WSI GenderDatenPortal: Erwerbsarbeit: Arbeitslosenquoten 1991-2025
Grafiken, Analyse, Tabellen (pdf)
Die Arbeitslosenquote in Deutschland ist für Frauen und Männer im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr erneut gestiegen - ursächlich hierfür ist die konjunkturelle Eintrübung. Dabei sind Frauen (6,3 Prozent) weiterhin etwas seltener als Männer (7,3 Prozent) von Arbeitslosigkeit betroffen (vgl. Grafik 1). Die Arbeitslosenquote der Frauen liegt seit 2009 durchgängig leicht unter der Quote der Männer. (1)
Innerhalb des gesamten Beobachtungszeitraums zwischen 1991 und 2025 sank die Arbeitslosenquote bei Frauen insgesamt recht deutlich: sie ging von 8,5 Prozent (1991) auf 6,3 Prozent (2025) und damit um mehr als ein Drittel zurück. Demgegenüber stieg die Arbeitslosenquote bei Männern über den Beobachtungszeitraum hinweg leicht an: von 6,4 Prozent (1991) auf 7,3 Prozent (2025). Die Arbeitslosenquote von Frauen wie Männern unterlag während des Beobachtungszeitraums jedoch deutlichen Schwankungen:
- Von 1991 bis 1997 stieg die Arbeitslosigkeit insgesamt stark an. In dieser Zeit waren Frauen deutlich stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer. Der geschlechterbezogene Abstand der Arbeitslosenquoten wurde in dieser Phase entsprechend kleiner.
- Zwischen 1997 und 2001 ging die Arbeitslosigkeit dann deutlich zurück. Frauen wiesen im Jahr 2001 erstmals eine niedrigere Arbeitslosenquote auf als Männer.
- Von 2001 bis 2005 nahm die Arbeitslosigkeit wieder deutlich zu, wobei die Arbeitslosenquote der Frauen durchgängig unter der der Männer blieb.
- Zwischen 2005 und 2008 ging die Arbeitslosigkeit für beide Geschlechter stark zurück. Lediglich im Jahr 2009 stieg die Arbeitslosigkeit – infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise – für Männer sprunghaft an.
- In den folgenden 10 Jahren, also von 2009 bis 2019, war die Arbeitslosenquote in Deutschland für Frauen wie Männer erneut rückläufig.
- Als Folge der Corona-Pandemie und der begleitenden Eindämmungsmaßnahmen nahm die Arbeitslosenquote für Frauen und Männern im Jahr 2020 abrupt zu. Diese Zunahme fiel bei den Männern größer aus als bei Frauen. (2)
- Bis 2022 ging die Arbeitslosenquote insgesamt wieder zurück – allerdings für Männer (minus 1,1 Prozentpunkte) deutlicher als für Frauen (minus 0,4 Prozentpunkte) (vgl. Tab. 1).
Der regionale Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland zeigt, dass die Arbeitslosenquoten in Ostdeutschland seit der Deutschen Einheit – sowohl für Frauen als auch für Männer – fast durchgängig doppelt so hoch ausfielen wie in Westdeutschland (vgl. Grafik 2). Erst nach 2008 erfolgte eine schrittweise Angleichung.
- In Westdeutschland differiert die Entwicklung zwischen Frauen und Männern im gesamten Beobachtungszeitraum 1991 bis 2022 in geringem Maße als in Ostdeutschland.
- Die Arbeitslosenquoten in Ostdeutschland weisen dagegen anfänglich starke Unterschiede zwischen Frauen und Männern auf: Zwischen 1991 und 1997 hat sich die Arbeitslosenquote der Frauen in Ostdeutschland zunächst fast verdoppelt (von 11,9 auf 21,6 Prozent), während der Anstieg bei den Männern in dieser Phase geringer war (von 8,7 auf 16,7 Prozent). Im Jahr 2005 erreichte die Arbeitslosenquote der Männer in Ostdeutschland mit 21,3 Prozent ihren Höchstwert.
Fast über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg ist der geschlechterbezogene Abstand der Arbeitslosenquoten in Ostdeutschland größer als in Westdeutschland. Aktuell beträgt die Geschlechterlücke bei der Arbeitslosenquote 1,5 Prozentpunkte in Ostdeutschland und 0,8 Prozentpunkte in Westdeutschland.
Bei der Interpretation der Arbeitslosenquote innerhalb des Beobachtungszeitraums sind wichtige strukturelle Aspekte zu berücksichtigen:
- Zu Beginn der 1990er Jahre bestand ein deutliches „Ost-West-Gefälle“ in Deutschland. Sowohl die mit den ökonomischen Umbrüchen der Wendezeit einhergehenden Arbeitsplatzverluste als auch die deutlich höhere Erwerbsneigung von Frauen und Männern in Ostdeutschland trugen in dieser Phase zu einem starken Anstieg der Arbeitslosenquote in Ostdeutschland bei. (3)
- Seit 2000 ist in Deutschland immer stärker eher ein „Nord-Süd-Gefälle“ zu verzeichnen: „Im Osten wie im Westen weist der Arbeitsmarkt in den wirtschaftsstarken südlichen Regionen eine tendenziell bessere Verfassung auf als im eher strukturschwachen Norden“. (4)
- Die Unterschiede bei der Arbeitslosenquote werden derzeit wesentlich von demografischen Entwicklungen, aber auch regionalen Unterschieden in der Wirtschaftskraft der Bundesländer bestimmt. Im Süden Deutschlands ist die Arbeitslosigkeit nach wie vor deutlich geringer als im Osten und Norden. (5)
- Hat die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfeleistungen im Zuge der Arbeitsmarktreformen in den Jahren 2002 bis 2005 zunächst zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote beigetragen, so muss der anschließende Rückgang dann eher auf eine verlangsamte Produktivitätsentwicklung, die Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse (befristete Beschäftigung und Leiharbeit) in Deutschland, die Verteilung des Arbeitsvolumens auf immer mehr Köpfe sowie auf sinkende Arbeitskraftreserven zurückgeführt werden. (6) (7)
In der Dynamik von Arbeitslosigkeit zeigen sich Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist für Männer etwas höher als für Frauen. Sind Frauen jedoch erst einmal arbeitslos geworden, finden sie schwerer als Männer eine neue Beschäftigung und bleiben daher häufiger und länger arbeitslos. Die Unterschiede in der Dynamik zwischen Männern und Frauen können vor allem durch geschlechtertypische Muster der Berufswahl erklärt werden. Männer sind häufiger in konjunktursensiblen und/oder saisonalen Branchen bzw. Berufen beschäftigt, während Frauen öfter in stabilen Dienstleistungsbereichen arbeiten. (8) (9)
Die Beschäftigungsaufnahme von Frauen kann stärker als bei Männern durch die ungleich verteilte Sorgearbeit erschwert werden, etwa wenn institutionelle Betreuungsplätze fehlen oder die angebotene Lage der Arbeitszeit nicht zur eigenen Care-Verantwortung passt (Kinder, Pflege) bzw. wenn der potentielle Arbeitgeber einem Teilzeitwunsch nicht entspricht. (10)
Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den Pdf-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.
Bearbeitung: Svenja Pfahl, Stefan Reuyß
Literatur
Bundesagentur für Arbeit (2025): Die Arbeitsmarktsituation von Frauen und Männern 2024. Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt. Nürnberg: BA, letzter Zugriff: 27.08.2026.
Bundesagentur für Arbeit (2026a): Glossar der Statistik der Bundesanstalt für Arbeit (BA). Grundlagen: Definitionen. Nürnberg: BA, letzter Zugriff: 27.08.2026.
Bundesagentur für Arbeit (2026b): Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf – Entwicklung der Arbeitslosenquote 2025. Excel-Tabelle, Registerblatt „Hinweise“. Nürnberg: BA, letzter Zugriff: 27.08.2026.
Fuchs, Michaela / Ludewig, Oliver / Weyh, Antje (2015): Arbeitslosigkeit in Ost und West: Unterschiede verschwimmen immer mehr. In: IAB-Forum Nr. 01, S. 22–29. Nürnberg: IAB, letzter Zugriff: 27.08.2026.
Knuth, Matthias / Kaps, Petra (2014): Arbeitsmarktreformen und „Beschäftigungswunder“ in Deutschland. In: WSI Mitteilungen Nr. 03, S. 173–181. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, letzter Zugriff: 27.08.2026.
Pfahl, Svenja / Wittmann, Maike (2023): Horizontale Segregation des Arbeitsmarktes 2022. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.
Thode, Eric / Wink, Roman (2024): Entwicklung und Zukunft des ostdeutschen Arbeitsmarkts. Focus Paper Arbeitsmarkt. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, letzter Zugriff: 27.08.2026.
(1) Das ist eine beachtliche Veränderung, denn zumindest in der früheren Bundesrepublik Deutschland hatten die Frauen im Vergleich zu den Männern fast durchgängig mindestens gleich hohe und teilweise deutlich höhere Arbeitslosenquoten (abgesehen von einer kurzen Phase Mitte der 1960er Jahre), vgl. dazu auch Tab. 2.
(2) Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2025): Die Arbeitsmarktsituation von Frauen und Männern 2024. Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt. Nürnberg: BA, S. 19.
(3) Vgl. Fuchs, Michaela / Ludewig, Oliver / Weyh, Antje (2015): Arbeitslosigkeit in Ost und West: Unterschiede verschwimmen immer mehr. In: IAB-Forum Nr. 01. Nürnberg: IAB, S. 22. Siehe dazu auch: Thode, Eric / Wink, Roman (2024). Entwicklung und Zukunft des ostdeutschen Arbeitsmarkts. Focus Paper Arbeitsmarkt. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.
(4) Fuchs, Michaela / Ludewig, Oliver / Weyh, Antje (2015): Arbeitslosigkeit in Ost und West: Unterschiede verschwimmen immer mehr. In: IAB-Forum Nr. 01. Nürnberg: IAB, S. 28.
(5) Bundesagentur für Arbeit (2025): Die Arbeitsmarktsituation von Frauen und Männern 2024. Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt. Nürnberg: BA, S. 22.
(6) Vgl. Knuth, Matthias / Kaps, Petra (2014): Arbeitsmarktreformen und „Beschäftigungswunder“ in Deutschland. In: WSI Mitteilungen Nr. 03. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, S. 174.
(7) Vgl. a. a. O., S. 175ff.
(8) Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2025): Die Arbeitsmarktsituation von Frauen und Männern 2024. Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt. Nürnberg: BA, S. 19ff.
(9) Vgl. dazu auch Pfahl, Svenja / Wittmann, Maike (2023): Horizontale Segregation des Arbeitsmarktes 2022. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.
(10) Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2025): Die Arbeitsmarktsituation von Frauen und Männern 2024. Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt. Nürnberg: BA, S. 20.