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WSI GenderDatenPortal: Einkommen: Quelle des überwiegenden Lebensunterhalts 2017

In Deutschland im Jahr 2017 ist eigene Erwerbsarbeit für Frauen und Männer im Erwerbsalter (18 bis unter 65 Jahre) die wichtigste Quelle des Lebensunterhalts. Dies gilt insbesondere für Erwerbstätige, die mindestens 15 Stunden pro Woche arbeiten.

Der Umfang der Erwerbstätigkeit bestimmt, ob Frauen und Männer in Deutschland vorwiegend von ihrer eigenen Arbeit leben (Grafik 1): Für fast alle vollzeiterwerbstätigen Frauen und Männer, die mindestens 35 Stunden pro Woche arbeiten, stellt das eigene Erwerbseinkommen die Basis des Lebensunterhalts dar (Männer: 98 Prozent; Frauen: 97 Prozent). Ähnlich wichtig ist das eigene Erwerbseinkommen auch für Frauen mit langer Teilzeit: 97 Prozent der Frauen, die zwischen 25 bis unter 35 Stunden pro Woche arbeiten, bestreiten ihren Lebensunterhalt überwiegend aus ihrem Erwerbseinkommen.

Deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern zeigen sich hingegen für nicht-erwerbstätige Personen oder nur in Teilzeit tätige Personen:

  • Personen, die nicht-erwerbstätig oder nur in geringem Umfang erwerbstätig sind (d.h. weniger als 15 Stunden pro Woche), erzielen kein oder nur ein sehr geringes eigenes Erwerbseinkommen. Frauen aus dieser Gruppe sind dann weitaus häufiger von den Einkommen ihrer Angehörigen abhängig als Männer: Fast jede zweite Frau (49 Prozent), aber nicht einmal jeder dritte Mann (30 Prozent) ist in dieser Situation auf die Unterstützung durch Angehörige angewiesen. Demgegenüber sind Männer, die nicht – oder nur in geringem Umfang – erwerbstätig sind, weitaus häufiger durch Transferleistungen abgesichert als Frauen, also durch Arbeitslosengeld, Elterngeld, Sozialhilfe oder Rente. Dies gilt für mehr als die Hälfte der Männer (54 Prozent), aber nur ein Drittel der Frauen (33 Prozent).
  • Ähnliche Unterschiede – wenn auch auf sehr viel niedrigem Niveau – zeigen sich für Frauen in Teilzeit mit 15 bis 25 Wochenstunden im Vergleich zu teilzeitarbeitenden Männern. Sofern auch sie ihren Lebensunterhalt nicht vorrangig aus ihrem Teilzeiteinkommen bestreiten (Frauen: 84 Prozent, Männer: 87 Prozent), gilt: Frauen in kurzen Teilzeitarbeitsverhältnissen sind, neben dem eigenen Einkommen, vor allem auf Angehörige angewiesen (12 Prozent), eher selten sind sie durch eigene Transferleistungen abgesichert (3 Prozent). Männer in Teilzeit sind im Gegensatz dazu eher über eigene Transferleistungen abgesichert (8 Prozent) und weniger über das Einkommen von Angehörigen (3 Prozent). Eine Unterstützung durch Angehörige ist damit für jede achte Frau in kurzer Teilzeit unverzichtbar, aber nur für jeden dreißigsten Mann in Teilzeit.

Die unterschiedliche Bedeutung der Absicherung von nicht-erwerbstätigen Frauen und Männern durch Angehörige bzw. sozialstaatliche Transferleistungen variiert stark mit ihrem Alter (Grafik 2):

  • Bei den jungen Erwachsenen (von 18 bis unter 30 Jahren) hängen mehr als 60 Prozent der Frauen und Männer hauptsächlich von der finanziellen Unterstützung durch Familienangehörige ab. Nicht einmal jede/r sechste ist durch staatliche Transferleistungen abgesichert.
  • In der mittleren Altersgruppe (30 bis unter 50 Jahren) zeigen sich große geschlechtsbezogene Unterschiede: Mehr als zwei Drittel der nicht-erwerbstätigen Männer, aber weniger als ein Drittel der Frauen leben hauptsächlich von Transferleistungen. Im Gegenzug ist jede zweite Frau aber nur jeder siebte Mann vorwiegend auf finanzielle Unterstützung durch Angehörige angewiesen.
  • Bei den Älteren (50 bis unter 65 Jahre) fallen die geschlechtsbezogenen Unterschiede etwas geringer aus: Von staatlichen Transferleistungen lebt in dieser Altersgruppe nur knapp die Hälfte der nicht-erwerbstätigen Frauen (47 Prozent), aber die große Mehrheit der Männer (83 Prozent). Mehr als jede dritte nicht-erwerbstätige Frau (38 Prozent) ist daher hauptsächlich auf Angehörige angewiesen – dies gilt aber nur für jeden sechzehnten Mann (6 Prozent).

Weiterführende Analysen belegen, dass insbesondere die Elternschaft einen starken Einfluss auf die Absicherung von nicht-erwerbstätigen Frauen hat: Fast jede dritte nicht-erwerbstätige Frau ohne Kinder sichert ihren Lebensunterhalt mittels staatlicher Transferleistungen; dies gilt aber nur für etwa jede sechste Frau mit minderjährigen Kind(ern) (18 Prozent) (ohne Abb., siehe Tab. 3). Unter Eltern fallen die geschlechtsbezogenen Unterschiede damit besonders deutlich aus: Während nicht-erwerbstätige Mütter ihren Lebensunterhalt nur sehr selten überwiegend aus Transferleistungen bestreiten (18 Prozent), stellen Transferleistungen für nicht-erwerbstätige Väter besonders häufig die Haupt-Quelle des Lebensunterhalts dar (66 Prozent).

Hauptursache für die geschlechtsbezogenen Unterschiede bei der Absicherung durch Transferleistungen ist die Arbeitsteilung der Geschlechter im Paarkontext, insbesondere bei Paaren mit Kind(ern): Zwar steigt der Anteil der erwerbstätigen Mütter mit dem Alter des jüngsten Kindes stark an(1), die Mehrheit der Frauen arbeitet aber selbst dann noch in Teilzeit, wenn ihre Kinder das Teenageralter erreicht haben.(2) Im Vergleich zu Vätern leisten Mütter einen sehr viel größeren Anteil an unbezahlter Arbeitszeit (für Hausarbeit und Fürsorgearbeit), insbesondere wenn die Mütter Teilzeit arbeiten.(3) Dies spiegelt sich auch in den subjektiven Selbstaussagen der Frauen wider: Mehr als drei Viertel der Frauen mit Kind(ern) begründet die eigene Teilzeittätigkeit mit familiären Verpflichtungen.(4)

Aus Gleichstellungsperspektive sind längere Erwerbsunterbrechungen oder Teilzeitphasen von Frauen kritisch zu bewerten, denn diese sind mit großen Risiken für die eigene Existenzsicherung behaftet. In ihrer Studie über existenzsichernde Beschäftigung gelangt Pimminger (2015) zu dem Ergebnis, dass in Deutschland „gut zwei Drittel der abhängig beschäftigten Frauen im Haupterwerbsalter von 25 bis 55 Jahren (64 Prozent) (…) nicht genug zur eigenen langfristigen Existenzsicherung [verdienen]. Das heißt, ihr Verdienst ist nicht hoch genug, um damit nicht nur den unmittelbaren Lebensunterhalt zu decken, sondern auch eigene Ansprüche zu erwerben, die im Falle von Arbeitslosigkeit sowie im Alter für eine eigenständige Existenzsicherung ausreichen.“(5)

Noch gravierender ist die Situation für Frauen, wenn sie auch noch ein Kind zu versorgen haben: „Vier Fünftel der beschäftigten Frauen im Haupterwerbsalter (80 Prozent) wären mit ihrem aktuellen Verdienst nicht in der Lage, langfristig für sich und ein Kind zu sorgen, d. h. auch für den Fall von Arbeitslosigkeit oder Erwerbsunfähigkeit ausreichend Ansprüche zur Existenzsicherung zu erwerben.“(6)

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Lena Mann

 

Literatur
Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Spitznagel, Julia (2019): Zeitaufwand für bezahlte
und unbezahlte Arbeit 2012/2013. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Hentschel, Linda (2018a): Erwerbstätigenquoten
nach Elternschaft und Alter der Kinder 2017. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Hentschel, Linda (2018b): Teilzeitquoten nach Elternschaft und Alter des jüngsten Kindes 2017. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Hentschel, Linda (2018c): Gründe für Teilzeittätigkeit nach Elternschaft 2017. In: WSI GenderDatenPortal.

IAQ (Institut für Arbeitsmarkt und Qualifikation) (o. J.): Bevölkerung nach Quellen
des überwiegenden Lebensunterhalts 1997, 2007 und 2017. In: Sozialpolitik aktuell
in Deutschland,
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Einkommen-Armut/Datensammlung/PDF-Dateien/abbIII10.pdf, letzter Zugriff: 05.08.2019.

Pimminger, Irene (2015): Existenzsichernde Beschäftigung von Frauen und Männern mit und ohne Migrationshintergrund, Berlin,
https://www.esf-querschnittsziele.de/fileadmin/DATEN/Publikationen/expertise_existenzsicherung_301115.pdf, letzter Zugriff: 05.08.2019.

Statistisches Bundesamt (2018): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2017, Fachserie 1 Reihe 4.1,
https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Publikationen/Downloads-Erwerbstaetigkeit/erwerbsbeteiligung-bevoelkung-2010410177004.
pdf?__blob=publicationFile&v=4
, letzter Zugriff: 05.08.2019.

 


(1) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Hentschel, Linda (2018 a): Erwerbstätigenquote nach Elternschaft und Alter der Kinder 2017. In: WSI GenderDatenPortal.

(2) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Hentschel, Linda (2018 b): Teilzeitquoten nach Elternschaft und Alter des jüngsten Kindes 2017. In: WSI GenderDatenPortal.

(3) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Spitznagel, Julia (2019): Zeitaufwand für bezahlte und unbezahlte Arbeit 2012/2013. In: WSI GenderDatenPortal.

(4) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Hentschel, Linda (2018 c): Gründe für Teilzeittätigkeit nach Elternschaft 2017. In: WSI GenderDatenPortal.

(5) Pimminger, Irene (2015): Existenzsichernde Beschäftigung von Frauen und Männern mit und ohne Migrationshintergrund, Berlin, S. 37.

(6) a. a. O.

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