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WSI GenderDatenPortal: Zeit: Wochenarbeitszeiten und Erwerbstätigenquoten 1991–2018

Innerhalb des Beobachtungszeitraums von 1991 bis 2018 sind die durchschnittlich geleisteten Arbeitszeiten der Erwerbstätigen in Deutschland sowohl bei Frauen als auch bei Männern deutlich zurückgegangen:

  • Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der Männer hat zwischen 1991 und 2018 um 2,5 Stunden abgenommen. Im Jahr 1991 arbeiteten Männer im Durchschnitt 41,2 Stunden pro Woche, 2018 sind es 38,7 Stunden. Dies entspricht einer Verkürzung um 6 Prozent. Bei den Frauen hat sich die durchschnittliche Arbeitszeit im gleichen Zeitraum sogar um 3,9 Stunden verkürzt. Dies entspricht einer Reduktion um 11 Prozent. Im Jahr 1991 arbeiteten die erwerbstätigen Frauen im Durchschnitt 34,4 Stunden, bis 2005 sank dieser Wert auf 30,3 Stunden und verblieb seither weitgehend konstant auf diesem Niveau (2018: 30,5 Wochenstunden).

Die durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeiten von erwerbstätigen Frauen und Männern weichen in Deutschland im Jahr 2018 deutlich voneinander ab: Der Gender Time Gap beträgt aktuell 8,2 Stunden.
Infolge des unterschiedlich starken Rückgangs der durchschnittlichen Arbeitszeiten bei Männern und Frauen hat sich der Gender Time Gap zwischen 1991 und 2005 zunächst deutlich vergrößert: von 6,8 Stunden (1991) auf 9,9 Stunden (2005). In den Folgejahren – bis einschließlich 2016 – hat sich die geschlechtsbezogene Lücke jedoch wieder etwas verringert (2016: 8,0 Stunden). Seither ist der Gender Time Gap wieder etwas größer geworden, und liegt 2018 bei 8,2 Stunden.

Diese Entwicklung vollzog sich in West- und Ostdeutschland auf ähnliche Weise, jedoch auf unterschiedlichem Niveau:

  • In Westdeutschland hat sich der Gender Time Gap von 7,9 Stunden im Jahr 1991 auf 11,0 Stunden im Jahr 2005 vergrößert und ging anschließend bis 2018 auf 9,0 Stunden zurück. (Damit ist der Gender Time Gap in Westdeutschland im Jahr 2018 immer noch um 14 Prozent größer als im Jahr 1991.)
  • Auch in Ostdeutschland ist der Gender Time Gap zwischen 1991 (3,1 Stunden) und 2005 (5,5 Stunden) stark angestiegen, fiel aber in den letzten Jahren deutlich geringer aus (2018: 4,9 Stunden). Trotz einer deutlichen Zunahme über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg ist der Gender Time Gap in Ostdeutschland im Jahr 2018 etwa halb so groß wie in Westdeutschland.
  • Die stärkste Abnahme der durchschnittlichen Arbeitszeit von 1991 bis 2018 ist unter erwerbstätigen Frauen in Ostdeutschland festzustellen. Dennoch arbeiten ostdeutsche Frauen auch im Jahr 2018 mit durchschnittlich 33,6 Stunden immer noch deutlich länger als westdeutsche Frauen (29,8 Stunden).

Frauen und Männer unterscheiden sich nicht nur bei der durchschnittlichen Arbeitszeitdauer, sondern in noch viel stärkerem Maße bei der Verteilung auf verschiedene Arbeitszeitgruppen: Hier zeigt sich, dass die Verteilung der Arbeitszeiten der Frauen (1) sehr viel heterogener ist als jene der Männer. (2)

  • Analysen im Zeitvergleich belegen, dass sich das Absinken der durchschnittlichen Arbeitszeit von Frauen vor allem in der starken Zunahme an Teilzeitarbeit begründet ist. Seit Mitte der 1990er Jahre sind zwar immer mehr Frauen in Deutschland erwerbstätig – die Erwerbstätigenquote der Frauen ist seitdem um mehr als 17 Prozentpunkte angestiegen (3) –, dieser Anstieg erfolgte jedoch größtenteils in Form von Teilzeitarbeit. (4)
  • Bei den Männern hat nicht nur der Anteil der Teilzeitbeschäftigten zugenommen, sondern auch der Anteil der Vollzeitbeschäftigten mit langen und sehr langen Arbeitszeiten. (5) Folglich fällt auch der Rückgang der durchschnittlichen Arbeitszeiten bei Männern zwischen 1991 und 2018 insgesamt etwas geringer aus als bei Frauen.

Obwohl die Nachteile längerer Teilzeitphasen für den weiteren Erwerbs- und Lebensverlauf von Frauen gut belegt sind, wird der Gender Time Gap als gleichstellungspolitisches Problem erst seit wenigen Jahren verstärkt thematisiert. Das ist einigermaßen überraschend, denn Arbeitszeiten sind „entscheidend für die Möglichkeit, die eigene Existenz zu sichern sowie bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Alter ausreichende Ansprüche auf Leistungen der sozialen Sicherungssysteme zu haben. Daher sind Arbeitszeiten bedeutsam für die Gleichstellung der Geschlechter.“ (6)

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Esther Mader

 

Literatur

Absenger, Nadine / Ahlers, Elke / Bispinck, Reinhard / Kleinknecht, Alfred / Klenner, Christina / Lott, Yvonne / Pusch, Toralf / Seifert, Hartmut (2014): Arbeitszeiten in Deutschland. Entwicklungstendenzen und Herausforderungen für eine moderne Arbeitszeitpolitik, WSI Report Nr.19. https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_19_2014.pdf, letzter Zugriff: 28.11.2019.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Mader, Esther (2020a): Abhängig beschäftigte Männer nach Arbeitszeitgruppen 1991–2018. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Mader, Esther (2020b): Erwerbstätigenquoten und Erwerbsquoten 1991–2018. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Spitznagel, Julia (2020a): Abhängig beschäftigte Frauen nach Arbeitszeitgruppen 1991–2018. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Spitznagel, Julia (2020b): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991–2018. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Rauschnick, Laura (2016): Arbeitszeit. Quantitative Ergebnisse für Deutschland. Expertise für die Kommission „Zukunft der Arbeit“, https://www.boeckler.de/pdf/adz_expertise_hobler_pfahl_arbeitszeit_quanti.pdf, letzter Zugriff: 28.11.2019.

Statistisches Bundesamt (2019): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2018, Fachserie 1 Reihe 4.1.,https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Publikationen/Downloads-Erwerbstaetigkeit/erwerbsbeteiligung-bevoelkung-2010410187004.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 19.11.2019.

Statistisches Bundesamt (2015): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland 2014. Fachserie 1 Reihe 4.1.1.

Statistisches Bundesamt (2012): Methodeninformation. Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung: Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit ab dem Jahr 2011, https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00031125/MethodenArbeitskraefterhebung.pdf, letzter Zugriff: 12.12.2019.

 


(1) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Spitznagel, Julia (2020a): Abhängig beschäftigte Frauen nach Arbeitszeitgruppen 1991–2018.

(2) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Mader, Esther (2020a): Abhängig beschäftigte Männer nach Arbeitszeitgruppen 1991–2018.

(3) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Mader, Esther (2020b): Erwerbstätigenquoten und Erwerbsquoten 1991–2018.

(4) Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Spitznagel, Julia (2020b): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991-2018. Siehe dazu auch: Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Rauschnick, Laura (2016): Arbeitszeit. Quantitative Ergebnisse für Deutschland. Expertise für die Kommission „Zukunft der Arbeit“, S. 33ff.

(5) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Mader, Esther (2020a): Abhängig beschäftigte Männer nach Arbeitszeitgruppen 1991–2018.

(6) Absenger, Nadine / Ahlers, Elke / Bispinck, Reinhard / Kleinknecht, Alfred / Klenner, Christina / Lott, Yvonne / Pusch, Toralf / Seifert, Hartmut (2014): Arbeitszeiten in Deutschland. Entwicklungstendenzen und Herausforderungen für eine moderne Arbeitszeitpolitik, WSI Report Nr. 19, S. 45.

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