Service des WSI-Tarifarchivs: Tarifrunde 2027: Für 7,5 Millionen Beschäftigte laufen Vergütungstarifverträge aus – Die Kündigungstermine
29.10.2026
Zwischen Dezember 2026 und November 2027 laufen laut Berechnungen des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung für etwa 7,5 Millionen Beschäftigte die von den DGB-Gewerkschaften ausgehandelten Vergütungstarifverträge aus.
„Gemessen an der Beschäftigtenzahl wird es im Jahr 2027 eher eine kleine Tarifrunde geben“, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Prof. Dr. Thorsten Schulten. „Dies liegt vor allem daran, dass in diesem Jahr einige besonders große Tarifbranchen ihre Vergütungstarifverträge wieder erneuert haben und bei einer mehrjährigen Laufzeit der Verträge erst nach 2027 wieder verhandeln werden“, so Schulten.
Zu den großen Tarifbranchen, die 2026 ihre Vergütungstarifverträge neu verhandelt haben, gehören u. a. die Chemische Industrie, der Einzelhandel und der Öffentliche Dienst der Bundesländer. In der Metall- und Elektroindustrie – der größten Tarifbranche in Deutschland – starteten die Tarifverhandlungen im Oktober und werden in den kommenden Wochen fortgesetzt. Insgesamt geht das WSI-Tarifarchiv davon aus, dass 2026 knapp 10 Millionen Beschäftigte vom Abschluss neuer Tarifverträge profitieren werden.
Die mit Abstand größte Tarifauseinandersetzung der Tarifrunde 2027 findet im Öffentlichen Dienst bei Bund und Gemeinden statt, dessen Tarifverträge im März 2027 auslaufen. Zusammen mit den parallel stattfindenden Tarifverhandlungen im Öffentlichen Nahverkehr, bei den Öffentlichen Versorgungsbetrieben und in anderen öffentlichen Organisationen (wie z. B. der Bundesagentur für Arbeit) werden hierbei für insgesamt 3,1 Millionen Beschäftigte neue Vergütungstarifverträge verhandelt. Damit umfasst die Tarifrunde des Öffentlichen Dienstes und daran angelehnter Bereiche mehr als 40 Prozent aller Beschäftigten, für die im Jahr 2027 neue Tarifverträge verhandelt werden.
Zu den größeren Verhandlungsrunden des Jahres 2027 gehören außerdem das Gebäudereinigungshandwerk mit 491.000 Beschäftigten, das Bauhauptgewerbe mit 720.000 Beschäftigten, das Kfz-Handwerk mit 420.000 und die Leiharbeitsbranche mit 650.000 Beschäftigten. Hinzu kommen noch einige mittelgroße Tarifbranchen wie die Deutsche Post AG mit 170.000 Beschäftigten, das Private Verkehrsgewerbe mit 345.000 Beschäftigten, das Versicherungsgewerbe mit 186.000 Beschäftigten, das Gastgewerbe mit 170.000 Beschäftigten und das Maler- und Lackierhandwerk mit 130.000 Beschäftigten. Darüber hinaus wird die Tarifrunde 2027 eher von mittleren und kleineren Tarifbranchen geprägt werden, die weniger als 100.000 Beschäftigte repräsentieren.
Wann in welchem Bereich die gültigen Tarifverträge auslaufen, zeigt der tarifliche Kündigungsterminkalender, den das WSI-Tarifarchiv jetzt vorlegt. Einige ausgewählte Beispiele größerer Tarifbranchen (in Klammern: Beschäftigtenzahlen, gerundet auf volle Tausend):
Dezember 2026
- Gebäudereinigungshandwerk (491.000)
- Deutsche Post AG (170.000)
- Volkswagen AG (97.000)
- Eisen- und Stahlindustrie (83.000)
- Systemgastronomie (82.000)
- Kunststoff verarbeitende Industrie Bayern (71.000)
- Gastgewerbe Hamburg, Sachsen (66.000)
- Bewachungsgewerbe verschiedene Bundesländer (66.000)
Januar 2027
- Öffentliche Banken (52.000)
Februar 2027
- Privates Verkehrsgewerbe (Speditionen und Logistik) Nordrhein-Westfalen (173.000)
März 2027
- Öffentlicher Dienst Bund und Gemeinden, Versorgungsbetriebe (TV-V), Sparten-TV „Nahverkehr“ (TV-N) verschiedene Bundesländer, diverse andere öffentliche Institutionen (3.100.000)
- Bauhauptgewerbe (720.000)
April 2027
- Papier, Pappe und Kunststoff verarbeitende Industrie (71.000)
Mai 2027
- Kfz-Handwerk (o. Bremen) (417.000)
- Versicherungsgewerbe (186.000)
- Maler- und Lackierhandwerk (o. Saarland) (130.000)
Juni 2027
- Gastgewerbe Berlin (61.000)
September 2027
- Leiharbeit (GVP) (650.000)
- Dachdeckerhandwerk (93.000)
- Privates Verkehrsgewerbe Niedersachsen (58.000)
Ein ausführlicher Überblick über die Kündigungstermine in zahlreichen weiteren Branchen bis Ende des Jahres 2027 findet sich in der Tabelle in der pdf-Version dieser Pressemitteilung.
Kontakt
Prof. Dr. Thorsten Schulten
Leiter WSI-Tarifarchiv
Rainer Jung
Leiter Pressestelle