zurück

WSI GenderDatenPortal: Erwerbsarbeit: Erwerbstätigenquote nach Elternschaft und Alter des jüngsten Kindes 2024

Download Daten (xlsx)

Grafiken, Analysen, Tabellen (pdf)

 

Frauen sind in Deutschland seltener erwerbstätig als Männer: Drei Viertel der Frauen, aber mehr als 85 Prozent der Männer sind im Jahr 2024 realisiert erwerbstätig (76 Prozent gegenüber 86 Prozent; vgl. Grafik 1). (1)

Elternschaft hat dabei einen umgekehrten Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern: Mütter sind seltener realisiert erwerbstätig als Frauen ohne Kind (71 Prozent gegenüber 78 Prozent), Väter sind hingegen häufiger realisiert erwerbstätig als Männer ohne Kind (92 Prozent gegenüber 83 Prozent).

Auch das Alter des jüngsten Kindes hat bei Müttern und Vätern in Deutschland einen unterschiedlichen Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung:

  • Die Erwerbstätigenquote der Mütter steigt sehr stark mit dem Alter des jüngsten Kindes an: Mütter mit Kindern im Schulalter (ab 6 Jahren) bzw. mit jugendlichen Kindern im Alter zwischen 15 und 17 Jahren sind doppelt so häufig realisiert erwerbstätig (80 bzw. 85 Prozent) wie Mütter mit Kleinkindern unter drei Jahren (40 Prozent).
  • Die Erwerbstätigenquote der Väter hingegen wird kaum durch das Alter des jüngsten Kindes beeinflusst. Sie liegt für die meisten Väter bei rund 93 Prozent. Nur bei Vätern mit Kleinkindern unter drei Jahren (89 Prozent) fällt die Erwerbstätigkeitsquote etwas geringer aus. Hier macht sich vermutlich die in den letzten Jahren weiter gestiegene Inanspruchnahme von Elternzeit und Elterngeld durch Väter bemerkbar. (2)

Der regionale West-Ost-Vergleich zeigt, dass die geschlechterbezogenen Abstände der Erwerbstätigenquoten von Müttern und Vätern in Ostdeutschland geringer ausfallen als in Westdeutschland (vgl. Grafiken 2 und 3):

  • Mütter in Ostdeutschland weisen insgesamt etwas höhere Erwerbstätigenquoten auf als Mütter in Westdeutschland (76 Prozent gegenüber 70 Prozent).
  • Im Gegenzug fällt die Erwerbstätigenquote von Vätern in Ostdeutschland fast identisch aus mit der von Vätern in Westdeutschland (91 Prozent bzw. 92 Prozent). (3)
  • Insgesamt fällt damit der geschlechterbezogene Abstand zwischen Müttern und Vätern in Westdeutschland (22 Prozentpunkte) rund eineinhalbmal größer aus als der in Ostdeutschland (15 Prozentpunkten).

Die Ursachen für die große Diskrepanz zwischen der Erwerbsbeteiligung von Müttern und der von Vätern liegen vor allem in der paarinternen Aufteilung von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Care-Arbeit: Während Väter in Deutschland in hohem Maße (vollzeit-)erwerbstätig sind, ist die Erwerbstätigkeit der Mütter stark davon abhängig, ob und wie intensiv Kinder betreut werden und/oder Pflegeaufgaben übernommen werden müssen. Mütter (insbesondere solche mit kleinen Kindern unter 6 Jahren) übernehmen einen deutlich größeren Anteil der unbezahlten Arbeit als Väter. (4) Daher weisen die Mütter mit kleinen Kindern die niedrigsten Erwerbstätigenquoten auf. Erst mit zunehmendem Alter des jüngsten Kindes, wenn auch das institutionelle Kinderbetreuungsangebot durch Kitas, (Ganztags-)Schulen und/oder Horte breiter wird, steigt die Erwerbstätigenquote der Mütter wieder an.

Dem liegen entsprechende gesellschaftliche Normvorstellungen zu Müttererwerbstätigkeit und Kinderbetreuung zu Grunde:

  • eine stundenweise Betreuung von unter 3-Jährigen außerhalb der Familie findet eine Mehrheit bereits in Ordnung (55 Prozent) – nicht aber eine ganztägige Betreuung von unter 3-Jährigen (nur für 20 Prozent akzeptabel).
  • genauso wird eine Teilzeitbeschäftigung von Müttern mit unter 3-jährigen Kindern gesellschaftlich akzeptiert (55 Prozent), nicht aber eine Vollzeitbeschäftigung mit mind. 30 Wochenstunden (nur für 23 Prozent akzeptabel). (5)

Allerdings zeigen sich auch hierbei Geschlechterunterunterschiede: Frauen bewerten Müttererwerbstätigkeit in Teilzeit oder Vollzeit bzw. eine externe Kinderbetreuung (stundenweise oder ganztags) jeweils zu einem etwas früheren Kindesalter bereits als akzeptabel als Väter. (6)

Trotz des Ausbaus der institutionellen Kinderbetreuung sowie des im Jahr 2007 eingeführten Elterngeldes verharren die Geschlechterunterschiede bei den Erwerbstätigenquoten nach wie vor auf hohem Niveau. (7) Der Zeitvergleich der Jahre 2024 und 2005 (vgl. Tab.) zeigt nur geringe Veränderungen bei Müttern und Vätern innerhalb der Zeitspanne von beinahe zwei Dekaden:

  • Für Mütter ist innerhalb der 19 Jahre ein Anstieg der Erwerbstätigenquoten um 11 Prozentpunkte festzustellen. Bei Vätern sind die Erwerbstätigenquoten in diesem Zeitabschnitt nur um 4 Prozentpunkte angestiegen.
  • Zeitgleich sind die Erwerbstätigenquoten der Frauen und Männer ohne Kind(er) zwischen 2005 und 2024 jedoch deutlich stärker angestiegen (Frauen: um 14 Prozentpunkte; Männer: um 11 Prozentpunkte).

Fazit: Vor allem in Westdeutschland fallen die Geschlechterunterschiede bei den Erwerbstätigenquoten von Eltern mit Kleinkind (unter 3 Jahren) enorm groß aus: hier besteht eine Geschlechterlücke von 51 Prozentpunkten. Und dies, obwohl das 2007 eingeführte Elterngeld positive Effekte auf Erwerbstätigkeit und Erwerbseinkommen von Müttern ausgelöst hat.

Die Elterngeldmonate haben zu einer schnelleren Rückkehr von Müttern mit mittleren und geringeren Einkommen in den Beruf beigetragen, was positive Effekte auf die Lohnentwicklung dieser Mütter in den Folgejahren hat, genauso mündeten sie aber auch in etwas längeren Erwerbsunterbrechungen von Müttern mit höherem Einkommen im ersten Jahr nach der Geburt. (8) Rund die Hälfte aller Väter nimmt das Elterngeld allerdings nach wie vor nicht in Anspruch. (9) Daneben bleiben weitere Geschlechterunterschiede bei der Nutzung des Elterngeldes bestehen: Väter nutzen das Elterngeld „meist nur für die Mindestbezugsdauer von zwei Monaten, die erforderlich ist, um den Partnerschaftsbonus in Form der Partnermonate zu erhalten“. (10) Reformvorschläge des Elterngeldes in Hinblick auf die Geschlechterunterschiede zielen deshalb vor allem auf mehr Partner*innenschaftlichkeit bei der Nutzung des Elterngeldes ab sowie auf eine Intensivierung der Väterbeteiligung. (11)

Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den PDF-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.

 

Bearbeitung: Svenja Pfahl, Eugen Unrau, Anika Lindhorn



Literatur

BMFSFJ (2020): (Existenzsichernde) Erwerbstätigkeit von Müttern. Konzepte, Entwicklungen und Perspektiven. Monitor Familienforschung. Beiträge aus Forschung, Statistik und Familienpolitik Ausgabe 41. Berlin: Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, letzter Zugriff: 18.05.2026.

Lott, Yvonne (2024): Alles beim Alten: Der Gender Care Gap in der Erwerbsbevölkerung. WSI Policy Brief Nr. 83. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, letzter Zugriff: 18.05.2026.

Frodermann, Claudia et al. (2026): Gesellschaftliche Einstellung zu Erwerbstätigkeit von Müttern und externer Kinderbetreuung. IAB-Kurzbericht 02/2026. Nürnberg: IAB, letzter Zugriff: 18.05.2026.

Nuernbergk, Franziska/Riederer, Kyra (2025): Das Elterngeld ist volljährig: Zeit, eine Bilanz zu ziehen. In: ifo Dresden berichtet Nr. 03/04-2025. Dresden: ifo-Institut, S. 21-25, letzter Zugriff: 18.05.2026.

Pfahl, Svenja/Reuyß, Stefan (2022): Reformvorschläge für die Ausgestaltung des Elterngeldes. Unter Mitarbeit von Maike Wittmann. FES diskurs. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, letzter Zugriff: 18.05.2026.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024a): Dauer des Bezugs von Elterngeld/ElterngeldPlus 2007-2021. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024b): Elterngeldbezug in Deutschland 2008 – 2021. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024c): Zeitaufwand für bezahlte und unbezahlte Arbeit 2022. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024d): Zeitaufwand für unbezahlte Arbeit (inkl. Fürsorgearbeit und Ehrenamt) 2022. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2025a): Betreuungsquoten von Kindern unter drei Jahren nach Alter 2010-2024. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2025b): Ganztagsbetreuung von Kleinkindern nach Alter und Region 2007-2024. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Statistisches Bundesamt (2026): Mikrozensus. Qualitätsbericht 2024, letzter Zugriff: 18.05.2026.

Statistisches Bundesamt (2023): Mikrozensus 2022. Qualitätsbericht, letzter Zugriff: 18.05.2026.

Statistisches Bundesamt (2022a): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Haushalte und Familien. Ergebnisse des Mikrozensus 2020 (Endergebnisse), Fachserie 1 Reihe 3, letzter Zugriff: 18.05.2026.

Statistisches Bundesamt (2022b): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2020 (Endgültige Ergebnisse), Fachserie 1 Reihe 4.1, letzter Zugriff: 18.05.2026.

Statistisches Bundesamt (2020): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2019. Fachserie 1 Reihe 4.1, letzter Zugriff: 18.05.2026.

Wrohlich, Katharina/Zucco, Aline (2023): 15 Jahre Elterngeld. Auswirkungen und Reformoptionen. Working Paper Forschungsförderung Nr. 281. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, letzter Zugriff: 18.05.2026.

 


(1) Vgl. Definition der „realisierten Erwerbstätigkeit“ im Glossar.

(2) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024b): Elterngeldbezug in Deutschland 2008 – 2021. In: WSI GenderDatenPortal.

(3) Dies geht Hand in Hand mit einer um rund 4 Prozentpunkte höheren Elterngeldnutzungsquote von Vätern in Ostdeutschland (gegenüber Vätern in Westdeutschland), vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024b): Elterngeldbezug in Deutschland 2008 – 2021. In: WSI GenderDatenPortal.

(4) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024c): Zeitaufwand für bezahlte und unbezahlte Arbeit 2022; Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024d): Zeitaufwand für unbezahlte Arbeit (inkl. Fürsorgearbeit und Ehrenamt) 2022 sowie Lott, Yvonne (2024): Alles beim Alten: Der Gender Care Gap in der Erwerbsbevölkerung.

(5) Vgl. Frodermann, Claudia et al. (2026): Gesellschaftliche Einstellung zu Erwerbstätigkeit von Müttern und externer Kinderbetreuung. IAB-Kurzbericht 02/2026, Nürnberg: IAB, S. 4.

(6) Vgl. a. a. O., S. 5.

(7) Vgl. zur institutionellen Kinderbetreuung: Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2025a): Betreuungsquoten von Kindern unter drei Jahren nach Alter 2010-2024 sowie Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2025b): Ganztagsbetreuung von Kleinkindern nach Alter und Region 2007-2024. Beides in: WSI GenderDatenPortal. Zur Inanspruchnahme des Elterngeldes durch Mütter und Väter vgl. auch Pfahl, Svenja/Reuyß, Stefan (2022): Reformvorschläge für die Ausgestaltung des Elterngeldes, S. 2ff.

(8) Vgl. Wrohlich, Katharina/Zucco, Aline (2023): 15 Jahre Elterngeld. Auswirkungen und Reformoptionen, S. 14. Vgl. auch Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024a): Dauer des Bezugs von Elterngeld/ElterngeldPlus 2007-2021.

(9) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024b): Elterngeldbezug in Deutschland 2008 – 2021. In: WSI GenderDatenPortal.

(10) Nuernbergk, Franziska/Riederer, Kyra (2025): Das Elterngeld ist volljährig: Zeit, eine Bilanz zu ziehen. In: ifo Dresden berichtet Nr. 03/04-2025, Dresden: ifo-Institut, S. 22.

(11) Vgl. Pfahl, Svenja/Reuyß, Stefan (2022): Reformvorschläge für die Ausgestaltung des Elterngeldes. Unter Mitarbeit von Maike Wittmann. FES diskurs. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung.

Zugehörige Themen