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WSI GenderDatenPortal: Erwerbsarbeit: Befristete Beschäftigung nach Altersgruppen 1991-2018

In Deutschland hatten im Jahr 2018 fast 2,5 Millionen abhängig Beschäftigte, die sich nicht (mehr) in Ausbildung befanden, einen befristeten Arbeitsvertrag. (1) Damit war die Dauer des Arbeitsverhältnisses für mehr als 7 Prozent der abhängig Beschäftigten – also etwa für jede vierzehnte*n Beschäftigte*n – auf ein vorab festgelegtes Datum begrenzt. Von einer Befristung betroffen sind Frauen und Männer (im Alter zwischen 15 bis unter 65 Jahren) in ähnlichem Umfang (mit 7,4 Prozent bzw. 7,2 Prozent).

Über den gesamten Beobachtungszeitraum seit Anfang der1990er Jahre ist der Anteil an befristeten Beschäftigungsverhältnissen bei Frauen und Männern insgesamt leicht angestiegen. Besonders stark war der Anstieg in den Jahren 2004 bis 2011. Seit 2011 sind die Befristungsquoten bei Frauen wie Männern und in fast allen Altersgruppen allerdings wieder leicht rückläufig.
Im Jahr 2018 weisen Männer nur in der jüngsten Altersgruppe – den Arbeitnehmer*innen von 15 bis unter 25 Jahren – eine etwas höhere Befristungsquote als Frauen auf. In allen anderen Altersgruppen sind Frauen jeweils etwas stärker von Befristung betroffen als Männer.

Dabei variiert der Anteil befristeter Beschäftigung nicht nur geschlechtsbezogen, sondern vor allem mit dem Alter der Beschäftigten. Insbesondere jüngere Arbeitnehmer*innen von 15 bis unter 25 Jahren, aber auch die 25- bis unter 35-Jährigen, arbeiten überdurchschnittlich häufig befristet. Die Veränderung der befristeten Beschäftigung im Zeitverlauf fällt in Deutschland für die einzelnen Altersgruppen sehr unterschiedlich aus:

15- bis unter 25-Jährige
Bei den 15 bis unter 25-jährigen Frauen und Männern sind die Anteile an Befristung im Vergleich zu anderen Altersgruppen am höchsten. (Und dies, obwohl hier alle Personen ausgeschlossen sind, die sich in einer schulischen, beruflichen oder universitären Ausbildung befinden). Während des Beobachtungszeitraums ist die Befristungsquote insgesamt stark angestiegen. Der zu Beginn der 1990er Jahre noch deutliche Abstand zwischen Frauen und Männern ist inzwischen fast ganz verschwunden: 1991 arbeitete nur jede elfte Frau und jeder achte Mann in einem befristeten Beschäftigungsverhältnis. Besonders hohe Befristungsquoten wiesen jüngere Beschäftigte in den Jahren zwischen 2005 und 2011 auf, in denen annähernd jede*r Dritte dieser Altersgruppe nur einen befristeten Arbeitsvertrag hatte. Trotz eines starken Rückgangs der Befristungsquoten seit 2011 verfügt im Jahr 2018 immer noch mehr ein Fünftel der Frauen und Männer (mit 22 bzw. 21 Prozent) in dieser Altersgruppe über einen befristeten Arbeitsvertrag.

25- bis unter 35-Jährige
Zwischen 1991 und 2011 hat sich der Anteil an befristeter Beschäftigung bei Frauen und Männern verdoppelt: Bei Frauen stieg der Anteil von 8 Prozent auf fast 16 Prozent und bei Männern von 7 Prozent auf 14 Prozent. Seither ist die Befristungsquote für Frauen wie Männer wieder zurückgegangen und liegt 2018 etwas über 12 Prozent.

35- bis unter 45-Jährige und 45- bis unter 55-Jährige
In beiden Altersgruppen befinden sich Frauen durchweg etwas häufiger in befristeten Beschäftigungsverhältnissen als Männer. Allerdings liegt der Befristungsanteil in diesen Altersgruppen unter dem Gesamtdurchschnitt. In den mittleren Altersgruppen fällt die Befristung für Frauen und Männer also deutlich geringer aus als unter jüngeren Beschäftigten.

55- bis unter 65-Jährige
Die ältesten Beschäftigten weisen fast durchgängig eine besonders niedrige Quote an Befristungen auf, die für Frauen wie Männer aktuell bei knapp über 3 Prozent liegt.

Der Vergleich nach Altersgruppen belegt eindrücklich, dass Befristung in Deutschland vorwiegend ein Problem für jüngere Beschäftigte darstellt: Im Jahr 2015 waren mehr als 60 Prozent der befristet Beschäftigten jünger als 35 Jahre alt. (2) Gerade für jüngere Beschäftigte birgt ein befristeter Arbeitsvertrag einige Risiken: Befristet Beschäftigte erzielen häufiger nur geringe Nettoeinkommen und sind daher häufiger von Armut bedroht als Beschäftigte in unbefristetem Arbeitsverhältnis. (3) „Beispielsweise verdienen Personen, die ihr Erwerbsleben mit einer befristeten Beschäftigung beginnen, direkt nach dem Erwerbseintritt etwa 8% weniger als anderweitig vergleichbare Normalbeschäftigte.“ (4) Die feststellbaren Einkommensnachteile der befristet Beschäftigten wachsen mit der Dauer der Befristung sogar noch an, weil befristet Beschäftigte seltener einen Einkommenszuwachs erhalten. (5) Im Zusammenhang mit wiederholten Befristungen werden oftmals auch Risiken für die Lebensführung thematisiert, etwa solche für die Familiengründung. Dies gilt besonders für die sogenannten Kettenbefristungen, die sich über Jahre und Jahrzehnte ziehen können, und damit an die Stelle von dauerhaften Beschäftigungsverhältnissen treten. (6) So sind befristet Beschäftigte der Altersgruppe 20 bis 34 Jahre seltener verheiratet und haben weniger Kinder als Gleichaltrige mit unbefristetem Arbeitsvertrag. (7)

In der Betrachtung unterschiedlicher Berufsgruppen wird deutlich, dass besonders „Kernerwerbstätige ohne Berufsausbildung“ und Personen mit einem Hochschulabschluss überproportional in befristeten Beschäftigungen arbeiten (8). Die befristete Einstellung von Akademiker*innen an Hochschulen ist weit verbreitet und „ in wissenschaftlichen Einrichtungen (…) beinahe obligatorisch.“ (9)

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Julia Spitznagel

 

Literatur

DGB (2017): Befristete Beschäftigung – Arbeiten ohne Bestandsschutz. Fakten und Forderungen, 2. Aktualisierte Auflage, Berlin.

Keller, Berndt / Seifert, Hartmut (2013): Atypische Beschäftigung zwischen Prekariat und Normalität. Entwicklung, Strukturen und Bestimmungsgründe im Überblick, Berlin.

RWI (2015): Risiken atypischer Beschäftigungsformen für die berufliche Entwicklung und Erwerbseinkommen im Lebensverlauf. Endbericht, Essen. https://www.armuts-und-reichtumsbericht.de/SharedDocs/Downloads/Service/Studien/endbericht-risiken-atypischer-beschaeftigung-2015.pdf;jsessionid=BF0C8C361B3BEC8773AFF8BDC49D8954?__blob=publicationFile&v=4, letzter Zugriff: 21.01.2020.

Seils, Eric / Baumann, Helge (2019): Trends und Verbreitung atypischer Beschäftigungen. Eine Auswertung regionaler Daten. Policy Brief WSI Nr. 34, https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_pb_34_2019.pdf, letzter Zugriff: 21.01.2020.

Seils, Eric (2016): Jugend & befristete Beschäftigung. Eine Auswertung auf der Basis aktueller Daten des Mikrozensus. Policy Brief WSI Nr. 8, https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_pb_8_2016.pdf, letzter Zugriff: 21.01.2020.

Sperber, Carina / Walwei, Ulrich (2017): Treiber des Erwerbsformenwandels, In: WSI Mitteilungen 70, Nr. 1, S. 16–26, https://www.boeckler.de/wsimit_2017_01_sperber.pdf, letzter Zugriff: 22.01.2020.

Statistisches Bundesamt (2019): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2018, Fachserie 1 Reihe 4.1, https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Publikationen/Downloads-Erwerbstaetigkeit/erwerbsbeteiligung-bevoelkung-2010410187004.pdf;jsessionid=70FAAE36A92442CE5EBFFE0D3CFEE022.internet731?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 21.01.2020.

Statistisches Bundesamt (2012): Methodeninformation. Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung: Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit ab dem Jahr 2011. https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00031125/MethodenArbeitskraefterhebung.pdf, letzter Zugriff: 21.01.2020.

 

 


(1) Vgl. dazu die Datentabelle im PDF-Anhang. Zu berücksichtigen ist, dass es sich hierbei nur um zivile Beschäftigte handelt. Ausgeschlossen sind damit alle Zeit- und Berufssoldat*innen sowie alle Grundwehr- und Zivildienstleistende (vgl. Methodische Anmerkungen im PDF-Anhang).
(2) Vgl. Seils, Eric (2016): Jugend & befristete Beschäftigung. Eine Auswertung auf der Basis aktueller Daten des Mikrozensus. Policy Brief WSI Nr. 8, S. 2.
(3) Vgl. a.a.O., S. 3.
(4) RWI (2015): Risiken atypischer Beschäftigungsformen für die berufliche Entwicklung und Erwerbseinkommen im Lebensverlauf. Endbericht, S. 2.
(5) Vgl. Keller, Berndt /Seifert, Hartmut (2013): Atypische Beschäftigung zwischen Prekariat und Normalität. Entwicklung, Strukturen und Bestimmungsgründe im Überblick.
(6) Vgl. DGB (2017): Befristete Beschäftigung – Arbeiten ohne Bestandsschutz. Fakten und Forderungen, 2. Aktualisierte Auflage.
(7) Vgl. Seils, Eric (2016): Jugend & befristete Beschäftigung. Eine Auswertung auf der Basis aktueller Daten des Mikrozensus. Policy Brief WSI Nr. 8, S. 4. Der Autor betont in seinem Artikel, dass es sich bei diesen Ergebnissen um deskriptive Befunde handelt, die erst noch einer multivariater Analysen bedürften, um abschließende Schlussfolgerungen zu ermöglichen.
(8) Vgl. Seils, Eric / Baumann, Helge (2019): Trends und Verbreitung atypischer Beschäftigungen. Eine Auswertung regionaler Daten. Policy Brief WSI Nr. 34, S. 5.
(9) Sperber, Carina / Walwei, Ulrich (2017): Treiber des Erwerbsformenwandels, S. 23.

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