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Butollo, Florian : Sozialökologischer Umbau der Weltwirtschaft oder Handelskrieg mit anderen Mitteln? Covid-19 und die Transformation globaler Produktionsnetzwerke

Ausgabe 06/2020


DOI: 10.5771/0342-300X-2020-6-411

Seiten 411-417

Zusammenfassung

Die Engpässe bei Atemschutzmasken und medizinischer Ausrüstung im Laufe der Covid-19-Krise haben eine grundlegende Diskussion über die Krisenanfälligkeit globaler Wertschöpfungsketten angestoßen. Hierbei stehen Forderungen nach einer Rückverlagerung der Fertigung (Reshoring), einer Diversifizierung der Lieferketten und dem Aufbau von Lagerbeständen bzw. Sicherheitspuffern im Mittelpunkt. Der Beitrag hinterfragt die Grundannahmen dieser Debatten und zeigt, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Folge der Covid-19-Krise nicht primär Resultat exzessiver Auslandsabhängigkeit, sondern der von Kostenoptimierungszielen getriebenen engen Taktung und komplexen Verzweigung von Wertschöpfungsketten ist. Antworten auf die Probleme mit der gegenwärtigen Struktur globaler Wertschöpfungsketten sollten dieses Thema in den Kontext der unumgänglichen sozial-ökologischen Transformation der Wirtschaftsweise stellen. Dies beinhaltet vor allem eine erhöhte gesellschaftliche Resilienz durch die Stärkung fundamentaler Güter und Dienstleistungen in Bereichen wie Wohnen, Energie, Wasser, Gesundheit, Bildung und Pflege.

Abstract

Shortages of medical equipment and supply parts for industrial production during the Covid-19 crisis have triggered a discussion on the vulnerability of global production networks. The responses mostly focus on increasing the resilience of manufacturing through a “reshoring” of production, a diversification of supply chains, and the build-up of inventory. This article reveals that many interventions depart from erroneous assumptions on the structure of global manufacturing as the reasons for economic problems in the wake of Covid-19 are not mainly rooted in excessive dependence on foreign suppliers, but in the market-driven accumulation of risks through just-in-time production and overly complex supply chains. A response to such difficulties should be put in the context of a socio-ecological transformation of the economy that is necessary not only in order to make global production networks more resilient, but to enhance “societal resilience” against the challenges of climate change and increasing social inequality. An important component of a response to Covid-19 thus should consist of strengthening the “foundational economy”, i. e. goods and services related to housing, energy, water, health, education and care.

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