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WSI GenderDatenPortal: Zeit: Abhängig beschäftigte Frauen nach Arbeitszeitgruppen 1991–2018

Die Arbeitszeiten der abhängig beschäftigten Frauen in Deutschland haben sich innerhalb des Beobachtungszeitraums (1991 bis 2018) stark verändert. Insgesamt hat der Anteil der vollzeitbeschäftigten Frauen deutlich abgenommen, während der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen stark gestiegen ist. (1) Über den betrachteten Zeitraum (1991 bis 2019) hinweg werden diese großen Verschiebungen auch in den relativen Anteilen der einzelnen Arbeitszeitgruppen sichtbar:

  • Von einem besonders starken Rückgang gezeichnet ist der Anteil der Frauen mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 36 bis 39 Wochenstunden. 1991 arbeitete noch jede dritte Frau in Vollzeit mit 36 bis 39 Stunden, im Jahr 2018 trifft dies nicht einmal mehr auf jede siebte Frau zu. Diese Arbeitszeitgruppe ist damit die „große Verliererin“ bei den Frauen. (2)
  • Auch der Anteil der vollzeitbeschäftigten Frauen mit 40 oder mehr Wochenstunden war bis 2003 zunächst stark zurückgegangen, stieg aber in den Jahren danach wieder deutlich an, und liegt heute auf vergleichbarem Niveau wie zu Beginn der 1990er Jahre (2018: 25 Prozent).
  • Nur wenig Veränderung ist hingegen bei den Anteilen der langen und überlangen Arbeitszeiten festzustellen (trotz einer zwischenzeitlichen Abnahme in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre). 2018 arbeiten 6 Prozent der abhängig beschäftigten Frauen mehr als 40 Stunden pro Woche.

Demgegenüber sind die relativen Anteile aller Arbeitszeitgruppen unterhalb von Vollzeit zwischen 1991 und 2018 stark angestiegen:

  • Mehr als verdoppelt hat sich der Anteil der Frauen mit sehr kurzen Arbeitszeiten unterhalb von 15 Wochenstunden: Von 6 Prozent (1991) auf mehr als 13 Prozent (2018).
  • Zugenommen hat auch der Anteil der „mittleren“ Teilzeit im Umfang von 15 bis 31 Wochenstunden. Im Jahr 1991 arbeitete weniger als ein Viertel der Frauen in diesem Umfang, bis zum Jahr 2018 ist ihr Anteil auf ein Drittel angewachsen. Dabei hat insbesondere die Teilzeitarbeit zwischen 21 und 31 Wochenstunden im Beobachtungszeitraum 1991 bis 2018 deutlich zugenommen. (3)
  • Auch die vollzeitnahe Teilzeit hat deutlich an Bedeutung gewonnen, wenn auch auf niedrigem Niveau: Der Anteil der Frauen mit 32 bis einschließlich 35 Wochenstunden hat sich von 3 Prozent (1991) auf fast 8 Prozent (2018) mehr als verdoppelt.

Im regionalen Vergleich zeigen sich einige Besonderheiten für Ostdeutschland:

  • Frauen in Ostdeutschland arbeiten häufiger in Vollzeit mit 36 und mehr Wochenstunden: Im Jahr 2018 trifft dies auf mehr als die Hälfte der ostdeutschen Frauen (54 Prozent) zu, aber nur auf 45 Prozent der Frauen in Westdeutschland.
  • Frauen in Ostdeutschland arbeiten auch seltener in „kleinen“ Teilzeitarbeitsverhältnissen: Während in Westdeutschland im Jahr 2018 fast jede dritte Frau maximal 20 Stunden arbeitet, trifft dies nur auf jede siebte Frau in Ostdeutschland zu.

Vor dem Hintergrund dieser Befunde erscheint die stark gestiegene Erwerbsbeteiligung von Frauen in einem neuen Licht: Zwischen 1991 und 2018 stieg die Erwerbstätigenquote der Frauen von 57 auf 72 Prozent stark an. (4) Dieser Anstieg ist zudem für alle Altersgruppen ab 25 Jahren festzustellen. (5) Trotz der insgesamt stark gestiegenen Anzahl erwerbstätiger Frauen in Deutschland hat das durchschnittliche Arbeitsvolumen aller Frauen aber nur leicht zugenommen. Dies bedeutet, dass die Zunahme an erwerbstätigen Frauen vor allem auf eine Zunahme an Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen ist. (6)

Von einem überproportionalen Zuwachs sind vor allem die Bereiche der geringfügigen Teilzeit (mit weniger als 15 Wochenstunden), der substantiellen Teilzeit (21 bis 31 Wochenstunden) und der vollzeitnahen Teilzeit (32 bis 35 Stunden) geprägt. Einerseits entspricht diese starke Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung unter Frauen ihrem Wunsch, Familie und Arbeit vereinbaren zu können. (7) Andererseits spiegeln sich darin auch die betrieblichen Rahmenbedingungen wider, durch die sich Teilzeit als Wahlmöglichkeit am häufigsten für Frauen in mittleren Positionen anbietet. Barrieren gegen Teilzeit bestehen sowohl am oberen als auch am unteren Ende der betrieblichen Hierarchie und stärker für Männer als für Frauen. Es sind vor allem weiblich dominierte Arbeitsbereiche, für die – aufgrund von Geschlechterstereotypen – ein höherer Bedarf an Teilzeitmöglichkeiten antizipiert und verwirklicht wird. (8)

 

Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Julia Spitznagel

 

Literatur

Absenger, Nadine / Ahlers, Elke / Bispinck, Reinhard / Kleinknecht, Alfred / Klenner, Christina / Lott, Yvonne / Pusch, Toralf / Seifert, Hartmut (2014): Arbeitszeiten in Deutschland. Entwicklungstendenzen und Herausforderungen für eine moderne Arbeitszeitpolitik, WSI Report Nr. 19, https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_19_2014.pdf, letzter Zugriff: 14.01.2020.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Hentschel, Linda (2018): Gründe für Teilzeittätigkeit nach Elternschaft 2017. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2018): Erwerbstätigenquoten nach Altersgruppen 1991–2016. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Mader, Esther (2020a): Abhängig beschäftigte Männer nach Arbeitszeitgruppen 1991–2018. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Mader, Esther (2020b): Erwerbstätigenquoten und Erwerbsquoten 1991–2018. In: WSI GenderDatenPortal.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Rauschnick, Laura (2016): Arbeitszeit. Quantitative Ergebnisse für Deutschland. Expertise für die Kommission „Zukunft der Arbeit“, https://www.boeckler.de/109172.html, letzter Zugriff: 14.01.2020.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Spitznagel, Julia (2020): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991–2018. In: WSI GenderDatenPortal.

Klenner, Christina / Lott, Yvonne (2016): Arbeitszeitoptionen im Lebensverlauf. Bedingungen und Barrieren ihrer Nutzung im Betrieb. Kurzfassung der Ergebnisse, Working Paper der Hans-Böckler-Stiftung, Nr.203, https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_wp_203.pdf, letzter Zugriff: 14.01.2020.

Statistisches Bundesamt (2019): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2018, Fachserie 1 Reihe 4.1, https://www.destatis.de/DE/Service/Bibliothek/_publikationen-fachserienliste-1.html;jsessionid=A542E89B865D58F5BA1125B0280EDAD6.internet712?nn=206136, letzter Zugriff: 14.01.2020.

Statistisches Bundesamt (2016): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, Fachserie 1 Reihe 4.1.1, https://www.destatis.de/GPStatistik/receive/DESerie_serie_00003420, letzter Zugriff: 14.01.2020.

Statistisches Bundesamt (2006): Mikrozensus. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, Fachserie 1 Reihe 4.1.1, Band 1: Allgemeine und methodische Erläuterungen, https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00004012/2010411067004.pdf, letzter Zugriff: 14.01.2020.

 


(1) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Spitznagel, Julia (2020): Teilzeitquoten der abhängig Beschäftigten 1991–2018. In: WSI GenderDatenPortal.

(2) Auch bei den Männern ist eine besonders starke Abnahme für die Arbeitszeitgruppe der Vollzeit zwischen 36 und 39 Stunden festzustellen. Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Mader, Esther (2020a): Abhängig beschäftigte Männer nach Arbeitszeitgruppen 1991 – 2018. In: WSI GenderDatenPortal.

(3) Die Abgrenzung dieser Arbeitszeitgruppen wurde Ende der 1990er Jahre allerdings verändert. Bis 1998 umfasst die Arbeitszeitgruppe noch 21 bis 30 Stunden, ab dem Jahr 1999 wurde die Arbeitszeitgruppe auf 21 bis 31 Stunden erweitert (siehe auch methodische Anmerkungen). Im direkten Vergleich der Jahre 1998 und 1999 hat sich der relative Anteil der Arbeitszeitgruppe dadurch jedoch kaum verändert.

(4) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Mader, Esther (2020b): Erwerbstätigenquoten und Erwerbsquoten 1991 – 2018. In: WSI GenderDatenPortal.

(5) Dabei gilt: Der Anstieg der Erwerbstätigenquote fällt mit zunehmendem Alter höher aus. Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2018): Erwerbstätigenquoten nach Altersgruppen 1991 – 2016. In: WSI GenderDatenPortal.

(6) Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Rauschnick, Laura (2016): Arbeitszeit. Quantitative Ergebnisse für Deutschland. Expertise für die Kommission „Zukunft der Arbeit“, S. 33ff.

(7) Mehr als drei Viertel der teilzeitbeschäftigten Frauen mit Kindern geben als Grund für ihre Teilzeitbeschäftigung familiäre Verpflichtungen bei der Betreuung von Kindern oder der Pflege von Angehörigen an. Vgl. Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Hentschel, Linda (2018): Gründe für Teilzeittätigkeit nach Elternschaft 2017. In: WSI GenderDatenPortal.

(8) Vgl. Klenner, Christina / Lott, Yvonne (2016): Arbeitszeitoptionen im Lebensverlauf. Bedingungen und Barrieren ihrer Nutzung im Betrieb. Kurzfassung der Ergebnisse, Working Paper der Hans-Böckler-Stiftung, Nr.203, S. 7 und S. 11ff.

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