WSI GenderDatenPortal: Erwerbsarbeit: Erwerbskonstellationen in Paarhaushalten 2024
Grafiken, Analyse, Tabellen (pdf)
Erwerbskonstellationen bzw. Arbeitszeit-Konstellationen in Frau-Mann-Paarhaushalten sind in Deutschland im Jahr 2024 stark davon abhängig, ob minderjährige Kinder zum Haushalt gehören oder nicht. (1) Sofern Kinder mit im Haushalt leben, treten fast doppelt so häufig Erwerbskonstellationen auf, in denen die Frau nicht realisiert erwerbstätig ist (neben einem realisiert erwerbstätigen Mann) (vgl. Grafik 1). Zudem sind in Haushalten mit minderjährigen Kindern knapp zwei Drittel der Frauen in Teilzeit tätig bei gleichzeitiger Vollzeittätigkeit der Männer, während in Haushalten ohne Kinder die Mehrheit der Frauen Vollzeit arbeitet (vgl. Grafik 2). Männer in Paarhaushalten arbeiten hingegen mehrheitlich in Vollzeit und zwar unabhängig davon, ob minderjährige Kinder im Haushalt leben oder nicht.
Die Erwerbskonstellationen in Frau-Mann-Paarhaushalten (mit zwei Erwachsenen im Alter von 15 bis 64 Jahren) unterscheiden sich im Detail deutlich danach, ob auch minderjährige Kinder mit im Haushalt leben (vgl. Grafik 1):
- In der Mehrheit aller Paarhaushalte sind beide Partner*innen realisiert erwerbstätig, dies lässt sich sowohl bei Paaren mit Kind(ern) (68 Prozent) beobachten als auch noch häufiger bei Paaren ohne Kind(er) (75 Prozent). Eine Zweiverdiener*innen-Konstellation ist in Paarhaushalten in Deutschland somit Normalität.
- Männer sind in rund jedem vierten Paarhaushalt mit Kind(ern) Alleinverdiener (24 Prozent). In Paarhaushalten ohne Kind(er) trifft dies nur auf jeden achten Mann zu (13 Prozent).
- Frauen sind in Paarhaushalten mit Kind(ern) nur sehr selten Alleinverdienerinnen (3 Prozent), in Paarhaushalten ohne Kind(er) trifft dies jedoch immerhin auf jede dreizehnte Frau zu (8 Prozent).
Hinsichtlich der Arbeitszeit-Konstellationen von Frauen und Männern in Paarhaushalten mit zwei realisiert erwerbstätigen Partner*innen zeichnen sich noch weitaus größere Unterschiede ab (vgl. Grafik 2):
- Eine Vollzeit-Vollzeit-Konstellation ist gängige Praxis für die Mehrheit aller Paarhaushalte ohne minderjährige Kinder (53 Prozent), aber nur für rund ein gutes Viertel der Paarhaushalte mit Kind(ern) (27 Prozent).
- Die häufigste Konstellation in Paarhaushalten mit Kind(ern) ist eine Vollzeittätigkeit des Mannes in Kombination mit einer Teilzeittätigkeit der Frau (65 Prozent). In Haushalten ohne Kind(er) findet sich diese Konstellation nur in gut jedem dritten Fall (38 Prozent).
- Andere Konstellationen (Frau/Vollzeit und Mann/Teilzeit sowie beide Partner*innen in Teilzeit) treten dagegen nur recht selten auf – unabhängig davon, ob Kinder im Haushalt leben oder nicht.
Der Zeitpunktvergleich für die Jahre 2005 und 2024 zeigt (vgl. Tabellen), dass sich bei den Erwerbs- bzw. den Arbeitszeit-Konstellationen in Frau-Mann-Paarhaushalten über fast zwei Dekaden hinweg langsame Veränderungen abzeichnen.
Erwerbskonstellationen:
- Im Jahr 2024 sind in Paarhaushalten häufiger beide Partner*innen realisiert erwerbstätig als dies noch 2005 der Fall war: Für Paare mit Kind(ern) ist der Anteil um 14 Prozentpunkte gestiegen, für Paare ohne Kind(er) sogar um 19 Prozentpunkte.
- Im Gegenzug ist der Mann als Alleinverdiener in Deutschland seltener geworden, insbesondere in Haushalten mit minderjährigen Kindern (Abnahme um 10 Prozentpunkte) (vgl. Tabelle 1).
Arbeitszeitkonstellationen:
- Für Paarhaushalte ohne Kind(er) lässt sich ein leichter Rückgang von Vollzeit-Vollzeit-Konstellationen feststellen (minus 6 Prozentpunkte). Zugleich haben dort Vollzeit-Teilzeit-Konstellationen leicht zugenommen (plus 3 Prozentpunkte).
- In Paarhaushalten mit Kind(ern) ist die stark dominierende Vollzeit-Teilzeit-Konstellation etwas zurückgegangen (minus 4 Prozentpunkte). Stattdessen wird in Paarhaushalten mit Kind(ern) inzwischen etwas häufiger in Teilzeit-Teilzeit-Konstellationen gearbeitet (plus 3 Prozentpunkte).
Im Regionalvergleich zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland – insbesondere für Paarhaushalte mit Kindern (vgl. Grafiken 1 und 2):
- Erwerbskonstellationen: In Ostdeutschland (73 Prozent) sind in Paarhaushalten mit Kind(ern) häufiger beide Elternteile realisiert erwerbstätig als in Westdeutschland (67 Prozent). Daraus ergibt sich im Umkehrschluss, dass Männer in Ostdeutschland (18 Prozent) in Haushalten mit Kind(ern) seltener als Alleinverdiener tätig sind als in Westdeutschland (25 Prozent).
- Arbeitszeitkonstellationen: In Ostdeutschland sind Vollzeit-Vollzeit-Konstellationen in Paarhaushalten stärker verbreitet als in Westdeutschland. In Haushalten ohne Kind(er) erweist sich Vollzeit-Vollzeit als dominierende Konstellation (59 Prozent) und selbst in Haushalten mit Kind(ern) arbeiten noch fast die Hälfte aller Paare in einer Vollzeit-Vollzeit-Konstellation (46 Prozent).
In Westdeutschland arbeitet hingegen nur jedes fünfte Paar mit Kind(ern) in einer Vollzeit-Vollzeit-Konstellation (West: 22 Prozent; Ost: 46 Prozent) und selbst ohne Kind(er) ist die Vollzeit-Vollzeit-Konstellation in Westdeutschland erkennbar seltener als in Ostdeutschland (West: 52 Prozent; Ost: 59 Prozent). In Westdeutschland wird in Paarhaushalten mit Kind(ern) stattdessen vor allem in Vollzeit-Teilzeit-Konstellation gearbeitet (70 Prozent). (2)
Die Ursachen für die tatsächlich gelebten Erwerbs- bzw. Arbeitszeit-Konstellationen sind vielfältig. So stellt die Konstellation „Mann/Vollzeit und Frau/Teilzeit“ in Deutschland immer noch ein normatives Leitbild dar. (3) Die Teilzeitarbeit von Frauen im Paarkontext hängt eng damit zusammen, dass sie nach wie vor den Großteil an unbezahlter Arbeit, d.h. sowohl Haushaltstätigkeiten als auch Fürsorgeaufgaben, leisten und dem Arbeitsmarkt damit zeitlich begrenzter zur Verfügung stehen als Männer. (4) Auch die Qualität der im Betrieb realisierten Arbeitszeitmodelle und Vereinbarkeitsmöglichkeiten sowie die in den Betrieben geltenden Gendernormen nehmen Einfluss auf die individuelle Arbeitszeitdauer und damit die Paarkonstellationen. (5) Hinzu kommt, dass in Deutschland institutionelle Rahmenbedingungen für Paare (wie Minijobs, beitragsfreie Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung, Ehegattensplitting etc.) starke Anreize für eine Teilzeitarbeit von Frauen geben. (6)
Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den PDF-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.
Bearbeitung: Svenja Pfahl, Eugen Unrau, Anika Lindhorn
Literatur
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BMFSFJ (2020): (Existenzsichernde) Erwerbstätigkeit von Müttern. Konzepte, Entwicklungen und Perspektiven. Monitor Familienforschung Nr. 41. Berlin: BMFSFJ, letzter Zugriff: 01.07.2026.
Diabaté, Sabine (2021): Einstellungen zur Rollenverteilung zwischen Frau und Mann. In: Destatis/WZB/BiB (Hrsg.): Datenreport 2021. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung: 424–429, letzter Zugriff: 01.07.2026.
Keller, Matthias/Körner, Thomas (2023): Closing the Gap? Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit von Müttern und Vätern nach 15 Jahren Elterngeld. In: WISTA - Wirtschaft und Statistik Nr. 4, letzter Zugriff: 01.07.2026.
Klenner, Christina/Lott, Yvonne (2016): Arbeitszeitoptionen im Lebensverlauf. Bedingungen und Barrieren ihrer Nutzung im Betrieb. WSI Working Paper Nr. 203. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, letzter Zugriff: 01.07.2026.
Lott, Yvonne (2024): Alles beim Alten: Der Gender Care Gap in der Erwerbsbevölkerung, WSI Policy Brief Nr. 83. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, letzter Zugriff: 01.07.2026.
Lott, Yvonne (2019): Weniger Arbeit, mehr Freizeit? Wofür Mütter und Väter flexible Arbeitsarrangements nutzen. WSI Report Nr. 47. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, letzter Zugriff: 01.07.2026.
Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024a): Zeitaufwand für bezahlte und unbezahlte Arbeit 2022. In: WSI GenderDatenPortal.
Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024b): Zeitaufwand für unbezahlte Arbeit (inkl. Fürsorgearbeit und Ehrenamt) 2022. In: WSI GenderDatenPortal.
Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2026): Gründe für Teilzeittätigkeit nach Elternschaft 2024. In: WSI GenderDatenPortal.
Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2025a): Betreuungsquoten von Kindern unter drei Jahren nach Alter 2010-2024. In: WSI GenderDatenPortal.
Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2025b): Ganztagsbetreuung von Kleinkindern nach Alter und Region 2007-2024. In: WSI GenderDatenPortal.
Statistisches Bundesamt (2026): Mikrozensus. Qualitätsbericht 2024. Wiesbaden: DESTATIS, letzter Zugriff: 01.07.2026.
Statistisches Bundesamt (2022a): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Haushalte und Familien. Ergebnisse des Mikrozensus 2020 (Endergebnisse), Fachserie 1 Reihe 3. Wiesbaden: DESTATIS, letzter Zugriff: 01.07.2026.
Statistisches Bundesamt (2022b): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2020 (Endergebnisse), Fachserie 1 Reihe 4.1. Wiesbaden: DESTATIS, letzter Zugriff: 01.07.2026.
Statistisches Bundesamt (2020a): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Haushalte und Familien. Ergebnisse des Mikrozensus 2019, Fachserie 1 Reihe 3. Wiesbaden: DESTATIS, letzter Zugriff: 01.07.2026.
Statistisches Bundesamt (2020b): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2019, Fachserie 1 Reihe 4.1. Wiesbaden: DESTATIS, letzter Zugriff: 01.07.2026.
Wanger, Susanne (2020): Entwicklung von Erwerbstätigkeit, Arbeitszeit und Arbeitsvolumen nach Geschlecht. IAB-Forschungsbericht 16. Nürnberg: IAB, letzter Zugriff: 01.07.2026.
(1) Vgl. dazu die Definition von „Frau-Mann-Paarhaushalt“ im Glossar.
(2) Regionale Unterschiede zwischen Frauen in West- und Ostdeutschland werden u.a. auf das nachwirkende Frauenbild aus DDR-Zeiten zurückgeführt. Erklärtes Ziel von Frauen-/Familienpolitiken in der DDR war die vollständige Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt. Mutterschaft wurde deshalb in der Regel mit Vollzeittätigkeit kombiniert, vgl. BMFSFJ (2022): Familienleben und Familienpolitik in Ost- und Westdeutschland. Monitor Familienforschung Nr. 44. Berlin: BMFSFJ, S. 11f. Hinzu kommt eine bessere institutionelle Lage bei der Kleinkindbetreuung in Ostdeutschland, vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2025b): Ganztagsbetreuung von Kleinkindern nach Alter und Region 2007-2024 sowie Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2025a): Betreuungsquoten von Kindern unter drei Jahren nach Alter 2010-2024. Beides in: WSI GenderDatenPortal.
(3) Vgl. Diabaté, Sabine (2021): Einstellungen zur Rollenverteilung zwischen Frau und Mann. In: Destatis/WZB/BiB (Hrsg.): Datenreport 2021. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 428.
(4) Vgl. hierzu Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024a): Zeitaufwand für bezahlte und unbezahlte Arbeit 2022; Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024b): Zeitaufwand für unbezahlte Arbeit (inkl. Fürsorgearbeit und Ehrenamt) 2022; Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2026): Gründe für Teilzeittätigkeit nach Elternschaft 2022 – alles in: WSI GenderDatenPortal. Zudem auch Lott, Yvonne (2024): Alles beim Alten: Der Gender Care Gap in der Erwerbsbevölkerung. WSI Policy Brief Nr. 83, 09/2024. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.
(5) Vgl. Klenner, Christina/Lott, Yvonne (2016): Arbeitszeitoptionen im Lebensverlauf. Bedingungen und Barrieren ihrer Nutzung im Betrieb. WSI Working Paper Nr. 203. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, S. 9ff. Siehe auch: Lott, Yvonne (2019): Weniger Arbeit, mehr Freizeit? Wofür Mütter und Väter flexible Arbeitsarrangements nutzen. WSI Report Nr. 47. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, S. 3.
(6) Vgl. Wanger, Susanne (2020): Entwicklung von Erwerbstätigkeit, Arbeitszeit und Arbeitsvolumen nach Geschlecht. IAB-Forschungsbericht 16. Nürnberg: IAB, S. 30.