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WSI GenderDatenPortal: Mitbestimmung: Frauen in Vorständen nach Mitbestimmung und Börsenindex 2009-2018

Der Frauenanteil in deutschen Vorständen bewegt sich im Jahr 2018 weiter im einstelligen Bereich: nur 8 Prozent aller Vorstandssitze in den 160 größten deutschen börsennotierten Unternehmen werden von Frauen besetzt (vgl. Grafik Vorstand-01.2).

Innerhalb des Beobachtungszeitraums ist der Frauenanteil in den Vorstandsetagen nur leicht angestiegen. Die Gesamtzahl aller weiblichen Vorstandsmitglieder in den 160 Unternehmen stieg zwischen 2008 und 2018 von 18 auf 56 Frauen an (vgl. Tab. Vorstand-01.2).

Deutlich unterschiedliche Frauenanteile in den Vorständen ergeben sich je nach Unternehmensmitbestimmung, d.h. danach, ob es sich um Vorstände in „mitbestimmten“ oder „nicht-mitbestimmten“ Unternehmen handelt (ob also die Aufsichtsräte dieser Unternehmen – welche den Vorstand wählen – auch aus Vertreter/innen der Arbeitnehmer/innen zusammengesetzt sind oder nur aus Vertreter/innen der Anteilseigner/innen):

  • In mitbestimmten Unternehmen ist über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg ein leichter Anstieg des Frauenanteils in den Vorständen festzustellen. 2009 stellten Frauen weniger als 3 Prozent der Vorstandsmitglieder, im Jahr 2018 sind es 9 Prozent (vgl. Grafik Vorstand-01.1).
  • In nicht-mitbestimmten Unternehmen lässt sich hingegen keine eindeutige Tendenz erkennen: Den höchsten Frauenanteil in den Vorständen dieser Unternehmen gab es 2013 mit 6 Prozent. Nach einem anschließenden Rückgang liegt der Frauenanteil 2018 nun wieder fast bei 6 Prozent (vgl. Grafik Vorstand-01.1).

Unterschiedliche Anteile weiblicher Vorstandsmitglieder ergeben sich auch je nach Börsenindex, zu dem das Unternehmen gehört, also danach ob sie in den Bereich des DAX30, MDAX, oder SDAX fallen (vgl. Grafik Vorstand-01.2):

  • Im Jahr 2018 ist jedes siebte Vorstandsmitglied in einem DAX30-Unternehmen weiblich. Die 30 größten deutschen Unternehmen weisen damit einen Frauenanteil auf, der fast doppelt so hoch ist wie der durchschnittliche Anteil aller 160 größten börsennotierten Unternehmen (14 Prozent gegenüber 8 Prozent).
  • Die Frauenanteile in den Vorständen der Unternehmen aus anderen Börsenindizes fallen im Vergleich dazu merklich geringer aus – und liegen allesamt unter dem Gesamtdurchschnittswert: Nur jedes 14. Vorstandsmitglied in einem MDAX-Unternehmen ist eine Frau. Und bei den SDAX -Unternehmen ist sogar nur jedes 20. Vorstandsmitglied weiblich.

Eine im Beobachtungszeitraum deutliche positive Tendenz ist dabei nur für die DAX30-Unternehmen festzustellen, bei denen der Frauenanteil in den Vorständen zwischen 2009 und 2018 von 0,5 Prozent auf fast 14 Prozent stark ansteigt. Bei den Unternehmen der anderen Börsenindizes variieren die Frauenanteile zwischen den einzelnen Jahren teilweise erheblich. Vergleicht man die Ergebnisse der Jahre 2009 und 2018, so ist zumindest für die MDAX-Unternehmen ein Anstieg festzustellen. Für die SDAX-Unternehmen ist das Bild uneinheitlicher, seit 2013 gehen die Frauenanteile hier wieder zurück.
Einfluss auf die Höhe des Frauenanteils in den Vorständen nimmt – auch innerhalb des jeweiligen Börsenindex– die Form der Unternehmensmitbestimmung (vgl. Grafik Vorstand-01.3):

  • Der höchste Frauenanteil ist 2018 für Vorstände in nicht-mitbestimmten Unternehmen des DAX30 zu konstatieren (20 Prozent). Dieser hohe Anteil steht jedoch mit der geringen Fallzahl in Verbindung: Hier sind drei Vorstandsmitglieder weiblich und 12 männlich. Der geringste Frauenanteil in Vorständen findet sich bei den nicht-mitbestimmten Unternehmen im MDAX (4 Prozent).
  • Im Vergleich der mitbestimmten Unternehmen finden sich die höchsten Frauenanteile im DAX30 (13 Prozent). In den mitbestimmten Unternehmen im MDAX fällt der Frauenanteil durchschnittlich aus (9 Prozent). Demgegenüber weisen die mitbestimmten SDAX-Unternehmen einen mit 4 Prozent unterdurchschnittlichen Frauenanteil auf.

Fazit: Die Unternehmensmitbestimmung hat einen gewissen Einfluss auf den Grad an Gleichstellung in den Vorständen. In der Gruppe der 160 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland fallen die Frauenanteile in mitbestimmten Vorständen (9 Prozent) um ein Drittel höher aus als in nicht-mitbestimmten Vorständen (6 Prozent). (1)
 

Bearbeitung: Svenja Pfahl, Dietmar Hobler, Esther Mader

 

Literatur
BMAS (2017): Mitbestimmung – Eine gute Sache. Alles über die Mitbestimmung und ihre rechtlichen Grundlagen, Bonn,www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a741-mitbestimmung-ein-gutes-unternehmen.html, letzter Zugriff 30.10.2019.

Frankfurter Börse (o. J.): Börsenlexikon, www.boerse-frankfurt.de/wissen/dictionary, letzter Zugriff 30.10.2019.
Gabler-Wirtschaftslexikon-Online (o. J.): Erläuterungen zu Vorständen in Aktiengesellschaften, Springer Gabler Verlag, www.wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/vorstand.html, letzter Zugriff 30.10.2019.

Hans-Böckler-Stiftung (2018): Mehr Quote wagen. In: Böckler Impuls, 04/2018, Seite 1, https://www.boeckler.de/impuls_2018_04_1.pdf, letzter Zugriff: 30.10.2019.

Hans-Böckler-Stiftung (o. J.): Basisinformationen zu Aufsichtsräten, www.boeckler.de/5543.htm, letzter Zugriff 30.10.2019.

Pfahl, Svenja / Hobler, Dietmar / Mader, Esther (2019): Frauen in Aufsichtsräten nach Mitbestimmung und Börsenindex 2009-2018. In: WSI GenderDatenPortal.

Pütz, Lasse / Weckes, Marion (2014): Geschlechterquote für mehr Frauen in den Aufsichtsräten – vor allem Anteilseigner sind gefordert, Auswertung, Hans-Böckler-Stiftung, Abteilung Mitbestimmungsförderung, Düsseldorf, www.boeckler.de/pdf/mbf_pb_geschlechterquote_puetz-weckes_20140414.pdf, letzter Zugriff 30.11.2019.

Weckes, Marion (2019): Strahlungsarmes „Quötchen“. Die Geschlechterverteilung in Aufsichtsrat und Vorstand 2019, Report Nr. 48, Hans-Böckler-Stiftung, Abteilung Mitbestimmungsförderung, Düsseldorf, www.boeckler.de/pdf/p_mbf_report_2019_48.pdf, letzter Zugriff 30.10.2019.

Weckes, Marion (2016): Beginnender Kulturwandel oder absehbare Stagnation bei 30%? Die Geschlechterverteilung im Aufsichtsrat der vier Leitindizes, Report Nr. 21, Hans-Böckler-Stiftung, Abteilung Mitbestimmungsförderung, Düsseldorf, www.boeckler.de/pdf/p_mbf_report_2016_21.pdf, letzter Zugriff 30.10.2019.

Weckes, Marion (2015): Geschlechterverteilung in Vorständen und Aufsichtsräten, Report Nr. 10, Hans-Böckler-Stiftung, Abteilung Mitbestimmungsförderung, Düsseldorf, www.boeckler.de/pdf/p_mbf_report_2015_10.pdf, letzter Zugriff 30.10.2019.

Weckes, Marion (2011): Geschlechterverteilung in Vorständen und Aufsichtsräten in den 160 börsennotierten Unternehmen (Dax-30, M-Dax, S-Dax, Tec Dax) zum 31. Januar 2011, Arbeitspapier, Hans-Böckler-Stiftung, Abteilung Mitbestimmungsförderung, Düsseldorf, www.boeckler.de/pdf/mbf_gender_2011.pdf, letzter Zugriff 30.10.2019.

 


(1) Dieser Effekt zeigt sich in ähnlicher Weise auch für die Gleichstellung in Aufsichtsräten, vgl. Pfahl, Svenja / Hobler, Dietmar / Mader, Esther (2019): Frauen in Aufsichtsräten nach Mitbestimmung und Börsenindex 2009-2018. In: WSI GenderDatenPortal.

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