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WSI GenderDatenPortal: Zeit: Teilzeitquoten nach Elternschaft und Alter des jüngsten Kindes 2019

Im Jahr 2019 ist in Deutschland jede zweite aktiv erwerbstätige Frau (48 Prozent) in Teilzeit beschäftigt, aber nur jeder elfte Mann (9 Prozent). (1) Die Teilzeitquoten variieren stark mit der Elternschaft – wenn auch bei Frauen und Männern in unterschiedliche Richtungen:

  • Von den aktiv erwerbstätigen Frauen ohne (minderjährige) Kinder ist gut jede dritte Frau (39 Prozent) in Teilzeit tätig – bei den Müttern sind es hingegen mehr als zwei Drittel (68 Prozent).
  • Von den aktiv erwerbstätigen Männern ohne (minderjährige) Kinder sind 10 Prozent in Teilzeit tätig – bei den Vätern sind es hingegen nur rund 6 Prozent.

Elternschaft hat demnach für Frauen und Männer unterschiedliche Auswirkungen: Während die Teilzeitquote von Müttern fast doppelt so hoch ausfällt wie die von Frauen ohne Kinder, sind Väter sogar noch seltener teilzeitbeschäftigt als kinderlose Männer. (2)

Je nach Alter des jüngsten Kindes fällt die Teilzeitquote der Mütter in Deutschland unterschiedlich hoch aus:

  • Fast drei Viertel der Mütter, deren jüngstes Kind noch im Kindergarten- oder Grundschulalter ist, arbeiten in Teilzeit.
  • Mit zunehmendem Alter des jüngsten Kindes sinkt die Teilzeitquote unter den Müttern zwar leicht ab, verbleibt insgesamt aber auf einem hohen Niveau. Selbst unter Müttern, deren jüngstes Kind schon im Teenageralter ist (15–17 Jahre), sind fast zwei Drittel (60 Prozent) teilzeitbeschäftigt.

Im Gegensatz dazu wirkt sich das Alter der Kinder kaum auf die ohnehin viel niedrigere Teilzeitquote von Vätern aus.

Die Teilzeitquote von Müttern weist zudem ein starkes West-Ost-Gefälle auf: Während in Westdeutschland drei von vier Müttern in Teilzeit arbeiten, ist in Ostdeutschland nur jede zweite Mutter teilzeitbeschäftigt. Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland gehen die Teilzeitquoten der Mütter jedoch leicht zurück, wenn sich ihr jüngstes Kind im Teenageralter befindet. Das Vorhandensein von Kindern wirkt sich damit für Mütter in Westdeutschland viel stärker auf den Arbeitszeitumfang aus als in Ostdeutschland. (3) Für die Männer zeigt sich im Ost-West-Vergleich: Ihre Teilzeitquote fällt in Ostdeutschland insgesamt höher aus als in Westdeutschland (für alle Männer mit/ohne Kinder).

Zentraler Einflussfaktor für eine Teilzeittätigkeit von Frauen ist die jeweilige Lebensphase. (Zur Differenzierung von Lebensphasen werden hier neben Alter und Familienstand der Frau vor allem das Vorhandensein von Kindern sowie deren Alter berücksichtigt.) In Westdeutschland wirkt sich die Lebensphase weitaus stärker auf die Arbeitszeit von Frauen aus als ihre berufliche Qualifikation, die Betriebsgröße oder der Wirtschaftssektor. In Ostdeutschland, wo Mütter deutlich seltener in Teilzeit arbeiten, spielen hingegen betriebliche Faktoren und individuelle Qualifikationen eine größere Rolle als die Einflussfaktoren des Lebensphasenkonzeptes. (4)

Ursache hierfür ist nach wie vor die traditionelle Arbeitsteilung in den Familien. Frauen leisten somit den Großteil der unbezahlten familiären Betreuungstätigkeiten und stehen dem Arbeitsmarkt daher zeitlich begrenzter als Männer zur Verfügung. (5) Aber auch entsprechende institutionelle Anreize für Paare (wie Minijobs, beitragsfreie Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung, Ehegattensplitting etc.) geben starke finanzielle Anreize für eine Teilzeitarbeit von Frauen. (6)

Der Zeitvergleich zeigt zudem, dass sich die Teilzeitquoten von Eltern in Deutschland zwischen 2008 und 2019 insgesamt nur wenig geändert haben (vgl. Tabellen):

  • Die Teilzeitquote aller Mütter in Deutschland ist zwischen 2008 und 2019 nur sehr leicht zurückgegangen (von 69 auf 68 Prozent). Am großen Anstand zwischen den Teilzeitquoten von Müttern in West- und Ostdeutschland hat sich jedoch nichts geändert.
  • Im Beobachtungszeitraum stark angestiegen sind die Teilzeitquoten von Frauen mit Kindern unter 3 Jahren (plus 13 Prozentpunkte). Dieser Anstieg verlief in Ostdeutschland etwas schwächer (8 Prozentpunkte) als in Westdeutschland (13 Prozentpunkte).
  • Die Teilzeitquoten der Väter sind im Beobachtungszeitraum unabhängig vom Alter des jüngsten Kindes nur geringfügig angestiegen (um 1 bis 2 Prozentpunkte). Dies gilt für Väter in West- wie auch in Ostdeutschland.

Aktuelle Analysen zu den Auswirkungen der Corona Pandemie weisen darauf hin, dass Frauen während des Corona-Lockdowns in 2020/21 stärker von Arbeitszeitreduktionen betroffen waren bzw. sind als Männer: Auslöser hierfür ist (neben andere Faktoren) vor allem die zeitlich umfänglichere Betreuung von Kindern und/oder das Homeschooling im eigenen Haushalt, auf Grund des Wegbrechens institutioneller Betreuungsangebote. Der Abstand der Erwerbsarbeitszeiten zwischen Frauen und Männern nahm mit Beginn der Corona-Pandemie zu – und hatte sich bis November 2020 noch nicht wieder auf das Vor-Corona-Maß verringert. Im schlimmsten Fall könnte sich hier „ungewünschte Teilzeit“ von Müttern über die Corona-Pandemie hinaus verstetigen. (7)

Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den PDF-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Lisa Schubert


Literatur

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Schubert, Lisa (2021): Gründe für Teilzeittätigkeit nach Elternschaft 2019. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Schubert, Lisa (2021): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991–2019. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Lott, Yvonne / Pfahl, Svenja / Schulze Buschoff, Karin (2020): Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland. WSI Report Nr. 56, Februar 2020, https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_56_2020.pdf, letzter Zugriff: 11.02.2021.

Hobler, Dietmar / Klenner, Christina / Pfahl, Svenja / Sopp, Peter / Wagner, Alexandra (2017): Wer leistet unbezahlte Arbeit? Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege im Geschlechtervergleich, WSI Report Nr. 35.

Keller, Matthias / Kahle, Irene (2018): Realisierte Erwerbstätigkeit von Müttern und Vätern zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In: WISTA – Wirtschaft und Statistik, Heft 3, S. 54–71.

Keller, Matthias / Haustein, Thomas (2014): Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ergebnisse des Mikrozensus 2013. In: Wirtschaft und Statistik, Heft 12, S. 733–753, https://www.destatis.de/DE/Methoden/WISTA-Wirtschaft-und-Statistik/2014/12/vereinbarkeit-familie-beruf-122014.html, letzter Zugriff: 23.02.2021.

Kümmerling, Angelika / Postels, Dominik / Slomka, Christine (2015): Arbeitszeiten von Männern und Frauen – alles wie gehabt? Analysen zur Erwerbsbeteiligung in Ost- und Westdeutschland. In: IAQ Report Nr. 02/2015, Universität Duisburg-Essen, https://www.boeckler.de/pdf_fof/91337.pdf, letzter Zugriff: 23.02.2021.

Statistisches Bundesamt (2020): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2019. Fachserie 1 Reihe 4.1, https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Publikationen/Downloads-Erwerbstaetigkeit/erwerbsbeteiligung-bevoelkung-2010410197004.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 23.02.2021.

Statistisches Bundesamt (2016): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, 2015. Fachserie 1 Reihe 4.1.1.

Statistisches Bundesamt (2012): Methodeninformation. Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung: Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit ab dem Jahr 2011, https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00031125/MethodenArbeitskraefterhebung.pdf, letzter Zugriff: 23.12.2020.

Statistisches Bundesamt (2009): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, 2006. Fachserie 1 Reihe 4.1.1, Band 1: Allgemeine und methodische Erläuterungen, https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00004012/2010411067004.pdf, letzter Zugriff: 23.02.2020.

Wanger, Susanne (2020): Entwicklung von Erwerbstätigkeit, Arbeitszeit und Arbeitsvolumen nach Geschlecht. Ergebnisse der IAB-Arbeitszeitrechnung nach Alter und Geschlecht (AZR AG) für die Jahre 1991–2019. IAB-Forschungsbericht 16/2020, http://doku.iab.de/forschungsbericht/2020/fb1620.pdf, letzter Zugriff: 18.02.2021.

Zucco, Aline / Lott, Yvonne (2021): Stand der Gleichstellung – Ein Jahr mit Corona, WSI Report Nr. 64, März 2021, https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_64_2021.pdf, letzter Zugriff: 04.03.2021.

 

Daten zum Download (xlsx)


(1) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Schubert, Lisa (2021): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991–2019.

(2) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Schubert, Lisa (2021): Gründe für Teilzeittätigkeit nach Elternschaft 2019 und Keller, Matthias / Kahle, Irene (2018): Realisierte Erwerbstätigkeit von Müttern und Vätern zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, S. 54–71.

(3) Kümmerling, Angelika / Postels, Dominik/ Slomka, Christine (2015): Arbeitszeiten von Männern und Frauen – alles wie gehabt? Analysen zur Erwerbsbeteiligung in Ost- und Westdeutschland. In: IAQ Report Nr. 02/2015, S. 7.

(4) A. a. O, S. 14.

(5) Vgl. Hobler, Dietmar / Klenner, Christina / Pfahl, Svenja / Sopp, Peter / Wagner, Alexandra (2017): Wer leistet unbezahlte Arbeit? Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege im Geschlechtervergleich, WSI Report Nr. 35.

(6) Vgl. Wanger, Susanne (2020): Entwicklung von Erwerbstätigkeit, Arbeitszeit und Arbeitsvolumen nach Geschlecht. IAB-Forschungsbericht 16/2020, S. 29ff.

(7) Vgl. Zucco, Aline / Lott, Yvonne (2021): Stand der Gleichstellung – Ein Jahr mit Corona, WSI Report Nr. 64, S. 22f.

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