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WSI GenderDatenPortal: Einkommen: Durchschnittliche Rentenhöhe von Frauen und Männern 1995 -2018

Frauen erhalten im Jahr 2018 niedrigere Renten als Männer, dies gilt für Altersrenten genauso wie für Erwerbsminderungsrenten, ausgenommen hiervon sind lediglich die Hinterbliebenenrenten.

  • Die durchschnittliche Rentenhöhe bei Altersrenten (sog. Renten wegen Alters) lag bei Frauen 2018 mit ca. 711 Euro bei 62 Prozent der durchschnittlichen Rentenhöhe von Männern. Männer beziehen durchschnittlich 437 Euro mehr Altersrente pro Monat als Frauen. Damit beträgt die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern 38 Prozentpunkte. Für Personen mit Neuzugang in die Altersrente im Jahr 2018 fallen die Unterschiede etwas geringer aus. Hier liegen die Frauenrenten im Vergleich zu den Männerrenten wegen Alters bei knapp 69 Prozent, womit die Rentenlücke bei den Neuzugängen „nur noch“ 31 Prozentpunkte beträgt. Dies geht zum einen auf höhere Renten bei Frauen zurück, die im Jahr 2018 neu in den Rentenbezug eintreten, zum anderen aber auch auf etwas geringere Renten bei den Männern. Die leichte Annäherung der Rentenniveaus von Frauen und Männern im Zeitverlauf vollzieht sich folglich von beiden Seiten. Allerdings fällt die geschlechterbezogene Differenz von rund 348 Euro pro Monat unter Neuzugängen dennoch weiterhin erheblich aus.
  • Bei der Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit ist der Unterschied des Rentenzahlbetrags zwischen Frauen und Männern vergleichsweise gering. Im Bestand beziehen alle Betroffenen im Jahr 2018 einen vergleichbaren Betrag. Für die Neuzugänge des Jahres 2018 lässt sich hingegen eine Rentenlücke von 49 Euro bzw. 5 Prozentpunkten zwischen Frauen und Männern (zu Gunsten der Männer) verzeichnen.  
  • Lediglich im Fall der Hinterbliebenenrenten (Witwer- und Witwenrenten) schneiden Frauen bzw. Witwen besser ab. So erhalten sie im Jahr 2018 dreimal so hohe Rentenbeträge wie die Witwer. Die Rentenlücke beträgt hier 68 Prozentpunkte zu Gunsten der Frauen/ Witwen. Selbst unter den Neuzugängen des Jahres 2018 besteht weiterhin eine Rentenlücke zwischen Witwer- und Witwenrenten in Höhe von 63 Prozentpunkten (zu Gunsten der Frauen/ Witwen).

In Ostdeutschland beziehen Frauen insgesamt höhere Renten als Frauen in Westdeutschland, zudem fällt ihre Rentenlücke gegenüber den Männern deutlich kleiner aus. Dies gilt für alle drei Rentenarten, insbesondere aber für die sog. Rente wegen Alters. Auch die Altersrenten von Frauen aus Ostdeutschland fallen in ihrer absoluten Höhe niedriger aus als die der Männer (Rentenbestand: um 264 Euro geringer; Rentenzugang: um 92 Euro geringer). Allerdings ist hier die geschlechterbezogene Rentenlücke deutlich kleiner als in Westdeutschland: In Westdeutschland fällt die Rentenlücke im Bestand mit 43 Prozentpunkten doppelt so hoch aus wie in Ostdeutschland mit 21 Prozentpunkten. Unter den Neuzugängen des Jahres 2018 ist die Rentenlücke in Westdeutschland mit 31 Prozentpunkten sogar mehr als dreimal höher als in Ostdeutschland mit 9 Prozentpunkten. Hintergrund hierfür ist die kontinuierlichere und umfangreichere Erwerbsbeteiligung der Frauen in Ostdeutschland sowie der geringere Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern in Ostdeutschland.

Ursachen: Die im Durchschnitt deutlich unterschiedlichen Rentenbeträge lassen sich aus den Erwerbsbiografien von Frauen und Männern erklären. So haben Frauen tendenziell kürzere Beitragszeiten und durchschnittlich niedrigere Erwerbseinkommen, was zu geringen, eingezahlten Rentenbeiträgen führt und sich schließlich in geringen Renten widerspiegelt. Nur die Witwenrenten der Frauen sind erkennbar höher als die Witwerrenten der Männer. Vor allem deshalb, weil die der Berechnung zugrunde liegenden Altersrenten der verstorbenen Ehemänner bzw. Lebenspartner höher ausfallen als anders herum die von verstorbenen Ehefrauen bzw. Lebenspartnerinnen. Außerdem werden bei den Witwen niedrigere eigene Einkünfte (z. B. Einkommen, Renten, Kapitalerträge) gegengerechnet als umgekehrt bei Witwern; es kommt bei Witwen daher weniger stark zu Kürzungen der Hinterbliebenenrente. Dies liefert zugleich die Erklärung dafür, dass Witwer im Durchschnitt niedrigere Beträge aus der Hinterbliebenenrente schöpfen: die niedrigeren Rentenansprüche der verstorbenen Ehefrauen bzw. Lebenspartnerinnen sowie die höheren eigenen Einkünfte, die gegengerechnet werden. Personen mit höheren eigenen Einkommen (tendenziell Männer) können so unter Umständen nur eine gekürzte oder auch gar keine Witwen-/Witwerrente beanspruchen.

Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den Pdf-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Julia Spitznagel

 

Literatur

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2017): Ergänzender Bericht der Bundesregierung zum Rentenversicherungsbericht 2016 gemäß § 154 Abs. 2 SGB VI (Alterssicherungsbericht 2016), Berlin, https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Pressemitteilungen/2016/alterssicherungsbericht-2016.pdf?__blob=publicationFile&v=3, letzter Zugriff: 27.08.2020.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2019): Bericht der Bundesregierung über die gesetzliche Rentenversicherung, insbesondere über die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben, der Nachhaltigkeitsrücklage sowie des jeweils erforderlichen Beitragssatzes in den künftigen 15 Kalenderjahren gemäß § 154 Abs. 1 und 3 SGB VI (Rentenversicherungsbericht 2019).

Statistik der Deutschen Rentenversicherung (2020): Statistikband Rentenzugang 2019, Berlin.

Statistik der Deutschen Rentenversicherung (jährlich): Statistikband Rentenbestand, Berlin.

Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung, http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de, letzter Zugriff: 27.08.2020.

Deutsche Rentenversicherung Bund (2019): Rentenversicherung in Zeitreihen, Ausgabe 2019, Berlin.

Deutsche Rentenversicherung Bund (2020): Hinterbliebenenrente. Hilfe in schweren Zeiten, 15. Auflage, Berlin.

Buslei, Hermann / Firscher, Björn / Geyer, Johannes / Hammerschmid, Anna (2019): Das Rentenniveau spielt eine wesentliche Rolle für das Armutsrisiko im Alter. In: DIW-Wochenbericht Nr. 21+22/2019, S. 376–384, https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.623907.de/19-21.pdf, letzter Zugriff: 27.08.2020.

Wagner, Alexandra / Klenner, Christina / Sopp, Peter (2017): Alterseinkommen von Frauen und Männern. Neue Auswertungen aus dem WSI GenderDatenPortal, WSI-Report, www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_38_2017.pdf, letzter Zugriff: 27.08.2020.

 

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