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WSI GenderDatenPortal: Erwerbsarbeit: Erwerbstätigenquoten und Erwerbsquoten 1991-2018

Frauen sind in Deutschland immer noch seltener erwerbstätig als Männer, allerdings hat sich die Teilhabe am Erwerbsleben beider Geschlechter zwischen 1991 und 2018 stark angeglichen. Dies zeigt sich sehr deutlich an der Erwerbstätigenquote:

  • Die Erwerbstätigenquote der Frauen nahm bereits Ende der 1990er Jahre und dann erneut in den Jahren seit 2005 stark zu. Über den gesamten Zeitraum von 1991 bis 2018 ist sie von 57 Prozent fast auf 72 Prozent angestiegen.
  • Bei den Männern ist die Erwerbstätigenquote zwischen 1991 und 2003 stark abgesunken – von 78 Prozent auf 71 Prozent. Seitdem legte sie wieder deutlich zu und liegt im Jahr 2018 mit 80 Prozent nun sogar höher als zu Beginn der 1990er Jahre.
  • Aufgrund dieser Veränderungen hat sich der Abstand der Erwerbstätigenquoten zwischen Frauen und Männern in einem Zeitraum von weniger als 30 Jahren um rund zwei Drittel verringert – von 21 Prozentpunkten auf 8 Prozentpunkte.

Auch bei der Erwerbsquote, die den Anteil der Erwerbspersonen an der Bevölkerung im Erwerbsalter erfasst (1), zeigt sich eine deutliche Tendenz zur Angleichung beider Geschlechtergruppen:

  • Bei den Frauen ist die Erwerbsquote zwischen 1991 und 2018 fast kontinuierlich angestiegen, von 62 Prozent auf den bisherigen Höchstwert von 74 Prozent.
  • Demgegenüber veränderte sich die Erwerbsquote der Männer nur leicht: Von fast 83 Prozent im Jahr 1991 ging sie bis 2000 auf 80 Prozent zurück. In den Jahren nach 2005 stieg sie wieder auf 82 Prozent an und blieb seither fast konstant auf diesem Niveau.

Der regionale Vergleich zeigt, dass die Entwicklungen in Westdeutschland nur geringfügig von jenen für Deutschland insgesamt abweichen, während für Ostdeutschland gravierende Unterschiede festzustellen sind:

  • In Ostdeutschland sank die Erwerbstätigenquote von Frauen und Männern zu Beginn der 1990er Jahre innerhalb weniger Jahre drastisch ab.
  • Unter den ostdeutschen Frauen stieg die Erwerbstätigenquote seit 2005 jedoch wieder stark an. Im Jahr 2018 erreichte sie 74 Prozent und liegt damit immer noch höher als die Erwerbstätigenquote der Frauen in Westdeutschland.
  • Auch die Erwerbstätigenquote der Männer in Ostdeutschland stieg seit 2005 wieder an, blieb aber bis 2018 (78 Prozent) noch unter dem Höchstwert aus dem Jahr 1991 (79 Prozent).
  • Damit fällt auch der geschlechtsspezifische Abstand der Erwerbstätigenquoten in Ostdeutschland über den gesamten Zeitraum deutlich kleiner aus als in Westdeutschland. Im Jahr 2018 ist der geschlechtsspezifische Abstand in Ostdeutschland (4 Prozent) nur halb so groß wie in Westdeutschland (8 Prozent).

Der geringere geschlechtsspezifische Abstand in Ostdeutschland ist nur zu einem Teil auf die etwas höhere Erwerbsbeteiligung der ostdeutschen Frauen zurückzuführen. Hauptursache ist die (immer noch) angespanntere Lage auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt, die zu einer deutlich niedrigeren Erwerbstätigenquote der Männer führt. Die schlechteren Bedingungen auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt lassen sich auch daran ablesen, dass der Abstand zwischen Erwerbsquoten und Erwerbstätigenquoten bei Frauen und Männern in Ostdeutschland deutlich höher ausfällt als in Westdeutschland.
 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Esther Mader
 

Literatur

Statistisches Bundesamt (2019): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2018, Fachserie 1 Reihe 4.1., https://www.destatis.de/DE/Service/Bibliothek/_publikationen-fachserienliste-1.html, letzter Zugriff: 31.01.2020.

Statistisches Bundesamt (2015): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2014. Fachserie 1 Reihe 4.1.1.

Statistisches Bundesamt (2012): Methodeninformation. Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung: Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit ab dem Jahr 2011, https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00031125/MethodenArbeitskraefterhebung.pdf, letzter Zugriff: 31.01.2020.
 


(1) Zur Definition der Erwerbsquote siehe Glossar.

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