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WSI GenderDatenPortal: Bildung: Frauen und Männer in den 25 häufigsten Ausbildungsberufen 2018

Frauen und Männer nehmen im Jahr 2018 Ausbildungen in unterschiedlichen Berufen auf. Junge Frauen absolvieren in Deutschland nicht nur seltener eine berufliche Ausbildung im dualen System (1), sondern konzentrieren sich dabei noch stärker als Männer auf eine begrenzte Anzahl an Ausbildungsberufen: Auf die 25 häufigsten Ausbildungsberufe, in denen 2018 eine Ausbildung begonnen wurde, entfallen zwei Drittel (66 Prozent) aller von Frauen abgeschlossenen Ausbildungsverträge, aber mit 59 Prozent ein geringerer Anteil der Männer. (vgl. Tab. 1)

Der Vergleich der 25 häufigsten Ausbildungsberufe in Deutschland belegt eindrücklich, dass die meisten dieser Berufe (18 von 25) entweder überwiegend von Frauen oder überwiegend von Männern ergriffen werden:

  • Die Hälfte der Ausbildungsberufe ist (stark) von Männern dominiert. Der Frauenanteil liegt hier jeweils unter 30 Prozent. (In den ausgewählten Berufen variiert der Frauenanteil zwischen nur 1 Prozent und 22 Prozent). Bei diesen Berufen handelt es sich überwiegend um technische oder mechanische Berufe in Industrie und Handwerk. Besonders in den Berufsbereichen Kraftfahrzeugmechatronik, Elektronik, Fachinformatik sowie Industrie- und Anlagenmechanik bleiben Männer fast ausschließlich unter sich. Besonders häufig betrifft dies Berufe, in denen zugleich auch jeweils besonders viele Männer eine Ausbildung beginnen (d.h. Berufe mit über 10.000 männlichen Azubis): Unter den Kraftfahrzeugmechatroniker*innen, Elektroniker*innen, Fachinformatiker*innen, Industrie- und Anlagenmechaniker*innen liegt der Frauenanteil gerade einmal zwischen 1 Prozent und 8 Prozent.
  • Nur in 5 Berufen bilden Frauen die deutliche Mehrheit, mit einem Anteil von 70 Prozent bis 97 Prozent. Bei diesen Berufen handelt es sich um kaufmännische oder Verwaltungsberufe, sowie die beiden Handwerksberufe Friseur*in und Fachverkäufer*in im Lebensmittelhandwerk. Fast ausschließlich von Frauen werden Berufsausbildungen im medizinischen Bereich ergriffen: 97 Prozent der Auszubildenden im Bereich der medizinischen und zahnmedizinischen Fachangestellten sind Frauen.
  • Lediglich 7 Berufe unter den 25 häufigsten Ausbildungsberufen in Deutschland können als geschlechtsunspezifisch gelten, mit einem mittleren Frauenanteil zwischen 30 Prozent und 70 Prozent. Zu den geschlechtsunspezifischen Berufen, in denen die geschlechterbezogenen Anteile eher ausgeglichen sind, zählen vor allem kaufmännische Berufe, in denen Frauen dann meist eine leichte Mehrheit unter den Auszubildenden stellen (zwischen 52 Prozent und 67 Prozent). Zu diesen Berufen zählen z. B. Verkäufer*innen und Kaufleute im Einzelhandel, Industriekaufleute, Hotelfach- und Steuerfachangestellte. Nur bei den Kaufleuten im Groß und Außenhandel sind die männlichen Auszubildenden leicht in der Überzahl, hier beträgt der Frauenanteil 39 Prozent. Hinzu kommen aus dem Bereich der Handwerksberufe die Hotelfachleute, als ebenfalls geschlechtsunspezifischer Ausbildungsberuf. Auch hier stellen Frauen mit 62 Prozent eine leichte Mehrheit der Auszubildenden.

Insgesamt ist damit auch für die jüngere Generation der Ausbildungsanfänger*innen eine starke geschlechterbezogene Segregation entlang von beruflichen Tätigkeitsbereichen festzustellen: Frauen erlernen häufiger als Männer einen Beruf im Dienstleistungsbereich und seltener im Handwerk. Außerdem konzentrieren sie sich bei ihrer Berufswahl auf ein kleineres Spektrum an Berufen als Männer. Letztlich ergeben sich daraus geringere Einmündungschancen für Frauen in eine betriebliche Ausbildung. (2) Weitere Ursachen für die in Deutschland immer noch stark geschlechterbezogen geprägte Berufswahl sind Geschlechterstereotype, traditionelle Denkmuster und die jeweiligen Arbeitsbedingungen in den Berufen (z. B. die dort übliche Arbeitszeitdauer oder die jeweiligen Verdienstmöglichkeiten). (3) Zudem greifen Paare nach wie vor häufig auf traditionelle Arbeitsteilungsmodelle zurück, wenn Kinder geboren werden. Daher stehen junge Frauen bereits vor der Berufswahl im stärkeren Maße vor der Herausforderung der Vereinbarkeit von Familie/Care-Arbeit und Beruf als junge Männer. (4)

Das vorliegende Ergebnis reiht sich in den Forschungsstand über die geschlechterbezogenen Unterschiede bei der Berufswahl in Deutschland ein. Vorliegende Längsschnittstudien lassen zudem befürchten, dass schnelle Veränderungen nicht zu erwarten sind, denn die horizontale Segregation des deutschen Arbeitsmarktes entlang von Berufsfeldern ist durch ein auffallend starkes Beharrungsvermögen gekennzeichnet. (5)

Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den Pdf-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Lisa Schubert

 

Literatur

Bothfeld, Silke / Klammer, Ute / Klenner, Christina, / Leiber, Simone / Thiel, Anke / Ziegler (2005): WSI-FrauenDatenReport 2005. Handbuch zur wirtschaftlichen und sozialen Situation von Frauen, Berlin.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2020): Berufsbildungsbericht 2020, Bonn, https://www.bmbf.de/upload_filestore/pub/Berufsbildungsbericht_2020.pdf, letzter Zugriff: 13.08.2020.

Faulstich-Wieland, Hannelore / Scholand, Barbara (2017): Gendersensible Berufsorientierung – Informationen und Anregungen. Eine Handreichung für Lehrkräfte, Weiterbildner/innen und Berufsberater/innen, Hans-Böckler-Stiftung, Working-Paper Forschungsförderung, Nr. 34/2017 https://www.boeckler.de/pdf/p_fofoe_WP_034_2017.pdf
letzter Zugriff: 13.08.2020.

Hans-Böckler-Stiftung (2015): Zweigeteilte Arbeitswelt, In: Böckler Impuls Nr. 20/2015, S. 3, https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-der-zweigeteilte-arbeitsmarkt-6449.htm, letzter Zugriff: 13.08.2020.

Hausmann, Ann-Kathrin, und Kleinert, Corinna (2014): Berufliche Segregation auf dem Arbeitsmarkt: Männer- und Frauendomänen kaum verändert, IAB-Kurzbericht 9/2014.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017): Absolvent/innen einer beruflichen Ausbildung nach Ausbildungsform 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Lott, Yvonne / Pfahl, Svenja / Schulze Buschoff, Karin (2020): Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland, WSI-Report, Nr. 56, Februar 2020, https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_56_2020.pdf
letzter Zugriff: 13.08.2020.

Statistisches Bundesamt (2019): Bildung und Kultur. Berufliche Bildung 2018, Fachserie 11 Reihe 3, https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Berufliche-Bildung/Publikationen/Downloads-Berufliche-Bildung/berufliche-bildung-2110300187004.pdf?__blob=publicationFile ,
letzter Zugriff: 13.06.2020.

Statistisches Bundesamt und Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (2018): Datenreport 2018. Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland, Bonn.

Uhly, Alexandra (2019): Erläuterungen zum Datensystem Auszubildende (DAZUBI). Auszubildenden-Daten, Berufsmerkmale, Berechnungen des BIBB. Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.), Berichtsjahr: 2018, Bonn, https://www.bibb.de/dokumente/pdf/dazubi_daten.pdf

letzter Zugriff: 13.08.2020.


(1) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017): Absolvent/innen einer beruflichen Ausbildung nach Ausbildungsform 2015.

(2) „Innerhalb der dualen Berufsausbildung ist das unterschiedliche Berufswahlspektrum von jungen Frauen und Männern eine wesentliche Ursache für die geringere Wahrscheinlichkeit von jungen Frauen, in eine betriebliche Ausbildung einzumünden. (…) Während die Berufswünsche junger Frauen im dualen System vor allem auf Dienstleistungs- und kaufmännische Berufe zielen, streben junge Männer häufig eine Ausbildung in gewerblich-technischen Berufen an“ (BMBF 2018: Berufsbildungsbericht 2018, S. 43). Dies bedeutet: Junge Männer erfahren in den gewerblich-technischen Berufen kaum Konkurrenz durch junge Frauen. In den Dienstleistungs- und kaufmännischen Berufen konkurrieren junge Frauen jedoch mit jungen Männern um die Ausbildungsplätze.

(3) Vgl. Hans-Böckler-Stiftung (2015): Zweigeteilte Arbeitswelt, S. 3.

(4) Vgl. Faulstich-Wieland, Hannelore / Scholand, Barbara (2017): Gendersensible Berufsorientierung – Informationen und Anregungen. Eine Handreichung für Lehrkräfte, Weiterbildner/innen und Berufsberater/innen, S. 24ff.

(5) Hausmann und Kleinert belegen in ihrer Längsschnittstudie, dass sich das starke Ausmaß der geschlechtsspezifischen horizontalen Segregation unter abhängig Beschäftigten in Westdeutschland zwischen 1976 und 2010 kaum verringert hat (vgl. Hausmann / Kleinert 2014, S. 8).

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