch für Frauen wie Männer eher konstant. Seit 1996 hat sich der geschlechtsbezogene Abstand bei der Samstagsarbeit sogar etwas verkleinert (von 5 auf 3 Prozentpunkte). Die Sonn- und Feiertagsarbeit verzeichnet dagegen bis 2016 hinweg einen leichten Anstieg. 1 Der geschlechtsbezogene Unterschied in der Häufigkeit der von Frauen und Männern geleisteten Sonn- und Feiertagsarbeit fällt über den gesamten Beobachtungszeitraum sehr gering aus.
  • Wechselschicht: Das Arbeiten in Schichten hat im Beobachtungszeitraum für Frauen wie Männer leicht zugenommen, für Frauen sogar geringfügig stärker als für Männer (Frauen: Anstieg um 5 Prozentpunkte, Männer: Anstieg um 4 Prozentpunkte). 2 Der geschlechtsbezogene Abstand zwischen Frauen und Männern hat sich damit im Beobachtungszeitraum nur geringfügig verkleinert.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass alle hier genannten besonderen Arbeitszeitlagen ein besonderes gesundheitliches und / oder soziales Belastungspotential für die betroffenen Beschäftigen mit sich bringen.

  • Abend- und Nachtarbeit wirkt sich ungünstig auf das gesundheitliche Wohlbefinden der betroffenen Beschäftigten aus. 3 Langfristig kann Nachtarbeit – wegen des Schlafdefizits und der geringeren Erholsamkeit des Schlafs – sogar zu einem Burnout (chronische Erschöpfung) führen. Nachtarbeit gilt als eine mögliche Ursache von depressiven Stimmungslagen oder Angstzuständen und erhöht das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 4 Eine wichtige Rolle spielen auch Konflikte zwischen Beruf und Familie, die aus Schichtarbeit resultieren können. 5 Solche Konflikte belasten die Gesundheit der Betroffenen zusätzlich. Insgesamt bewerten Beschäftigte, die nachts arbeiten, ihre eigene Arbeitszufriedenheit und ihre Work- Life-Balance schlechter als andere Beschäftigte. 6 Eine gesundheits- und sozialverträgliche Gestaltung von Nacht- und Abendarbeit kann allerdings dazu beitragen, solche Risiken zu minimieren: So sollten nachts einfachere (an Stelle von komplexeren) Arbeitsaufgaben verrichtet werden, zusätzlich sollten den Beschäftigten genügend Möglichkeiten zur ergonomischen Pausengestaltung eingeräumt werden. Dabei sollten grundsätzlich nicht mehr als 2 bis 3 Nachtschichten in Folge geleistet werden, so dass insbesondere Dauernachtarbeit vermieden werden kann. Zudem gilt es, nach einem Nachtschichtblock ausreichend Zeit für Erholung zu gewähren. 7
  • Wochenendarbeit hat besonders ungünstige Effekte auf die Zufriedenheit von Erwerbstätigen. Die Arbeitszufriedenheit sinkt insbesondere dann, wenn sich die Arbeitszeit nicht nur auf den Samstag, sondern auch auf den Sonntag erstreckt. 8
  • Wechselschicht: Studien belegen, dass sich regelmäßige Schichtarbeit negativ auf das gesundheitliche Wohlbefinden auswirkt. 9 Unter den Beschäftigten, die schon seit zwei Jahrzehnten im Wechselschichtdienst arbeiten, leiden drei Viertel an Müdigkeit und Rückenschmerzen, zwei Drittel berichten von Schlafstörungen und körperlicher Erschöpfung.10 Auch der soziale Rhythmus der Beschäftigten wird durch Schichtarbeit beeinflusst: Aufeinanderfolgende Spätschichten oder zu wenig freie Wochenenden beeinträchtigen das Familien- und Sozialleben sowie die ehrenamtliche Betätigung.11 Die negativen Folgen von Schichtarbeit können durch positive arbeitsorganisatorische Maßnahmen abgemildert werden, Eckpunkte dafür sind: Günstiger sind kurz rotierende Schichtmodelle mit höchstens drei gleichen Schichten in Folge. Vorzuziehen ist die Vorwärtsrotation, d. h. von Früh-, zu Spät-, zu Nachtschicht. Dauernachtarbeit sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Zudem sollten die Arbeitszeiten innerhalb des Schichtmodells möglichst planbar und vorhersehbar sein und Gestaltungsspielräume für die Beschäftigten enthalten.12

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Lena Mann


Literatur

Arlinghaus, Anna / Lott, Yvonne (2018): Schichtarbeit gesund und sozialverträglich gestalten. Hans-Böckler-Stiftung, Forschungsförderung Report Nr. 3, Düsseldorf, https://www.boeckler.de/pdf/p_fofoe_report_003_2018.pdf, letzter Zugriff: 17.06.2019.

BAuA (2016): Arbeitszeitreport Deutschland 2016, Dortmund/Berlin/Dresden, https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/F2398.pdf;jsessionid=F08631FD89DA9F65BAA244A604021D7A.s2t1?__blob=publicationFile&v=6, letzter Zugriff: 17.06.2019.

Hans Böckler Stiftung (2017 a): Schichtarbeiter besser schützen. In: Böckler Impuls 15/2017, S. 2, https://www.boeckler.de/Impuls_2017_15_2.pdf, letzter Zugriff: 17.06.2019.

Hans Böckler Stiftung (2017 b): Schicht schlaucht: In: Böckler Impuls 09/2017, S. 6, https://www.boeckler.de/Impuls_2017_09_6a.pdf, letzter Zugriff: 17.06.2019.

Metzing, Maria / Richter, David (2015): Macht Wochenendarbeit unzufrieden? In: DIW Wochenbericht Nr. 50/2015, S. 1183 -1188, https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.522128.de/15-50-1.pdf, letzter Zugriff: 17.06.2019.

Pfahl, Svenja / Hobler, Dietmar / Weeber, Sonja (2015): Zufriedenheit mit Arbeitszeiten nach Arbeitszeitgruppen 2011/12. In: WSI GenderDatenPortal.

Spilker, Niels (2018): Schichtarbeit: Gegen den biologischen Rhythmus. In: DGB Beamtenmagazin 1/2018, http://www.dgb.de/themen/++co++61297958-005f-11e8-9602-52540088cada, letzter Zugriff: 17.06.2019.

Statistisches Bundesamt (2018): Abend- und Nachtarbeit. In: STATmagazin.

Statistisches Bundesamt (2018): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2017, Fachserie 1 Reihe 4.1, https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Publikationen/Downloads-Erwerbstaetigkeit/erwerbsbeteiligung-bevoelkung-2010410177004.pdf?__blob=publicationFile&v=4, letzter Zugriff: 18.06.2019.

Statistisches Bundesamt (1997): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit 1996. Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland (Fachserie 1 Reihe 4.1.2), Wiesbaden.


(1) Einer der Hauptgründe für die Zunahme der Erwerbsarbeit an Samstagen dürfte die sukzessive Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten sein, die auch eine Ausweitung der Wochenendarbeit in angrenzenden Dienstleistungsbereichen nach sich gezogen hat. Die kontinuierliche Zunahme der Arbeit an Sonn- und Feiertagen dürfte vor allem mit dem gestiegenen Bedarf im Bereich der Altenpflege und –versorgung in Zusammenhang stehen.

(2) Wie schon bei der Abend- und Nachtarbeit ist auch für die Arbeit in Wechselschicht zwischen den Werten für die Jahre 2016 und 2017 ein methodisch bedingter, starker Bruch festzustellen. Daher wird der Zeitvergleich auch für die Wechselschicht auf den Zeitraum 1996 bis 2016 beschränkt.

(3) „Wer abends, nachts, mit Unterbrechung, auf Abruf oder in wechselnden Schichten arbeiten muss, schätzt seine eigene Gesundheit demnach messbar schlechter ein.“ Hans Böckler Stiftung (2017a): Schicht schlaucht. In: Böckler Impuls 09/2017, S. 6.

(4) Vgl. Spilker, Niels (2018): Schichtarbeit: Gegen den biologischen Rhythmus. Wie wechselnde Arbeitszeiten auch im öffentlichen Dienst krank machen. In: DGB Beamtenmagazin 01/2018.

(5) „Ein Feierabend, der auf den Morgen fällt oder ständig wechselt, stört Familienroutinen. Selbst wenn sich Schichtarbeiter Zeit für die Familie nehmen, dürfte ihre Müdigkeit sich als hinderlich erweisen.“ Hans-Böckler-Stiftung (2017a): Schicht schlaucht. In: Böckler Impuls 09/2017, S. 6.

(6) Vgl. BAuA (2016): Arbeitszeitreport Deutschland 2016, Dortmund/Berlin/Dresden, sowie: Pfahl, Svenja / Hobler, Dietmar / Weeber, Sonja (2015): Zufriedenheit mit Arbeitszeiten nach Arbeitszeitgruppen 2011/12. In: WSI GenderDatenPortal.

(7) Vgl. Arlinghaus, Anna / Lott, Yvonne (2018): Schichtarbeit gesund und sozialverträglich gestalten. Hans-Böckler-Stiftung, Forschungsförderung Report Nr. 3, Düsseldorf.

(8) In einer Untersuchung auf Basis repräsentativer Längsschnittdaten (des Sozio-ökonomischen Panels) konnte belegt werden, dass Sonntagsarbeit in einem direkten negativen Zusammenhang mit der Arbeitszufriedenheit steht, wenn sich die Arbeitstage von Beschäftigten auch auf Sonntage ausweiten. Vgl. Metzing, Maria / Richter, David (2015): Macht Wochenendarbeit unzufrieden? In: DIW Wochenbericht Nr. 50/2015, S. 1187.

(9) Vgl. BAuA (2016): Arbeitszeitreport Deutschland 2016, Dortmund/Berlin/Dresden und Pfahl, Svenja / Hobler, Dietmar / Weeber, Sonja (2015): Zufriedenheit mit Arbeitszeiten nach Arbeitszeitgruppen 2011/12. In: WSI GenderDatenPortal.

(10) Vgl. Hans-Böckler-Stiftung (2017 b): Schichtarbeiter besser schützen. In: Böckler Impuls 15/2017, S. 2.

(11) Vgl. Arlinghaus, Anna / Lott, Yvonne (2018): Schichtarbeit gesund und sozialverträglich gestalten. Hans-Böckler-Stiftung, Forschungsförderung Report Nr. 3, Düsseldorf, S. 5.

(12) a. a. O., S. 15.

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