zurück

WSI GenderDatenPortal: Mitbestimmung: Frauenanteil in den DGB-Gewerkschaften 2005-2025

Download Daten (xlsx)

Grafiken, Analysen, Tabellen (pdf)

 

Zum Jahresende 2025 zählen die acht DGB-Gewerkschaften in Deutschland gut 5,4 Millionen Mitglieder. Davon sind 1,9 Millionen Frauen, dies ist ein gutes Drittel aller Mitglieder (vgl. Grafik 1). Auch der Anteil von diversen Personen wurde – wenn auch noch nicht für alle Gewerkschaften – erhoben (vgl. Grafiken 2 und 3), sie stellen rund 1.900 der insgesamt 5,4 Millionen Mitglieder in DGB-Gewerkschaften.

Innerhalb des Beobachtungszeitraums von 2005 bis 2025 ist die Gesamtzahl der DGB-Gewerkschaftsmitglieder kontinuierlich zurückgegangen – besonders stark zwischen 2005 und 2010. Insgesamt gibt es heute knapp 1,4 Millionen DGB-Gewerkschaftsmitglieder weniger als 2005. Für das Jahr 2025 lässt sich hinsichtlich der Entwicklung der Mitgliederzahlen jedoch ein Anstieg in zwei Einzelgewerkschaften beobachten: in der Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft (GEW) und der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Auch in der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erweisen sich die Mitgliederzahlen als stabil. (1) Der hier insgesamt zu beobachtende Trend abnehmender Mitgliederzahlen sowie eines zurückgehenden gewerkschaftlichen Organisationsgrades bestätigt sich auch im europäischen Vergleich. (2)

Der Frauenanteil in den DGB-Gewerkschaften ist innerhalb des Beobachtungszeitraums von 32 Prozent (2005) auf 35 Prozent (2025) leicht angestiegen. Diese Entwicklung geht auf den stärkeren Rückgang bei männlichen Mitgliedern zurück: Die Mitgliederzahl der Frauen nahm in den vergangenen zwei Dekaden um 285 Tausend ab (minus 13 Prozent), die der Männer um 1,1 Millionen (minus 23 Prozent). Seit 2020 liegt der Anteil der Frauen unverändert bei 34 Prozent und steigt nun sogar wieder ganz leicht an.

In den einzelnen DGB-Gewerkschaften stellen die Frauen unterschiedliche Anteile an der Gesamtheit aller Mitglieder (vgl. Grafik 2):

  • Der mit Abstand höchste Frauenanteil findet sich in der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft). Hier stellen Frauen im Jahr 2025 mit 72 Prozent die übergroße Mehrheit aller Mitglieder. Auch in ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft sind mit 52 Prozent mehr als die Hälfte aller Mitglieder Frauen. Mit 39 Prozent fällt auch der Frauenanteil in der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vergleichsweise hoch aus.
  • Demgegenüber liegen die Frauenanteile in den anderen Gewerkschaften bei rund einem Viertel und damit deutlich unter dem DGB-Durchschnitt: Den geringsten Frauenanteil von 18 Prozent weist die IG Metall auf. (3) Hintergrund für die sehr unterschiedlichen Anteile an Frauen (und Männern) in den Einzel-Gewerkschaften ist die geschlechterspezifische horizontale Segregation, d.h. die unterschiedliche Verteilung von Frauen und Männern in Deutschland auf einzelne Berufssegmente. (4)

Diverse Personen werden bisher nur in der GEW sichtbar, wenn auch nur mit einem sehr geringen Anteil von weniger als einem Prozent. Der Anteil diverser Personen wird wie der Frauen- und Männeranteil mittlerweile auch in allen anderen Gewerkschaften erhoben, mit Ausnahme von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (BAU) und von ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft.

Auch im regionalen Vergleich bzw. im Vergleich der einzelnen Bundesländer zeigen sich Unterschiede hinsichtlich des Frauenanteils an den Gewerkschaftsmitgliedern (Stand: 31.12.2024) (vgl. Grafik 3).

  • Insgesamt stellen Frauen in Ostdeutschland mit 42 Prozent einen höheren Anteil an den Gewerkschaftsmitgliedern als Frauen in Westdeutschland (33 Prozent).
  • In den ostdeutschen Bundesländern variieren die Frauenanteile in den DGB-Gewerkschaften zwischen 45 Prozent (Berlin) und 39 Prozent (Sachsen). Für Berlin kann – anders als für andere Bundesländer – zudem bereits ein geringer Anteil von diversen Personen ausgewiesen werden (weniger als ein Prozent). (5)
  • In westdeutschen Bundesländern differieren die Frauenanteile sogar um bis zu 11 Prozentpunkte: zwischen Schleswig-Holstein mit dem höchsten Frauenanteil (40 Prozent) und dem Saarland mit dem niedrigsten Frauenanteil (29 Prozent). In fast der Hälfte der westdeutschen Bundesländer sind weniger als ein Drittel der DGB-Gewerkschaftsmitglieder Frauen.

Einer der Gründe für die rückläufigen Mitgliederzahlen der Gewerkschaften neben dem demographischen Wandel an sich ist die abnehmende Bedeutung der dualen betrieblichen Ausbildung (innerhalb aller Ausbildungsbereiche) und führt damit zu einem Rückgang an gewerkschaftlich organisierten Auszubildenden. (6) (7) Erfahrungsgemäß organisieren sich gerade junge Auszubildende aus großen Betrieben verstärkt in einer Gewerkschaft. Mit der steigenden Zahl an Menschen, die sich für ein Studium entscheiden oder einen atypischen Berufseinstieg nehmen, sinkt daher der gewerkschaftliche Organisationsgrad der jungen Bevölkerung. Dies ist insofern problematisch, als dass die Wahrscheinlichkeit einer Gewerkschaftsneigung mit zunehmendem Alter zurückgeht. (8) Trotz des feststellbaren Mitgliederrückgangs gilt jedoch weiterhin: „Die Gewerkschaften unter dem Dach des DGB sind die mitgliederstärksten politischen Organisationen in Deutschland. Wir erreichen die Jugend wie keine andere politische Organisation – mehrere zehntausende neue Eintritte jährlich.“ (9)

Gewerkschaftlicher Organisationsgrad: Im Jahr 2017 lag der sog. Netto-Organisationsgrad von abhängig Beschäftigten in Deutschland in einer der DGB-Mitgliedsgewerkschaften bei 15 Prozent (zu den Kategorien vgl. Glossar). Der gewerkschaftliche Organisationsgrad insgesamt, d.h. eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder gewerkschaftsähnlichen Organisationen, auch jenseits des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), wird für das Jahr 2016 mit insgesamt 21 Prozent angegeben. (10)

Für das Jahr 2023 weist das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) den gewerkschaftlichen Netto-Organisationsgrad von abhängig Beschäftigten im Alter zwischen 15 und 65 Jahren in Deutschland mit 16,6 Prozent aus. (11) Für abhängig beschäftigte Männer (18,3 Prozent) fällt der Netto-Organisationsgrad aktuell erkennbar höher aus als für abhängig beschäftigte Frauen (14,7 Prozent). (12)

Damit weicht Deutschland von der Mehrheit der anderen untersuchten Länder in Europa ab, in denen abhängig beschäftigte Frauen derzeit einen höheren Organisationsgrad aufweisen als Männer (Finnland, Frankreich, Irland, Niederlande, Norwegen, Schweden, Spanien und Vereinigtes Königreich) oder zumindest einen vergleichbar hohen wie Männer (Polen, Schweiz, Ungarn). (13)

Eine Erklärung hierfür ist der hohe Anteil an teilzeitbeschäftigten Frauen in Deutschland wie auch in einigen weiteren europäischen Ländern, da Teilzeitbeschäftigte seltener gewerkschaftlich organisiert sind als Vollzeitbeschäftigte (Ausnahmen hiervon sind lediglich die Niederlande und Schweden). In Deutschland sind im Jahr 2023 13,9 Prozent der Teilzeitbeschäftigten, aber 17,5 Prozent der Vollzeitbeschäftigten gewerkschaftlich organisiert. (14) Weitere Erklärungen für den niedrigeren gewerkschaftlichen Netto-Organisationsgrad von Frauen: Im Dienstleistungssektor (14,1 Prozent) ist ein deutlich geringerer Anteil der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert als im Produzierenden Gewerbe (21,6 Prozent). Ähnliches gilt für Klein(st)betriebe im Vergleich zu Großbetrieben. (15)

Effekte: Der gewerkschaftliche Organisationsgrad hat Einfluss auf die Einkommensunterschiede im jeweiligen Land, wie eine international vergleichende Studie belegt. Auch wenn die Ergebnisse durchaus komplex und länderspezifisch differierend sind, lässt sich als Gesamttrend ein wechselseitiger Zusammenhang zwischen niedrigem/hohem gewerkschaftlichen Organisationsgrad und hohen/geringeren Einkommensunterschieden bestätigen. (16) Dieser Zusammenhang konnte auch im Zeitvergleich über den Zeitraum von 1986 bis 2010 bestätigt werden: „In den meisten Ländern gehen rückläufige Mitgliederzahlen der Arbeitnehmerorganisationen und die Zunahme der Ungleichheit Hand in Hand.“ (17)

 

Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den Pdf-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.


Bearbeitung: Svenja Pfahl, Anika Lindhorn

 

 

Literatur

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) (2022): Redemanuskript der DGB-Vorsitzenden Yasmin Fahimi auf dem 22. DGB-Bundeskongress am 9. Mai 2022 (schriftliche Fassung). Berlin: DGB.

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) (o.J.): Der Deutsche Gewerkschaftsbund: Wer wir sind. Berlin: DGB, letzter Zugriff: 13.08.2026.

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) (o.J.): Die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften im Deutschen Gewerkschaftsbund. Stand der Mitgliedszahlen: 31.12.2025 (Tabelle). Berlin: DGB, letzter Zugriff: 13.08.2026.

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) (o.J.): Geschichte des DGB. Berlin: DGBletzter Zugriff: 13.08.2026.

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) (o.J.): Mitglieder in den DGB-Gewerkschaften 1951 bis 2018 (Grafik). Berlin: DGB, letzter Zugriff: 13.08.2026.

DGB-Bezirk Berlin-Brandenburg (o.J.): Über uns. Berlin: DGB Berlin-Brandenburg, letzter Zugriff: 13.08.2026.

Eckle, Lennart (2025): Gewerkschaftlicher Organisationsgrad im europäischen Vergleich: Eine Analyse auf Grundlage des European Social Survey 2023. In: IW-Trends - Vierteljahresschrift zur empirischen Wirtschaftsforschung Nr. 03, S. 41-60, letzter Zugriff: 13.08.2026.

Hans Böckler Stiftung (2019): Überblick-Mitbestimmung in der EU-27. In: Mitbestimmungsportal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, letzter Zugriff: 13.08.2026.

Hans Böckler Stiftung (2016): Organisiert gegen Ungleichheit: Starke Gewerkschaften verhindern, dass die Einkommen auseinanderdriften. In: Böckler Impuls Nr. 07. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, letzter Zugriff: 13.08.2026.

Hassel, Anke/Schroeder, Wolfgang (2018): Gewerkschaften 2030. Rekrutierungsdefizite, Repräsentationslücken und neue Strategien der Mitgliederpolitik. In: WSI Report Nr. 44. Düsseldorf: Hans Böckler Stiftung, letzter Zugriff: 13.08.2026.

Herzer, Dierk (2016): Unions and income inequality: A Heterogenous Panel Cointegration and Causality Analysis. Diskussionspapier Nr. 146. Hamburg: Helmut Schmidt Universität (HSU), letzter Zugriff: 13.08.2026.

Pfahl, Svenja/Lindhorn, Anika (2026a): Höchster beruflicher Abschluss der 15- bis unter 65-Jährigen 1991-2024. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Pfahl, Svenja/Lindhorn, Anika (2026b): Frauen- und Männeranteil an dualer Ausbildung nach Berufsbereichen 2024. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Pfahl, Svenja/Wittmann, Maike (2023): Horizontale Segregation des Arbeitsmarktes 2022. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.


(1) Eigene Berechnungen auf Grundlage der Mitgliederzahlen der Gewerkschaften des DGB 2025 und 2024. Vgl. DGB (o.J.): Die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften im Deutschen Gewerkschaftsbund. Stand der Mitgliedszahlen: 31.12.2025 (Tabelle). Berlin: DGB.

(2) Vgl. Hassel, Anke/Schroeder, Wolfgang (2018): Gewerkschaften 2030. Rekrutierungsdefizite, Repräsentationslücken und neue Strategien der Mitgliederpolitik, In: WSI Report Nr. 44. Düsseldorf: Hans Böckler Stiftung, S. 6f, genauso wie Eckle, Lennart (2025): Gewerkschaftlicher Organisationsgrad im europäischen Vergleich: Eine Analyse auf Grundlage des European Social Survey 2023. In: IW-Trends - Vierteljahresschrift zur empirischen Wirtschaftsforschung Nr. 03, S. 47.

(3) Hierbei ist zu beachten, dass die absolute Zahl der weiblichen Mitglieder in der IG Metall mit fast 400.000 auffallend hoch ist. Von allen DGB-Gewerkschaften weist nur ver.di – mit fast einer Million Frauen – eine größere Anzahl an Frauen unter ihren Mitgliedern auf (vgl. Tabelle 2).

(4) Vgl. Pfahl, Svenja/Wittmann, Maike (2023): Horizontale Segregation des Arbeitsmarktes 2022. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

(5) Die Geschlechterkategorie „divers“ wird noch nicht in allen DGB-Einzelgewerkschaften erhoben und ist daher für die meisten Bundesländer grafisch noch nicht abbildbar.

(6) Vgl. Pfahl, Svenja/Lindhorn, Anika (2026a): Höchster beruflicher Abschluss der 15- bis unter 65-Jährigen 1991-2024. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

(7) Vgl. Pfahl, Svenja/Lindhorn, Anika (2026b): Frauen- und Männeranteil an dualer Ausbildung nach Berufsbereich 2024. In: WSI GenderDatenPortal. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

(8) Vgl. Hassel, Anke/Schroeder, Wolfgang (2018): Gewerkschaften 2030. Rekrutierungsdefizite, Repräsentationslücken und neue Strategien der Mitgliederpolitik. In: WSI Report Nr. 44. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, S. 9.

(9) Aus dem Redemanuskript der DGB-Vorsitzenden Yasmin Fahimi auf dem 22. DGB-Bundeskongress am 9. Mai 2022 (vgl. Deutscher Gewerkschaftsbund (2022)).

(10) Vgl. Hassel, Anke/Schroeder, Wolfgang (2018): Gewerkschaften 2030. Rekrutierungsdefizite, Repräsentationslücken und neue Strategien der Mitgliederpolitik. In: WSI Report Nr. 44. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, S. 6f.

(11) Vgl. Eckle, Lennart (2025): Gewerkschaftlicher Organisationsgrad im europäischen Vergleich: Eine Analyse auf Grundlage des European Social Survey 2023. In: IW-Trends - Vierteljahresschrift zur empirischen Wirtschaftsforschung Nr. 03, S. 47.

(12) Vgl. a. a. O., S. 48.

(13) Vgl. a. a. O., S. 47f. Ähnlich auch in Hassel, Anke/Schroeder, Wolfgang (2018): Gewerkschaften 2030. Rekrutierungsdefizite, Repräsentationslücken und neue Strategien der Mitgliederpolitik. In: WSI Report Nr. 44. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, S. 10.

(14) Vgl. Eckle, Lennart (2025): Gewerkschaftlicher Organisationsgrad im europäischen Vergleich: Eine Analyse auf Grundlage des European Social Survey 2023. In: IW-Trends - Vierteljahresschrift zur empirischen Wirtschaftsforschung Nr. 03, S. 49.

(15) Vgl. a. a. O., S. 51.

(16) Vgl. Herzer, Dierk (2016): Unions and Income Inequality: A Heterogenous Panel Co-integration and Causality Analysis. Diskussionspapier Nr. 146. Hamburg: Helmut Schmidt Universität (HSU), S. 28. Vgl. ergänzend hierzu auch die Übersicht zum gewerkschaftlichen Organisationsgrad in der EU: Hans-Böckler-Stiftung (2019): Überblick-Mitbestimmung in der EU-27. In: Mitbestimmungsportal.

(17) Hans-Böckler-Stiftung (2016): Organisiert gegen Ungleichheit: Starke Gewerkschaften verhindern, dass die Einkommen auseinanderdriften In: Böckler Impuls Nr. 07. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung., S. 5.

Zugehörige Themen