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Arbeitsmarkt im Wandel: Solo-Selbstständige

Solo-Selbständigkeit ist eine heterogene Beschäftigungskategorie mit einer weiten Spannbreite von Branchen und Berufsfeldern. Sie beruht häufig auf Tätigkeitsprofilen, die auf persönlichen Wissensbeständen aufbauen und vergleichsweise geringe Anforderungen an ökonomische und personelle Ressourcen zur Gründung stellen. Zur Ausübung der Tätigkeit reicht in vielen Fällen der Besitz eines mobilen Endgerätes.

Gegenwärtig sind 4,7 Prozent [1] der Erwerbstätigen Solo-Selbstständige. Wie die Karte zeigt, ist die Solo-Selbständigkeit über die Bundesländer recht gleichmäßig verbreitet. Wirklich auffällig ist nur der hohe Anteil von Solo-Selbstständigen in Berlin (10,5 Prozent der Erwerbstätigen). In allen Bundesländern außer Bremen und dem Saarland ist die Solo-Selbständigkeit unter Männern stärker verbreitet als unter Frauen. Nach den Daten von Eurostat ist die Solo-Selbständigkeit in den letzten Jahren rückläufig. Dies dürfte auf die bis 2019 günstige Arbeitsmarktentwicklung zurückzuführen sein, die es Erwerbstätigen nun eher ermöglicht, eine abhängige Beschäftigung der Selbständigkeit vorzuziehen.

Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigt, dass Solo-Selbstständige von den Folgen der Anfang 2020 einsetzenden Corona-Pandemie besonders betroffen sind. So war bei den Solo-Selbstständigen zu Beginn der Pandemie (März 2020) ein deutlicher Einbruch der Arbeitszeit zu verzeichnen. Dies war auch bei den abhängig Beschäftigten der Fall. Im Gegensatz zu den abhängig Beschäftigten verharrt die Arbeitszeit der Solo-Selbstständigen im Juli 2021 aber noch immer weit unter dem Vorkrisenniveau. Dass sich die Coronakrise negativ auf das Einkommen ausgewirkt hat, bejahen im Juli 2021 21 Prozent der abhängig Beschäftigten und 44 Prozent der Solo-Selbstständigen. Während sich an der Einkommensverteilung bei den Arbeitnehmer:innen wenig verändert hat, ist bei den Solo-Selbstständigen eine klare Verschiebung nach unten festzustellen: Der Anteil derjenigen mit weniger als 1500 Euro netto im Monat hat sich verdoppelt. Am stärksten betroffen sind hier solo-selbstständige Frauen, von denen aktuell 33 Prozent weniger als 1500 Euro verdienen. Von den solo-selbstständigen Männern fallen 18 Prozent in diese Kategorie. Die Ergebnisse zeigten, dass die Coronakrise die sozialen Nöte vieler Solo-Selbstständiger weiter verschärft hat (Schulze Buschoff und Emmler 2021).

Ob und in welcher Form sich die Erfahrungen mit der Pandemie auf den Bestand der Solo-Selbständigkeit auswirken, ist noch nicht absehbar. Zwar ist Anteil der Solo-Selbstständigen an allen Erwerbstätigen laut Eurostat von 5,1 Prozent im Jahr 2019 auf 4,6 Prozent im Jahr 2021 gesunken. Aufgrund der veränderten Erhebungsform des Mikrozensus sowie der Corona-Epidemie sind die Daten des Jahres 2020 jedoch nur eingeschränkt mit denen Vorjahres vergleichbar. Angaben für das Jahr 2020 werden von Eurostat als vorläufig gekennzeichnet.

Während auf der einen Seite als Folge der Erfahrungen mit der Pandemie eine Abnahme solo-selbstständiger Erwerbstätigkeit zu erwarten ist, eröffnen auf der anderen Seite die hohen Wachstums- und Beschäftigungschancen bestimmter Dienstleistungsbereiche (z. B. der wissensintensiven Dienstleistungen und des Gesundheits- und Pflegebereichs) und die Veränderungen der Arbeitsorganisation (z.B. in Form von Subunternehmertum, Outsourcing und neuen Geschäftsmodellen wie der digitalen Plattformwirtschaft) weitere Potenziale für solo-selbstständige Erwerbsarbeit.
 

[1] Die Angaben zur Verbreitung der Solo-Selbständigkeit im Jahr 2020 des Statistischen Bundesamts (4,7 Prozent) und Eurostats (4,6 Prozent) unterscheiden sich aus unbekannten Gründen geringfügig.


Daten zur Solo-Selbstständigkeit nach Bundesländern stehen zum Download zur Verfügung.

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Literatur
Conen, W./Schippers, J./Schulze Buschoff, K. (2016): Self-employed without personnel: between freedom and insecurity (pdf). WSI-Study 5, 08/2016, Düsseldorf

Schulze Buschoff, K. (2016): Die soziale Sicherung (Solo-)Selbstständiger – Handlungsbedarf und Optionen, in: Soziale Sicherheit 8/2016, S. 301-307

Schulze Buschoff, K. (2018a): Erwerbshybridisierung in Europa – sozialpolitische Herausforderungen, in: Bührmann, A./Fachinger, U./Welskop-Deffaa, E. (Hrsg.): Hybride Erwerbsformen. Digitalisierung, Diversität und sozialpolitische Gestaltungsoptionen. Springer VS Wiesbaden 2018,  S.  323-345

Schulze Buschoff, K. (2018b): Selbstständigkeit und hybride Erwerbsformen – Sozialpolitische Gestaltungsoptionen (pdf). WSI Policy Brief Nr. 21, 03/2018, Düsseldorf

Schulze Buschoff, K./Conen, W./Schippers, J. (2017): Solo-Selbstständigkeit – eine prekäre Beschäftigungsform?, in: WSI Mitteilungen 01/2017, S. 54-61

Schulze Buschoff, K./Emmler, H. (2021): Selbstständigkeit in der Corona-Krise. Ergebnisse aus der HBS-Erwerbspersonenbefragung, Wellen 1 bis 5 (pdf). WSI Policy Brief Nr. 60, 09/2021, Düsseldorf
 

Kontakt

Ansprechpartner für alle Fragen zum WSI Datenportal "Arbeitsmarkt im Wandel" ist Dr. Eric Seils.

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