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WSI GenderDatenPortal: Erwerbsarbeit: Erwerbskonstellationen in Paarhaushalten 2017

Die Erwerbskonstellation gemischtgeschlechtlicher Paare ist in Deutschland im Jahr 2017 stark dadurch geprägt, ob ein Paar mit minderjährigen Kindern zusammenlebt oder nicht. Sofern minderjährige Kinder im Haushalt leben, sind Frauen in Paarhaushalten insgesamt seltener erwerbstätig (Grafik 1) und der männliche Partner ist dann häufiger Alleinverdiener. Weibliche Alleinverdienerinnen sind in Paarhaushalten dagegen vergleichsweise selten. Vor allem aber gilt für Frauen aus Paarhaushalten mit Kindern, dass sie, wenn erwerbstätig, dann ganz überwiegend nur in Teilzeit tätig sind (Grafik 2). Männer aus Paarhaushalten hingegen arbeiten mehrheitlich in Vollzeit – unabhängig davon, ob minderjährige Kinder im Haushalt leben oder nicht.

Die Erwerbskonstellationen gemischtgeschlechtlicher Paarhaushalte (mit zwei Partnern im Alter von 15 bis 64 Jahren) unterscheiden sich deutlich je nach Vorhandensein von Kindern (Grafik 1):

  • In der Mehrheit der Paare sind beide Partner aktiv erwerbstätig, sowohl bei Paaren mit Kind (56 Prozent), als auch bei Paaren ohne Kind (61 Prozent). Eine Zweiverdiener-Konstellation ist damit für Familien mit Kind normal geworden.
  • Allerdings erweisen sich in fast jedem dritten Paarhaushalt mit Kind (28 Prozent) Männer als ‚Alleinernährer‘, was nur auf jeden sechsten Haushalt ohne Kind zutrifft (16 Prozent).
  • Frauen als ‚Alleinernährerinnen‘, finden sich nur in einem sehr kleinen Teil aller Paarhaushalte mit Kindern (5 Prozent), aber immerhin in jedem neunten Paarhaushalt ohne Kind (11 Prozent).
  • In jedem achten Paarhaushalt mit Kind (12 Prozent) und jedem achten Paarhaushalt ohne Kind (13 Prozent) ist keiner der beiden Partner aktiv erwerbstätig.

Hinsichtlich des Erwerbsumfangs von Frauen und Männern zeichnen sich noch weitaus größere Unterschiede je nach Vorhandensein von Kindern ab (Grafik 2):

  • Eine Vollzeitbeschäftigung beider Partner – dies ist gängige Praxis für die Mehrheit der Paarhaushalte ohne Kinder (55 Prozent), aber nur für ein Viertel der Paarhaushalte mit Kindern (26 Prozent).
  • In Paarhaushalten mit Kindern ist die Konstellation aus einem männlichen Vollzeitbeschäftigten und einer weiblichen Teilzeitbeschäftigten besonders weit verbreitet (69 Prozent). Leben keine Kinder im Haushalt, ist diese Konstellation jedoch nur in einem guten Drittel der Paarhaushalte Realität (38 Prozent).
  • Die anderen Konstellationen (Frau Vollzeit und Mann Teilzeit, sowie beide Partner in Teilzeit) treten dagegen nur sehr selten auf – unabhängig davon, ob Kinder im Haushalt leben oder nicht.

Im West-Ost-Vergleich zeigt sich, dass Männer in Ostdeutschland seltener Alleinverdiener in Paarhaushalten sind. Dafür kommt es in Ostdeutschland etwas häufiger vor, dass die Frau Alleinverdienerinnen im Paar sind, oder dass beide Partner aktiv erwerbstätig sind – in der Regel unabhängig davon, ob minderjährige Kinder im Haushalt leben oder nicht. Die Vollzeitbeschäftigung beider Partner ist hier die am häufigsten anzutreffende Erwerbskonstellation – erneut unabhängig davon, ob Kinder im Haushalt leben oder nicht. Dementsprechend finden sich die Vollzeit-Teilzeit-Erwerbskonstellation hier deutlich seltener als in Westdeutschland.

Die hier beschriebenen Erwerbskonstellationen haben ihre Entsprechung in den Leitbildern und Orientierungen: Die von einer Mehrheit als ‚ideal‘ betrachtete Erwerbskonstellation für eine Familie mit einem 2-jährigen Kind setzt sich – aus Sicht von jungen Erwachsenen in Deutschland im Jahr 2016 – aus einem Mann in Vollzeit und einer Frau in Teilzeit zusammen.(1)

Zu den Ursachen für die gelebten Erwerbskonstellationen gehören aber nicht (nur) Leitbilder und Orientierungen der Betroffenen, sondern ganz zentral auch die Qualität der im Betrieb angebotenen Arbeitszeitmodelle und Vereinbarkeitsmöglichkeiten(2), die in den Betrieben geltenden Gendernormen(3), sowie die strukturellen Bedingungen in Gesellschaft und Arbeitsmarkt, die die Arbeitsteilung und die Arbeitszeitentscheidungen im Paar beeinflussen.(4) Auch die berufliche Qualifikation beider Partner spielt eine wichtige Rolle: Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland findet sich das Modell mit zwei vollzeiterwerbstätigen Partner/innen eher dann, wenn beide einen Hochschulabschluss haben oder aber wenn die Frau höher qualifiziert ist als ihr Mann. Traditionelle Modelle, bei denen der Mann als der Haupterwerbstätige fungiert, werden dagegen durch eine höhere berufliche Qualifikation des Mannes begünstigt.(5)

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Linda Hentschel

Literatur

Bernhard, Janine / Hipp, Lena / Allmendinger, Jutta (2016): Partnerschaftliche Vereinbarkeit. Die Rolle der Betriebe, Kurzbericht zum WZB-Projekt „Betriebliche Gelingensbedingungen einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit“, Broschüre, hrsg. vom BMFSFJ, Berlin, www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/partnerschaftliche-vereinbarkeit---die-rolle-der-betriebe/111774, letzter Zugriff: 29.08.2018

Bohr, Jeanette (2014). Realisierungschancen egalitärer Erwerbsmodelle: Analysen zur Erwerbsbeteiligung in Partnerschaften mit Kindern auf Basis des Mikrozensus (GESIS-Schriftenreihe, 14). Köln,
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-372186, letzter Zugriff: 29.08.2018

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2017): Familienleitbilder. Alles wie gehabt? Partnerschaft und Elternschaft in Deutschland. Wiesbaden, www.bib.bund.de/DE/Forschung/Familie/Projekte/Familienleitbilder-in-Deutschland.html, letzter Zugriff: 29.08.2018

Hans-Böckler-Stiftung (2018): Mit Gleitzeit mehr Gleichheit. Gleitzeit erleichtert Müttern den beruflichen Wiedereinstieg. Nachtschichten von Vätern wirken sich ungünstig aus, Böckler-Impuls Nr. 10/2018, S. 3, www.boeckler.de/114210_114221.htm, letzter Zugriff: 29.08.2018

Keller, Matthias und Thomas Haustein (2014): Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ergebnisse des Mikrozensus 2013, in: Wirtschaft und Statistik 2014, Seiten 733 –753, www.destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/Bevoelkerung/VereinbarkeitFamilieBeruf_122014.pdf?blob=publicationFile,
letzter Zugriff: 29.08.2018.

Klenner, Christina / Lott, Yvonne (2016): Arbeitszeitoptionen im Lebensverlauf. Bedingungen und Barrieren ihrer Nutzung im Betrieb. Kurzfassung der Ergebnisse, WSI Working Paper Nr. 203,
www.boeckler.de/pdf/p_wsi_wp_203.pdf, letzter Zugriff: 29.08.2018.

Statistisches Bundesamt (2017): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2016, Fachserie 1 Reihe 4.1, www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetige/ErwerbsbeteiligungBevoelkung2010410167004.pdf?blob=publicationFile, letzter Zugriff: 29.08.2018.

Wanger, Susanne / Bauer, Frank (2015): Erwerbs- und Arbeitszeitmuster in Paarbeziehungen, IAB-Stellungnahme Nr. 03/2015, http://doku.iab.de/stellungnahme/2015/sn0315.pdf, letzter Zugriff: 29.08.2018.


(1) Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2017): Familienleitbilder. Alles wie gehabt? Partnerschaft und Elternschaft in Deutschland. Wiesbaden, Seiten 26 f.

(2) Vgl. Hans-Böckler-Stiftung (2018): Mit Gleitzeit mehr Gleichheit. Gleitzeit erleichtert Müttern den beruflichen Wiedereinstieg. Nachtschichten von Vätern wirken sich ungünstig aus, Böckler-Impuls Nr. 10/2018, Seite 3.

(3) Vgl. Klenner, Christina / Lott, Yvonne (2016): Arbeitszeitoptionen im Lebensverlauf. Bedingungen und Barrieren ihrer Nutzung im Betrieb. Kurzfassung der Ergebnisse, WSI Working Paper Nr. 203, Seiten 9ff.Siehe dazu auch: Bernhard, Janine / Hipp, Lena / Allmendinger, Jutta (2016): Partnerschaftliche Vereinbarkeit. Die Rolle der Betriebe, Kurzbericht zum WZB-Projekt „Betriebliche Gelingensbedingungen einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit“, Broschüre, hrsg. vom BMFSFJ, Berlin.

(4) Vgl. Wanger, Susanne/ Bauer, Frank (2015): Erwerbs- und Arbeitszeitmuster in Paarbeziehungen, IAB-Stellungnahme Nr. 03/2015, Seite 6 f.

(5) Vgl. Bohr, Jeanette (2014): Realisierungschancen egalitärer Erwerbsmodelle: Analysen zur Erwerbsbeteiligung in Partnerschaften mit Kindern auf Basis des Mikrozensus (GESIS-Schriftenreihe, 14), Köln, Seiten 111 f sowie Seiten 119 f.

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