zurück

WSI GenderDatenPortal: Zeit: Teilzeitquoten nach Elternschaft und Alter des jüngsten Kindes 2017

Im Jahr 2017 ist in Deutschland jede zweite aktiv erwerbstätige Frau (48 Prozent) in Teilzeit beschäftigt, aber nur jeder elfte Mann (9 Prozent). Die Teilzeitquoten variieren stark mit der Elternschaft – wenn auch bei Frauen und Männern in unterschiedliche Richtungen:

Von den aktiv erwerbstätigen Frauen ohne (minderjährige) Kinder ist etwa jede dritte Frau (38 Prozent) in Teilzeit tätig – bei den Müttern sind es hingegen mehr als zwei Drittel (69 Prozent).

  • Von den aktiv erwerbstätigen Männern ohne (minderjährige) Kinder sind 10 Prozent in Teilzeit tätig – bei den Vätern aber nur rund 6 Prozent.

Elternschaft hat demnach für Frauen und Männer unterschiedliche Auswirkungen: Während die Teilzeitquote von Müttern doppelt so hoch ausfällt wie die von Frauen ohne Kinder, sind Väter seltener teilzeitbeschäftigt als kinderlose Männer.

Je nach Alter des jüngsten Kindes fällt die Teilzeitquote der Mütter in Deutschland unterschiedlich hoch aus:

  • Fast drei Viertel der Mütter, deren jüngstes Kind noch im Kindergarten- oder Grund- schulalter ist, arbeiten in Teilzeit.
  • Mit zunehmendem Alter des jüngsten Kindes sinkt die Teilzeitquote unter den Müttern zwar leicht ab, verbleibt insgesamt aber auf einem hohen Niveau. Selbst unter Müttern, deren jüngstem Kind schon im Teenageralter ist (15 -17 Jahre), sind noch fast zwei Drittel (61 Prozent) teilzeitbeschäftigt.

Im Gegensatz dazu wirkt sich das Alter der Kinder kaum auf die ohnehin viel niedrigere Teilzeitquote von Vätern aus.

Die Teilzeitquote von Müttern weist zudem ein starkes West-Ost-Gefälle auf: Während in Westdeutschland drei von vier Müttern in Teilzeit arbeiten, ist in Ostdeutschland nur jede zweite Mutter teilzeitbeschäftigt. Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland gehen die Teilzeitquoten der Mütter jedoch leicht zurück, wenn ihr jüngstes Kind ins Teenageralter kommt. Das Vorhandensein von Kindern wirkt sich damit für Mütter in Westdeutschland viel stärker auf den Arbeitszeitumfang aus, als dies in Ostdeutschland der Fall ist.(1)

Als zentraler Einflussfaktor auf den weiblichen Arbeitszeitumfang erweist sich zumindest in Westdeutschland die sog. Lebensphase. (In die Lebensphase gehen neben Alter und Familienstand vor allem das Vorhandensein von Kindern und deren Alter ein.) In Westdeutschland hat die sog. Lebensphase einen weitaus stärkeren Einfluss auf die Arbeitszeit von Frauen als ihre berufliche Qualifikation, die Betriebsgröße oder der Wirtschaftssektor. In Ostdeutschland, wo Mütter deutlich seltener in Teilzeit arbeiten, spielen hingegen betriebliche Faktoren und die individuelle Qualifikation eine größere Rolle für die Erklärung des Arbeitszeitumfangs als die sog. Lebensphase.(2)

In Paarhaushalten ohne Kinder übernehmen Frauen mit 46 Prozent fast die Hälfte der insgesamt im Haushalt geleisteten Erwerbsarbeit, in Paarhaushalten mit Kindern jedoch nur 38 Prozent. Ursächlich hierfür sind traditionelle Muster der Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau im Familienhaushalt, aber auch entsprechende institutionelle Anreize für Paare (wie Minijobs, beitragsfreie Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung, Ehegattensplitting), die eine geringfügige Teilzeitarbeit von Frauen unterstützen.(3)

Fazit: Elternschaft prägt den Erwerbsverlauf von Frauen sehr stark: Der Arbeitszeit- umfang von Frauen in Deutschland – und besonders in Westdeutschland - wird in hohem Maße davon beeinflusst, ob sie minderjährige Kinder haben und wie alt diese sind.

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Linda Hentschel


Literatur

Keller, Matthias und Thomas Haustein (2014): Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ergebnisse des Mikrozensus 2013, Seiten 733-753 in: Wirtschaft und Statistik 2014, Heft 12, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/Bevoelkerung/Verein- barkeitFamilieBeruf_122014.pdf?blob=publicationFile, letzter Zugriff: 28.08.2018.

Kümmerling, Angelika / Postels, Dominik / Slomka, Christine (2015): Arbeitszeiten von Männern und Frauen – alles wie gehabt? Analysen zur Erwerbsbeteiligung in Ost- und Westdeutschland. In: IAQ Report Nr. 02/2015, Universität Duisburg-Essen, Duisburg,
www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2015/report2015-02.pdf, letzter Zugriff: 28.08.2018.

Statistisches Bundesamt (2017): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetige/ErwerbsbeteiligungBevoelkung2010410167004.pdf? blob=publicationFile, letzter Zugriff: 28.08.2018.

Wanger, Susanne (2015): Traditionelle Erwerbs- und Arbeitszeitmuster sind nach wie vor verbreitet. In: IAB-Kurzbericht Nr. 04/2015, Nürnberg. http://doku.iab.de/kurzber/2015/kb0415.pdf, letzter Zugriff: 28.08.2018.

 


(1) Kümmerling, Angelika / Postels, Dominik / Slomka, Christine (2015): Arbeitszeiten von Männern und Frauen – alles wie gehabt? Analysen zur Erwerbsbeteiligung in Ost- und Westdeutschland. In: IAQ Report Nr. 02/2015, Universität Duisburg-Essen, Duisburg, Seite 7.
(2) Kümmerling, Angelika / Postels, Dominik / Slomka, Christine (2015): Arbeitszeiten von Männern und Frauen – alles wie gehabt? Analysen zur Erwerbsbeteiligung in Ost- und Westdeutschland. In: IAQ Report Nr. 02/2015, Universität Duisburg-Essen, Duisburg, Seite 14.
(3) Wanger, Susanne (2015): Traditionelle Erwerbs- und Arbeitszeitmuster sind nach wie vor verbreitet. In: IAB-Kurzbericht Nr. 04/2015, Nürnberg, Seite 6.
 

Zugehörige Themen

Newsletter mit Ihren Themen

Bleiben Sie informiert: Neueste Forschungsergebnisse und Infos zu den Themen Mitbestimmung, Arbeit, Soziales, Wirtschaft. Unsere Newsletter können Sie jederzeit abbestellen.

Der Beitrag wurde zu Ihrerm Merkzettel hinzugefügt.

Merkzettel öffnen