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Verdi Gewerkschaftsmitglieder gehen mit rot-weissen Fahnen und Plakaten auf die Strasse. Pressemitteilungen

Halbjahresbilanz des WSI-Tarifarchivs: Tariflöhne steigen 2026 nach den bislang vorliegenden Abschlüssen nominal um 3,1 Prozent – inflationsbereinigt ein Reallohnzuwachs von 0,7 Prozent

25.08.2026

Unter Berücksichtigung der im 1. Halbjahr 2026 getätigten Neuabschlüsse und der in den Vorjahren für 2026 bereits vereinbarten Tariferhöhungen steigen die Tariflöhne in diesem Jahr nominal um durchschnittlich 3,1 Prozent. Damit läge der Zuwachs etwas höher als im Gesamtjahr 2025, als die Tariflöhne um 2,6 Prozent zunahmen. Angesichts einer durchschnittlichen Erhöhung der Verbraucherpreise um 2,4 Prozent im 1. Halbjahr 2026 ergibt sich hieraus real eine Lohnsteigerung von 0,7 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung in seiner heute vorgelegten Halbjahresbilanz zur aktuellen Entwicklung der Tariflöhne.

„Gerade in Krisenzeiten sind angemessene Tarifsteigerungen besonders wichtig, um die Konjunktur zu stabilisieren“, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Prof. Dr. Thorsten Schulten. „Da die Preise im Zuge des Iran-Krieges wieder deutlich nach oben gegangen sind, ist es eine wichtige Aufgabe der Tarifpolitik, erneute Kaufkraftverluste bei den Beschäftigten zu verhindern.“ Vor allem in den Krisenjahren 2021-2023 kam es angesichts hoher Inflationsraten zu einem erheblichen Rückgang der Reallöhne, der – gemessen am Niveau von 2020 – bei den Tariflöhnen noch nicht vollständig kompensiert wurde.

Die Tarifforderungen der Gewerkschaften bewegten sich im 1. Halbjahr 2026 in den meisten Branchen zwischen 5,0 und 7,0 Prozent. Außergewöhnlich hoch war die Forderung von 15,0 Prozent in der Landwirtschaft, wo es grundsätzlich darum ging, eine Branche mit sehr niedrigen Löhnen, die oft nicht mehr als den gesetzlichen Mindestlohn ausmachen, tarifpolitisch aufzuwerten. Demgegenüber wurde in der besonders krisenbetroffenen Chemischen Industrie keine bezifferte Tarifforderung erhoben. Stattdessen standen neben der Stärkung der Kaufkraft vor allem tarifpolitische Instrumente zur Beschäftigungssicherung im Mittelpunkt. 

Insgesamt weisen die Tarifvereinbarungen des 1. Halbjahrs eine durchschnittliche Abschlussrate von 5,6 Prozent bei einer durchschnittlichen Laufzeit der Verträge von 25,9 Monaten auf. Bislang wurden für mehr als 15 Millionen Beschäftigte Tariferhöhungen vereinbart, die im Laufe des Jahres 2026 wirksam werden. 

In einigen besonders großen Tarifbranchen wie z. B. dem Einzelhandel wird aktuell noch verhandelt. In anderen Branchen, wie der Metall- und Elektroindustrie, beginnen die Tarifverhandlungen erst im Herbst dieses Jahres. „Insgesamt können die noch ausstehenden Tarifverträge das Gesamtergebnis für die Tarifrunde 2026 noch einmal deutlich verschieben“, sagt der WSI-Tarifexperte Schulten. „Da nach den jetzigen Prognosen auch die Inflationsraten noch etwas höher ausfallen werden, hängt es von den noch offenen Tarifrunden ab, ob am Ende des Jahres die Kaufkraft gesichert werden kann. Forderungen nach überzogener Lohnzurückhaltung oder gar Nullrunden sind demgegenüber Gift für die Konjunktur.“

„Tarifverträge sind ein zentrales Instrument, um arbeitenden Menschen materielle gesellschaftliche Teilhabe zu gewährleisten“, sagt Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI. „Das reduziert auch die Einkommensungleichheit, stabilisiert den Sozialstaat und in einer Zeit, in der sich viele Menschen Sorgen um die soziale Ungleichheit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt machen, die Gesellschaft als Ganzes. Deshalb sollten wir alle ein Interesse an einer hohen Tarifbindung haben und diese stärken. Hier ist auch die Politik aufgerufen, noch mehr zu tun.“

Kontakt

Prof. Dr. Thorsten Schulten
Leiter WSI-Tarifarchiv

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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