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Tarifrunde 2021: Aktueller Überblick

Die DGB-Gewerkschaften verhandeln 2021 neue Vergütungstarifverträge für mehr als zwölf Millionen Beschäftigte. Mehr zu den Verhandlungen in den einzelnen Bereichen auf dieser Seite. Weitere Details in den Tarifpolitischen Monatsberichten.

Insgesamt verhandeln die DGB-Gewerkschaften im Jahr 2021 für mehr als 12 Millionen Beschäftigte neue Vergütungstarifverträge. Wann in welchem Bereich verhandelt wird, zeigt der tarifliche Kündigungsterminkalender des WSI.
Alle Forderungen und Abschlüsse der Tarifrunde 2021 für wichtige Branchen hier auf einen Blick (pdf). Mehr zu den Verhandlungen in den einzelnen Bereichen auf dieser Seite. Weitere Details in den Tarifpolitischen Monatsberichten.

Am 17.12.20 konnte die IG BAU neue Mindestlöhne für das Bauhauptgewerbe abschließen:  Der Mindestlohn I steigt von 12,55 auf 12,85 €/Std., der Mindestlohn II im Westen von 15,40 auf 15,70 €/Std. und in Berlin von
15,25 auf 15,55 €/Std., jew. ab 01.01.21 mit einer Laufzeit bis Ende 2021.

Die EVG hat den Stand der seit Wochen geführten vorgezogenen Tarifverhandlungen zum Paket „Bündnis für unsere Bahn“ bewertet. Sie fordert die Deutsche Bahn zu konkreteren und verbindlicheren Zusagen auf, vor allem hinsichtlich künftiger Einstellungszahlen. Weiterhin müsse Arbeit grundsätzlich im Unternehmen gehalten werden. Bis die zugesagten Bundesmittel tatsächlich fließen, müsse es einen Vorbehalt des Tarifabschlusses geben. Die EVG sei bereit, moderate Entgelterhöhungen zu vereinbaren und fordert 1,5 % zum 1.1.2022. Der Abschluss aus 2018 hat eine Laufzeit bis zum 28.2.2021. Sollte die EVG dem Bündnis-Paket nicht zustimmen können, würden die Verhandlungen erneut am 1.3.2021 unter anderen Voraussetzung beginnen.

Am 17.9. konnte die EVG das Tarifpaket “Bündnis für unser Bahn” abschließen:
Nach 10 Nullmonaten werden die Entgelte um 1,5 % ab 1.1.2022 erhöht. Weiterhin wurden Regelungen zur Ausweitung des Ausschlusses betriebsbedingter Kündigungen, zur Einstellung von mind. 18.000 AN jährlich, zum Verzicht von Fremdvergabe, zur Freistellung für Kinderbetreuung bis zu 50 Tage (bis zu 100 Tage für Alleinerziehende) und zur Pflege naher Angehöriger bis zu 20 Tage bei Auswirkungen der Corona-Krise, zur Einrichtung eines Fonds Mobilität und Wohnen, jeweils mit einer Laufzeit bis zum 28.02.2023, vereinbart.

Am 08.06. stellte die IG BAU die Forderung für den zum 31.12.20 kündbaren Lohntarifvertrag des Gebäudereinigerhandwerks auf. Sie fordert für die Lohngruppen 1 und 6 (Mindestlohngruppen) eine Erhöhung um 1,20 €/Std. auf 12,00 und 15,30 €, für die übrigen Lohngruppen 6,5 %. Die Ausbildungsvergütungen sollen um 100 €/Mon. in allen Ausbildungsjahren steigen. Weiterhin fordert die IG BAU 80 Stundenlöhne als Einstieg in ein Weihnachtsgeld. Der Verhandlungsauftakt am 16.06. blieb ergebnislos, ebenso der 2. Verhandlungstermin am 03.09. Die Arbeitgeberseite legte kein Angebot vor. Nachdem auch die 3. Verhandlungsrunde am 20.10. ergebnislos blieb, konnte die IG BAU in der 4. Verhandlungsrunde am 4.11. einen Abschluss unter Vorbehalt einer Erklärungsfrist bis zum 18.11. erzielen:
Die Löhne erhöhen sich um 2,4 % ab 01.01.21 und um weitere 2,5/2,6 % ab 01.01.22/23, jew. im Durchschnitt (Erhöhung des Stundenlohns der LGr. 1: von 10,80 auf 11,11/11,55/12,00 € ab 01.01.21/22/23), Laufzeit: 36 Monate bis 31.12.23. Ebenso konnte die Regelung zur bezahlten Freistellung wahlweise am 24. oder 31.12. bis 2023 verlängert werden.

Beschäftigung sichern, Zukunft gestalten, Einkommen stärken. Diese Forderung hat der IG Metall-Vorstand am 9. November 2020 für die weitere Diskussion in den Betrieben und Tarifkommissionen empfohlen. Am 17. November sind die regionalen Tarifkommissionen mit dem Beschluss des Forderungspaketes der Empfehlung gefolgt und am 26. hat der IG Metall-Vorstand abschließend die Forderungen bestätigt:

  • Beschäftigung sichern: Bestehende Tarifbestimmungen zur Beschäftigungssicherung sollen überarbeitet und verbessert/ergänzt werden. Hierzu zählen Modelle der Arbeitszeitabsenkung mit Teilentgeltausgleich, wie z. B. eine 4-Tage-Woche. Dadurch soll es Betrieben ermöglicht werden, den Strukturwandel zu bewältigen, ohne Beschäftigte entlassen zu müssen.
  • Zukunft gestalten: Die Vereinbarung tariflicher Rahmenbestimmungen sollen den Abschluss betrieblicher Zukunftstarifverträge ermöglichen, in denen konkrete Investitionen in den Standort geregelt werden. Dabei geht es um Investitionen in neue Produkte, Maschinen als auch in die Qualifizierung der Beschäftigten.
  • Einkommen stärken: Mit einem Volumen von bis zu 4 Prozent - welches auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung zur Verfügung steht, etwa einen Teilentgeltausgleich bei Arbeitszeitabsenkungen - und einer Laufzeit von 12 Monaten sollen Entgelte und Ausbildungsvergütungen gestärkt werden.

Weitere Themen in der Tarifrunde sind die Angleichung der Arbeitsbedingungen in den Tarifgebieten Ost sowie die Vereinbarung tariflicher Regelungen zur Verbesserung der Ausbildung und für dual Studierende wie auch die unbefristete Übernahme aller Ausgebildeten.

Die erste Verhandlungsrunde mit dem Auftakt in den Tarifgebieten des Bezirks der Küste erfolgte zwischen dem 14. und 18. Dezember 2020 und blieb ohne Ergebnis, ebenso wie die zweite Verhandlungsrunde zwischen dem 18. und 28. Januar. Am 5. Februar unterbreiteten die Arbeitgeber in der 3. Verhandlung in Nordrhein-Westfalen einen ersten Vorschlag zur Lösung des Tarifkonfliktes. Dieser sieht neben einer Nullrunde für 2021 eine Einmalzahlung in der ersten Hälfte 2022 und eine Tabellenerhöhung in der zweiten Hälfte vor, bei einer Laufzeit bis in 2023 hinein. Des Weiteren beinhaltet der Vorschlag zum einen die Entwicklung optionaler tariflicher Instrumente zur Beschäftigungssicherung sowie zur Bewältigung des Strukturwandels und zum anderen die Möglichkeit einer dauerhaften automatischen Differenzierung zur Kostenentlastung für Betriebe in der Krise. Die Verhandlungen sollen in der letzten Februarwoche fortgesetzt werden.

Für die Tarifrunde 2021 hat der Hauptvorstand der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) eine tarifpolitische Empfehlung beschlossen, nach der die Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen im Ernährungsgewerbe sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe um 3,5 - 5,5 % im Jahr 2021 steigen sollen, bei einer Laufzeit der Tarifverträge von zwölf Monaten. Die Tarifkommissionen können außerdem qualitative Tarifthemen - insbesondere beschäftigungssichernde Maßnahmen und Arbeitszeitgestaltung - in ihre Forderungen aufnehmen. Für die Auszubildenden fordert die NGG eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen vorrangig in Festbeträgen, die Zahlung eines monatlichen Fahrtkostenzuschusses für den Berufsschulbesuch sowie eine unbefristete Übernahme nach Ausbildungsabschluss.

Ver.di fordert für die Beschäftigten in der Papier, Pappe und Kunststoff verarbeitenden Industrie 4,8 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die aktuellen Tarifverträge laufen zum 31. Januar 2021 aus. Die erste Verhandlungsrunde am 27. Januar verlief ohne Einigung. Die Arbeitgeberseite hatte ein Angebot vorgelegt, das nach 8 Nullmonaten Erhöhungen von 1,1 und 1,0 % ab 1. Oktober 2021 bzw. 1. Februar 2022 bei einer Laufzeit von 24 Monaten vorsah. Ver.di lehnte das Angebot als völlig unzureichend ab. Die 2. Verhandlungsrunde am 10. Februar brachte kein verbessertes Arbeitgeberangebot. In der 3. Runde am 22. Februar boten die Arbeitgeber nach 5 Nullmonaten Erhöhungen von 1,1 und 1,3 % ab 1. Juli 2021 bzw. 1. April 2022 bei unveränderter Laufzeit an. Ver.di bezeichnete das Angebot erneut als unzureichend. Die Verhandlungen wurden auf den 26. März vertagt.

Der Vorstand der IG Metall hat am 26. November beschlossen, eine Anhebung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen für die Beschäftigten der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie um 4,0 %, mindestens jedoch 100 Euro bei Löhnen und Gehältern, ab 1. Februar 2021 zu fordern. Die Laufzeit soll 12 Monate betragen. Der Ende Januar 2021 auslaufende Tarifvertrag zur Altersteilzeit soll unter verbesserten Konditionen fortgeführt werden. Außerdem sollen Gespräche mit dem Arbeitgeberverband über Instrumente zur Beschäftigungssicherung, zur Verbesserung des Tarifvertrages zur Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie über Vorteilsregelungen für Gewerkschaftsmitglieder geführt werden. Die ersten beiden Verhandlungsrunden am 8. Dezember 2020 und am 20. Januar blieben ohne Ergebnis. Die 3. Runde am 29. Januar wurde ergebnislos abgebrochen. Ein letztes Angebot der Arbeitgeberseite sah u. a. Erhöhungen von 1,1 und 1,2 % ab 1. April bzw. 1. Dezember 2022 bei einer Laufzeit von 26 Monaten bis 31. März 2023 vor.

Am 15. Februar konnte in der 4. Verhandlungsrunde ein Abschluss erzielt werden. Er sieht die Zahlung einer Corona-Beihilfe von 325 € sowie Erhöhungen der Entgelte um 1,3 % ab 1. Februar 2022 bzw. 1,4 % ab 1. Oktober 2022 vor. Die Laufzeit beträgt 25 Monate und endet am 28. Februar 2023. Außerdem wird das Urlaubsgeld ab 2022 um 2,0 % erhöht, die Altersteilzeitregelung mit erhöhten Zuzahlungsbeträgen ebenfalls bis 28. Februar 2023 verlängert sowie der TV zur Förderung der Aus-, Fort- und Weiterbildung mit erhöhtem Bildungsbeitrag des Arbeitgebers fortgeschrieben.

Die Tarifkommission bei VW hat am 17.11. die Forderungen für die Tarifrunde 2021 beschlossen, die am 26. November durch den IG Metall-Vorstand bestätigt wurden:

  • 4 % mehr Entgelt für 12 Monate
  • Verbesserung der tariflichen Freistellungszeit (T-ZUV) durch mehr freie Tage mit Ausweitung auf alle IG Metall-Mitglieder
  • Festschreibung von jährlich 1.400 Ausbildungsplätzen bis Ende 2030 sowie eine Gesprächsverpflichtung zu Themen Ausbildung und dual Studierende.

Die Verhandlungen am 13. und 29. Januar endeten jew. ohne Ergebnis. Die Tarifparteien verständigten sich darauf vor der 3. Runde, Inhalte zu den Themen „Freistellungsregelungen“ und „Ausbildung“ in kleinen Expertengruppen zu vertiefen. Am Anfang der 3. Verhandlungsrunde am 23. Februar standen die Berichte aus eben diesen Expertengruppen, in denen jedoch keine Fortschritte erreicht werden konnten. Bei der Forderung nach der Beibehaltung von 1.400 Ausbildungsplätzen jährlich brachte VW lt. IG Metall eine Kopplung der Ausbildungsplätze an veränderte Beschäftigtenzahlen ins Gespräch. Eine Beibehaltung der 1.400 Ausbildungsplätze sei allenfalls in Verbindung mit einer flexibleren Gestaltung der Ausbildung darstellbar. Das Fazit der IG Metall aus der 3. Runde lautet: "Keine Bereitschaft bei den Freistellungstagen. Keine Lösung in Sicht bei der Frage der Ausbildungsplätze und kein Angebot beim Entgelt." Die Basis für weitere Verhandlungen fehle. Ein weiterer Verhandlungstermin wurde zunächst nicht vereinbart. Mit Beginn des 2. März starteten die ersten Warnstreikaktionen.

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