Huke, Nikolai : Kalkulierter Rechtsbruch. Warum Unternehmen Arbeitsrechte systematisch verletzen (können)
DOI: 10.5771/0342-300X-2026-2-93
Seiten 93-100
Zusammenfassung
Der Artikel analysiert, warum Unternehmen in Deutschland sich entscheiden, Arbeitsrechte zu verletzen – und warum sie dies tun können. Empirische Grundlage sind qualitative Interviews mit Arbeitsrechtsberatungsstellen. Unter Rückgriff auf rechtssoziologische Perspektiven und Forschungsarbeiten zur Unternehmensdelinquenz werden vier zentrale Problembereiche identifiziert, die aus Sicht der Beratungsstellen Arbeitsrechtsverletzungen begünstigen: 1) der unternehmerische Nutzen der Rechtsverletzungen, 2) normative Orientierungen der Unternehmen, die in Konflikt zum Arbeitsrecht stehen, 3) die in der Regel ausbleibende Rechtsmobilisierung durch Beschäftigte und 4) dass Unternehmen, die Arbeitsrechte verletzen, überwiegend keine Sanktionen zu befürchten haben. Rechtsdurchsetzung in der Arbeitswelt erscheint vor diesem Hintergrund als Resultat von Konfliktaushandlungen zwischen Kapital und Arbeit in asymmetrischen Kräfteverhältnissen.
Schlagworte: Arbeitsbedingungen, Prekarität, Rechtsstaatlichkeit, Arbeitsrecht, Unternehmensstrategien
Abstract
The article examines why companies in Germany choose to violate labour rights – and why they can. The empirical basis consists of qualitative interviews with labour law advisory centres. Drawing on sociological perspectives on law and research on corporate delinquency, four key issues are identified that, from the perspective of these advisory centres, facilitate labour law violations: 1) the economic benefits for companies from violations, 2) normative orientations of companies that conflict with labour law, 3) the lack of mobilisation of workers to enforce their rights, and 4) the fact that companies committing violations mostly face no sanctions. Against this background, the enforcement of labour rights appears to be the result of conflict negotiations between capital and labour within asymmetric power relations.