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WSI GenderDatenPortal: Erwerbsarbeit: Erwerbstätigenquoten und Erwerbsquoten 1991-2024

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Frauen sind in Deutschland immer noch seltener erwerbstätig als Männer. Allerdings hat sich die Teilhabe beider Geschlechter am Erwerbsleben im Beobachtungszeitraum zwischen 1991 und 2024 stark angeglichen.

Dies zeigt sich sehr deutlich an der Entwicklung der Erwerbstätigenquote der 15 bis unter 65-Jährigen, dem Indikator für eine aktive Beteiligung am Erwerbsleben (vgl. Grafik 1):

  • Die Erwerbstätigenquote der Frauen lag im Jahr 1991 noch bei 57 Prozent. Danach aber stieg sie – vor allem in den Jahren ab 2005 – stark an: bis zum Jahr 2019 bereits auf rund 73 Prozent. Nach einer kurzen Phase der Stagnation in den ersten beiden Corona-Jahren 2020 und 2021 (vgl. Tab. 1) ist die Erwerbstätigenquote bis zum Jahr 2024 weiter auf 74 Prozent angestiegen. Damit sind aktuell drei von vier Frauen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland erwerbstätig.
  • Bei den Männern ging die Erwerbstätigenquote zwischen 1991 und 2003 deutlich zurück (von 78 Prozent auf 71 Prozent). Bis 2019 stieg sie dann jedoch wieder deutlich an (bis auf 81 Prozent), gefolgt von einer ähnlichen Stagnation während der Corona-Jahre wie bei den Frauen. Im Jahr 2024 liegt sie mit 81 Prozent weiterhin auf Vor-Corona-Niveau. Damit sind vier von fünf Männern im erwerbsfähigen Alter in Deutschland erwerbstätig.
  • Die Geschlechterlücke bei den Erwerbstätigenquoten ging in einem Zeitraum von rund 30 Jahren um zwei Drittel zurück: von 21 Prozentpunkten (1991) auf 7 Prozentpunkte (2024).

Auch beim zweiten Indikator, der Erwerbsquote, die den Anteil der Erwerbspersonen an der Bevölkerung im Erwerbsalter ausweist (1), lässt sich für den Beobachtungszeitraum ein deutlicher Rückgang der Geschlechterlücke beobachten (vgl. Tab. 1):

  • Bei den Frauen stieg die Erwerbsquote zwischen 1991 und 2024 fast kontinuierlich an, von 62 Prozent (1991) auf 77 Prozent (2024).
  • Im Vergleich dazu veränderte sich die Erwerbsquote der Männer über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg kaum: Ausgehend von 83 Prozent (1991) ging sie zunächst leicht zurück, stieg dann aber bis 2019 wieder langsam auf 84 Prozent an. Auch im Jahr 2024 liegt sie mit 84 Prozent in etwa auf Ausgangsniveau von 1991.

Erwerbstätigkeit und Alter: Die stärkere Zunahme aktiver Erwerbstätigkeit gerade bei Frauen wird in den letzten zwei Jahrzehnten flankiert von einer gleichzeitigen Zunahme der Erwerbstätigkeit bei Älteren. Gerade die Über 50-Jährigen sind in den letzten zwei Jahrzehnten zu deutlich höheren Anteilen aktiv erwerbstätig geworden – und dies trifft ganz besonders auf über 50-jährige Frauen zu. (2)

Der regionale Vergleich zeigt, dass sich die Entwicklungen in Westdeutschland nur geringfügig von jenen in Gesamtdeutschland unterscheiden, während für Ostdeutschland deutliche Abweichungen festzustellen sind (vgl. Grafik 3):

  • In Ostdeutschland sank die Erwerbstätigenquote von Frauen und Männern zu Beginn der 1990er Jahre innerhalb weniger Jahre drastisch ab.
  • Zwischen 2000 und 2007 war die Erwerbstätigenquote von Frauen in Ostdeutschland geringer als die von Frauen in Westdeutschland. Allerdings stieg die Erwerbstätigenquote von Frauen in Ostdeutschland ab dem Jahr 2005 auch wieder deutlich an. Daher fällt ihre Erwerbstätigenquote seit 2009 durchgängig höher aus als die von Frauen aus Westdeutschland. Dies gilt auch noch für das Jahr 2024.
  • Auch die Erwerbstätigenquote der Männer in Ostdeutschland stieg seit 2005 wieder erkennbar an und hatte sich bis zu den Coronajahren (2020 bis 2022) bis auf einen Prozentpunkt Unterschied an die Erwerbstätigenquote von Männern in Westdeutschland angenähert. Seit 2023 nehmen Männer in Westdeutschland wieder um zwei Prozentpunkte häufiger aktiv am Erwerbsleben teil als Männer in Ostdeutschland.
  • Die Geschlechterlücke bei den Erwerbstätigenquoten fällt in Westdeutschland über den gesamten Beobachtungszeitraum deutlich größer aus als in Ostdeutschland. In Westdeutschland beträgt sie aktuell 7 Prozentpunkte, in Ostdeutschland nur 5 Prozentpunkte.

Ursachen für den geschlechterbezogenen Erwerbsabstand: Obwohl in der Mehrheit der Paarhaushalte mit minderjährigen Kindern in Deutschland inzwischen beide Elternteile aktiv erwerbstätig sind, ist in einem Viertel aller Paarhaushalte mit Kindern weiterhin ausschließlich der Vater aktiv erwerbstätig (2022: 27 Prozent). (3) Dies liegt daran, dass Frauen nach wie vor den Großteil der unbezahlten Arbeit in Paarhaushalten mit Kindern übernehmen. (4) Mütter mit kleinen Kindern unter 3 Jahren weisen die niedrigsten Erwerbstätigenquoten auf, vor allem deshalb, weil es noch immer kein bedarfsdeckendes Angebot an guten institutionellen Betreuungsangeboten für Unter-Dreijährige in Deutschland gibt. (5) Doch selbst wenn die Kinder bereits im Schulalter sind, liegen die Erwerbstätigenquoten von Vätern deutlich höher als die von Müttern. (6)

Die beitragsfreie Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung sowie das Ehegattensplitting haben ebenso Anteil daran, dass in der Mehrheit der Paarhaushalte mit Kindern das sog. Ernährermodell praktiziert wird, da sie eine (sozialversicherungspflichtige) Erwerbsaufnahme der zweiten erwachsenen Person (in der Regel: der Frau) finanziell unattraktiv machen. Nicht selten entscheiden sich Paare dann dazu, dass nur der besserverdienende Elternteil (in der Regel: der Vater) arbeiten geht. (7)

Hinweis zu den West-Ost-Differenzen: Die geringere Geschlechterlücke bei der aktiven Erwerbstätigkeit in Ostdeutschland kann nur zum Teil auf die höheren Erwerbstätigenquoten von Frauen zurückgeführt werden. Daneben spielen auch die (immer noch) schlechteren strukturellen Bedingungen auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt eine Rolle, die zu einer – im Vergleich zu Westdeutschland – etwas niedrigeren Erwerbstätigenquote der Männer in Ostdeutschland führen. Dies zeigt sich auch daran, dass der Abstand zwischen Erwerbsquoten (potentielle Erwerbsbeteiligung) und Erwerbstätigenquoten (tatsächliche Erwerbsbeteiligung) in Ostdeutschland größer ist als in Westdeutschland – und dies sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Weitere Informationen (Definitionen wichtiger Begriffe und methodische Anmerkungen zur Datengrundlage) sind in den PDF-Dateien enthalten, die zum Download bereitstehen.

 

Bearbeitung: Eugen Unrau, Svenja Pfahl, Anika Lindhorn
 

Literatur

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) (2026): Bund-Länder Demographie Portal, Wiesbaden, Suchbegriff: Fakten/Arbeit/Erwerbstätigenquote/Ältere Erwerbstätige, letzter Zugriff: 06.01.2026.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024a): Erwerbskonstellationen in Paarhaushalten 2022. In: WSI GenderDatenPortal.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024b): Erwerbstätigenquote nach Elternschaft und Alter des jüngsten Kindes 2022. In: WSI GenderDatenPortal.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024c): Zeitaufwand für bezahlte und unbezahlte Arbeit 2022. In: WSI GenderDatenPortal.

Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2025): Betreuungsquoten von Kindern unter drei Jahren nach Alter 2010-2024. In: WSI GenderDatenPortal.

Statistisches Bundesamt (2025a): Mikrozensus. Qualitätsbericht 2024, letzter Zugriff: 06.01.2026.

Statistisches Bundesamt (2025b): Statistischer Bericht. Mikrozensus – Arbeitsmarkt. 2024 (Erstergebnis), letzter Zugriff: 06.01.2026.

Statistisches Bundesamt (2022): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2020 (Endgültige Ergebnisse), Fachserie 1 Reihe 4.1, letzter Zugriff: 06.01.2026.

Statistisches Bundesamt (2020): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2019, Fachserie 1 Reihe 4.1, letzter Zugriff: 06.01.2026.

Wanger, Susanne (2020): Entwicklung von Erwerbstätigkeit, Arbeitszeit und Arbeitsvolumen nach Geschlecht. Ergebnisse der IAB-Arbeitszeitrechnung nach Alter und Geschlecht (AZR AG) für die Jahre 1991–2019. IAB-Forschungsbericht 16/2020, letzter Zugriff: 06.01.2026.

 


(1) Zur Definition der Erwerbsquote siehe Glossar.

(2) Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) (2026): Bund-Länder Demographie Portal, Wiesbaden, Suchbegriff: Fakten/Arbeit/Erwerbstätigenquote/Ältere Erwerbstätige.

(3) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024a): Erwerbskonstellationen in Paarhaushalten 2022. In: WSI GenderDatenPortal.

(4) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024c): Zeitaufwand für bezahlte und unbezahlte Arbeit 2022. In: WSI GenderDatenPortal.

(5) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024b): Erwerbstätigenquote nach Elternschaft und Alter des jüngsten Kindes 2022 sowie Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen/Lindhorn, Anika (2025): Betreuungsquoten von Kindern unter drei Jahren nach Alter 2010-2024. Jeweils in: WSI GenderDatenPortal.

(6) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024b): Erwerbstätigenquote nach Elternschaft und Alter des jüngsten Kindes 2022. In: WSI GenderDatenPortal.

(7) Vgl. Pfahl, Svenja/Unrau, Eugen (2024a): Erwerbskonstellationen in Paarhaushalten 2022. In: WSI GenderDatenPortal sowie Wanger, Susanne (2020): Entwicklung von Erwerbstätigkeit, Arbeitszeit und Arbeitsvolumen nach Geschlecht, S. 30.

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