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WSI GenderDatenPortal: Erwerbsarbeit: Minijobs als Nebentätigkeit 2004-2019

In Deutschland übt fast jede*r elfte sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer*in zusätzlich einen Minijob als Nebentätigkeit aus: Im Jahr 2019 betraf dies fast 3 Mio. Beschäftigte (Jahresdurchschnittswert). Frauen stellen mit mehr als 1,7 Mio. einen im Vergleich zu Männern (1,3 Mio.) etwas höheren Anteil an dieser Beschäftigtengruppe. Die größere Bedeutung von Neben-Minijobs für Frauen wird auch deutlich, wenn man Neben-Minijobber*innen jeweils in Bezug zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten setzt: Einen zusätzlichen Minijob übt jede neunte abhängig beschäftigte Frau aus (9 Prozent), aber nicht einmal jeder vierzehnte Mann (7 Prozent). (1)

Innerhalb des Beobachtungszeitraums 2004 bis 2019 hat sich die Zahl der Neben-Minijobber*innen – bei Frauen wie Männern – verdoppelt (Grafik 1). (2) Bei Frauen stieg die Anzahl von 777.000 auf 1,65 Mio. und bei Männern von 652.000 auf 1,34 Mio. Neben-Minijobber*innen. Besonders deutlich wird diese Zunahme, wenn man sie mit der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Zeitverlauf vergleicht (Grafik 4):

Von 2004 bis 2019 hat sich die Zahl der Frauen mit Mini-Nebenjob mehr als verdoppelt (Anstieg um 112 Prozent), während die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen im gleichen Zeitraum „nur“ um 29 Prozent angestiegen ist.

Bei Männern ist die Zahl der Minijobber (mit einer Zunahme um 106 Prozent) zwar in etwas geringerem Umfang gestiegen, aber der prozentuale Anstieg war bei ihnen – ähnlich wie bei den Frauen – rund viermal größer als unter sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (24 Prozent).

Trotz der leicht unterschiedlichen Anstiege der Neben-Minijobs unter Frauen und Männern, hat sich der Frauenanteil an dieser Beschäftigtengruppe zwischen 2004 (54,4 Prozent) und 2019 (55,2 Prozent) kaum verändert (vgl. Tabelle 1).

Im regionalen Vergleich fällt zunächst auf, dass Minijobs als Nebentätigkeit in Westdeutschland wesentlich häufiger auftreten als in Ostdeutschland: Fast jede*r zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Westdeutschland übt zusätzlich noch einen Minijob aus. In Ostdeutschland ist der Anteil mit 5 Prozent nur etwa halb so groß. (3) „Bei Frauen mit Zweitjob fällt zudem in Westdeutschland ein ausgeprägtes Süd-Nord-Gefälle auf.“ (4)

Zwischen 2004 und 2019 ergibt sich in West- und Ostdeutschland ein jeweils ähnlich starker Anstieg der Neben-Minijobs – und zwar sowohl für Frauen als auch für Männer. Frauen in Ostdeutschland stellen mit 58 Prozent im Jahr 2019 einen geringfügig höheren Anteil an den Neben-Minijobber*innen als Frauen in Westdeutschland (56 Prozent) (vgl. Tabellen 2 und 3). Dabei ist allerdings zu beachten, dass Frauen in Westdeutschland fast doppelt so häufig wie Frauen in Ostdeutschland ausschließlich geringfügig beschäftigt sind. (5)

Für die Einschätzung der Bedeutung von Minijobs als Nebentätigkeit ist es wichtig, zwischen den Geschlechtern zu differenzieren, denn Frauen und Männer nehmen aus unterschiedlichen Gründen einen Neben-Minijob an. Auf Basis der repräsentativen Längsschnittdaten des Sozio-ökonomischen Panels konnten Schmidt und Voss (6) mit ihren Analysen belegen:

  • Für Männer ist der Neben-Minijob zumeist ein Zuverdienst, denn die Mehrheit dieser Männer zählt zu den Beschäftigten mit überdurchschnittlichen Einkommen.
  • Der umgekehrte Zusammenhang gilt bei den Frauen, denn in der Mehrheit sind es Frauen mit geringen Einkommen, die einen zusätzlichen Minijob – neben ihrer Haupttätigkeit – ausüben. Frauen nehmen eine solche Nebentätigkeit vor allem auf, um ihre Existenzgrundlage abzusichern. Die finanzielle Notwendigkeit zur Ausübung eines Neben-Minijobs ergibt sich bei den meisten Frauen aus einer unfreiwilligen Teilzeit und den daraus resultierenden niedrigen Einkünften. (7)

Auslöser für die Notwendigkeit eines zusätzlichen Minijobs ist bei Frauen häufig eine Trennung, da sie dann nicht (länger) über einen Partner oder eine Partnerin abgesichert sind: Im Vergleich zu verheirateten Frauen üben geschiedene und getrenntlebende Frauen mehr als dreimal so häufig einen Neben-Minijob aus. (8)

Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den Pdf-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Lisa Schubert

 

Literatur

Bundesagentur für Arbeit (2018): Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit geringfügig entlohntem Nebenjob, Arbeitsmarkt kompakt, Nürnberg, https://www.arbeitsagentur.de/datei/Arbeitsmarkt-kompakt_ba017580.pdf, letzter Zugriff: 26.08.2020.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Schubert, Lisa (2020): Minijobs als einzige Erwerbstätigkeit 2004-2019. WSI GenderDatenPortal.

Klinger, Sabine / Weber, Enzo (2019): Deutschland – Nebenjobberland. WSI-Mitteilungen, Jg. 72, H. 4, S. 247–259, https://www.iab.de/389/section.aspx/Publikation/k190509302, letzter Zugriff: 27.08.2020.

Klinger, Sabine / Weber, Enzo (2017): Zweitbeschäftigungen in Deutschland: Immer mehr Menschen haben einen Nebenjob. IAB-Kurzbericht 22/2017, http://doku.iab.de/kurzber/2017/kb2217.pdf, letzter Zugriff: 26.08.2020.

Schmidt, Tanja / Voss, Dorothea (2014): Arbeitsmarkt- und geschlechtsdifferentielle Einflussfaktoren für die Ausübung einer geringfügigen Nebenbeschäftigung. In: Industrielle Beziehungen, 21(1), S. 36–57.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2020): Statistik erklärt, Arbeitsmarkt und Grundsicherung für Arbeitssuchende in Zahlen, Nürnberg, https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Grundlagen/Definitionen/Generische-Publikationen/Statistik-erklaert/Statistik-erklaert.pdf?__blob=publicationFile&v=4, letzter Zugriff: 26.08.2020.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2017): Statistik der sozialversicherungspflichtigen und geringfügigen Beschäftigung. Version 7.7. Grundlagen: Qualitätsbericht. Nürnberg, https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Grundlagen/Qualitaetsberichte/Generische-Publikationen/Qualitaetsbericht-Statistik-Beschaeftigung.pdf, letzter Zugriff 26.09.2018.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2015): Methodenbericht. Beschäftigungsstatistik Revision 2014, zweite überarbeitete Fassung, Nürnberg, https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Grundlagen/Methodik-Qualitaet/Methodenberichte/Beschaeftigungsstatistik/Generische-Publikationen/Methodenbericht-Beschaeftigungsstatistik-Revision-2014.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 26.08.2020.

Voss, Dorothea / Schmidt, Tanja (2014): Wenn ein Job zum Leben nicht reicht. Mini-Zweitjobs: Für Frauen ein Muss – für Männer ein Zuverdienst. In: DGB frau geht vor, 03/2014, S. 12–14, http://frauen.dgb.de/frau-geht-vor, letzter Zugriff: 26.08.2020.

Wenzel, Stefanie (2012): Konvergenz oder Divergenz? Einstellungen zur Erwerbstätigkeit von Müttern in Ost- und Westdeutschland. In: Gender, Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, Heft 3, S. 59–76.


(1) Diese Angaben beruhen auf den Jahresdurchschnittswerten, die auf Basis der der Monatsangaben zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – mit bzw. ohne Minijob – berechnet wurden (siehe methodische Anmerkungen).

(2) Der starke Anstieg dürfte vorwiegend darauf zurückzuführen sein, dass im Zuge der Arbeitsmarktreform 2003 auch die Möglichkeit geschaffen wurde, dass sozialversicherungspflichtig Beschäftigte neben ihrer Haupttätigkeit einen Minijob ausüben dürfen, der zumeist frei von Steuerabgaben und Sozialversicherungsbeträgen ist. Vgl. Klinger, Sabine / Weber, Enzo (2019): Deutschland – Nebenjobberland.

(3) Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2018): Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit geringfügig entlohntem Nebenjob, S. 9.

(4) Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2018): Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit geringfügig entlohntem Nebenjob, S. 16.

(5) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Schubert, Lisa (2020): Minijobs als einzige Erwerbstätigkeit 2004-2019.

(6) Vgl. Schmidt, Tanja / Voss, Dorothea (2014): Arbeitsmarkt- und geschlechtsdifferentielle Einflussfaktoren für die Ausübung einer geringfügigen Nebenbeschäftigung.

(7) Zu vergleichbaren Befunden gelangen auch Klinger und Weber in ihrer Untersuchung von Zweitbeschäftigungen in Deutschland auf Basis einer Stichprobe aus der IAB-Beschäftigtenhistorik (für das Jahr 2014): Beschäftigte üben einen Minijob als Nebenjob dann mit höherer Wahrscheinlichkeit aus, wenn sie in ihrer Haupttätigkeit teilzeitbeschäftigt sind und/oder wenn sie eine niedrig bezahlte Tätigkeit ausüben. Vgl. Klinger, Sabine / Weber, Enzo (2017): Zweitbeschäftigungen in Deutschland: Immer mehr Menschen haben einen Nebenjob.

(8) Vgl. Voss, Dorothea / Schmidt, Tanja (2014): Wenn ein Job zum Leben nicht reicht. Mini-Zweitjobs: Für Frauen ein Muss – für Männer ein Zuverdienst.

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