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WSI GenderDatenPortal: Mitbestimmung: Frauen in Aufsichtsräten nach Mitbestimmung und Börsenindex 2009-2018

Der Frauenanteil in deutschen Aufsichtsräten stieg im Beobachtungszeitraum 2008 bis 2018 deutlich an, dennoch stellen Frauen weiterhin nur die Minderheit in den Aufsichtsräten: Nur 30 Prozent aller Aufsichtsratsmitglieder in den 160 größten deutschen börsennotierten Unternehmen sind weiblich und 70 Prozent sind männlich.

Deutliche Unterschiede zeigen sich dabei zwischen mitbestimmten und nicht-mitbestimmten Unternehmen. In Aufsichtsräten mitbestimmter Unternehmen fiel der Frauenanteil zwischen 2008 und 2014 stets mindestens doppelt so hoch aus wie in nicht-mitbestimmten Unternehmen (vgl. Tab. Aufsichtsrat-01.1b). Seit 2015 holen die nicht-mitbestimmten Unternehmen etwas auf, im Jahr 2018 beträgt der Vorsprung mitbestimmter Unternehmen (33 Prozent) gegenüber nicht-mitbestimmten Unternehmen (20 Prozent) jedoch immer noch 13 Prozentpunkte. Ursache dafür ist, dass auf Seiten der Arbeitnehmer/innen anteilig mehr Frauen in die Aufsichtsräte entsandt werden als auf Seiten der Anteilseigner/innen. (1) Die Anzahl der Frauen in deutschen Aufsichtsräten stieg in mitbestimmten und nicht-mitbestimmten Unternehmen damit in unterschiedlicher Größenordnung:

  • Bis Anfang 2011 lag die absolute Anzahl weiblicher Aufsichtsratsmitglieder in allen 64 nicht-mitbestimmten Unternehmen zusammen im einstelligen Bereich (vgl. Tab. Aufsichtsrat-01.1b). In den Folgejahren stieg die Gesamtzahl deutlich an und liegt inzwischen bei 73 Frauen (Stand: 31.12.2018) (vgl. Tab. Aufsichtsrat-01.1b).
  • Demgegenüber stieg die Gesamtzahl der Frauen in allen 96 mitbestimmten Aufsichtsräten zusammen innerhalb des Beobachtungszeitraums um 289 Frauen an und liegt inzwischen bei 440 Frauen (Stand: 31.12.2018) (vgl. Tab. Aufsichtsrat-01.1b).

Unterschiedliche Frauenanteile ergeben sich auch je nach Börsenindex der Unternehmen, also danach ob die Unternehmen in den Bereich des DAX30, des MDAX oder des SDAX fallen.

  • Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten von DAX30-Unternehmen fällt in allen Jahren am höchsten aus. Über den ganzen Beobachtungszeitraum hinweg liegt der Frauenanteil an den Aufsichtsräten in DAX30-Unternehmen um 2 oder mehr Prozentpunkte über dem Gesamtdurchschnitt aller 160 Aufsichtsräte.
  • In den Unternehmen des MDAX und SDAX fällt der Frauenanteil über den ganzen Beobachtungszeitraum hinweg stets niedriger aus als in den DAX30-Unternehmen. Seit 2011 stiegen jedoch auch in diesen Unternehmen die Anteile weiblicher Aufsichtsratsmitglieder erkennbar an. Dieser Trend setzt sich bis Ende 2018 fort.

Die Form der Unternehmensmitbestimmung beeinflusst auch in den einzelnen Börsenindizes die Höhe des Frauenanteils im Aufsichtsrat. Vor allem für die nicht-mitbestimmten Unternehmen lassen sich dabei zwischen den Börsenindizes deutliche Unterschiede feststellen:

  • Die höchsten Frauenanteile weisen Aufsichtsräte in mitbestimmten Unternehmen im SDAX (35 Prozent) und in mitbestimmten sowie nicht-mitbestimmten Unternehmen im DAX30 (jeweils 33 Prozent) auf. Der DAX30 umfasst 2018 die 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands, von denen 27 Unternehmen der Mitbestimmung unterliegen (2018). Auf die DAX30-Unternehmen richtet sich das öffentliche und politische Interesse in besonderer Weise, insbesondere wenn es um die Frage der Gleichstellung von Frauen im Wirtschaftsleben geht.
  • In mitbestimmten Unternehmen fallen die Frauenanteile in den Aufsichtsräten aller Börsenindizes ähnlich hoch aus: Sowohl beim DAX30 (33 Prozent) sowie beim MDAX (33 Prozent) und SDAX (35 Prozent) liegen die Frauenanteile nahe am durchschnittlichen Frauenanteil von 33 Prozent für alle Aufsichtsräte. (vgl. Tab. Aufsichtsrat-01.3)
  • Extrem unterschiedlich fallen die Frauenanteile zwischen den Börsenindizes für die nicht-mitbestimmten Unternehmen aus: Hier weisen die DAX30-Unternehmen einen besonders hohen Frauenanteil auf (33 Prozent). Nur leicht überdurchschnittlich hingegen der Frauenanteil im MDAX (25 Prozent). Der mit Abstand niedrigste Frauenanteil findet sich bei den nicht-mitbestimmten Unternehmen des SDAX (15 Prozent).


Bearbeitung: Svenja Pfahl, Dietmar Hobler, Esther Mader


Literatur

BMAS (2017): Mitbestimmung – Eine gute Sache. Alles über die Mitbestimmung und ihre rechtlichen Grundlagen, Bonn, www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a741-mitbestimmung-ein-gutes-unternehmen.html, letzter Zugriff 30.10.2019.

Frankfurter Börse (o. J.): Börsenlexikon, www.boerse-frankfurt.de/wissen/dictionary, letzter Zugriff 30.10.2019.
Hans-Böckler-Stiftung (2018): Mehr Quote wagen. In: Böckler Impuls, 04/2018, Seite 1, https://www.boeckler.de/impuls_2018_04_1.pdf , letzter Zugriff: 30.10.2019.

Hans-Böckler-Stiftung (o. J.): Basisinformationen zu Aufsichtsräten, www.boeckler.de/5543.htm, letzter Zugriff 30.10.2019.

Pfahl, Svenja / Hobler, Dietmar / Horvath, Sandra (2018): Frauen in Aufsichtsräten nach Anteilseigner- bzw. Arbeitnehmer/innen-Seite 2009-2017. In: WSI GenderDatenPortal.

Pütz, Lasse / Weckes, Marion (2014): Geschlechterquote für mehr Frauen in den Aufsichtsräten – vor allem Anteilseigner sind gefordert, Auswertung, Hans-Böckler-Stiftung, Abteilung Mitbestimmungsförderung, Düsseldorf, www.boeckler.de/pdf/mbf_pb_geschlechterquote_puetz-weckes_20140414.pdf, letzter Zugriff 30.10.2019.

Weckes, Marion (2019): Strahlungsarmes „Quötchen“. Die Geschlechterverteilung in Aufsichtsrat und Vorstand 2019, Report Nr. 48, Hans-Böckler-Stiftung, Abteilung Mitbestimmungsförderung, Düsseldorf, www.boeckler.de/pdf/p_mbf_report_2019_48.pdf, letzter Zugriff 30.10.2019.

Weckes, Marion (2016): Beginnender Kulturwandel oder absehbare Stagnation bei 30%? Die Geschlechterverteilung im Aufsichtsrat der vier Leitindizes, Report Nr. 21, Hans-Böckler-Stiftung, Abteilung Mitbestimmungsförderung, Düsseldorf, www.boeckler.de/pdf/p_mbf_report_2016_21.pdf, letzter Zugriff 30.10.2019.

Weckes, Marion (2015): Geschlechterverteilung in Vorständen und Aufsichtsräten, Report Nr. 10, Hans-Böckler-Stiftung, Abteilung Mitbestimmungsförderung, Düsseldorf, www.boeckler.de/pdf/p_mbf_report_2015_10.pdf, letzter Zugriff 30.10.2019.

Weckes, Marion (2011): Geschlechterverteilung in Vorständen und Aufsichtsräten in den 160 börsennotierten Unternehmen (Dax-30, M-Dax, S-Dax, Tec-Dax) zum 31. Januar 2011, Arbeitspapier, Hans-Böckler-Stiftung, Abteilung Mitbestimmungsförderung, Düsseldorf, www.boeckler.de/pdf/mbf_gender_2011.pdf, letzter Zugriff 30.10.2019. 

 


(1) Vgl. Pfahl, Svenja / Hobler, Dietmar / Horvath, Sandra (2018): Frauen in Aufsichtsräten nach Anteilseigner- bzw. Arbeitnehmer/innen-Seite 2009-2017. In: WSI GenderDatenPortal.

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