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WSI GenderDatenPortal: Einkommen: Vollzeitbeschäftigte mit Einkommen bis 2.000 Euro in Deutschland 2011-2018

Frauen erzielten in Deutschland im Jahr 2018 im Durchschnitt geringere Einkommen als Männer, das gilt selbst dann, wenn man für den Vergleich nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit einer Vollzeitstelle heranzieht. (1) Bei der Verteilung der monatlichen Brutto-Einkommen von Frauen und Männern zeigen sich Unterschiede vor allem am oberen und unteren Rand der Einkommensskala (Grafik 1): Ein monatliches Brutto-Einkommen oberhalb von 5.000 Euro erzielte jeder vierte Mann, aber nur jede achte Frau. Ein niedriges Brutto-Einkommen bis maximal 2.000 Euro monatlich hatte 2018 jeder neunte Mann und sogar jede fünfte Frau in Deutschland. Der Anteil der Frauen mit einem Niedrigeinkommen trotz Vollzeitstelle ist in Deutschland damit fast 1,8-mal größer als der bei Männern. (2)


Innerhalb des Beobachtungszeitraums 2011–2018 hat sich die Verteilung der Einkommen vor allem bei den Anteilen an hohen und niedrigen Einkommen verändert (Grafik 1): 

  • Hohe Einkommen: Zwischen 2011 und 2018 ist der Anteil der Einkommen oberhalb von 5.000 Euro bei Männern von 15 auf 24 Prozent stark angestiegen. Bei Frauen hat er sich etwas mehr als verdoppelt (von 5 auf 12 Prozent), dennoch ist der Anteil vollzeitbeschäftigter Männer mit einem hohen Einkommen in Deutschland immer noch doppelt so hoch wie unter Frauen. 
  • Auch bei den Niedrigeinkommen zeigen sich starke Veränderungen: Im Jahr 2011 verdiente jede dritte Frau (34 Prozent) und jeder fünfte Mann (20 Prozent) maximal 2.000 Euro brutto pro Monat. Bis zum Jahr 2018 haben sich die Anteile bei den Frauen auf 20 Prozent und bei den Männern auf 11 Prozent verringert. 

Da sich die Anteile an Niedrigeinkommensbezieher*innen bei beiden Geschlechtern zwischen 2011 und 2018 vergleichbar verringert haben, hat sich die geschlechterbezogene Relation der Niedrigeinkommen kaum verändert: Auch im Jahr 2018 bleibt es dabei, dass vollzeitbeschäftigte Frauen 1,8-mal so häufig ein Niedrigeinkommen mit maximal 2.000 Euro brutto beziehen wie vollzeitbeschäftigte Männer (Grafik 2). 

Im regionalen Vergleich fallen bei den Niedrigeinkommen enorme Unterschiede auf (Grafik 3): 

  • Vollzeitbeschäftigte Frauen und Männer in Ostdeutschland sind in viel stärkerem Maße von Niedrigeinkommen betroffen. (3) Noch im Jahr 2011 verdiente fast die Hälfte der Frauen (44 Prozent) und der Männer (43 Prozent) maximal 2.000 Euro brutto im Monat. Zwar verringerten sich diese Anteile bis zum Jahr 2018 bei Frauen auf 27 Prozent und bei Männern auf 21 Prozent. Wegen des stärkeren Rückgangs unter Männern sind nun auch in Ostdeutschland Frauen stärker von Niedrigeinkommen betroffen als Männer. 
  • In Westdeutschland verdienen Vollzeitbeschäftigte im Jahr 2018 weitaus seltener maximal 2.000 Euro monatlich als in Ostdeutschland. Dies gilt sowohl für Frauen (19 Prozent) als auch ganz besonders für Männer (9 Prozent). Zudem fällt der geschlechtsbezogene Abstand beim Niedrigeinkommensanteil in Westdeutschland immer noch sehr viel höher aus. 

Zu einem noch deutlich höheren Anteil an Beschäftigten mit Niedrigeinkommen gelangen solche wissenschaftliche Studien, die den Niedriglohn auf Basis der Stundenverdienste berechnen und alle abhängig Beschäftigten (unabhängig von ihrem Erwerbsumfang) in die Berechnungen einbeziehen: Im Jahr 2018 liegt das auf diesem Weg ermittelte Niedriglohnrisiko unter allen abhängig Beschäftigten in Deutschland bei 21,8 Prozent. Dabei tragen Frauen ein deutlich höheres Niedriglohnrisiko als Männer (28 gegenüber 16 Prozent). (4) Die höheren Niedriglohnrisiken von Frauen ergeben sich auch daraus, dass sie häufiger in Teilzeit arbeiten bzw. eine geringfügige Beschäftigung ausüben. (5)


Demgegenüber belegen die hier vorgestellten Ergebnisse eindrücklich, dass der unterschiedliche Erwerbsumfang von Frauen und Männern nur einen Teil des höheren Niedriglohnrisikos von Frauen erklären kann: Denn selbst wenn Frauen vollzeitbeschäftigt sind, sind sie immer noch 1,8-mal häufiger als Männer dem Risiko ausgesetzt, lediglich ein niedriges Einkommen bis maximal 2.000 Euro zu erwirtschaften. 


Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den Pdf-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Julia Spitznagel


Literatur

Kalina, Thorsten / Weinkopf, Claudia (2017): Niedriglohnbeschäftigung 2015 – bislang kein Rückgang im Zuge der Mindestlohneinführung, IAQ-Report 2017-06, http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2017/report2017-06.pdf, letzter Zugriff: 18.08.2020.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2019): Beschäftigungsstatistik, Sozialversicherungspflichtige Bruttoarbeitsentgelte (Jahreszahlen). Deutschland, West/Ost und Kreis, Nürnberg, Stichtag 31. Dezember 2018.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2016): Bruttomonatsentgelte von Beschäftigten nach der Revision 2014. Methodenbericht, Nürnberg.

 


(1) Die Analysen der Bundesagentur für Arbeit basieren auf der Kerngruppe der Vollzeitbeschäftigten (siehe Methodische Anmerkungen).

(2) Als Niedrigeinkommen sind alle Einkommen definiert, die unterhalb des Schwellenwertes von zwei Dritteln des deutschen Medianeinkommens liegen. Diese Schwellenwerte werden normalerweise auf Basis der Daten eines Jahres ermittelt, und können sich daher im Zeitverlauf ändern. Abweichend davon wird in den vorliegenden Analysen ein fixer Schwellenwert von 2.000 Euro brutto für alle Jahre des Beobachtungszeitraums herangezogen. Der Anteil der Niedrigeinkommen wird dadurch nur näherungsweise bestimmt.

(3) Bei der Interpretation der – im Vergleich zu Westdeutschland – höheren Anteile in Ostdeutschland ist zu beachten, dass diese Unterschiede vor allem auf das insgesamt niedrigere Lohnniveau in Ostdeutschland zurückzuführen sind. In vielen wissenschaftlichen Analysen zur Niedriglohnquote werden daher für West- und Ostdeutschland jeweils eigene Medianwerte bestimmt, um die jeweilige regionale Niedriglohnquote zu ermitteln.

(4) Vgl. Kalina, Thorsten / Weinkopf, Claudia (2020): Niedriglohnbeschäftigung 2018 –

Erstmals Rückgang, aber nicht für gering Qualifizierte und Minijobber*innen, S. 9.

(5) Vgl. Kalina, Thorsten / Weinkopf, Claudia (2017): Niedriglohnbeschäftigung 2015 – bislang kein Rückgang im Zuge der Mindestlohneinführung, S. 14.

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