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Foto: Cover der WSI-Mitteilungen WSI-Mitteilungen

Erol, Serife / Schulten, Thorsten : Arbeitsbeziehungen in der Fleischindustrie. Betriebsräte und Tarifverträge nach dem Arbeitsschutzkontrollgesetz

Ausgabe 05/2026

DOI: 10.5771/0342-300X-2026-5-387

Seiten 387-396

Zusammenfassung

Das Arbeitsschutzkontrollgesetz (ASKG) hat 2021 dem Werkvertragssystem in der deutschen Fleischindustrie ein Ende gesetzt und den Einsatz von Werkverträgen sowie Leiharbeit in den Kernbereichen der Branche verboten. Durch die Integration der zuvor ausgelagerten Arbeitskräfte in die Betriebe wurden die Voraussetzungen für eine Stärkung der institutionellen Machtressourcen der Beschäftigten geschaffen. Insbesondere die Betriebsratsstrukturen konnten sich nach den Betriebsratswahlen 2022 teilweise stabilisieren und ausweiten. Gleichzeitig bleiben die Machtressourcen der Beschäftigten prekär. Das arbeitsintensive Produktionsmodell der Branche basiert weiterhin auf niedrig qualifizierter migrantischer Arbeit, hoher Fluktuation und fragmentierten Belegschaften. Trotz eines hohen Druckpotenzials gelingt es kaum, diese strukturelle Macht kollektiv zu nutzen. Auch tarifpolitisch blieb die erwartete Verbesserung aus: Flächentarifverträge konnten nicht revitalisiert werden, und die gewerkschaftliche Organisationsmacht bleibt schwach. Eine grundlegende Reorganisation der Arbeitsbeziehungen erscheint daher derzeit nur durch die erneute Mobilisierung gesellschaftlicher Machtressourcen möglich.

Schlagworte: betriebliche Mitbestimmung, Prekarität, Tarifpolitik, Machtressourcen, Fleischindustrie

Abstract

The Occupational Safety and Health Inspection Act (ASKG) strengthened the institutional power resources of workers in the German meat industry by integrating previously outsourced workers directly into company structures. This improved conditions for workplace codetermination, trade union access, and occupational health and safety. In particular, works council structures were partially stabilised and expanded following the 2022 works council elections. At the same time, workers’ overall power resources remain precarious. The industry continues to rely on low-skilled migrant labour, high labour turnover, and fragmented workforces. Although workers possess potential structural power due to their position in highly integrated and time-sensitive production processes, this has rarely translated into collective organisational power. Attempts to rebuild sector-wide collective bargaining structures have largely failed, while trade union power remains weak. A more fundamental reorganisation of industrial relations therefore appears possible only through renewed mobilisation of broader societal power resources.

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