Röhrer, Stefan / Bernhard, Sarah / Senghaas, Monika / Köppen, Magdalena : Leistungsminderungen als „letzte Handhabe“: Deutungsweisen einer Disziplinierungstechnik
DOI: 10.5771/0342-300X-2026-2-101
Seiten 101-108
Zusammenfassung
Der Beitrag fragt nach den Deutungsweisen von Leistungsminderungen in der Grundsicherung für Arbeitsuchende durch Jobcentermitarbeitende aus der Beratung und Vermittlung. Dazu werden eine standardisierte Befragung und narrative Interviews mit Jobcentermitarbeitenden interpretativ-rekonstruktiv ausgewertet. Wir verstehen die Antworten der Jobcentermitarbeitenden in der standardisierten Befragung als kommunizierbares, zugängliches Wissen der Befragten. Demgegenüber bieten die Interviews einen Rahmen, in dem intensiver über den Untersuchungsgegenstand gesprochen wird, sodass die zugrunde liegenden Annahmen, Überzeugungen und Orientierungen – etwa im Sinne eines impliziten Wissens – rekonstruiert werden können. Die Kontrastierung dieser Deutungszuschreibungen offenbart Leistungsminderungen als Disziplinierungstechnik, die durch Verweise auf Termintreue im Jobcenter, die Notwendigkeit der Verhaltenssteuerung und den Schutzbedarf der „Redlichen“ legitimiert wird.
Schlagworte: Arbeitsvermittlung, Arbeitsmarktpolitik, Arbeitslosigkeit, Grundsicherung, Sanktionen, Sozialpolitik
Abstract
This article examines how public employment services staff interpret benefit sanctions in the German basic income support scheme. To this end, a standardised survey and narrative interviews with employment services staff are analysed interpretatively and reconstructively. While we understand the information provided in the survey as communicable, accessible knowledge of the respondents, the interviews represent an opportunity to discuss the subject of the study in greater depth and, on this basis, to reconstruct the underlying assumptions, beliefs and orientations – e. g. in the sense of implicit knowledge. Contrasting these interpretative attributions reveals that reductions in benefits are seen as a disciplinary technique legitimised by references to appointment attendance, the need to control behaviour, and the need to protect the “righteous”.