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Arbeitsmarkt im Wandel: Verbreitung von Betriebsraeten in Unternehmen

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Das deutsche System der Arbeitsbeziehungen wird durch die Tarifautonomie einerseits und die betriebliche Mitbestimmung andererseits getragen. Letztere wird durch das Betriebsverfassungsgesetz geregelt: Betriebe mit mindestens 5 Beschäftigten können einen Betriebsrat wählen. Die hier vorliegenden Angaben aus dem IAB-Betriebspanel 2010 sowie dem IAB-Betriebspanel 2018 entspringen einer repräsentativen Stichprobe von über 15.000 Betrieben. In Bezug auf die Tarifbindung war von Mitte der 1990er bis Mitte der 2000er Jahre eine stark rückläufige Tendenz zu beobachten, die seitdem teilweise stagniert, teilweise noch schwach rückläufig ist.

Der Deckungsgrad von Betriebsräten kann sowohl auf Betriebs- als auch auf Beschäftigtenebene gemessen werden: So habenin West- und in Ostdeutschland9 bzw. 10 Prozent aller Betriebe einen Betriebsrat. Über die Zeit betrachtet bildet diese Zahl den vorläufigen Endpunkt einer seit Jahren rückläufigen Entwicklung, die sich jedoch zumindest seit 2015 nicht verändert hat. Bezogen auf die Beschäftigten bestätigt sich diese rückläufige Tendenz: Waren 2010 noch 44 Prozent aller Beschäftigten in Betrieben mit Betriebsrat beschäftigt, galt dies im Jahr 2017 noch für 39 Prozent. Der Rückgang kann im Wesentlichen auf die Betriebe mittlerer Größe zurückgeführt werden. Den aktuellsten Daten aus dem Jahr 2018 zufolge gibt es jedoch positive Tendenzen zu verzeichnen: 42 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland und 35 Prozent der Beschäftigten in Ostdeutschland arbeiteten in einem Betrieb mit Betriebsrat, was einer Steigerung von zwei Prozentpunkten in beiden Teilen Deutschlands entspricht.

Bei der hier ausgewiesenen Betrachtung nach Branchen weist die traditionell stark mitbestimmte Branche der Energie- und Wasserversorgung / Abfallwirtschaft / Bergbau den höchsten Deckungsgrad auf. Das untere Ende wird von den kleinbetrieblichen Branchen der sonstigen Dienstleistungsbereiche (inkl. Gastgewerbe) und der Bauwirtschaft bestimmt. Im Vergleich der Jahre 2010 und 2018 lassen sich auf Branchenebene nur wenige Entwicklungen identifizieren; am deutlichsten sank der Deckungsgrad jedoch im Baugewerbe sowie in den wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und freiberuflichen Dienstleistungen, also zwei Branchen, die ohnehin schon ein relativ geringer Deckungsgrad auszeichnete.

Literatur

Ellguth, Peter / Kohaut, Susanne: Tarifbindung und betriebliche Interessenvertretung: Aktuelle Ergebnisse aus dem IAB-Betriebspanel 2010, WSI Mitteilungen 64(5), S. 242-247.

Ellguth, Peter / Kohaut, Susanne: Tarifbindung und betriebliche Interessenvertretung: Ergebnisse aus dem IAB-Betriebspanel 2018, WSI Mitteilungen 72(4) (im Erscheinen).

Anmerkungen zur Grafik: Quelle sind die WSI-Mitteilungen, verschiedene Jahrgänge. Alle Angaben beziehen sich auf privatwirtschaftliche Betriebe ab 5 Beschäftigte. Ausgenommen sind die Landwirtschaft sowie Organisationen ohne Erwerbszweck. Die Datenbasis ist das IAB-Betriebspanel.

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