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Arbeitsmarkt im Wandel: BEFRISTETE EINSTELLUNGEN

Für die zumeist jungen Betroffenen stellen befristete Beschäftigungsverhältnisse eine Belastung dar: So weisen befristet Beschäftigte im Vergleich zu unbefristet Beschäftigten ein niedrigeres Einkommen und ein höheres Armutsrisiko auf (Seils 2016). Außerdem erschweren befristete Beschäftigungsverhältnisse die soziale Teilhabe (Gundert/Hohendanner 2011) und die Familiengründung (Auer/Danzer/Fichtl 2015). Die Regierungskoalition hat sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf geeinigt, insbesondere die sachgrundlos befristete Beschäftigung einzudämmen. Zunächst ist diese Form der befristeten Beschäftigung auch unter der aktuellen Regierung weiter angestiegen (Seils/Emmler/Rogall 2020), zuletzt aber aufgrund der Arbeitskräfteknappheit vor der Corona-Krise gesunken (Hohendanner 2020).

Im Jahr 2019 erfolgten 41,9 Prozent der Einstellungen befristet.[1] Unter den Frauen sind befristete Einstellungen mit 45,3 Prozent etwas verbreiteter als unter Männern (39,5 Prozent). Während die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland kaum von Bedeutung sind, gibt es massive Unterschiede zwischen den Kreisen. Städte mit sehr hohen Anteilen befristeter Einstellungen sind Potsdam (67,9 Prozent) und Köln (60,4 Prozent), was auf die hohe Bedeutung von Medien für die dortige Wirtschaft zurückzuführen sein dürfte (Seils/Emmler/Rogall 2020). Im Gegensatz dazu wird in Neustadt an der Weinstraße (16,3 Prozent) und Regen (21,9 Prozent) vergleichsweise selten befristet eingestellt. [2]

Daten zu befristeten Einstellungen für die 401 Kreise der Bundesrepublik stehen zum Download zur Verfügung. Daten zu (sachgrundlos) befristeten Beschäftigungsverhältnissen auf der Grundlage des IAB-Betriebspanels (1996-2019) befinden sich ebenfalls in unserem Datenangebot. Diese sind jedoch nur bis zur Ebene der Bundesländer aufgeschlüsselt.

Download Daten zur Befristung (Kreisebene, xlsx)
Download Daten zur sachgrundlosen Befristung (Bundesländer, xlsx)
Download Karte (png, Print-Auflösung)

Literatur
Auer, W./Danzer, N./Fichtl, A. (2015): Ökonomische Unsicherheit: Befristete Verträge erschweren Familiengründung, in: ifo Schnelldienst 68 (18), S. 35-41

Bundesagentur für Arbeit (2018): Befristete Beschäftigung. Methodische Hintergründe und Ergebnisse (pdf), Nürnberg

CDU/CSU/SPD (2018): Ein neuer Aufbruch für Europa. Eine neue Dynamik für Deutschland. Ein neuer Zusammenhalt für unser Land. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD (pdf)

Gundert, S./Hohendanner, C. (2011): Soziale Teilhabe ist eine Frage von stabilen Jobs, Nürnberg

Hohendanner, C. (2020): Befristete Beschäftigung in Deutschland 2019. Aktuelle Daten und Indikatoren, Nürnberg

Seils, E. (2016): Jugend und befristete Beschäftigung. Eine Auswertung auf der Basis aktueller Daten des Mikrozensus (pdf). WSI Policy Brief 8, 12/2016, Düsseldorf

Seils, E./Emmler, H./Rogall, M. (2020): Befristete Beschäftigung. Eine Auswertung regionaler Daten für 2018 (pdf), Düsseldorf
 


[1] Die Angaben zu den befristeten Einstellungen beziehen sich auf die SvB-Kerngruppe Befristung. Nach der Bundesagentur für Arbeit (2018, S. 6) umfasst die Kerngruppe alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse mit Ausnahme von Auszubildenden, Praktikanten, Personen in freiwilligen Diensten (soziales Jahr, Bundesfreiwilligendienst) und Teilnehmende an zeitlich befristeten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen bei einem Rehabilitationsträger. Angaben zum Bestand an Befristungen sind auf dieser Basis ebenso wenig möglich wie eine Gliederung nach der rechtlichen Grundlage der Befristung (z.B. der kalendermäßigen Befristung bzw. „sachgrundlosen Befristung“).

[2] Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (2018, S. 35) unterschätzen die Daten für Bremerhaven (11 Prozent) das tatsächliche Ausmaß der befristeten Beschäftigung sehr stark, weil zahlreiche kurzfristige Beschäftigungen im Hafen nicht als befristete Beschäftigungen gemeldet werden. Die Angaben für Bremerhaven sind daher in der Excel-Datei kursiv gesetzt.

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