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Foto: Cover der WSI-Mitteilungen WSI-Mitteilungen

Dörre, Klaus / vom Bruch, Jorin : Knappe Arbeitskraft – eine Machtressource?

Ausgabe 03/2026

DOI: 10.5771/0342-300X-2026-3-219

Seiten 219-227

Zusammenfassung

Demografische Entwicklung, Fach- und Arbeitskräfteengpässe haben zeitweilig für einen strukturellen Machtzuwachs von Lohnabhängigen gesorgt. Vorausschauende Unternehmen machten in der Konkurrenz um qualifizierte Arbeitskräfte Zugeständnisse bei Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Der Beitrag verortet diese Entwicklung im Rahmen des Jenaer Machtressourcenansatzes. Unterschieden werden drei Phasen der Arbeitsmarktentwicklung, die mit der Zurückdrängung von Massenarbeitslosigkeit, demografischen Veränderungen, aber auch mit der Ausbreitung prekärer Beschäftigung verbunden waren. In der Gegenwart deutet sich mit der Krise des Industriemodells eine neue Phase an, die von Beschäftigungsverlusten in Schlüsselbranchen bei gleichzeitiger Knappheit von Arbeitskraft in anderen Branchen geprägt ist. Die Akteure der organisierten Arbeitsbeziehungen müssen sich, so die Leitthese des Beitrags, auf einen neuen Zyklus sozialer Auseinandersetzungen einstellen, der von einer Gleichzeitigkeit des Ungleichen geprägt wird. Zur kollektiven Machtressource wird Arbeitskräfteknappheit nur, sofern gewerkschaftliche Handlungsfähigkeit im betrieblichen Alltag neu begründet wird.

Schlagworte: Arbeitskampf, Arbeitsmarkt, Prekarität, Industrielle Beziehungen, Gewerkschaftsstrategie

Abstract

Demographic developments and shortages of skilled workers and labour have temporarily led to a structural increase in the power of wage earners. Forward-thinking companies have made concessions in terms of working conditions and pay in their competition for qualified workers. The present article situates this development within the framework of the Jena Power Resources Approach. It distinguishes between three phases of labour market development, which were associated with the decline in mass unemployment, demographic changes, and the spread of precarious employment. The current crisis in the industrial model heralds a new phase characterised by job losses in key sectors and a simultaneous shortage of labour in others. According to the article’s core thesis, the actors involved in organised labour relations must prepare themselves for a new cycle of social conflict that will be characterised by a simultaneity of inequality. Labour shortages will become a collective power resource only if trade unions’ ability to act upon everyday working life is reestablished and, above all, made tangible.

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