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WSI GenderDatenPortal: Sorgearbeit: Inanspruchnahme Elterngeld nach Geburtsjahr des Kindes 2008–2023

Grafiken, Analysen, Tabellen (pdf)

Daten (xlsx)

 

Nahezu alle Mütter haben für ihre in den Jahren 2008 bis 2023 geborenen Kinder Elterngeld in Anspruch genommen. Der Anteil der Elterngeld beziehenden Mütter liegt in allen Jahren konstant bei etwa 98 Prozent (vgl. Grafik 1). Die Beteiligung der Väter an der Fürsorgearbeit nach der Geburt bzw. in den ersten ein bis zwei Lebensjahren ist seit Einführung des Elterngeldes eindeutig gestiegen. Für ihre 2023 geborenen Kinder (beendete Leistungsbezüge) nehmen inzwischen 46 Prozent aller Väter das Elterngeld in Anspruch. Allerdings hat die Dynamik der steigenden Väterbeteiligung am Elterngeld in den letzten Jahren nachgelassen: Die anfangs stetige Zunahme um rund 2 Prozentpunkte mehr Väterbeteiligung pro Jahr schwächte sich bereits seit dem Geburtsjahr 2017 etwas ab, seit dem Geburtsjahr 2021 kam es zu keiner weiteren Zunahme der Väterbeteiligung mehr.

Die zusätzlichen Instrumente ElterngeldPlus, als auch der Partnerschaftsbonus im Elterngeld (vgl. Glossar) sind zum Juli 2015 in Kraft getreten – verbunden mit der Absicht, Wahlmöglichkeiten für Eltern zu erweitern, die Väterbeteiligung zu steigern und explizit partnerschaftliche Nutzungsmuster zu unterstützen. Seit ihrer Einführung ist jedoch dadurch kein „zusätzlicher“ Effekt auf die Väterbeteiligung zu beobachten. Ab dem Geburtsjahr 2016 flacht die jährliche Steigerung in der Väterbeteiligung sogar eher leicht ab. Viele Familienverbände fordern daher eine Reform des Elterngeldes, mit stärkeren Anreizen zu Gunsten einer partnerschaftlichen Nutzung des Elterngeldes. (1)

Der regionale Vergleich zeigt, dass Väter in Ostdeutschland das Elterngeld seit 2008 durchgängig zu einem höheren Anteil nutzen als Väter in Westdeutschland (vgl. Grafik 2). Ab dem Geburtsjahr 2015 betrug der Abstand der Väternutzungsquote zwischen West- und Ostdeutschland stets zwischen fünf und sechs Prozentpunkte und ging erst ab dem Geburtsjahr 2021 leicht zurück. Für 2023 geborene Kinder beträgt der Abstand nur noch knapp zwei Prozentpunkte: 47,9 Prozent der Väter in Ostdeutschland nutzen die Elterngeldmonate für sich, gegenüber 46,1 Prozent der Väter in Westdeutschland.

Zugleich zeigen sich große Differenzen in der Väterbeteiligung am Elterngeld zwischen den einzelnen Bundesländern (vgl. Grafik 3): Im Jahr 2023 beziehen immerhin in vier Bundesländern – Sachsen (55 Prozent), Bayern (54 Prozent), Thüringen (51 Prozent) und Baden-Württemberg (50 Prozent) – mindestens die Hälfte aller Väter nach der Geburt Elterngeldmonate in Anspruch. Andererseits bleibt die Väterbeteiligung am Elterngeld in zwei Bundesländern sogar noch unterhalb der 40 Prozent-Marge (Saarland, Bremen), in zwei weiteren Bundesländern nehmen nur zwischen 40 und 42 Prozent der Väter das Elterngeld in Anspruch (Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt). Auffallend ist die Entwicklung in Berlin: beteiligten sich dort nach Einführung des Elterngeldes anfangs anteilig am meisten Väter an der Elterngeldnutzung (1. Rang), so liegt Berlin in Bezug auf die Väterbeteiligung aktuell nur noch auf dem 8. Rang aller 16 Bundesländer.

Hintergrund: Der Vergleich nach Bundesländern macht deutlich, dass der Elterngeldbezug durch Väter nicht nur von einem Ost-West-Gefälle, sondern von einem noch stärkeren Süd-Nord-Gefälle geprägt ist. Es sind eher die Bundesländer mit guter/stabiler Arbeitsmarktlage, die eine besonders hohe Väterbeteiligung aufweisen. Vorliegende Forschungsergebnisse bestätigen, dass ökonomische Faktoren und gesicherte Beschäftigungsverhältnisse einen starken Einfluss auf die Elterngeldnutzung von Vätern haben. Finanzielle Einschränkungen und berufsbezogene Konsequenzen sind für Väter die häufigsten Gründe, sich gegen eine Elternzeit zu entscheiden oder diese kurz zu halten. (2) Hingegen konnte eine stärkere Nutzung des Elterngeldes für Väter nachgewiesen werden, die selbst einen hohen Bildungsabschluss haben, unbefristet beschäftigt sind und in größeren Unternehmen arbeiten. (3)

Entscheidend für die Nutzungsmuster von Müttern und Vätern – und die Aufteilung der maximal 14 Basiselterngeldmonate – ist außerdem, dass die Inanspruchnahme des Elterngeldes immer im Paarkontext entschieden wird. Ob und wie lange Väter in Elterngeldbezug gehen, hängt von den ökonomischen Ressourcen beider Partner*innen ab. So gehen Väter eher in Elternzeit, wenn ihr*e Partner*in (stabil) erwerbstätig ist und ein eher hohes Einkommen erwirtschaftet. Neben der Arbeitsmarktlage spielt daneben das lokale Angebot an institutioneller Kinderbetreuung eine Rolle: Die Angebote zur institutionellen Betreuung von Kindern unter drei Jahren sind in Ostdeutschland aber nach wie vor deutlich größer als in Westdeutschland. (4)

Erfolge Elterngeld: Seit seiner Einführung 2007 hat das Elterngeld viel bewirkt. Es hat den beruflichen Wiedereinstieg von Müttern beschleunigt, insbesondere von Müttern mit niedrigen Einkommen, und damit ihre eigenständige Existenzsicherung gestärkt. Vor allem aber hat es ein gesellschaftliches Umdenken angestoßen: Sorgearbeit wurde sichtbarer und die Beteiligung von Vätern an der Versorgung ihrer neu geborenen Kinder hat sich langsam als gesellschaftliche Normalität etabliert. Insofern hat das Elterngeld Fortschritte ermöglicht und hat zu einem geschlechterpolitischen, kulturellen Wandel beigetragen. (5)

Ausblick: Die gleichstellungspolitischen Effekte im bzw. durch das Elterngeld stagnieren in den letzten Jahren. Es gilt daher, die Rahmenbedingungen des Elterngeldes zu überprüfen und Anpassungen vorzunehmen, die eine stärker partnerschaftlichen Inanspruchnahme durch beide Elternteile unterstützen. Alle Elternteile sollten die Möglichkeit haben, selbst Fürsorgeaufgaben für ihre Kinder zu übernehmen und gleichzeitig erfolgreich im Erwerbsleben stehen zu können – ohne durch Phasen mit erhöhtem Betreuungsaufwand in existenzielle Nöte zu geraten. (6)

Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den Pdf-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.

 

Bearbeitung: Svenja Pfahl, Stefan Reuyß

 

Literatur

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (o.J.): Neuregelungen beim Elterngeld für Geburten ab 01. April 2024. Berlin: BMFSFJ, letzter Zugriff: 16.08.2026.

Bündnis Sorgearbeit fair teilen (2026): Für fair geteilte Sorgearbeit von Anfang an. Freistellung nach Geburt einführen, exklusive Elterngeldmonate ausbauen. Positionspapier. Berlin: Deutscher Frauenrat e.V., letzter Zugriff: 05.08.2026.

Geyer, Johannes/Krause, Alexandra (2016): Veränderungen der Erwerbsanreize durch das Elterngeld Plus für Mütter und Väter. DIW Discussion Paper Nr. 1592. Berlin: DIW, letzter Zugriff: 05.08.2026.

Hobler, Dietmar/Pfahl, Svenja (2015): Einflussfaktoren auf die Arbeitszeitdauer von Vätern nach den Elterngeldmonaten, Expertise. Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, letzter Zugriff: 05.08.2026.

Huebener, Mathias/Müller, Kai-Uwe/Neumann, Michael/Wrohlich, Katharina (2016): Zehn Jahre Elterngeld: Eine wichtige familienpolitische Maßnahme. DIW Wochenbericht Nr. 49. Berlin: DIW, letzter Zugriff: 05.08.2026.

Müller, Kai-Uwe/Neumann, Michael/Wrohlich, Katharina (2015): Familienarbeitszeit: mehr Arbeitszeit für Mütter, mehr Familienzeit für Väter. DIW Wochenbericht Nr. 46. Berlin: DIW, letzter Zugriff: 05.08.2026.

Pfahl, Svenja/Reuyß, Stefan (2026): Zeit für ein geschlechtergerechtes und soziales Elterngeld. FES Impuls. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung (im Erscheinen).

Pfahl, Svenja/Reuyß, Stefan (2026a): Bezugsdauer Elterngeld/ElterngeldPlus nach Geburtsjahr des Kindes 2007 – 2023. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Pfahl, Svenja/Reuyß, Stefan (2026b): Höhe des Elterngeldes nach Geburtsjahr des Kindes 2008 – 2023. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Pfahl, Svenja/Reuyß, Stefan (2022): Reformvorschläge für die Ausgestaltung des Elterngeldes. FES diskurs. Unter Mitarbeit von Maike Wittmann. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, letzter Zugriff: 05.08.2026.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2025): Betreuungsquoten von Kindern unter drei Jahren nach Alter 2010 – 2024. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Samtleben, Claire/Schäper, Clara/Wrohlich, Katharina (2019): Elterngeld und Elterngeld Plus: Nutzung durch Väter gestiegen, Aufteilung zwischen Müttern und Vätern aber noch sehr ungleich, DIW Wochenblick Nr. 35. Berlin: DIW, letzter Zugriff: 05.08.2026.

Statistisches Bundesamt (2026): Elterngeld. Beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2023 geborene Kinder. Wiesbaden: DESTATIS, letzter Zugriff: 05.08.2026.

Statistisches Bundesamt (2022): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2019 geborene Kinder. Wiesbaden: DESTATIS, letzter Zugriff: 05.08.2026.

Statistisches Bundesamt (2021): Bundesstatistik zum Elterngeld. Qualitätsbericht. Wiesbaden: DESTATIS, letzter Zugriff: 05.08.2026.

Wrohlich, Katharina/Zucco, Aline (2023): 15 Jahre Elterngeld – Auswirkungen und Reformoptionen. Working Paper Forschungsförderung Nr. 281. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, letzter Zugriff: 05.08.2026.

Zukunftsforum Familie e.V. (2026): Das Elterngeld. Schlüssel für ein gleichberechtigtes Familienleben. Positionspapier Nr. 07. Berlin: Zukunftsforum Familie e.V., letzter Zugriff: 05.08.2026.


(1) Vgl. Zukunftsforum Familie e.V. (2026): Das Elterngeld. Schlüssel für ein gleichberechtigtes Familienleben, Positionspapier Nr. 07. Berlin: Zukunftsforum Familie e.V. Vgl. dazu auch: Bündnis Sorgearbeit fair teilen (2026): Für fair geteilte Sorgearbeit von Anfang an. Freistellung nach Geburt einführen, exklusive Elterngeldmonate ausbauen. Positionspapier. Berlin: Deutscher Frauenrat e.V.

(2) Vgl. Samtleben, Claire/Schäper, Clara/Wrohlich, Katharina (2019): Elterngeld und Elterngeld Plus: Nutzung durch Väter gestiegen, Aufteilung zwischen Müttern und Vätern aber noch sehr ungleich, DIW Wochenblick Nr. 35. Berlin: DIW, S. 610f. sowie Hobler, Dietmar/Pfahl, Svenja (2015): Einflussfaktoren auf die Arbeitszeitdauer von Vätern nach den Elterngeldmonaten. Expertise. Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung.

(3) Huebener, Mathias et al. (2016): Zehn Jahre Elterngeld: Eine wichtige familienpolitische Maßnahme. DIW Wochenbericht Nr. 49. Berlin: DIW, S. 1163.

(4) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2025): Betreuungsquoten von Kindern unter drei Jahren nach Alter 2010 – 2024. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

(5) So auch Wrohlich, Katharina/Zucco, Aline (2023): 15 Jahre Elterngeld – Auswirkungen und Reformoptionen. Working Paper Forschungsförderung Nr. 281. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, S. 14.

(6) Vgl. Pfahl, Svenja/Reuyß, Stefan (2026): Zeit für ein geschlechtergerechtes und soziales Elterngeld und Pfahl. FES Impuls. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung sowie Pfahl, Svenja/Reuyß, Stefan (2022): Reformvorschläge für die Ausgestaltung des Elterngeldes. FES diskurs. Unter Mitarbeit von Maike Wittmann. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung.

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