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WSI GenderDatenPortal: Bildung: Höchster beruflicher Abschluss der 15- bis unter 65-Jährigen 1991-2021

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Mit Blick auf die höchste berufliche Qualifikation lassen sich im Jahr 2024 zwischen Frauen und Männern im Erwerbsalter zwischen 15 und unter 65 Jahren in Deutschland nur noch ganz geringfügige Unterschiede feststellen (vgl. Grafik 1):

  • Mehr als ein Drittel der Frauen und Männer (37 bzw. 38 Prozent) hat eine berufliche Lehre abgeschlossen. Unter Frauen wie Männern stellt die duale Ausbildung immer noch das am häufigsten erreichte berufliche Qualifikationsniveau dar.
  • Bei den akademischen Abschlüssen liegen Frauen und Männer ebenfalls gleichauf: Jeweils knapp ein Viertel hat einen Hochschulabschluss (23 bzw. 22 Prozent).
  • Auch beim Anteil der Personen ohne beruflichen Abschluss finden sich fast keine geschlechterbezogenen Unterschiede: Rund drei von zehn Frauen und Männer (29 bzw. 30 Prozent) haben keine Ausbildung abgeschlossen.
  • Am seltensten ist für Frauen wie Männer ein Fachschulabschluss: 12 Prozent der Frauen und 10 Prozent der Männer verfügen über diese berufliche Qualifikation.

Die dargestellten Differenzen zwischen Frauen und Männern sind vor allem auf die stärker ausgeprägten Bildungsunterschiede in den älteren Kohorten zurückzuführen – dies gilt gleichermaßen für West- wie für Ostdeutschland.

Stellt man das berufliche Qualifikationsniveau von Frauen und Männern im mittleren Lebensalter (30- bis 39 Jahre) im Zeitvergleich gegenüber, so wird der Zuwachs an beruflichen Qualifikationen in Deutschland über den Beobachtungszeitraum hinweg deutlich erkennbar (vgl. Grafik 2). Der Qualifikationsanstieg innerhalb des Beobachtungszeitraums 1991 bis 2024 drückt sich insbesondere in einer sichtlichen Zunahme von akademischen Abschlüssen aus, bei Frauen sogar noch deutlicher als bei Männern. Auch für das Jahr 2024 gilt, dass Frauen im mittleren Lebensalter (30 bis 39 Jahre) beim beruflichen Qualifikationsniveau besser abschneiden als Männer:

  • Hinsichtlich des Anteils an Akademiker*innen liegen die Frauen 5 Prozentpunkte vor den Männern (36 gegenüber 31 Prozent). Der akademische Abschluss ist damit der häufigste berufliche Abschluss von Frauen zwischen 30 und 39 Jahren.
  • Auch einen Fachschulabschluss weisen Frauen im mittleren Alter etwas häufiger auf als Männer (13 Prozent gegenüber 11 Prozent). Gerade für Frauen hat die Bedeutung des Fachschulabschlusses innerhalb des Beobachtungszeitraums erkennbar zugenommen.
  • Für Männer zwischen 30 und 39 Jahren bleibt die abgeschlossene duale Berufsausbildung – anders als für Frauen – der wichtigste berufliche Abschluss. 35 Prozent der Männer im mittleren Lebensalter, aber nur 32 Prozent der Frauen, haben eine abgeschlossene duale Ausbildung. Allerdings zeichnet sich für beide Geschlechter – und dabei für Frauen noch etwas stärker – eine seit 2010 rückläufige Bedeutung der dualen Ausbildung ab. (1) Dies hängt auch auf mit der geringen Höhe der Ausbildungsvergütungen zusammen. In den vergangenen Jahren stiegen diese zwar grundsätzlich an, jedoch mit noch immer merklichen Unterschieden in der Höhe zwischen tariflich und nicht tariflich gebundenen Betrieben. (2)
  • Ein geschlechterbezogener Abstand lässt sich überdies bezüglich des Anteils der Personen ohne Ausbildungsabschluss konstatieren: 23 Prozent der Männer zwischen 30 und 39 Jahren weisen aktuell keinen beruflichen Ausbildungsabschluss auf, genauso wie 20 Prozent der Frauen. Der Anteil der Personen ohne formalen Berufsabschluss stieg gerade in den letzten Jahren wieder an – dabei für Männer noch etwas erheblicher als für Frauen. (3) (4)

Im West-Ost-Vergleich sind deutliche regionale Unterschiede in Hinblick auf den höchsten beruflichen Abschluss der Gesamtbevölkerung festzustellen (vgl. Grafik 1). Die geschlechterbezogenen Unterschiede erweisen sich in Ostdeutschland als ausgeprägter im Vergleich zu Westdeutschland:

  • In Ostdeutschland kommt der abgeschlossenen beruflichen Lehre eine größere Bedeutung zu als in Westdeutschland. Knapp die Hälfte aller Männer in Ostdeutschland (49 Prozent) verfügt über eine abgeschlossene duale Ausbildung, genauso wie 43 Prozent der Frauen. In Westdeutschland trifft dies nur auf 35 Prozent der Frauen bzw. 36 Prozent der Männer zu.
  • Akademische Abschlüsse sind hingegen in Ostdeutschland etwas seltener als in Westdeutschland. Frauen in Westdeutschland (23 Prozent) haben geringfügig häufiger einen akademischen Abschluss als Frauen in Ostdeutschland (22 Prozent). Vor allem aber haben Männer in Westdeutschland (22 Prozent) häufiger einen akademischen Abschluss als Männer in Ostdeutschland (19 Prozent).
  • In Westdeutschland verfügt jeder neunte Mann über einen Fachschulabschluss (11 Prozent), in Ostdeutschland jeder zehnte Mann. Gerade für Frauen in Ostdeutschland ist dieser berufliche Abschluss jedoch von größerer Bedeutung: Rund 15 Prozent der Frauen in Ostdeutschland haben einen Fachschulabschluss im Vergleich zu 11 Prozent in Westdeutschland.
  • In Westdeutschland bleiben – unabhängig von Geschlechtern – 1,5-mal so viele Personen ganz ohne formalen beruflichen Abschluss. Dies betrifft drei von zehn Frauen und Männer in Westdeutschland und zwei von zehn Frauen bzw. 22 Prozent der Männer in Ostdeutschland.

Fazit: Junge Frauen schneiden inzwischen nicht nur bei den schulischen Abschlüssen besser ab als gleichaltrige Männer, sondern auch beim beruflichen Qualifikationsniveau. (5) Frauen erreichen immer häufiger einen Hochschul- oder Fachschulabschluss – dieser Trend setzt sich auch im Jahr 2024 weiter fort.

Hintergründe zu akademischen Abschlüssen: Auch wenn Frauen heute häufiger einen Hochschulabschluss erreichen als Männer, zeigt eine differenzierte Betrachtung, dass der Frauenanteil mit Höhe des akademischen Abschlusses abnimmt. Sie erreichen seltener eine Promotion oder Habilitation und werden deutlich seltener als Männer auf Professor*innen-Positionen berufen. (6) Ein Grund dafür sind prekäre und befristete Arbeitsverhältnisse im Wissenschaftsbereich, die mit Familiengründung und Sorge-Arbeit nur schwer vereinbar sind. Frauen übernehmen in Deutschland weiterhin häufiger und umfangreicher Sorge-Arbeit als Männer, was ihren Fortschritt auf der akademischen Karriereleiter hemmt. (7)

Hintergründe zum Fehlen eines formalen beruflichen Abschlusses: Verschiedene Faktoren beeinflussen den Anteil an Personen in Deutschland, die (noch) keinen formalen beruflichen Abschluss vorweisen können. Hierzu gehören v.a. die Anzahl an Jugendlichen/jungen Erwachsenen in Deutschland ohne Schulabschluss (vgl. Fußnote 3); der Anteil derjenigen, die eine Ausbildung oder ein Studium abbrechen sowie der anhaltende Bedeutungsrückgang der dualen Berufsausbildung sowie der Ausbildungsbereitschaft in den Betrieben (vgl. Fußnote 4). Zudem weisen Personen mit eigener Einwanderungsgeschichte einen deutlich höheren Anteil an beruflich nicht-formal Qualifizierten auf (während sie bei Nachkommen von Eingewanderten bereits wieder merklich niedriger ausfällt). Die verstärkte Fluchtmigration nach Deutschland in den Jahren 2015 und danach hat somit zum steigenden Anteil an Personen ohne formalen beruflichen Abschluss in Deutschland beigetragen. Bei entsprechenden Qualifizierungs-/Fördermaßnahmen zum Erwerb von beruflichen Ausbildungsabschlüssen scheint es sinnig, sich auf die unterschiedliche Situation von Personen mit und ohne eigene Einwanderungsgeschichte zu fokussieren. (8)

Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den Pdf-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.

Bearbeitung: Svenja Pfahl, Anika Lindhorn

 

Literatur

Bundesinstitut für Berufsbildung (2025): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025. Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Bonn: BiBB, letzter Zugriff: 30.09.2026.

Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2026): Berufsbildungsbericht 2026. Berlin: BMFSFJ, letzter Zugriff: 30.09.2026.

Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2025): Berufsbildungsbericht 2025. Berlin: BMFSFJ, letzter Zugriff: 30.09.2026.

Hans-Böckler-Stiftung (2026): Tarifvertragliche Ausbildungsvergütungen steigen um 3,3 Prozent (nicht um 3,9 Prozent) – Kaum mehr Vergütungen unter 1.000 Euro im ersten Ausbildungsjahr. Pressemitteilung vom 13.08.2026. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, letzter Zugriff: 30.09.2026.

Hobler, Dietmar/Pfahl, Svenja/Wittmann, Maike (2022): Höchster Schulabschluss 1991–2020. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Hochgürtel, Tim/Weinmann, Julia (2020): Haushalte in der Berichterstattung des Mikrozensus ab 2020. WISTA 3/2020, letzter Zugriff: 30.09.2026.

Pfahl, Svenja/Lindhorn, Anika (2026): Frauen und Männer in dualer Ausbildung nach Ausbildungsbereichen 2024. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Statistisches Bundesamt (2025): Berufsbildungsstatistik 2024. Wiesbaden: DESTATIS, letzter Zugriff: 30.09.2026.

Statistisches Bundesamt (2022): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2020, Fachserie 1 Reihe 4.1. Wiesbaden: DESTATIS, letzter Zugriff: 30.09.2026.

Statistisches Bundesamt (2020): Bildungsstand der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus 2019. Wiesbaden: DESTATIS, letzter Zugriff: 30.09.2026.

Statistisches Bundesamt (2019): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2018, Fachserie 1 Reihe 4.1. Wiesbaden: DESTATIS, letzter Zugriff: 30.09.2026.

Zucco, Aline (2022): Frauen in der akademischen Laufbahn. WSI-Blog Work in Progress vom 14.04.2022. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, letzter Zugriff: 30.09.2026.


(1) Bei den Ausbildungseinsteiger*innen zeichnet sich dieser Trend fort: Im Jahr 2024 stellen Frauen nur gut ein Drittel aller Auszubildenden im dualen System. Frauen und Männer verteilen sich innerhalb des dualen Ausbildungssystems zudem ungleich auf verschiedene Ausbildungsbereiche. Vgl. Pfahl, Svenja//Lindhorn, Anika (2026): Frauen und Männer in dualer Ausbildung nach Ausbildungsbereichen 2024. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

(2) Vgl. Hans-Böckler-Stiftung (2026): Tarifvertragliche Ausbildungsvergütungen steigen um 3,3 Prozent (nicht um 3,9 Prozent) – Kaum mehr Vergütungen unter 1.000 Euro im ersten Ausbildungsjahr. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

(3) Der Berufsbildungsbericht (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2026, S. 123f.) verweist darauf, dass junge Erwachsene (20 bis 34 Jahre) dann besonders gefährdet sind, ohne formalen beruflichen Abschluss zu bleiben, wenn sie zuvor auch schon keinen Schulabschluss gemacht haben. Im Jahr 2026 weisen 79 Prozent der jungen Erwachsenen ohne Schulabschluss auch keinen formalen beruflichen Abschluss auf.

(4) Der Anstieg an nicht formal Qualifizierten geht allerdings auch Hand in Hand mit einem Bedeutungsrückgang der dualen Ausbildung. Die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge in Betrieben, genauso wie die Ausbildungsbereitschaft von Betrieben insgesamt, sinken seit Jahren. Vgl. Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2026): Berufsbildungsbericht 2026. Berlin: BMBFSFJ, S. 44 sowie S. 57 f.

(5) Vgl. Hobler, Dietmar/Pfahl, Svenja/Wittmann, Maike (2022): Höchster Schulabschluss 1991–2020. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

(6) Vgl. Zucco, Aline (2022): Frauen in der akademischen Laufbahn. WSI-Blog Work in Progress. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

(7) Vgl. a. a. O.

(8) Vgl. Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2025): Berufsbildungsbericht 2025. Berlin: BMFSFJ, S. 96-98. Vgl. auch Bundesinstitut für Berufsbildung (2025): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025. Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Bonn: BiBB, S. 312-315.

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