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WSI GenderDatenPortal: Bildung: Frauen und Männer in dualer Ausbildung nach Ausbildungsbereichen 2024

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Frauen absolvieren in Deutschland im Jahr 2024 erheblich seltener als Männer eine Berufsausbildung im Rahmen des dualen Ausbildungssystems. Sie stellen insgesamt nur ein gutes Drittel aller Auszubildenden im dualen System (35 Prozent), Männer stellen zwei Drittel der Auszubildenden (65 Prozent) (vgl. Grafik 1).

Innerhalb des dualen Ausbildungssystems in Deutschland verteilen sich Frauen und Männer zudem auffallend ungleich auf die verschiedenen Ausbildungsbereiche:

  • Die Bereiche Landwirtschaft und vor allem das Handwerk können als Männerdomänen gelten. Denn in der Landwirtschaft sind nur rund ein Viertel aller Auszubildenden Frauen, in den handwerklichen Berufen sogar nur ein Sechstel.
  • Im Ausbildungsbereich Industrie und Handel sind Frauen in etwa entsprechend ihrem Gesamtanteil an allen betrieblichen Auszubildenden vertreten (33 Prozent).
  • Im Ausbildungsbereich Öffentlicher Dienst werden überproportional häufig Frauen ausgebildet: Sie stellen hier rund 63 Prozent aller Auszubildenden, nur 37 Prozent der Auszubildenden sind Männer.
  • Ausbildungen im Bereich Hauswirtschaft sowie in den freien Berufen (z.B. Steuerfachangestellte oder medizinische Fachangestellte) sind Frauendomänen: Hier liegt der Frauenanteil der Auszubildenden bei 81 Prozent bzw. 90 Prozent.

Betrachtet man die Geschlechtergruppen getrennt nach den von ihnen jeweils bevorzugten Ausbildungsbereichen, so zeigen sich ausgeprägte geschlechterspezifische Unterschiede in den Ausbildungsentscheidungen (vgl. Grafik 2):

  • Mehr als ein Drittel der Männer macht eine duale Ausbildung in einem handwerklichen Beruf (36 Prozent), mehr als die Hälfte von ihnen erlernt einen Beruf in Industrie und Handel (58 Prozent). Damit entfallen auf diese beiden Ausbildungsbereiche zusammen bereits über 90 Prozent aller männlichen Auszubildenden. Für eine Ausbildung in einem der anderen Ausbildungsbereiche – Landwirtschaft, freie Berufe, öffentlicher Dienst, Hauswirtschaft – entscheiden sich jeweils nur sehr wenige Männer. Am seltensten absolvieren Männer eine duale Ausbildung im Bereich Hauswirtschaft (0,1 Prozent).
  • Auch die Mehrheit der auszubildenden Frauen entscheidet sich für eine betriebliche Ausbildung in Industrie und Handel (54 Prozent). Am zweithäufigsten ist für Frauen eine duale Ausbildung in einem der freien Berufe: fast jede vierte Auszubildende wird hier ausgebildet (24 Prozent), aber nur jeder fünfzigste Mann. Zudem machen Frauen (6 Prozent) dreimal häufiger als Männer eine Ausbildung im Öffentlichen Dienst. Deutlich nachrangiger ist für Frauen jedoch die Ausbildung in einem handwerklichen Beruf (Frauen: 14 Prozent, Männer: 36 Prozent).

Bei den stark differierenden Entscheidungen von Frauen und Männern, in welchem Ausbildungsbereich sie ihre duale Ausbildung absolvieren, zeigen sich nur wenig regionale Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland.

  • In Westdeutschland entscheiden sich Frauen häufiger für eine Ausbildung in einem freien Beruf als in Ostdeutschland (Westdeutschland: 25 Prozent, Ostdeutschland: 18 Prozent).
  • In Ostdeutschland entscheiden sich Frauen dagegen etwas häufiger für eine Ausbildung in Industrie und Handel (Ostdeutschland: 56 Prozent, Westdeutschland: 53 Prozent).

Hintergrund: Die sichtbare Geschlechtersegregation innerhalb des dualen Ausbildungssystems erklärt sich u.a. durch stark geschlechterspezifische Prozesse bei der Entscheidung für den jeweils angestrebten Beruf. Dies zeigt bereits der Blick auf die 25 häufigsten Ausbildungsberufe bei Frauen bzw. Männern. (1) Bei der Berufswahl spielen Geschlechterstereotype in Bezug auf typische „Frauenberufe“ oder „Männerberufe“ genauso eine Rolle wie die jeweiligen Arbeitsbedingungen im späteren Beruf (z.B. die dort übliche Arbeitszeitdauer sowie Verdienstmöglichkeiten). (2) Als eine Folge davon geben weibliche Auszubildende (27 Prozent) häufiger als männliche Auszubildende (19 Prozent) an, dass sie ihre Ausbildung nicht im eigentlichen Wunschberuf absolvieren, sondern in einem alternativen Ausbildungsberuf, den sie „eigentlich nicht geplant hatten“. Jede elfte Frau spricht hierbei sogar nur von einer „Notlösung“. (3)

Auszubildende in frauendominierten Berufen (64 Prozent) sind insgesamt etwas seltener (sehr) zufrieden mit ihrer Ausbildung als Auszubildene in männerdominierten Berufen (69 Prozent). Diese etwas niedrigere Gesamtzufriedenheit ist v.a. auf strukturelle Probleme zurückzuführen, wie auf das jeweilige Anforderungsniveau in der Ausbildung und die Möglichkeit, nach der Arbeit von den Anforderungen abschalten und sich erholen zu können. Hier zeigen sich in frauendominierten Berufen häufiger Probleme für die Auszubildenden. (4) Dass Frauen sich trotzdem für diese Ausbildungsberufe entscheiden, hängt neben bestehenden Rollenbildern auch mit dem für sie immer noch erschwerten Zugang zu männerdominierten Berufen zusammen. (5)

Zu den mit am häufigsten von Auszubildenden genannten Belastungsfaktoren zählen die Ausbildungsvergütung und die Wohnsituation. (6) Besonders schwierig gestaltet sich dies für Auszubildende aus Betrieben, die nicht tariflich gebunden sind, da dort im Durchschnitt niedrigere Ausbildungsvergütungen gezahlt werden. (7) Über die Hälfte der Auszubildenden berichtet ferner von psychischen Belastungen, die mit „Leistungs- und/oder Zeitdruck, Personalmangel und Verantwortungsdruck“ zusammenhängen. (8)

Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den Pdf-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.

 

Bearbeitung: Svenja Pfahl, Anika Lindhorn

 

 

Literatur

Bundesinstitut für Berufsbildung (bibb) (2025): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025. Bonn: Bibb, letzter Zugriff: 29.09.2026.

Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2026): Berufsbildungsbericht 2026. Berlin: BMFSFJ, letzter Zugriff: 29.09.2026.

Deutscher Gewerkschaftsbund (2026): Ausbildungsreport 2026. DGB-Jugend. Berlin: DGB-Jugend, letzter Zugriff: 29.09.2026.

Hans-Böckler-Stiftung (2015): Zweigeteilte Arbeitswelt, In: Böckler Impuls Nr. 20/2015, S.3, letzter Zugriff: 29.09.2026.

Hans-Böckler-Stiftung (2026): Tarifvertragliche Ausbildungsvergütungen steigen um 3,3 Prozent (nicht um 3,9 Prozent) – Kaum mehr Vergütungen unter 1.000 Euro im ersten Ausbildungsjahr. Pressemitteilung vom 13.08.2026. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, letzter Zugriff: 29.09.2026.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2025): Frauen und Männer in den 25 häufigsten Ausbildungsberufen 2023. In: WSI GenderDatenPortal.

Kroll, Stephan (2021): Allein unter Männern, allein unter Frauen. Geschlechtsspezifische Entwicklungen in dualen Männer- und Frauenberufen und Unterschiede im Ausbildungsverlauf, In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis. Zeitschrift des Bundesinstituts für Berufsbildung Nr. 4, S. 16-20, letzter Zugriff: 29.09.2026.

Statistisches Bundesamt (2025): Berufsbildungsstatistik 2024. Excel-Datei, Tabellenblatt: Informationen zur Statistik. Wiesbaden: DESTATIS, letzter Zugriff: 29.09.2026.


(1) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2025): Frauen und Männer in den 25 häufigsten Ausbildungsberufen 2023. In: WSI GenderDatenPortal.

(2) Vgl. Hans-Böckler-Stiftung (2015): Zweigeteilte Arbeitswelt, In: Böckler Impuls Nr. 20. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, S.3.

(3) Deutscher Gewerkschaftsbund (2026): Ausbildungsreport 2026. DGB-Jugend. Berlin: DGB-Jugend, S. 9f.

(4) Vgl. a. a. O., S. 70.

(5) Vgl. Kroll, Stephan (2021): Allein unter Männern, allein unter Frauen, In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, S. 20.

(6) Vgl. Deutscher Gewerkschaftsbund (2026): Ausbildungsreport 2026. DGB-Jugend. Berlin: DGB-Jugend, S. 23.

(7) Vgl. Hans-Böckler-Stiftung (2026): Tarifvertragliche Ausbildungsvergütungen steigen um 3,3 Prozent (nicht um 3,9 Prozent) – Kaum mehr Vergütungen unter 1.000 Euro im ersten Ausbildungsjahr. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

(8) Deutscher Gewerkschaftsbund (2026): Ausbildungsreport 2026. DGB-Jugend. Berlin: DGB-Jugend, S. 18.

 

 

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