Quelle: HBS
80 Jahre WSI: Forschung für gesellschaftlichen Fortschritt
Im Frühjahr 1946 wurde auf Initiative von Hans Böckler und Viktor Agartz eine „Planungs- und Forschungsstelle der Gewerkschaften“ gegründet, die kurze Zeit später in Wirtschaftswissenschaftliches Institut (WWI) und 1972 in Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) umbenannt wurde.
Runde Geburtstage, wie aktuell das 80. Jubiläum des WSI im Jahr 2026, sind immer ein besonderer Anlass, die eigene Arbeit zu reflektieren. In den auf dieser Seite verlinkten Beiträgen werden die Geschichte des WSI und die thematischen Schwerpunkte seiner Forschung skizziert: einmal als umfassender Rückblick von 1945 bis 2016 zum 70-jährigen Bestehen des Instituts, und einmal, indem die Weiterentwicklung des WSI in den letzten 10 Jahren von 2016 bis 2026 in den Blick genommen wird.
Zu Beginn standen für das WSI Themen im Mittelpunkt, die stark von der Nachkriegszeit geprägt waren. Durch den Wiederaufbau und die notwendige Neuordnung der deutschen Wirtschaft setzte sich das WSI für eine umfassende Mitbestimmung und eine grundlegende Demokratisierung der Wirtschaft ein. Es gehörte nach 1945 zu den zentralen Lehren aus dem Scheitern der Weimarer Republik und dem Sieg des deutschen Faschismus, dass zu einer politischen Demokratie auch eine soziale Demokratie mit einer demokratischen Wirtschaftsordnung gehören muss.
Damit hatte das WSI von Beginn an sein großes übergreifendes Thema, das das Institut im Laufe seiner Geschichte immer wieder beschäftigt hat und angesichts der vielfältigen Krisen der Gegenwart heute aktueller denn je erscheint. Im Kern geht es um die Frage, wie wirtschaftliche Macht so begrenzt werden kann, dass aus abhängig Beschäftigten ein „arbeitender Souverän“ (Honneth 2023) wird, der in der Lage ist, selbstbestimmt seine Arbeits- und Lebensverhältnisse zu gestalten. Dabei zielt die Forschung des WSI darauf, auf der Basis wissenschaftlicher Analysen konkrete Vorschläge zu erarbeiten, wie sich die Arbeitswelt weiterentwickeln, wie die Rechte von Arbeitnehmer*innen gestärkt werden, wie demokratische Erfahrungen am Arbeitsplatz gemacht werden und wie Arbeit in seinen Bezügen zu vielfältigen Arbeits- und Lebensformen gedacht werden könnten. Gerade in gegenwärtigen durch Polykrisen geprägten Zeiten wird auch weiterhin die Aufgabe des WSI sein, sich in Zukunft diesen Themen zu widmen und sie nach außen zu tragen.