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WSI GenderDatenPortal: Sorgearbeit: Höhe des Elterngeldes nach Geburtsjahr des Kindes 2007-2015

Männer erhalten in der Regel deutlich höhere Elterngeldzahlungen als Frauen. Dies zeigt sich besonders deutlich, wenn man die Verteilung der Elterngeldzahlungen an Frauen und Männern vergleicht, die für die (im 1. Halb-) Jahr 2015 geborenen Kinder ausgezahlt wurden (Grafik 1): Ein höheres monatliches Elterngeld, in Höhe von 1.500 Euro oder mehr, erhielt jeder dritte Mann, aber nicht einmal jede zehnte Frau. Ein Elterngeld zwischen 1.000 bis 1.500 Euro konnte ebenfalls jeder dritte Mann verzeichnen, aber nur jede sechste Frau. Ein eher niedriges Elterngeld zwischen 300 und 1.000 Euro wurde jeder zweiten Frau aber nur jedem vierten Mann ausbezahlt. Mit dem Mindestelterngeld in Höhe von 300 Euro musste sich fast jede vierte Frau aber nur jeder elfte Mann bescheiden.

Im Beobachtungszeitraum 2007 bis 2015 zeigt sich, dass Männer seit Einführung des Elterngeldes in steigendem Maße höhere Elterngeldzahlungen erhalten, während sich der Anteil der Männer, die nur das Mindestelterngeld erhalten (300 Euro) im gleichen Zeitraum von 20 Prozent auf 9 Prozent mehr als halbiert hat. Im Vergleich dazu erzielen Frauen insgesamt ein deutlich niedrigeres Elterngeld: Auffallend viele Frauen erhalten nur das Mindestelterngeld (300 Euro). Allerdings ist der Anteil an Frauen mit dem Mindestelterngeld zwischen 2007 und 2015 von 32 Prozent auf 23 Prozent zurückgegangen.

Eine der Ursachen für die Zunahme von höheren Elterngeldzahlungen ist, dass der Anteil der Frauen und vor allem der Männer, die vor dem Elterngeldbezug erwerbstätig waren, stark angestiegen ist (Grafik 2). So sind 2015 insgesamt 92 Prozent der elterngeldbeziehenden Männer vorher erwerbstätig gewesen, im Jahr 2007 waren es erst 78 Prozent. Auch unter den Frauen ist der Anteil derer, die unmittelbar vor der Geburt des Kindes erwerbstätig waren, deutlich angestiegen: von 53 Prozent (2007) auf 69 Prozent (2015).

Hauptursache für die ungleiche Verteilung der Elterngeldhöhe: Männer erzielen vor dem Elterngeldbezug höhere Netto-Einkommen als Frauen (Grafik 3). Ein durchschnittliches Netto-Einkommen von 2.000 Euro oder mehr kann nur jede siebte Frau, aber fast jeder zweite elterngeldbeziehende Mann vorweisen (2015). Diese immensen Einkommensunterschiede sind vor allem darauf zurückzuführen, dass Frauen wesentlich häufiger Teilzeit arbeiten als Männer(1), insbesondere wenn sie bereits (minderjährige) Kinder haben.(2) Die Erwerbseinkommen vor dem Elternzeitbezug sind ausschlaggebend für die Höhe des Elterngeldes. Insofern setzt das Elterngeld mittelbar einen Anreiz zur Erwerbstätigkeit vor der Geburt des Kindes.(3) Insgesamt gilt eine gestiegene Erwerbsbeteiligung von Frauen (vor, aber vor allem nach der Geburt) als einer der wichtigsten Effekte des Elterngeldes.(4)


Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Linda Hentschel


Literatur

Geyer, Johannes / Krause, Alexandra (2016): Veränderungen der Erwerbsanreize durch das Elterngeld Plus für Mütter und Väter. DIW Discussion Paper 1592, https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.538202.de/dp1592.pdf, letzter Zugriff: 25.10.2018.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2018a): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991-2017. In WSI GenderDatenportal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Hentschel, Linda (2018b): Teilzeitquoten nach Elternschaft und Alter des jüngsten Kindes 2017. In: WSI GenderDatenPortal.

Huebener, Mathias / Müller, Kai-Uwe / Neumann, Michael / Wrohlich, Katharina (2016): Zehn Jahre Elterngeld: Eine wichtige familienpolitische Maßnahme. In: DIW Wochenbericht 49/2016, Seiten 1159-1166, https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.548384.de/16-49-1.pdf, letzter Zugriff: 25.10.2018.

Müller, Kai-Uwe / Neumann, Michael / Wrohlich, Katharina (2015): Familienarbeitszeit: mehr Arbeitszeit für Mütter, mehr Familienzeit für Väter. In: DIW Wochenbericht 46/2015: Familienarbeitszeit „reloaded“, Seiten 1095-1103, https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.518983.de/15-46-1.pdf, letzter Zugriff: 25.10.2018.

Pfahl, Svenja / Reuyß, Stefan / Hobler, Dietmar / Weeber, Sonja (2014): Nachhaltige Effekte der Elterngeldnutzung durch Väter: Gleichstellungspolitische Auswirkungen der Inanspruchnahme von Elterngeldmonaten durch erwerbstätige Väter auf betrieblicher und partnerschaftlicher Ebene. Projektbericht SowiTra. Berlin, https://www.sowitra.de/wp-content/uploads/2016/01/projektberichtelterngeldv%C3%A4ter_2014-12-04_END.pdf, letzter Zugriff: 25.10.2018.

Statistisches Bundesamt (2018): Bundesstatistik zum Elterngeld. Qualitätsbericht, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Qualitaetsberichte/Soziales/Elterngeld.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 25.10.2018.

Statistisches Bundesamt (2017): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im 2. Vierteljahr 2015 geborene Kinder. April 2015 bis September 2016, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2016 a): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im 1. Vierteljahr 2015 geborene Kinder. Januar 2015 bis Juni 2016, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2016 b): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2014 geborene Kinder. Januar 2014 bis März 2016, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2015): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2013 geborene Kinder. Januar 2013 bis März 2015, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2014): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2012 geborene Kinder. Januar 2012 bis März 2014, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2013): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2011 geborene Kinder. Januar 2011 bis März 2013, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2012): Statistik zum Elterngeld – Beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2010 geborene Kinder. Januar 2010 bis März 2012, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2011a): Statistik zum Elterngeld – Gemeldete beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2009 geborene Kinder. Januar 2009 bis März 2011, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2011b): Statistik zum Elterngeld – Gemeldete beendete Leistungsbezüge für Geburten 2008. Januar 2008 bis März 2010, Wiesbaden.

Wrohlich, Katharina / Berger, Eva / Geyer, Johannes / Haan, Peter / Sengül, Denise / Spieß, C. Katharina / Thiemann, Andreas (2012): Elterngeld Monitor. DIW Berlin: Politikberatung kompakt 61, https://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.456328.de, letzter Zugriff: 25.10.2018.
 


(1) Im Jahr 2015 arbeitete fast die Hälfte der abhängig beschäftigten Frauen, aber nur etwa jeder zwölfte abhängig beschäftigte Mann in Teilzeit. Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2018a): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991-2017. In WSI GenderDatenportal.

(2) Unter den Eltern mit (minderjährigem Kind) fällt die Teilzeitquote der Mütter mit 69 Prozent (2017) besonders hoch aus, während die Teilzeitquote von Vätern mit nur 6 Prozent noch niedriger ausfällt als unter Männern insgesamt. Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Hentschel, Linda (2018b): Teilzeitquoten nach Elternschaft und Alter des jüngsten Kindes 2017. In: WSI GenderDatenPortal.

(3) Bereits drei Jahre nach Einführung des Elterngeldes konnte ein Anstieg der Erwerbstätigenquote von Frauen vor der Geburt des Kindes belegt werden. Vgl. Wrohlich, Katharina et al. (2012): Elterngeld Monitor. DIW Berlin: Politikberatung kompakt 61.

(4) Vgl. Huebener, Mathias et al. (2016): Zehn Jahre Elterngeld: Eine wichtige familienpolitische Maßnahme. In: DIW Wochenbericht 49/2016, Seite 1162.

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