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WSI-Mitteilungen

Kleinknecht, Alfred / Naastepad, C.W.M. / Storm, Servaas / Vergeer, Robert : Schadet die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes der Innovation?

Ausgabe 04/2013

WSI-Mitteilungen 4/2013, Seiten 229-238

Zusammenfassung

Deregulierung von Arbeitsmärkten und Lohnzurückhaltung haben signifikant niedrigere Wachstumsraten der Arbeitsproduktivität zur Folge. Dieser Beitrag diskutiert theoretische Argumente, warum „starre“ Arbeitsmärkte für Innovationen nützlich sein können. Empirische Studien fundieren diese Argumente. Das Argument, dass größere Fluktuationen im Personalbestand schädlich sind für Innovationen und Lernprozesse, gilt vor allem für Betriebe mit einem „routinemäßigen“ Innovationsmodell. Diese Betriebe sind stark abhängig von historisch akkumulierter Kenntnis, wovon viel personengebunden und schlecht dokumentiert ist („tacit knowledge“). „Garage Business“-Betriebe wie etwa in Sillicon Valley brauchen mehr allgemein verfügbare Kenntnisse und haben damit viel weniger Probleme mit häufigerem Personalwechsel. Es ist interessant festzustellen, dass sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zwischen angelsächsischen Ländern (mit flexiblen Arbeitsmärkten) und korporatistischen Ländern (mit relativ rigiden Arbeitsmärkten) nur geringfügig unterscheidet. Außerdem gibt es Anlass, die Behauptung zu bezweifeln, dass „flexible“ Länder niedrigere Arbeitslosenzahlen hätten.

Abstract

Deregulation of labour markets and modest wage increases lead to significantly lower rates of labour productivity growth. In this paper theoretical arguments of why ‘rigid’ European labour markets can be useful for innovation are discussed. The arguments are supported by empirical evidence. The argument that high levels of labour turnover are damaging to innovation and learning may be particularly relevant to firms that operate under a Schumpeter II (‘routinized’) innovation model. Such firms are dependent on the historical accumulation of knowledge, much of that knowledge being person-specific and ‘tacit’ (i.e. ill-documented). Longer job durations are therefore favourable to innovation. Garage business enterprises (Schumpeter model I’) – as are found in Silicon Valley, however, instead use generally available knowledge and therefore have less problems with a higher rate of labour turnover. In conclusion, whether a flexible ‘hire & fire’ labour market is damaging to innovation also depends on the dominant innovation model in that sector. Finally, it is interesting to note that typical Anglo-Saxon countries do not seem to differ from typical ‘Rhineland’ countries (‘Old Europe’) in their long-run growth of GDP. It is also questionable whether the more flexible labour markets in Anglo-Saxon countries indeed result in lower unemployment.

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