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WSI GenderDatenPortal: Erwerbsarbeit: Erwerbskonstellationen in Paarhaushalten 2019

Die Erwerbskonstellation Frau-Mann-Paarhaushalte ist in Deutschland im Jahr 2019 stark dadurch geprägt, ob ein Paar mit minderjährigen Kindern zusammenlebt oder nicht. (1) Sofern minderjährige Kinder im Haushalt leben, sind Frauen in Paarhaushalten insgesamt seltener erwerbstätig (Grafik 1) Der Partner ist dann häufiger Alleinverdiener. Frauen als Alleinverdienerin sind in Paarhaushalten dagegen vergleichsweise selten. Vor allem aber gilt für Frauen aus Paarhaushalten mit Kindern, dass sie, wenn erwerbstätig, dann ganz überwiegend nur in Teilzeit tätig sind (Grafik 2). Männer aus Paarhaushalten hingegen arbeiten mehrheitlich in Vollzeit – unabhängig davon, ob minderjährige Kinder im Haushalt leben oder nicht.

Die Erwerbskonstellationen Frau-Mann-Paarhaushalte (mit zwei Erwachsenen im Alter von 15 bis 64 Jahren) unterscheiden sich deutlich je nach Vorhandensein von Kindern (Grafik 1):

  • In der Mehrheit der Paare sind beide Partner*innen aktiv erwerbstätig, sowohl bei Paaren mit Kind (57 Prozent), als auch bei Paaren ohne Kind (62 Prozent). Eine Zweiverdiener*innen-Konstellation ist damit auch für Familien mit Kind Normalität in Deutschland.
  • Allerdings sind Männer in jedem vierten Paarhaushalt mit Kind (27 Prozent) der ‚Alleinernährer‘. In Paarhaushalten ohne Kind trifft dies nur auf jeden sechsten zu (16 Prozent).
  • Frauen als ‚Alleinernährerinnen‘ finden sich nur in einem sehr kleinen Teil aller Paarhaushalte mit Kindern (5 Prozent), aber immerhin in jedem zehnten Paarhaushalt ohne Kind (10 Prozent).
  • In jedem neunten Paarhaushalt mit Kind (11 Prozent) sowie jedem achten Paarhaushalt ohne Kind (13 Prozent) ist keiner der beiden Partner*innen aktiv erwerbstätig.

Hinsichtlich des Erwerbsumfangs von Frauen und Männern in Paarhaushalten mit zwei aktiv erwerbstätigen Partnern*innen zeichnen sich noch weitaus größere Unterschiede je nach Vorhandensein von Kindern ab (Grafik 2):

  • Eine Vollzeitbeschäftigung beider Partner*innen ist gängige Praxis für die Mehrheit der Paarhaushalte ohne Kinder (55 Prozent), aber nur für ein Viertel der Paarhaushalte mit Kindern (27 Prozent).
  • In Paarhaushalten mit Kindern ist die Konstellation aus einem männlichen Vollzeitbeschäftigten und einer weiblichen Teilzeitbeschäftigten besonders weit verbreitet (68 Prozent). Leben keine Kinder im Haushalt, ist diese Konstellation jedoch nur in einem guten Drittel aller Paarhaushalte Realität (38 Prozent).
  • Die anderen Konstellationen (Frau/Vollzeit und Mann/Teilzeit, sowie beide Partner*innen in Teilzeit) treten dagegen nur sehr selten auf – unabhängig davon, ob Kinder im Haushalt leben oder nicht.

Im Regionalvergleich zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland – insbesondere bei Paaren mit Kindern (Grafiken 1 und 2):

  • In Westdeutschland ist die „Teilzeit-Vollzeit-Konstellation“ bei knapp drei Vierteln der Paarhaushalte mit Kindern vorherrschend, während in Ostdeutschland nur knapp die Hälfte der Paare dieser Konstellation zuzurechnen ist. Männer in Westdeutschland sind damit wesentlich häufiger Allein- oder Hauptverdiener als in Ostdeutschland.
  • Dafür kommt es in Ostdeutschland häufiger vor, dass beide Partner*innen aktiv erwerbstätig sind – in der Regel unabhängig davon, ob minderjährige Kinder im Haushalt leben oder nicht. Frauen sind hier häufiger als in Westdeutschland Alleinverdienerinnen, Männer dagegen seltener Alleinverdiener. Insgesamt ist die Vollzeitbeschäftigung beider Partner*innen in Ostdeutschland die am häufigsten anzutreffende Erwerbskonstellation – erneut unabhängig davon, ob Kinder im Haushalt leben oder nicht. Die finanzielle Verantwortung für die Familie liegt damit in Ostdeutschland häufiger bei beiden Partner*innen. (2)

Zu den Ursachen für die gelebten Erwerbskonstellationen gehören die Leitbilder und Orientierungen der Frauen und Männer. In ihnen ist bisher noch viel zu häufig die Erwerbskonstellation „Mann in Vollzeit, Frau in Teilzeit“ normativ als Standard gesetzt. (3) Auch die Qualität der im Betrieb tatsächlich realisierten Arbeitszeitmodelle und Vereinbarkeitsmöglichkeiten (4) sowie die in den Betrieben geltenden Gendernormen nehmen hier wichtigen Einfluss. (5) Von Bedeutung sind darüber hinaus auch die strukturellen Bedingungen in Gesellschaft und Arbeitsmarkt, die die Arbeitsteilung und die Arbeitszeitentscheidungen im Paar beeinflussen. (6) Die Teilzeitarbeit von Frauen im Paarkontext hängt dabei eng damit zusammen, dass Frauen in den Familien nach wie vor den Großteil der unbezahlten familiären Betreuungstätigkeiten leisten und dem Arbeitsmarkt daher zeitlich begrenzter zur Verfügung stehen. (7) Auch die berufliche Qualifikation beider Partner*innen spielt eine wichtige Rolle: Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland findet sich eine „Vollzeit-Vollzeit-Konstellation“ eher dann, wenn beide einen Hochschulabschluss haben oder wenn die Frau die Höherqualifizierte im Paar ist. Traditionelle Modelle, bei denen der Mann als der Hauptverdiener fungiert, werden dagegen durch eine höhere berufliche Qualifikation des Mannes begünstigt. 

Wie die Ergebnisse des Zeitvergleichs zeigen (vgl. Tabellen), hat sich bei den Erwerbskonstellationen in Frau-Mann-Paarhaushalten sowie dem jeweiligen Erwerbsumfang beider Partner*innen zwischen 2005 und 2019 eher wenig verändert.

  • Bei den Konstellationen sind vor allem zwei Veränderungen auffallend: Bei Paaren ohne Kinder ist der Anteil der Zweiverdiener*innen-Paare in Deutschland zwischen 2005 und 2019 um 7 Prozentpunkte angestiegen (stärker in Ost- als in Westdeutschland). Dieser Anstieg zeigt sich – etwas schwächer – auch für Paarhaushalte mit Kindern (3 Prozentpunkte). Zudem kommt es im Jahr 2019 seltener zu Alleinverdiener*innen-Konstellationen als im Jahr 2005: Insbesondere Konstellationen mit männlichem Alleinverdiener sind zurückgegangen (insgesamt um 6 Prozentpunkte; verstärkt in Westdeutschland) (vgl. Tab. 1).
  • Hinsichtlich des Erwerbsumfangs lässt sich für 2019 insgesamt ein leichter Rückgang von „Vollzeit-Vollzeit-Konstellationen“ in Deutschland gegenüber 2005 feststellen, und zwar verstärkt für Paare ohne Kinder (5 bis 6 Prozentpunkte) sowie für Paarhaushalte in Ostdeutschland (6 bis 10 Prozentpunkte). Die Konstellation, dass die Frau Teilzeit und der Mann Vollzeit arbeitet, gewinnt zwischen 2005 und 2019 an Bedeutung: bei allen Paarhaushalten ohne Kind (3 bis 4 Prozentpunkte) sowie verstärkt auch bei Paarhaushalten mit Kind in Ostdeutschland (7 Prozentpunkte) (vgl. Tab. 2).

Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den PDF-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Lisa Schubert

 

Literatur

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2017): Familienleitbilder. Alles wie gehabt? Partnerschaft und Elternschaft in Deutschland, https://www.bib.bund.de/Publikation/2017/pdf/Familienleitbilder-Alles-wie-gehabt-Partnerschaft-und-Elternschaft-in-Deutschland.pdf?__blob=publicationFile&v=2, letzter Zugriff: 11.02.2021.

Hans-Böckler-Stiftung (2018): Mit Gleitzeit mehr Gleichheit. Gleitzeit erleichtert Müttern den beruflichen Wiedereinstieg. Nachtschichten von Vätern wirken sich ungünstig aus. Böckler Impuls Nr. 10/2018, www.boeckler.de/114210_114221.htm, letzter Zugriff: 11.02.2021.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Schubert, Lisa (2021): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991–2019. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Lott, Yvonne / Pfahl, Svenja / Schulze Buschoff, Karin (2020): Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland. WSI Report Nr. 56, Februar 2020, https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_56_2020.pdf, letzter Zugriff: 11.02.2021.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Zucco, Aline (2020): 30 Jahre Deutsche Einheit. Gleichstellung von Frauen und Männern auf den Arbeitsmärkten in West- und Ostdeutschland? WSI Report Nr. 60, September 2020, https://www.wsi.de/de/faust-detail.htm?sync_id=9083, letzter Zugriff: 11.02.2021.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Schubert, Lisa (2021): Gründe für Teilzeittätigkeit nach Elternschaft 2019. In: WSI GenderDatenPortal.

Keller, Matthias/ Haustein, Thomas (2014): Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ergebnisse des Mikrozensus 2013. In: Wirtschaft und Statistik, S. 733–753, https://www.destatis.de/DE/Methoden/WISTA-Wirtschaft-und-Statistik/2014/12/vereinbarkeit-familie-beruf-122014.html, letzter Zugriff: 11.02.2021.

Klenner, Christina / Lott, Yvonne (2016): Arbeitszeitoptionen im Lebensverlauf. Bedingungen und Barrieren ihrer Nutzung im Betrieb. Kurzfassung der Ergebnisse. WSI Working Paper Nr. 203, www.boeckler.de/pdf/p_wsi_wp_203.pdf, letzter Zugriff: 11.02.2021.

Lott, Yvonne (2019): Weniger Arbeit, mehr Freizeit? Wofür Mütter und Väter flexible Arbeitsarrangements nutzen. WSI Report Nr. 47, März 2019, https://www.wsi.de/de/faust-detail.htm?sync_id=8350, letzter Zugriff: 18.02.2021.

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Statistisches Bundesamt (2020): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2019. Fachserie 1 Reihe 4.1., https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Publikationen/Downloads-Erwerbstaetigkeit/erwerbsbeteiligung-bevoelkung-2010410197004.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 18.02.2021.

Statistisches Bundesamt (2012): Methodeninformation. Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung: Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit ab dem Jahr 2011, https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00031125/MethodenArbeitskraefterhebung.pdf, letzter Zugriff: 18.02.2021.

Statistisches Bundesamt (2009): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, 2006. Fachserie 1 Reihe 4.1.1, Band 1: Allgemeine und methodische Erläuterungen, https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00004012/2010411067004.pdf, letzter Zugriff: 18.02.2021.

Wanger, Susanne (2020): Entwicklung von Erwerbstätigkeit, Arbeitszeit und Arbeitsvolumen nach Geschlecht. Ergebnisse der IAB-Arbeitszeitrechnung nach Alter und Geschlecht (AZR AG) für die Jahre 1991–2019. IAB-Forschungsbericht 16/2020, http://doku.iab.de/forschungsbericht/2020/fb1620.pdf, letzter Zugriff: 18.02.2021.


(1) Vgl. dazu die Definition von „Frau-Mann-Paarhaushalte“ im Glossar.

(2) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Zucco, Aline (2020): 30 Jahre Deutsche Einheit. Gleichstellung von Frauen und Männern auf den Arbeitsmärkten in West- und Ostdeutschland? WSI Report Nr. 60, S. 31.

(3) Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2017): Familienleitbilder. Alles wie gehabt? Partnerschaft und Elternschaft in Deutschland, S. 26f.

(4) Vgl. Hans-Böckler-Stiftung (2018): Mit Gleitzeit mehr Gleichheit. Gleitzeit erleichtert Müttern den beruflichen Wiedereinstieg. Nachtschichten von Vätern wirken sich ungünstig aus, Böckler Impuls Nr. 10/2018, S. 3.

(5) Vgl. Klenner, Christina / Lott, Yvonne (2016): Arbeitszeitoptionen im Lebensverlauf. Bedingungen und Barrieren ihrer Nutzung im Betrieb. Kurzfassung der Ergebnisse, WSI Working Paper Nr. 203, Seiten 9ff. Siehe dazu auch: Lott, Yvonne (2019): Weniger Arbeit, mehr Freizeit? Wofür Mütter und Väter flexible Arbeitsarrangements nutzen, WSI Report Nr. 47, S. 3.

(6) Vgl. Wanger, Susanne (2020): Entwicklung von Erwerbstätigkeit, Arbeitszeit und Arbeitsvolumen nach Geschlecht. IAB-Forschungsbericht 16/2020, S. 29ff.

(7) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Schubert, Lisa (2021): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991–2019 und Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Schubert, Lisa (2021): Gründe für Teilzeittätigkeit nach Elternschaft 2019.

 

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