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WSI GenderDatenPortal: Zeit: Wochenarbeitszeiten und Erwerbstätigenquoten 1991–2020

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Innerhalb des Beobachtungszeitraums von 1991 bis 2020 sind die durchschnittlich geleisteten Arbeitszeiten der Erwerbstätigen in Deutschland sowohl bei Frauen als auch bei Männern deutlich zurückgegangen:

  • Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der Männer hat zwischen 1991 und 2020 um 2,8 Stunden abgenommen. Im Jahr 1991 arbeiteten Männer im Durchschnitt 41,2 Stunden pro Woche, 2020 sind es noch 38,4 Stunden. Dies entspricht einer Verkürzung um fast 7 Prozent.
  • Bei den Frauen hat sich die durchschnittliche Arbeitszeit im gleichen Zeitraum sogar um 3,9 Stunden verkürzt. Dies entspricht einer Reduktion um 11 Prozent. Im Jahr 1991 arbeiteten die erwerbstätigen Frauen im Durchschnitt 34,4 Stunden, bis 2005 sank dieser Wert auf 30,3 Stunden und ist seither weitgehend konstant auf diesem Niveau geblieben (2020: 30,5 Wochenstunden).

Die durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeiten von erwerbstätigen Frauen und Männern weichen in Deutschland im Jahr 2020 deutlich voneinander ab: Der Gender Time Gap beträgt aktuell 7,9 Stunden. Infolge des unterschiedlich starken Rückgangs der durchschnittlichen Arbeitszeiten bei Männern und Frauen hat sich der Gender Time Gap zwischen 1991 und 2005 deutlich vergrößert: von 6,8 Stunden (1991) auf 9,9 Stunden (2005). Zwischen 2006 und 2016 hatte sich der geschlechterbezogene Abstand jedoch wieder etwas verringert (2016: 8,0 Stunden). Nach einem zwischenzeitlichen kurzen Anstieg liegt der Gender Time Gap 2020 wieder bei knapp 8 Stunden.

Diese Entwicklung vollzog sich in West- und Ostdeutschland auf ähnliche Weise, jedoch auf unterschiedlichem Niveau:

  • In Westdeutschland hat sich der Gender Time Gap von 7,9 Stunden im Jahr 1991 auf 11,0 Stunden im Jahr 2005 vergrößert und ging bis 2020 auf 8,7 Stunden zurück. (Damit ist der Gender Time Gap in Westdeutschland im Jahr 2020 immer noch um 10 Prozent größer als im Jahr 1991.)
  • Auch in Ostdeutschland ist der Gender Time Gap zwischen 1991 (3,1 Stunden) und 2005 (5,5 Stunden) stark angestiegen, fiel aber in den letzten Jahren deutlich geringer aus (2020: 4,6 Stunden). Trotz einer deutlichen Zunahme über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg ist der Gender Time Gap in Ostdeutschland im Jahr 2020 nur etwa halb so groß wie in Westdeutschland.
  • Die stärkste Abnahme der durchschnittlichen Arbeitszeit von 1991 bis 2020 ist unter erwerbstätigen Frauen in Ostdeutschland festzustellen. Dennoch arbeiten ostdeutsche Frauen auch im Jahr 2020 mit durchschnittlich 33,9 Stunden immer noch deutlich länger als westdeutsche Frauen (29,7 Stunden).

Frauen und Männer unterscheiden sich nicht nur bei der durchschnittlichen Arbeitszeitdauer, sondern in noch viel stärkerem Maße bei der Verteilung auf verschiedene Arbeitszeitgruppen: Hier zeigt sich, dass die Verteilung der Arbeitszeiten der Frauen (1) sehr viel heterogener ist als jene der Männer. (2)

Analysen im Zeitvergleich belegen, dass sich das Absinken der durchschnittlichen Arbeitszeit von Frauen vor allem in der starken Zunahme an Teilzeitarbeit begründet ist. Seit Mitte der 1990er Jahre sind zwar immer mehr Frauen in Deutschland erwerbstätig – die Erwerbstätigenquote der Frauen ist seitdem um 15 Prozentpunkte angestiegen (3) –, dieser Anstieg erfolgte jedoch größtenteils in Form von Teilzeitarbeit. (4)

Bei den Männern hat nicht nur der Anteil der Teilzeitbeschäftigten zugenommen, sondern auch der Anteil der Vollzeitbeschäftigten mit langen und sehr langen Arbeitszeiten. (5) Folglich fällt auch der Rückgang der durchschnittlichen Arbeitszeiten bei Männern über den gesamten Beobachtungszeitraum von 1991 bis 2020 insgesamt etwas geringer aus als bei Frauen.

Obwohl die Nachteile längerer Teilzeitphasen für den weiteren Erwerbs- und Lebensverlauf von Frauen gut belegt sind, wird der Gender Time Gap als gleichstellungspolitisches Problem erst seit wenigen Jahren verstärkt thematisiert. Das ist einigermaßen überraschend, denn Arbeitszeiten sind „entscheidend für die Möglichkeit, die eigene Existenz zu sichern sowie bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Alter ausreichende Ansprüche auf Leistungen der sozialen Sicherungssysteme zu haben. Daher sind Arbeitszeiten bedeutsam für die Gleichstellung der Geschlechter.“ (6)

Aktuelle Analysen zu den Auswirkungen der Corona Pandemie weisen darauf hin, dass Frauen stärker von Arbeitszeitreduktionen betroffen waren bzw. sind als Männer: Durch die pandemiebedingten Einschränkungen seit März 2020 und die dadurch verringerten institutionellen Betreuungsangebote in den Jahren 2020 und 2021, sind es vermehrt die Frauen, die (zusätzliche) häusliche Sorge- und Kinderbetreuungsaufgaben auffangen und/oder das Homeschooling der Kinder betreuen. In Folge dessen kommt es bei ihnen etwas häufiger und in größerem Umfang zu Reduzierungen der Arbeitszeit als bei den Männern. (7)

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Maike Wittmann

 

Literatur

Absenger, Nadine / Ahlers, Elke / Bispinck, Reinhard / Kleinknecht, Alfred / Klenner, Christina / Lott, Yvonne / Pusch, Toralf / Seifert, Hartmut (2014): Arbeitszeiten in Deutschland. Entwicklungstendenzen und Herausforderungen für eine moderne Arbeitszeitpolitik, WSI Report Nr. 19, letzter Zugriff: 25.01.2022.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Wittmann, Maike (2022): Erwerbstätigenquoten und Erwerbsquoten 1991–2020. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Schubert, Lisa (2021): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991–2019. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Mader, Esther (2020): Abhängig beschäftigte Männer nach Arbeitszeitgruppen 1991–2018. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Spitznagel, Julia (2020): Abhängig beschäftigte Frauen nach Arbeitszeitgruppen 1991–2018. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Rauschnick, Laura (2016): Arbeitszeit. Quantitative Ergebnisse für Deutschland. Expertise für die Kommission „Zukunft der Arbeit“, https://www.boeckler.de/pdf/adz_expertise_hobler_pfahl_arbeitszeit_quanti.pdf, letzter Zugriff: 25.01.2022.

Kohlrausch, Bettina / Zucco, Aline (2020): Die Corona-Krise trifft Frauen doppelt. Weniger Erwerbseinkommen und mehr Sorgearbeit, WSI Policy Brief Nr. 40, letzter Zugriff: 25.01.2022.

Statistisches Bundesamt (2021a): Mikrozensus. Qualitätsbericht 2020, letzter Zugriff: 25.01.2022.

Statistisches Bundesamt (2021b): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2020. Fachserie 1 Reihe 4.1, letzter Zugriff: 25.01.2022.

Statistisches Bundesamt (2020): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2019, Fachserie 1 Reihe 4.1, letzter Zugriff: 25.01.2022.

Statistisches Bundesamt (2015): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2014. Fachserie 1 Reihe 4.1.1, letzter Zugriff: 25.01.2022.

Statistisches Bundesamt (2012): Methodeninformation. Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung: Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit ab dem Jahr 2011, letzter Zugriff: 25.01.2022.

WSI in der Hans Böckler Stiftung (2020): Corona und Arbeitszeit: Lücke zwischen den Geschlechtern bleibt – Frauen erhalten seltener Aufstockung bei Kurzarbeit (Pressemitteilung vom 29.12.2020), letzter Zugriff 25.01.2022.

 

 


(1) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Spitznagel, Julia (2020): Abhängig beschäftigte Frauen nach Arbeitszeitgruppen 1991–2018.

(2) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Mader, Esther (2020): Abhängig beschäftigte Männer nach Arbeitszeitgruppen 1991–2018.

(3) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Wittmann, Maike (2022): Erwerbstätigenquoten und Erwerbsquoten 1991–2020.

(4) Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Schubert, Lisa (2021): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991–2019. Siehe dazu auch: Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Rauschnick, Laura (2016): Arbeitszeit. Quantitative Ergebnisse für Deutschland. Expertise für die Kommission „Zukunft der Arbeit“, S. 33ff.

(5) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Mader, Esther (2020): Abhängig beschäftigte Männer nach Arbeitszeitgruppen 1991–2018.

(6) Absenger, Nadine et al. (2014): Arbeitszeiten in Deutschland. Entwicklungstendenzen und Herausforderungen für eine moderne Arbeitszeitpolitik, S. 45.

(7) Vgl. Kohlrausch, Bettina / Zucco, Aline (2020): Die Corona-Krise trifft Frauen doppelt. Weniger Erwerbseinkommen und mehr Sorgearbeit, S. 8f. sowie WSI in der Hans Böckler Stiftung (2020): Corona und Arbeitszeit: Lücke zwischen den Geschlechtern bleibt – Frauen erhalten seltener Aufstockung bei Kurzarbeit (Pressemitteilung vom 29.12.2020).

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