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WSI GenderDatenPortal: Bildung: Studienanfänger/innen nach Fächergruppen 2000-2015

Frauen nehmen in Deutschland zwar genauso häufig wie Männer ein Studium auf, allerdings setzen sie ihre Schwerpunkte in anderen Fachgebieten als Männer. Obwohl die Zahl der Studienanfänger/innen seit 2000 unter Frauen wie Männern jeweils um mehr als 60 Prozent angestiegen ist, verändern sich die Frauen- und Männeranteile in den einzelnen Fächergruppen dabei kaum.

In den meisten Fächergruppen dominieren Studienanfänger/innen des einen oder des anderen Geschlechts (Abb. 1). Daran hat sich zwischen 2000 und 2015 nur wenig geändert: Obwohl die Hälfte aller Studienanfänger/innen weiblich ist, stellen Frauen nur etwa ein Drittel der Studienanfänger/innen in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern und weniger als ein Viertel in den Ingenieurwissenschaften. Stark überrepräsentiert sind Frauen hingegen in den Sprach- und Kulturwissenschaften, wo sie fast drei Viertel aller Studienanfänger/innen ausmachen. Auch in der Humanmedizin und den Gesundheitswissenschaften sind Frauen mit mehr als zwei Dritteln unter den Studienanfänger/innen in der Mehrheit.

Betrachtet man jeweils getrennt für Frauen und Männer, wie sich die Studienanfänger/innen auf die unterschiedlichen Fächergruppen verteilen (Abb. 2), so werden die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Studienwahl noch deutlicher. Für das Jahr 2015 zeigt sich:

  • In den Rechts- Wirtschafts- und Sozialwissenschaften beginnt mehr als ein Drittel der Frauen ein Studium, aber auch 29 Prozent der Männer.
  • Ein Viertel der Frauen hat sich für ein sprach- oder kulturwissenschaftliches Fach eingeschrieben, im Vergleich zu nicht einmal jedem elften Mann.
  • Das umgekehrte Bild zeigt sich bei der Fächergruppe Mathematik und Naturwissenschaften, die von jedem fünften Mann, aber nur von jeder siebten Frau gewählt wird.
  • Die größten geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Studienwahl finden sich bei den Ingenieurswissenschaften, in denen jeder dritte Mann, aber nur jede zehnte Frau ein Studium aufnimmt.
  • Schließlich spielt auch das Fachgebiet der Humanmedizin und der Gesundheitswissenschaften bei den weiblichen Studienanfänger/innen mit 7 Prozent eine größere Rolle als bei den männlichen (3 Prozent).

Vergleicht man die absoluten Zahlen der Frauen, die zwischen 2000 und 2015 ein Studium aufgenommen haben (Abb. 3), dann lässt sich ein starker Anstieg für alle Fächergruppen verzeichnen:

  • In den Bereichen Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften sowie den Ingenieurswissenschaften beginnen inzwischen mehr als doppelt so viele Frauen ein Studium als am Beginn des Betrachtungszeitraums (Jahr 2000). Hier hat die Zahl der Studienanfängerinnen besonders stark zugenommen.
  • Aber auch in den beiden von Frauen besonders stark nachgefragten Fächergruppen ist die Zahl der Studienanfängerinnen gegenüber dem Jahr 2000 weiter gestiegen: In den Sprach- und Kulturwissenschaften um ein Drittel, im Bereich der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften beträgt der Anstieg sogar 70 Prozent.

Bei den Männern ist die absolute Zahl der Studienanfänger zwischen 2000 und 2015 ebenfalls stark angestiegen:

  • Den stärksten Zuwachs an männlichen Studienanfängern verzeichnen die Ingenieurwissenschaften, wo sich die Zahl der Studienanfänger in den 15 Jahren des Betrachtungszeitraums fast verdoppelt hat.
  • Ein ebenfalls hoher Anstieg der Männer ist im Bereich der Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften festzustellen (83 Prozent). Aber auch in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften (49 Prozent) sowie bei den Rechts, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (42 Prozent) nahmen 2015 mehr Männer ein Studium auf als noch vor 15 Jahren.

Bezüglich der Studienfachwahl bleibt damit zu konstatieren: Zwar nehmen immer mehr Frauen und Männer ein Studium auf, dennoch weist die Wahl des Studienfaches in Deutschland weiterhin eine starke geschlechtsspezifische Prägung auf.

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur

Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2016): Bildung in Deutschland 2016. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration, Bielefeld. www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2016/pdfbildungsbericht-2016/bildungsbericht-2016, letzter Zugriff: 01.12.2017.

Bothfeld, Silke / Klammer, Ute / Klenner, Christina, / Leiber, Simone / Thiel, Anke / Ziegler (2005): WSI-FrauenDatenReport 2005. Handbuch zur wirtschaftlichen und sozialen Situation von Frauen, Berlin.

Statistisches Bundesamt (2016): Bildung und Kultur. Studierende an Hochschulen, Wintersemester 2015/2016, Fachserie 11 Reihe 4.1, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Hochschulen/StudierendeHochschulenEndg2110410167004.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 01.12.2017.

Statistisches Bundesamt (2015): Bildung und Kultur. Studierende an Hochschulen, Wintersemester 2014/2015, Fachserie 11 Reihe 4.1, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Hochschulen/StudierendeHochschulenEndg2110410157004.
pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 01.12.2017.

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