zurück

WSI GenderDatenPortal: Zeit: Wochenarbeitszeiten und Gender Working Time Gap 1991-2024

Daten zum Download (xlsx)

Grafiken, Analysen, Tabellen (pdf)

 

Frauen weisen im Jahr 2024 immer noch deutlich kürzere Erwerbsarbeitszeiten auf als Männer. Während erwerbstätige Männer im Durchschnitt knapp 38 Stunden in der Woche arbeiten, liegt die normalerweise geleistete Wochenarbeitszeit von Frauen bei durchschnittlich rund 30 Stunden. Der Gender Working Time Gap – der geschlechterbezogene Abstand der durchschnittlichen Wochenarbeitszeiten – beträgt damit 7,4 Stunden pro Woche, d.h. die Wochenarbeitszeiten von Frauen sind um 20 Prozent kürzer als die von Männern (vgl. Grafik 1).

Innerhalb des Beobachtungszeitraums von 1991 bis 2024 sind die durchschnittlich geleisteten Arbeitszeiten der Erwerbstätigen in Deutschland sowohl bei Frauen als auch bei Männern deutlich zurückgegangen:

  • Die durchschnittliche wöchentliche Erwerbsarbeitszeit der Männer hat zwischen 1991 und 2024 um gut 3 Stunden abgenommen. Im Jahr 1991 arbeiteten Männer im Durchschnitt 41,2 Stunden pro Woche, 2024 sind es noch 37,8 Stunden. Dies entspricht einem Rückgang um rund 8 Prozent.
  • Bei den Frauen hat sich die durchschnittliche Erwerbsarbeitszeit im gleichen Zeitraum sogar um 4 Stunden verkürzt. Dies entspricht einem Rückgang um rund 12 Prozent. Im Jahr 1991 arbeiteten erwerbstätige Frauen im Durchschnitt 34,4 Stunden, bis 2005 sank dieser Wert auf 30,3 Stunden und ist seither weitgehend konstant geblieben (2024: 30,4 Wochenstunden).

Infolge des unterschiedlich starken Rückgangs der durchschnittlichen Arbeitszeiten bei Frauen und Männern hat sich der Gender Working Time Gap zwischen 1991 und 2005 zunächst deutlich vergrößert: von zunächst rund 7 Stunden (1991) auf knapp 10 Stunden (2005). Seit 2005 sind hingegen die Wochenarbeitszeiten von Männern insgesamt gesunken, während die Arbeitszeiten der Frauen insgesamt weitgehend konstant geblieben sind: dadurch ist der Gender Working Time Gap bis 2024 wieder auf rund 7 Stunden gesunken (vgl. Tab. 1). Der Gender Working Time Gap rückt erst seit wenigen Jahren als Indikator für die Gleichstellungspolitik verstärkt in den Fokus. Das ist einigermaßen überraschend, denn Erwerbsarbeitszeiten sind „[…] entscheidend für die Möglichkeit, die eigene Existenz zu sichern sowie bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Alter ausreichende Ansprüche auf Leistungen der sozialen Sicherungssysteme zu haben. Daher sind Arbeitszeiten bedeutsam für die Gleichstellung der Geschlechter.“ (1)

Frauen und Männer unterscheiden sich nicht nur in Hinblick auf die durchschnittliche Arbeitszeitdauer, sondern in noch viel stärkerem Maße auch bei der Verteilung auf verschiedene Arbeitszeitgruppen: Hier zeigt sich, dass die Verteilung der Arbeitszeiten von Frauen sehr viel heterogener ist als jene von Männern. (2) (3)

Die Entwicklung der Wochenarbeitszeiten vollzog sich in West- und Ostdeutschland auf ähnliche Weise, jedoch auf unterschiedlichem Niveau (vgl. Grafiken 2 und 3):

  • Im Jahr 2024 ist der Gender Working Time Gap in Ostdeutschland nur etwa halb so groß wie der in Westdeutschland (4,3 Stunden gegenüber 8,0 Stunden).
  • In Westdeutschland hat sich der Gender Working Time Gap von 7,9 Stunden im Jahr 1991 zunächst auf 11,0 Stunden im Jahr 2005 vergrößert und ging bis 2024 dann wieder auf 8,0 Stunden zurück.
  • Auch in Ostdeutschland ist der Gender Working Time Gap zwischen 1991 (3,1 Stunden) und 2005 (5,5 Stunden) zunächst deutlich angestiegen, fiel in den letzten Jahren dann aber wieder geringer aus (2024: 4,3 Stunden). Damit ist der Gender Working Time Gap in Ostdeutschland im Jahr 2024 um rund ein Drittel größer als im Ausgangsjahr 1991.
  • Erwerbstätige Frauen in Ostdeutschland weisen innerhalb des Beobachtungszeitraums den größten Rückgang ihrer durchschnittlichen Arbeitszeiten auf. Dennoch arbeiten sie auch im Jahr 2024 mit durchschnittlich 33,4 Stunden immer noch deutlich länger als Frauen in Westdeutschland (29,8 Stunden). Die Entwicklung der Arbeitszeiten von Männern in West- und Ostdeutschland verlief dagegen deutlich übereinstimmender.

Hintergründe: Analysen im Zeitvergleich belegen, dass das Absinken der durchschnittlichen Arbeitszeiten von Frauen insbesondere bis 2005 im Zusammenhang mit der starken Ausweitung von Teilzeitarbeit in Deutschland steht. Seit den 1990er Jahren sind mehr Frauen in Deutschland erwerbstätig geworden, so dass die Erwerbstätigenquote der Frauen zwischen 1991 und 2024 um 17 Prozentpunkte angestiegen ist (vgl. Tab. 1), jedoch erfolgte dieser Anstieg zu großem Anteil in Form von Teilzeitarbeit. (4) (5) Bei den Männern hat hingegen nicht nur der Anteil an Teilzeitbeschäftigten zugenommen, sondern zugleich weisen Männer auch weiterhin deutlich häufiger als Frauen lange oder sehr lange Erwerbsarbeitszeiten auf. (6)

Aktuelle Berechnungen des IAQ, getrennt für Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigte, zeigen, dass der Gender Working Time Gap im Jahr 2023 für Vollzeitbeschäftigte größer ist und zu Ungunsten von Frauen ausfällt (Männer arbeiten durchschnittlich 1,3 Stunden länger als Frauen), während der Gender Working Time Gap für Teilzeitbeschäftigte etwas kleiner ist und zu Ungunsten von Männern wirkt (Frauen arbeiten durchschnittlich 1,1 Stunden länger als Männer). Dabei hat die durchschnittliche Wochenarbeitszeitdauer von teilzeitbeschäftigten Frauen und – sogar noch etwas stärker – auch von teilzeitbeschäftigten Männern zwischen 2012 und 2023 deutlich zugenommen, während die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von vollzeitbeschäftigten Frauen und Männern in vergleichbarem Umfang zurückgegangen ist. Auf Grund der länger gewordenen durchschnittlichen Arbeitszeiten von teilzeitbeschäftigten Männern weisen Teilzeitbeschäftigte seit dem Jahr 2020 nun durchgängig einen kleineren Gender Working Time Gap auf als Vollzeitbeschäftigte. (7)

Teilzeitbeschäftigte Frauen und Männer würden ihre Erwerbsarbeitszeit im Durchschnitt gerne erhöhen, Vollzeitbeschäftigte ihre Arbeitszeitdauer gerne verringern. (8) Aktuelle Forschungen zeigen, dass neben der tatsächlichen Erwerbsarbeitszeit auch die gewünschten Erwerbsarbeitszeiten bei Frauen niedriger ausfallen als bei Männern:

  • Die gewünschte Arbeitszeitdauer von vollzeitbeschäftigten Frauen liegt im Durchschnitt bei 34,6 Stunden, die von vollzeitbeschäftigten Männern bei 37,1 Stunden. Das entspricht einem geschlechterbezogenen Abstand von 2,5 Wochenstunden.
  • Bei Teilzeitbeschäftigten fällt der geschlechterbezogene Abstand mit 2,3 Wochenstunden ähnlich groß aus: Frauen wünschen sich durchschnittlich eine Wochenarbeitszeit von 24,7 Stunden, Männer hingegen eine Wochenarbeitszeit von 27,0 Stunden. (9)

Dies ist unter anderem stark darauf zurückzuführen, dass Frauen mehr Sorgearbeit übernehmen und daher weniger Stunden für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen (können). (10) Voraussetzung für die Verringerung des Gender Working Time Gaps ist eine Umverteilung von Sorgearbeit, denn: „Solange Frauen die Hauptsorge für Kinder, Pflege und Haushalt übernehmen bzw. antizipieren müssen, diese Arbeit einmal zu übernehmen, werden ihre Erwerbsarbeitszeiten hinter denen von Männern zurückbleiben.“ (11)

Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den PDF-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.

 

Bearbeitung: Svenja Pfahl, Eugen Unrau, Anika Lindhorn

 

Literatur

Absenger, Nadine/Ahlers, Elke/Bispinck, Reinhard/Kleinknecht, Alfred/Klenner, Christina/ Lott, Yvonne/Pusch, Toralf/Seifert, Hartmut (2014): Arbeitszeiten in Deutschland. Entwicklungstendenzen und Herausforderungen für eine moderne Arbeitszeitpolitik, WSI Report Nr. 19, letzter Zugriff: 11.03.2026.

Kümmerling, Angelika (2025): Individuell weniger, aber in der Summe mehr: Die Entwicklung der Erwerbsarbeitszeiten in Deutschland. Der IAQ-Arbeitszeitmonitor 2025, IAQ-Report Nr. 2025-10, letzter Zugriff: 11.03.2026.

Kümmerling, Angelika (2023): Arbeitszeiten in der Krise – Kein Bock oder keine Zeit für mehr Arbeit? In: WSI-Mitteilungen, 76. JG., 4/2023, S. 321-323.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2025a): Erwerbstätigenquoten und Erwerbsquoten 1991–2024. In: WSI GenderDatenPortal.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2025b): Gewünschte Wochenarbeitszeiten abhängig Beschäftigter 2015-2023. In: WSI GenderDatenPortal.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024): Zeitaufwand für bezahlte und unbezahlte Arbeit 2022. In: WSI GenderDatenPortal.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2026a): Abhängig beschäftigte Frauen nach Arbeitszeitgruppen 1999–2024. In: WSI GenderDatenPortal.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2026b): Abhängig beschäftigte Männer nach Arbeitszeitgruppen 1999–2024. In: WSI GenderDatenPortal.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2026c): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1999–2024. In: WSI GenderDatenPortal.

Statistisches Bundesamt (2026): Mikrozensus. Qualitätsbericht 2024, letzter Zugriff: 11.03.2026.

Statistisches Bundesamt (2022): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung, Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2020 (Endgültige Ergebnisse), Fachserie 1 Reihe 4.1, letzter Zugriff: 11.03.2026.

Statistisches Bundesamt (2020): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2019, Fachserie 1 Reihe 4.1, letzter Zugriff: 11.03.2026.


(1) Absenger, Nadine et al. (2014): Arbeitszeiten in Deutschland. Entwicklungstendenzen und Herausforderungen für eine moderne Arbeitszeitpolitik, S. 42.

(2) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2026a): Abhängig beschäftigte Frauen nach Arbeitszeitgruppen 1999–2024. In: WSI GenderDatenPortal.

(3) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2026b): Abhängig beschäftigte Männer nach Arbeitszeitgruppen 1999–2024. In: WSI GenderDatenPortal.

(4) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2025a): Erwerbstätigenquoten und Erwerbsquoten 1991–2024. In: WSI GenderDatenPortal.

(5) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2026c): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1999–2024. In: WSI GenderDatenPortal.

(6) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2026a): Abhängig beschäftigte Männer nach Arbeitszeitgruppen 1999–2024. In: WSI GenderDatenPortal.

(7) Vgl. Kümmerling, Angelika (2025): Individuell weniger, aber in der Summe mehr: Die Entwicklung der Erwerbsarbeitszeiten in Deutschland. Der IAQ-Arbeitszeitmonitor 2025, IAQ-Report Nr. 2025-10, S. 6 und S. 16.

(8) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2025b): Gewünschte Wochenarbeitszeiten abhängig Beschäftigter 2015-2023. In: WSI GenderDatenPortal.

(9) Vgl. a. a. O.

(10) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024): Zeitaufwand für bezahlte und unbezahlte Arbeit 2022. In: WSI GenderDatenPortal.

(11) Kümmerling, Angelika (2023): Arbeitszeiten in der Krise – Kein Bock oder keine Zeit für mehr Arbeit? In: WSI-Mitteilungen, 76. JG., 4/2023, S. 323.

Zugehörige Themen