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WSI GenderDatenPortal: Erwerbsarbeit: Arbeitslosenquoten 1991-2019

Die Arbeitslosenquoten in Deutschland bei Frauen und Männern sind im Zeitvergleich zwischen 1991 und 2019 insgesamt leicht gesunken. Während 1991 noch 8,5 Prozent der Frauen arbeitslos waren, liegt der Wert 2019 bei nur noch 5,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote der Männer lag 1991 noch bei 6,5 Prozent – und war damit niedriger als bei Frauen. Im Jahr 2019 weisen Männer mit 5,9 Prozent einen höheren Anteil an Arbeitslosen auf als Frauen. Der geschlechterbezogene Abstand der Arbeitslosenquote hat sich damit zugunsten der Frauen verändert.

  • Innerhalb des Beobachtungszeitraums von 1991 bis 2019 unterlag die Arbeitslosenquote starken Veränderungen: Bis zum Jahr 1997 stieg die Arbeitslosigkeit bei Frauen und Männern stark an, wobei Frauen bis zum Jahr 1997 (13,3 Prozent) noch stärker von Arbeitslosigkeit betroffen waren als Männer (12,2 Prozent). In dieser Phase hat der geschlechterbezogene Abstand der Arbeitslosenquoten aber deutlich abgenommen.
  • Zwischen 1997 und 2001 ging die Arbeitslosigkeit bei Frauen und Männern deutlich zurück, und erstmals seit Beginn der 1990er Jahre hatten Frauen eine niedrigere Arbeitslosenquote als Männer (10,2 gegenüber 10,4 Prozent).
  • Zwischen 2001 und 2005 kam es erneut zu einem Anstieg, wobei die Arbeitslosenquote der Frauen durchgängig etwas niedriger war als die der Männer.
  • Zwischen 2005 und 2008 ging die Arbeitslosenquote bei Frauen und Männern wiederum stark zurück. Infolge der Wirtschaftskrise stieg die Arbeitslosigkeit – insbesondere unter Männern – zwar nochmals leicht an, geht aber seit 2009 fast kontinuierlich zurück.

Der regionale Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland zeigt, dass 2019 die Arbeitslosenquoten in Ostdeutschland sowohl bei Frauen als auch bei Männern höher ausfallen als in Westdeutschland. Auffällig: Die Arbeitslosenquoten der Frauen in den alten und neuen Bundesländern sind jeweils etwas niedriger als die der Männer. Die geschlechterbezogene Differenz ist in Ostdeutschland mit 1,4 Prozentpunkten sogar noch etwas höher als in Westdeutschland (0,7 Prozentpunkte).

Der Zeitvergleich über den gesamten Beobachtungszeitraum von 1991 bis 2019 zeigt deutlich, dass die Arbeitslosenquote in den neuen Bundesländern seit der Deutschen Einheit fast durchgängig doppelt so hoch ausfiel wie in den alten Bundesländern. Erst seit 2008 erfolgt eine schrittweise Angleichung. Die Entwicklung zwischen Frauen und Männern in Westdeutschland differiert im gesamten Beobachtungszeitraum nur geringfügig, während die Arbeitslosenquoten in Ostdeutschland zwischen 1991 und 2000 starke Unterschiede zwischen Frauen und Männern aufweisen und sich erst nach 2005 ähnlich entwickeln.

  • Zwischen 1991 und 1997 stieg die Arbeitslosenquote der Frauen in Ostdeutschland fast um das Doppelte an. Der Anstieg bei Männern in Ostdeutschland verlief in den 1990er Jahren weniger stark, hielt aber bis 2005 unvermindert an, und erreicht in diesem Jahr mit 21,3 Prozent seinen Höchstwert.
  • Die Arbeitslosenquoten bei Frauen und Männern in Westdeutschland stiegen im Vergleich dazu weniger stark und bewegten sich im gesamten Beobachtungszeitraum weit unter dem Niveau der Arbeitslosenquoten in Ostdeutschland.
  • Ab 2005 sank die Arbeitslosenquote sowohl in West- als auch in Ostdeutschland bei Frauen und Männern, wobei in Ostdeutschland die Quoten bis 2015 noch wesentlich über denen Westdeutschlands lagen. 2019 haben sich die Arbeitslosenquoten zwischen Ost- und Westdeutschland angenähert, wobei Frauen und Männer in Ostdeutschland immer noch stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind.
  • Im Unterschied zu 1991 sind Frauen aktuell sowohl in West- als auch in Ostdeutschland in etwas geringerem Maße von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer. Die Differenz zwischen Frauen und Männern ist dabei in Ostdeutschland doppelt so groß wie in Westdeutschland (1,4 gegenüber 0,7 Prozent).

Bei der Interpretation der Arbeitslosenquote sind wichtige Aspekte zu berücksichtigen: Zu Beginn der 1990er Jahre bestand noch ein deutliches „Ost-West-Gefälle“ in Deutschland. Sowohl die sozio-ökonomischen Umbrüche nach der Deutschen Einheit als auch die hohe Erwerbsneigung von Frauen und Männern in den ostdeutschen Bundesländern trug in den ersten Jahren zu einem starken Anstieg der Arbeitslosenquote bei. (1) Seit 2000 ist in zunehmendem Maße jedoch eher ein „Nord-Süd-Gefälle“ festzustellen: „Im Osten wie im Westen weist der Arbeitsmarkt in den wirtschaftsstarken südlichen Regionen eine tendenziell bessere Verfassung auf als im eher strukturschwachen Norden“. (2) Heute gilt: Die infrastrukturelle Anbindung der Regionen spielt für die wirtschaftlichen Bedingungen in beiden Landesteilen auf längere Sicht eine maßgeblichere Rolle als die Unterscheidung zwischen Ost- und Westdeutschland. (3)

Der starke Rückgang der Arbeitslosenquoten nach 2005 muss auch auf die jeweiligen Entwicklungen der Arbeitsmarktstrukturen zurückgeführt werden: Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfeleistung im Zuge der Arbeitsmarkreformen hat zunächst zum Anstieg der Arbeitslosenquote beigetragen. (4) Der anschließende Rückgang ist dann eher auf eine verlangsamte Produktivitätsentwicklung, die Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse, die Verteilung des Arbeitsvolumens auf mehr Köpfe sowie auf sinkende Arbeitskraftreserven zurückzuführen. (5)

Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den Pdf-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Lisa Schubert

 

Literatur

Blien, Uwe / Phan thi Hong, Van (2015): 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Schwierige Startbedingungen wirken nach. In: IAB-Forum 1/2015, S. 4–13, http://doku.iab.de/forum/2015/Forum1_2015_Blien_PhanThiHongVan.pdf, letzter Zugriff: 25.08.2020.

Bundesagentur für Arbeit, Statistik (2020a), Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf. Entwicklung der Arbeitslosenquote (Strukturmerkmale. Deutschland, Ost, West, Reihe: Arbeitsmarkt in Zahlen, Nürnberg.

Bundesagentur für Arbeit (2020b): Arbeitslose und Arbeitslosenquoten – Zeitreihe (Monatszahlen). Deutschland, Nürnberg.

Bundesagentur für Arbeit (2020c): Qualitätsbericht – Statistik der Arbeitslosen, Arbeitsuchenden und gemeldeten erwerbsfähigen Personen, Nürnberg.

Bundesagentur für Arbeit (2020d): Glossar der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg.

Fuchs, Michaela / Ludewig, Oliver / Weyh, Antje (2015): Arbeitslosigkeit in Ost und West: Unterschiede verschwimmen immer mehr. In: IAB-Forum 1/2015, S. 22–29, http://doku.iab.de/forum/2015/Forum1_2015_Fuchs_Ludewig_Weyh.pdf, letzter Zugriff am 12.08.2020.

Knuth, Matthias / Kaps, Petra (2014): Arbeitsmarktreformen und „Beschäftigungswunder“ in Deutschland. In: WSI Mitteilungen 3/2014, S. 173–181, https://www.wsi.de/data/wsimit_2014_03_knuth.pdf, letzter Zugriff: 12.08.2020.


(1) Vgl. Fuchs, Michaela / Ludewig, Oliver / Weyh, Antje (2015): Arbeitslosigkeit in Ost und West: Unterschiede verschwimmen immer mehr, S. 22. Vgl. auch Blien, Uwe / Phan thi Hong, Van: 25 Jahre nach der Wiedervereinigung – Schwierige Startbedingungen wirken nach, S. 7.

(2) A. a. O., S. 28.

(3) A. a. O.

(4) Vgl. Knuth, Matthias / Kaps, Petra (2014): Arbeitsmarktreformen und „Beschäftigungswunder“ in Deutschland, S. 176f.

(5) A. a. O., S. 174.

 

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