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WSI GenderDatenPortal: Mitbestimmung: Frauenanteil in den DGB-Gewerkschaften 2005 - 2019

Zum Jahresende 2019 zählen die acht DGB-Gewerkschaften fast 6 Millionen Mitglieder, davon stellen Frauen ein Drittel. Seit 2005 hat sich der Frauenanteil in den DGB-Gewerkschaften insgesamt um 2 Prozentpunkte erhöht. Die Gesamtzahl der DGB-Gewerkschaftsmitglieder ist seit 2005 – und dabei vor allem in den Jahren 2005 bis 2010 – deutlich zurückgegangen. Auch danach sind die Mitgliederzahlen weiterhin leicht rückläufig. Unter allen DGB-Gewerkschaften verzeichnen lediglich die beiden Einzelgewerkschaften GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) und GdP (Gewerkschaft der Polizei) inzwischen wieder einen Mitgliederanstieg (ohne Abb.). (1) Dieser Trend zurückgehender Gewerkschaftsmitgliederzahlen zeigt sich auch im europäischen Vergleich. (2)

Die Erhöhung des Frauenanteils in den DGB-Gewerkschaften lässt sich auf den stärkeren Rückgang von Männern unter den Mitgliedern zurückführen. Die Mitgliederzahl der Frauen ging von 2005 bis 2019 um 146 Tsd. zurück, was einem Rückgang von 7 Prozent entspricht. Die Anzahl der Männer unter den Mitgliedern sank in diesem Zeitraum sogar um 697 Tsd. Dies stellt einen Rückgang von 15 Prozent dar. Infolge dessen nahm der Frauenanteil zwischen 2005 und 2016 langsam aber stetig zu. 

In den einzelnen DGB-Gewerkschaften stellen die Frauen unterschiedliche Anteile an der Gesamtheit aller Mitglieder: Der mit Abstand höchste Frauenanteil findet sich bei der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft). Hier stellen Frauen mit fast 72 Prozent die übergroße Mehrheit aller Mitglieder. Auch bei ver.di (Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft) sind mit 52 Prozent etwas mehr als die Hälfte aller Mitglieder Frauen. Mit 42 Prozent ebenfalls relativ groß fällt der Frauenanteil bei der NGG aus (Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten). Demgegenüber liegen die Frauenanteile in den anderen Gewerkschaften bei höchstens einem Viertel und damit deutlich unter dem DGB-Durchschnitt: Den geringsten Frauenanteil von 18 Prozent weist die IG Metall auf. (3) Ursache für die sehr unterschiedlichen Anteile an Frauen (und Männern) in den Einzel-Gewerkschaften ist die geschlechtsspezifische berufliche Segregation, d.h. die unterschiedliche Verteilung von Frauen und Männer auf Berufsfelder und Branchen. (4)

Trotz des feststellbaren Mitgliederrückgangs sind „die Gewerkschaften immer noch die größte zivilgesellschaftliche Organisation in Deutschland, (…) die sich in Tausenden Betrieben für die Rechte der Beschäftigten einsetzt.“ (5) Zwischen dem gewerkschaftlichen Organisationsgrad und der Höhe der Einkommensunterschiede in einem Land besteht dabei ein deutlicher Zusammenhang, wie eine international vergleichende Länderstudie belegt: Während Länder mit niedrigem gewerkschaftlichen Organisationsgrad hohe Einkommensunterschiede aufweisen, fallen die Einkommensunterschiede in Ländern mit hohem Organisationsgrad deutlich geringer aus. (6) Dieser Zusammenhang konnte für die einzelnen Länder auch im Zeitvergleich – über den Zeitraum von 1986 bis 2010 – bestätigt werden: „In den meisten Ländern gehen rückläufige Mitgliederzahlen der Arbeitnehmerorganisationen und die Zunahme der Ungleichheit Hand in Hand.“ (7) Zwar ist die Wirkungsrichtung zwischen gewerkschaftlichen Mitgliederzahlen und Einkommensunterschieden nicht eindeutig, aber der starke Zusammenhang zwischen beiden Größen ist für die meisten Länder belegt. In Deutschland liegt der DGB-Organisationsgrad bei 15 Prozent der Beschäftigten. (8)

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Esther Mader

Literatur

DGB (2018): Regierung muss den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken, Pressemitteilung 004 vom 19.01.2018, http://www.dgb.de/presse/++co++9d356f72-fcf1-11e7-8b6a-52540088cada, letzter Zugriff: 26.05.2020.

DGB (Hrsg.) (2016): einblick – Gewerkschaftlicher Info-Service, Heft 02/2016 vom 01.02.2016, Berlin, www.dgb.de/einblick/ausgaben-archiv/2016, letzter Zugriff 26.05.2020.

DGB (o.J.): Die Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes, www.dgb.de/uber-uns/dgb-heute/gewerkschaften-im-dgb, letzter Zugriff 26.05.2020.

DGB (o.J.): Die Mitglieder der DGB-Gewerkschaften 1950-2019, www.dgb.de/uber-uns/dgb-heute/mitgliederzahlen, letzter Zugriff 26.05.2020. 

Hans Böckler Stiftung (2016): Organisiert gegen Ungleichheit: Starke Gewerkschaften verhindern, dass die Einkommen auseinanderdriften, in: Böckler Impuls 7/2016, S.5.

Hassel, Anke / Schroeder Wolfgang (2018): Gewerkschaftliche Mitgliederpolitik: Schlüssel für eine starke Sozialpartnerschaft, in: WSI Mitteilungen, 71. Jg., 6/2018, S.485-496.

Herzer, Dierk (2016): Unions and Income Enequality: A Heterogenous Panel Co-integration and Causality Analysis, in: LABOUR, März 2016, S.318-346.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Spitznagel, Julia (2019): Horizontale Segregation des Arbeitsmarktes 2017. In: WSI GenderDatenPortal.
 


(1) Vgl. Hassel, Anke / Schroeder, Wolfgang (2018): Gewerkschaftliche Mitgliederpolitik: Schlüssel für eine starke Sozialpartnerschaft. In: WSI Mitteilungen, 71. Jg., 6/2018, S.488.

(2) a. a. O.

(3) Hierbei ist zu beachten, dass die absolute Zahl der weiblichen Mitglieder in der IG Metall mit mehr als 400.000 sehr hoch ist. Von allen DGB-Gewerkschaften weist nur ver.di – mit mehr als einer Million Frauen – eine größere Anzahl an Frauen unter den Mitgliedern auf (siehe Datentabellen zu den Grafiken). 

(4) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Spitznagel, Julia (2019): Horizontale Segregation des Arbeitsmarktes 2017. In: WSI GenderDatenPortal. 

(5) Aussage des DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann, zitiert in: DGB (2018): Regierung muss den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken, Pressemitteilung 004 vom 19.01.2018. 

(6) Vgl. Herzer, Dierk (2016): Unions and Income Enequality: A Heterogenous Panel Co-integration and Causality Analysis, in: LABOUR, März 2016. 

(7) Organisiert gegen Ungleichheit: Starke Gewerkschaften verhindern, dass die Einkommen auseinanderdriften, in: Böckler Impuls 7/2016, S.5. 

(8) Vgl. Hassel, Anke / Schroeder, Wolfgang (2018): Gewerkschaftliche Mitgliederpolitik: Schlüssel für eine starke Sozialpartnerschaft. In: WSI Mitteilungen, 71. Jg., 6/2018, S.487.

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