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WSI GenderDatenPortal: Sorgearbeit: Zeitaufwand für Fürsorgearbeit 2012/2013

Nach wie vor übernehmen Frauen einen erheblich größeren Teil der im Haushalt anfallenden Fürsorgearbeit. Frauen im Erwerbsalter (18 bis 64 Jahre) wenden im Durchschnitt jeden Tag 34 Minuten für Kinderbetreuung und Pflege auf, Männer in dieser Altersgruppe jedoch nur 14 Minuten. Damit erbringen Frauen im Durchschnitt 2,4-mal so viel Zeit für die tägliche Fürsorgearbeit wie Männer. Die Geschlechterunterschiede fallen damit bei der Fürsorgearbeit im Durchschnitt größer aus als bei der Hausarbeit.(1) Ein Teil der geschlechtsspezifischen Lücke bei der Fürsorgearbeit ist darauf zurückzuführen, dass Frauen weitaus häufiger als Männer überhaupt Fürsorgearbeit leisten, denn sie haben mit 26 Prozent einen viel höheren Beteiligungsgrad daran als die Männer mit 17 Prozent (vgl. Tabelle ZV 01). Würde man für den Vergleich nur die „Ausübenden“ heranziehen, so würde sich die geschlechtsspezifische Lücke auf den Faktor 1,6 verkleinern.

Die geschlechtsbezogene Fürsorgelücke reduziert sich etwas, wenn man für den Vergleich nur die Erwerbstätigen heranzieht: Unter den Erwerbstätigen leisten Frauen mit täglich 28 Minuten immer noch 1,9-mal so viel Zeit für Fürsorgearbeit wie Männer (15 Minuten).

Die im Durchschnitt geleistete tägliche Fürsorgearbeit steht im Zusammenhang mit dem Erwerbsumfang. Teilzeitbeschäftigte Frauen leisten im Durchschnitt 50 Minuten Fürsorgearbeit pro Tag und damit das Fünffache wie vollzeitbeschäftigte Frauen (10 Minuten).(2) Für Frauen sind Teilzeitarbeit und die Übernahme von Fürsorgearbeit auf das Engste verknüpft, denn Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit vor allem, um die familiäre Fürsorgearbeit – also Betreuung von Kindern und Pflege von Angehörigen – zu übernehmen. Demgegenüber sind Männer in Deutschland vorwiegend aus anderen Gründen teilzeitbeschäftigt.(3) Darauf deuten auch die vorliegenden Ergebnisse hin, wonach teilzeitbeschäftigte Männer im Durchschnitt kaum mehr Zeit für Fürsorgearbeit aufwenden als vollzeitbeschäftigte Männer (17 Minuten gegenüber 15 Minuten).

Neben dem Erwerbsumfang wirkt sich auch der Haushaltstyp bzw. das Vorhandensein von Kindern auf die Aufteilung der Fürsorgearbeit aus: Im Vergleich zu vollzeitbeschäftigten Vätern leisten vollzeitbeschäftigte Mütter pro Tag 22 Minuten mehr Fürsorgearbeit – und teilzeitbeschäftigte Mütter sogar 46 Minuten mehr. Gegenüber vollzeitbeschäftigten Vätern wenden Mütter mit Vollzeitstelle also jeden Tag das 1,5-fache an Zeit für Fürsorgearbeit auf und teilzeitbeschäftigte Mütter sogar das 1,9-fache. Die geschlechtsspezifische Lücke bei der Fürsorgearbeit besteht damit sogar wenn Mütter und Väter beide vollzeitbeschäftigt sind.
Die meiste Fürsorgearbeit fällt in Paarhaushalten mit Kindern unter 6 Jahren an. Hier ist die geschlechtsbezogene Lücke zudem besonders groß: Im Vergleich zu vollzeitbeschäftigten Vätern wenden vollzeitbeschäftigte Mütter das 1,6-fache und teilzeitbeschäftigte Mütter das 2,1-fache an täglicher Fürsorgearbeit auf.(4)

Der Befund, dass erwerbstätige Mütter mehr Fürsorgearbeit übernehmen als erwerbstätige Väter gilt unabhängig vom Qualifikationsniveau: Die geschlechtsbezogene Fürsorgelücke fällt für Erwerbstätige mit Kind(ern) gleich hoch aus, unabhängig davon, ob sie einen akademischen oder einen beruflichen Abschluss haben. Die Mütter übernehmen in beiden Qualifikationsgruppen jeweils das 1,8-fache an Fürsorgearbeit wie die Väter.

Schließlich ist auch für Erwerbstätige verschiedener Einkommensgruppen zu konstatieren, dass die Mütter durchgängig mehr Zeit für Kinderbetreuung und Pflegeaufgaben aufbringen als die Väter:

  • In den mittleren Einkommensgruppen (von 1.100 bis 3.600 Euro) übernehmen Mütter im Vergleich zu Vätern das 1,8-fache an Fürsorgearbeit.
  • Bei den Erwerbstätigen mit niedrigem Nettoeinkommen (500 bis unter 1000 Euro) fällt der geschlechtsbezogene Vergleich – mit dem Faktor 1,5 – etwas kleiner aus. Ausschlaggebend hierfür ist, dass Väter mit geringem Netto-Einkommen täglich rund 10 Minuten mehr Fürsorgearbeit leisten, als Väter aus den höheren Einkommensgruppen.


Fazit: Frauen leisten generell mehr Fürsorgearbeit als Männer. Die Übernahme von Fürsorgearbeit ist zudem eng mit kürzeren beruflichen Arbeitszeiten verbunden. So wenden Frauen, die in Teilzeit arbeiten, besonders viel Zeit für Fürsorgearbeit auf. Die vorgestellten Ergebnisse korrespondieren mit den Befunden zum erstmals für Deutschland errechneten Gender Care Gap, der im Gutachten zum 2. Gleichstellungsbericht veröffentlicht wurde.(5)


Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl


Literatur

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2017): Zeitaufwand für Hausarbeit 2012/2013. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017): Gründe für Teilzeittätigkeit nach Elternschaft 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

Maier, Lucia (2014): Methodik und Durchführung der Zeitverwendungserhebung 2012/13. In: Wirtschaft und Statistik, November 2014, Wiesbaden.

OECD (2016): Dare to Share. – Deutschlands Weg zur Partnerschaftlichkeit in Familie und Beruf. Paris: OECD Publishing.

Sachverständigenkommission zum Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung (2017): Erwerbs- und Sorgearbeit gemeinsam neu gestalten. Gutachten für den Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Online verfügbar unter www.gleichstellungsbericht.de/gutachten2gleichstellungsbericht.pdf

Statistisches Bundesamt (2014): Aktivitätenliste (Stand 16.09.2014).

Statistisches Bundesamt (2016): Zeitverwendungserhebung, ZVE 2012/13. Qualitätsbericht, Wiesbaden.


(1) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja (2017): Zeitaufwand für Hausarbeit 2012/2013. In: WSI GenderDatenPortal.

(2) Der Unterschied ist aber überwiegend auf den geringeren Beteiligungsgrad der vollzeitbeschäftigten Frauen gegenüber den teilzeitbeschäftigten Frauen zurückzuführen (11,4 Prozent gegenüber 42,5 Prozent).

(3) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja/Horvath, Sandra (2017): Gründe für Teilzeittätigkeit nach Elternschaft 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

(4) Für Paare in Deutschland bestätigen auch die OECD-Analysen, dass Väter weniger Zeit mit ihren Kindern verbringen als Mütter, wobei die „Fürsorgelücke“ bei Paaren mit kleineren Kindern noch einmal größer ausfällt als bei Paaren mit schulpflichtigen Kindern. Der Mehraufwand an Zeit der Mütter für die Kinderversorgung fällt dabei an Werktagen deutlich größer aus als an den Tagen des Wochenendes. Dies dürfte dem kürzerem Erwerbsumfang der (zumeist teilzeitbeschäftigten) Mütter bzw. den längeren Arbeitszeiten der (häufig vollzeitbeschäftigten) Väter geschuldet sein (OECD 2016: 198).

(5) Vgl. Sachverständigenkommission zum Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung (2017). Allerdings unterscheiden sich die Analysen des Gutachtens in zwei Punkten von hier vorliegenden Analysen: Erstens werden im Gutachten auch ehrenamtliches Engagement und informelle Hilfen für andere Haushalte zur Sorgearbeit gerechnet. Zweitens beziehen sich die Auswertungen des Gutachtens auf alle Personen, während hier der Fokus auf die Erwerbstätigen gerichtet ist.

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