zurück
Foto: Cover der WSI-Mitteilungen WSI-Mitteilungen

Lübker, Malte : Fachkräfteengpässe und Entgeltentwicklung. Kommt das Schlaraffenland für Beschäftigte?

Ausgabe 03/2026

DOI: 10.5771/0342-300X-2026-3-228

Seiten 228-239

Zusammenfassung

Auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit untersucht der Beitrag für den Zeitraum von 2019 bis 2024 auf Ebene der Berufsgattungen, wie sich der Fachkräftemangel auf die Entgeltentwicklung auswirkt. Das Ergebnis zeigt zunächst, dass es im Aggregat tatsächlich einen positiven Zusammenhang gibt. Die Effektgröße ist mit einem zusätzlichen Entgeltwachstum von rund 0,25 % pro Jahr bei einem um eine Standardabweichung erhöhten Fachkräfteengpass jedoch sehr klein. Zudem geht der positive Zusammenhang im Wesentlichen auf die Entwicklung in den Gesundheits- und Pflegeberufen zurück, während sich für die übrigen Berufsfelder im Beobachtungszeitraum kein signifikanter Effekt nachweisen lässt. Dies führt zu der Schlussfolgerung, dass es keinen mechanistischen, auf Marktkräften basierenden Zusammenhang gibt. Aufgrund der asymmetrischen Machtverteilung am Arbeitsmarkt bedarf es stattdessen kollektiver Verhandlungsmacht und – wie im Fall der Pflege – politischer Interventionen, um in Berufen mit Fachkräftemangel bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen.

Schlagworte: Arbeitsmarkt, Entgelt, Bevölkerungsentwicklung, Beschäftigungsentwicklung

Abstract

Based on data from the German Federal Employment Agency (Bundesagentur für Arbeit), this article examines how a shortage of skilled workers affects wage growth by occupational category for the period from 2019 to 2024. The initial result shows that, overall, there is indeed a positive correlation. However, the effect size is very small, with an additional wage increase of around 0.25 % per year for a one-standard-deviation increase in the measure for skill shortages. Furthermore, the positive correlation is largely attributable to developments in the nursing and healthcare professions, while no significant effect can be demonstrated for the remaining occupational fields during the observation period. This leads to the conclusion that there is no mechanistic, market-force-based correlation. Due to the asymmetric distribution of power in the labour market, collective bargaining power and – as in the case of nursing – political interventions are a prerequisite to achieve better working conditions in occupations with a shortage of skilled workers.

Zugehörige Themen