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WSI-Mitteilungen: Call for Papers - Zweite Auswahlrunde

Die Gestaltung der Wirtschaft und Arbeitswelt in der sozial-ökologischen und digitalen Transformation: Die Redaktion freut sich auf neue Beiträge. Deadline ist der 15.01.2023.

Sollen die sozial-ökologische und digitale Transformation, ihre Wechselwirkungen sowie zukünftige Entwicklungen genauer verstanden und vor allem im Sinne einer sozial gerechten Arbeitswelt gestaltet werden, ist deren Erforschung eine wichtige Voraussetzung. Die Redaktion der WSI-Mitteilungen lädt zur Einreichung von Manuskripten ein, die den Fokus auf einen der beiden Veränderungsimpulse legen oder auch explizit die Wechselwirkungen zwischen sozial-ökologischer und digitaler Transformation in den Blick nehmen.

Unter den zahlreichen Prozessen, die gegenwärtig (nicht nur) die Arbeitswelt verändern, sind die sozial-ökologische und die digitale Transformation besonders hervorzuheben. Mit Blick auf die drohenden ökologischen Verwerfungen und die Geschwindigkeit des (digitalen) Wandels kann gar von einer neuartigen historischen Konstellation gesprochen werden. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass die genannten Transformationen potenziell krisenhaft, rasch und diskontinuierlich verlaufen; gleichzeitig wohnen ihnen aussichtsreiche Gestaltungsmöglichkeiten sowie umkämpfte Zielvorstellungen inne. So zielt die sozial-ökologische Transformation u.a. auf die weitgehende Dekarbonisierung der Wirtschaft und den sozial gerechten Umbau der Gesellschaft. Sie wirft Fragen nach den Möglichkeiten grüner Wachstumsstrategien ebenso wie nach notwendigen Maßnahmen zum Erreichen kodifizierter Nachhaltigkeits- und Emissionsvorgaben auf. Die digitale Transformation zeichnet sich durch eine zunehmende Digitalisierung der Produktionsabläufe und Dienstleistungen, der individuellen Arbeitsmittel sowie der arbeitsbezogenen Kommunikation aus, wobei Letztere durch die Corona-Pandemie einen enormen Schub erfahren hat. Folglich sind nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche von den beiden Megatrends berührt und betreffen die Arbeitsinhalte wie -organisation gleichermaßen.

Einerseits bieten sich damit zahlreiche Chancen für eine arbeitnehmerorientierte Politik, bspw. hinsichtlich nachhaltiger Arbeit, selbstbestimmter Flexibilität, demokratisierter Teilhabe und familienfreundlicher Arbeitskultur. Andererseits verbinden sich mit beiden Transformationen aber auch Gefahren, wie die Rationalisierung, Intensivierung, Entgrenzung, Überwachung oder Standardisierung von Arbeit. Die anstehenden Veränderungen bedürfen daher zwingend der demokratischen Legimitierung und Mitbestimmung auf betrieblicher und gesellschaftlicher Ebene. Sollen die sozial-ökologische und digitale Transformation, ihre (eher selten analysierten) Wechselwirkungen sowie zukünftige Entwicklungen genauer verstanden und vor allem im Sinne einer sozial gerechten Arbeitswelt gestaltet werden, ist deren Erforschung eine wichtige Voraussetzung.

Es sind sowohl Beiträge willkommen, die den Fokus auf einen der beiden Veränderungsimpulse legen, als auch Einreichungen, die explizit die Wechselwirkungen zwischen sozial-ökologischer und digitaler Transformation in den Blick nehmen. Manuskriptangebote sollten einzelne oder mehrere der folgenden Themen und Fragestellungen adressieren:

  1. Mit Blick auf sektoral differenzierte Auswirkungen sind sowohl branchenspezifische Bestandsaufnahmen als auch vergleichende Analysen angezeigt: Wie stellt sich die neue Qualität der Transformationen für unterschiedliche Wirtschaftsbereiche dar? Wie bewerten und gestalten unterschiedliche Beschäftigtengruppen, Gewerkschaften und Betriebsräte diese? Wie wirkt sich die konkrete betriebliche Umsetzung politischer Transformationsziele (bspw. digitale Infrastrukturen oder Emissionsreduktionen) auf Arbeitsbedingungen, Beschäftigung und Mitbestimmung aus?
  2. Wie verändern sich verschiedene (Erwerbs-)Arbeiten? Wie wandeln sich manuelle und industrielle sowie Dienstleistungs-, Sorge- und Wissensarbeiten unter den Bedingungen digitaler und sozial-ökologischer Transformation? Ferner: Welche Auswirkungen haben diese Veränderungsprozesse auf das Verhältnis und die (ggf. diffuser werdenden) Grenzen zwischen erwerbsförmiger und nicht-erwerbsförmiger Arbeit?
  3. Ferner gilt es zu fragen, in welchen Bereichen und auf welche Weise sich die sozial-ökologische und digitale Transformation gegenseitig beeinflussen? Hier kann der Blick sowohl auf bestimmte (Querschnitts-)Felder (bspw. E-Mobilität oder Energiewende) als auch auf komplexe Entwicklungsprozesse gelenkt werden (bspw. widersprüchliche Auswirkungen auf Globalisierung oder transnationale Wertschöpfungsketten).
  4. Von größter Relevanz ist das Zusammenspiel von Beschäftigungsentwicklung und Qualifikationsanforderungen in den Transformationsprozessen: Wo kommt es zu Umstrukturierungen, wo zu Personalabbau/-aufbau? Welche Bedarfe an (Weiter-)Qualifikation und Umschulung entstehen in diesem Zuge? Und wie kann diesen mit betrieblichen, tarifvertraglichen und staatlichen Politikinstrumenten Rechnung getragen werden? Zweifelsohne bergen beide Transformationen das Risiko einer De-Qualifizierung, Standardisierung oder Rationalisierung von Tätigkeiten – wie kann demnach der Gefahr einer weiteren Polarisierung der Qualifikationsstruktur entgegengewirkt werden?
  5. Begriffe wie Industrie 4.0 oder Plattformökonomie stellen auf zunehmend vernetzte und dezentrierte Produktions- und Arbeitsprozesse ab und beschreiben die intensivierte Verzahnung von analogen Tätigkeiten mit digitaler und automatisierter Informationstechnik. Wie können diese Prozesse im Sinne einer Arbeitnehmerorientierung reguliert und gestaltet werden?
  6. In welchem Zusammenhang steht die sozial-ökologische und digitale Transformation von Wirtschaft und Arbeit mit bekannten Determinanten sozialer Ungleichheit, insbesondere Geschlecht, Qualifikation, Alter und Herkunft? Verteilen sich Prekarisierungsrisiken neu?
  7. Es stellt sich zudem die Frage nach einer (arbeitnehmerorientierten) Ausgestaltung existierender, (ggf. noch) fehlender bzw. zukünftiger Rechtsnormen (bspw. hinsichtlich digitalisierter Kontroll-, Feedback und Steuerungsformen, neuer Arbeitsweisen und Datenschutzerfordernisse sowie eines ökologisch induzierten Strukturwandels).
  8. Schließlich gilt es, die sich wandelnden Akteurskonstellationen in den Blick zu nehmen: Wo und wie üben Beschäftigte und ihre Interessensvertretungen Einfluss auf Transformationsweisen und -ziele aus, wo kommt es zu Konflikten, Blockaden und neuartigen Allianzen? Wie werden etablierte Kräfteverhältnisse durch die Transformationsprozesse beeinflusst? Welche Rolle spielt die Klimabewegung mit Blick auf arbeitsbezogene Veränderungsprozesse und welche Dynamik ergibt sich beim Zusammentreffen mit Gewerkschaften und betrieblichen Akteuren?
  9. Welche Befürchtungen, Erwartungen und Hoffnungen verbinden sich seitens der Beschäftigten mit dem Wandel? Wie nehmen sie die Umstellungen wahr und wie bewerten sie diese? Welche Spannungen und Widersprüchlichkeiten ergeben sich aus unterschiedlichen Bezugnahmen und Perspektiven, z.B. als Arbeitnehmer*innen, Konsument*innen oder politisch interessierte Bürger*innen? Welche Veränderungen lassen sich zu früheren Erhebungen zum Arbeits-, Beschäftigten- und Umweltbewusstsein feststellen?
  10. Nicht zuletzt verlangen die gegenwärtigen Veränderungsprozesse eine aktualisierte Diskussion über analytische und normative Leitbilder und -begriffe: Welche arbeitnehmerorientierten Ansprüche sind an die digitale und sozial-ökologische Transformation zu stellen? Welche Richtlinien erwachsen daraus für eine zeitgemäße und nachhaltige Industrie-, Arbeits- und Sozialpolitik? Können die aktuellen Entwicklungen mit Begriffen wie grünem oder digitalem Kapitalismus gefasst werden? Wo entstehen (betriebliche) Demokratisierungspotenziale, wo Gefährdungen der Mitbestimmung?

Hinweise zur Manuskripteinreichung

Wir rufen auf zur Einsendung von Manuskriptangeboten, die die skizzierten Themenfelder aus wirtschafts-, sozial- oder rechtswissenschaftlicher Perspektive aufgreifen. Alle Einreichungen, die die Standards für ein Peer Review erfüllen, werden doppelt-blind begutachtet. Interessierte Autor*innen werden gebeten, das Zeichenlimit (40.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) wie auch unsere weiteren Redaktionshinweise zu beachten.

Beiträge für unsere zweite Auswahlrunde müssen der Redaktion bis zum 15. Januar 2023 vorliegen.

Einreichungen per E-Mail an die Redaktion: gudrun-linne(at)boeckler.de

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