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Text DigiGap und symbolische Darstellung von Netzwerkverbindungen und Gap

Detaillierte Projektvorstellung: Informationen zum Projekt

Studien aus dem Bereich der feministischen Technikforschung legen nahe, dass ein digitaler Gender Gap bei der Nutzung von Computern und anspruchsvoller Computersoftware am Arbeitsplatz, insbesondere für Teilzeitbeschäftigte, besteht (Lott und Hövermann 2025). Dieser Gap betrifft jedoch nicht nur Frauen, sondern auch ältere Beschäftigte, die sich den Anforderungen und Belastungen, die mit diesen Tätigkeiten einhergehen, oftmals nicht mehr gewachsen fühlen.

Neben „Vereinbarkeitsrisiken“ durch mögliche hohe Arbeitszeitanforderungen untersucht das vorliegende Projekt auch die Vereinbarkeitspotenziale, die digitale (KI-)Technologien bieten (Abendroth und Schwarz 2023). Digitale (KI-)Technologien kamen bereits in Betrieben zum Einsatz, um die Arbeitszeit für die Belegschaft zu verkürzen. Sie können ebenfalls dafür genutzt werden, den erhöhten Kommunikations- und Koordinierungsbedarf etwa bei Job- bzw. Top-Sharing-Modellen auszugleichen, die kürzere Arbeitszeiten und weniger (auch mentale) Belastungen vor allem in höheren betrieblichen Positionen erlauben (Busch und Klingbeil-Döring, in Vorbereitung). Darüber hinaus erleichtern und verändern digitale Technologien die Organisation von Lebenswelten, indem Kommunikation mit Familienmitgliedern schnell und unkompliziert über digitale Endgeräte erfolgen kann (Lott 2020).

Das Projekt knüpft an die bestehende Forschung an und untersucht Geschlecht als zentrale Strukturkategorie für die Vereinbarkeitsrisiken und -potenziale von digitalisierten (KI-)Technologien.

Zudem richtet es den Blick auf die Vereinbarkeitsrisiken und -potenziale von digitalen (KI-)Technologien für Partnerschaften und Familien. Hier wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, inwiefern digitale (KI-)Technologien die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. Privatleben für Partner*innen erleichtern oder erschweren, ob sie die Verteilung von unbezahlter Haus- und Sorgearbeit in Partnerschaften beeinflussen und wie sie sich auf die Eltern-Kind-Beziehung und den Familienalltag auswirken.

Eine bisher wenig untersuchte Strukturkategorie stellt das Alter dar. Ältere Beschäftigte – insbesondere ältere Arbeitnehmerinnen, die den Großteil der Angehörigenpflege übernehmen – benötigen eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, sowohl für familiäre Belange als auch für ihre eigene Gesunderhaltung. Dabei wird die Intersektionalität mit Geschlecht systematisch berücksichtigt, um Vereinbarkeit umfassend zu analysieren. Es stellt sich die Frage, ob digitale (KI-)Technologien einen unterstützenden Beitrag leisten können, um Berufs- und Lebenswelt für Ältere besser zu vereinbaren, ihre Erwerbsarbeit attraktiver zu gestalten und damit eine längere Erwerbstätigkeit zu ermöglichen.

Daraus ergeben sich die folgenden Fragen:

  • Werden die Vereinbarkeitspotenziale von digitalen (KI-)Technologien genutzt?
  • Erzielen Beschäftigte, insbesondere Frauen sowie ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, durch digitale (KI-)Technologien eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. Privatleben?
  • Welche betrieblichen Rahmenbedingungen sind dafür notwendig? Oder werden die Vereinbarkeitspotenziale für diese Gruppen im Gegenteil durch mögliche erhöhte Arbeitszeitanforderungen konterkariert?
  • Werden Partnerschaft, Familie und Eltern-Kind-Beziehungen durch digitale (KI-)Technologien anders – gegebenenfalls effizienter – organisiert und erlebt, und inwiefern verändert dies die Grenzziehungen zwischen Berufs- und Lebenswelt?

Die Fragestellungen werden anhand von bestehenden Sekundärdatensätzen u.a. der BIBB-BAuA Erwerbstätigenbefragung, dem European Working Conditions Survey und der Zeitverwendungserhebung erforscht.

Das vorliegende Forschungsprojekt wird wichtige Erkenntnisse dazu liefern, wie die Rahmenbedingungen gestaltet sein müssen und welche hinderlichen und förderlichen Faktoren berücksichtigt werden müssen, um die Beschäftigungsfähigkeit insbesondere unterrepräsentierter Gruppen zu stärken und zugleich die Potenziale neuer digitaler (KI-)Technologien zu nutzen, um eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Lebenswelt zu ermöglichen. Es soll herausgestellt werden, wie digitale (KI-)Kompetenzen gezielt und inklusiv gefördert werden können, damit alle Beschäftigten – unabhängig von Geschlecht und Alter – an den digitalen Entwicklungen teilhaben. Insgesamt wird das Projekt dazu beitragen, aufzuzeigen, wie Digitalisierung und Vereinbarkeit zusammengedacht werden müssen, um zukunftsfähige Arbeitsstrukturen zu entwickeln, die technologische Innovation und soziale Teilhabe gleichermaßen ermöglichen.
 

Forschungsteam

WSI

Dr. Yvonne Lott
Referatsleitung Geschlechterforschung am WSI

Dr. Eileen Peters
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am WSI

Dr. Charlotte Schröder
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am WSI

Dominik Wehner
Studentische Hilfskraft am WSI

Universität Bielefeld

Prof. Dr. Anja Abendroth
Professur für Sozialstrukturanalyse an der Universität Bielefeld

Dr. Anne Busch
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bielefeld und am Institut für Innovation und Technik

Antje Schwarz
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bielefeld

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