Quelle: Zeynep Demir Aslim
Tanja Brumbauer/Sarah Mewes, 21.05.2026: Reichtum und Klimakrise: Können wir uns die Reichen noch leisten?
Klimaschädliche Emissionen gehen vor allem auf das Konto der Reichen – und die Folgen zulasten der ärmeren Bevölkerungsschichten. Warum es höhere Steuern auf Vermögen, Erbschaft oder Luxuskonsum braucht
Während sich im Januar viele noch im langsamen Jahresauftakt befanden, erstaunten die Nachrichten: Schon am 10. Januar 2026 hat das oberste 1% der globalen Einkommensverteilung nach den Berechnungen der britischen NGO Oxfam seinen fairen Anteil am jährlichen Treibhausbudget aufgebraucht (Oxfam 2026). Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass der sozial-ökologische Umbau unserer Wirtschaft ein Kraftakt ist, der eine Menge Geld kostet und für viele Menschen Existenzängste mit sich bringt: Arbeitnehmer*innen haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren und sich ihr Leben nicht mehr leisten zu können. Eine ökologische Lebensweise erscheint ihnen dabei als etwas, das der privilegierten Akademikermittelschicht vorbehalten ist. Die angespannte weltwirtschaftliche Lage verschärft die Situation zusätzlich (Wirtschaftswoche 2026).
Während die reichsten Mitglieder unserer Gesellschaft überproportional zur Verschärfung der Klimakrise beitragen (Oxfam 2025, Chancel 2022, Rehm 2025), bekommen die Lasten und Folgen der Krise vor allem die einkommensschwachen Teile der Bevölkerung zu spüren. Es ist demnach nicht verwunderlich, dass die öffentliche Debatte um den Zusammenhang von Klimakrise und Ungleichheit und die damit einhergehende Forderung nach Umverteilungsmaßnahmen wieder stärker wird (Bolten 2025, Mohren 2026, Krupa 2025).
Die Fragen, die wir in unserem Blogbeitrag beleuchten wollen, sind die folgenden: Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Ungleichheit und Klimakrise? Welche Umverteilungsmaßnahmen können dazu beitragen, dass wir unsere Klimaziele erreichen und einen sozial gerechten ökologischen Umbau unserer Wirtschaft verwirklichen?
Der ökologische Fußabdruck der Reichen und die stetige Verschärfung der Ungleichheit
Schon seit Jahren ist bekannt, dass die treibhausrelevanten Emissionen pro Land sehr ungleich verteilt sind. So gehen 60 Prozent der kumulierten Emissionen auf zehn Länder zurück. Die 100 Länder, die am wenigsten Emissionen ausgestoßen haben, kommen hingegen auf weniger als drei Prozent (Climate Watch 2026). Deutschland gehört absolut gesehen nicht zu den zehn größten Emittenten weltweit, sondern lag 2023 mit einem Ausstoß von 669 Millionen Tonnen auf Platz 12. Innerhalb Europas weist Deutschland aber die höchsten absoluten CO₂-Emissionen auf (Climate Watch 2026).
Internationale Klimapolitik versucht dem Ungleichgewicht mehr oder weniger erfolgreich durch verschiedene Ausgleichsmechanismen Rechnung zu tragen und die Länder mit den höchsten Emissionen in die Verantwortung zu ziehen.
Was aber bei dem Blick auf die Emissionen pro Land übersehen wird, ist, dass die Ungleichheit im Ausstoß der Treibhausgasemissionen nicht nur zwischen Ländern eklatant ist, sondern dass vor allem auch innerhalb aller Länder ein großes Missverhältnis vorzufinden ist. Hier spielt vor allem die Einkommens- und Vermögensverteilung eine Rolle. Fast egal auf welches Land man blickt, wird deutlich, dass die obersten Gruppen der länderinternen Einkommens- und Vermögensverteilung am meisten emittieren bzw. emittiert haben.
Dieses Thema gewinnt durch den Trend zu einer sich verschärfenden ökonomischen Ungleichheit innerhalb von Ländern an Bedeutung. Das liegt unter anderem daran, dass die Renditeeinnahmen auf Vermögen schneller wachsen als die Lohneinkommen (Piketty 2014). So zeigt Oxfam, dass vergangenes Jahr das Vermögen der Milliardär*innen weltweit um 16 Prozent zugenommen hat (Oxfam 2026) – während das Lohnwachstum nahezu stagniert. Im Ergebnis wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer. Wer dabei als “reich” gilt, ist gar nicht so einfach zu definieren: Oft wird nur das Einkommen betrachtet. Im Einkommens- und Reichtumsbericht der Bundesregierung wird als reich bezeichnet, wer zwei- bis dreimal so viel wie das Medianeinkommen verdient (BMAS 2025). Die Orientierung am Einkommen lässt aber die oben erwähnte Erkenntnis von Piketty außer Acht, dass sich die steigende soziale Ungleichheit vor allem aus den hohen Renditeeinnahmen auf Vermögen speist. Als reich bezeichnen wir im vorliegenden Artikel darum Menschen, die ohne Erwerbsarbeit, allein aus den Erträgen ihres Vermögens gut leben können. Das trifft bei 2-3 Millionen Euro Vermögen zu (Friedrichs 2024). Die Schwierigkeit liegt aber darin, dass sich Reichtum basierend auf Vermögen hierzulande kaum messen lässt, da es kein Vermögensregister gibt und alle Statistiken zu bestehenden Vermögen auf reinen Schätzungen aufbauen. Aus diesem Grund wird sehr oft auf Einkommen als Reichtumsmaß zurückgegriffen – denn dazu gibt es exakte Angaben. Oxfam veröffentlicht seit einigen Jahren wichtige Zahlen zu dieser steigenden Ungleichheit und bereitet regelmäßig Daten des Stockholm Environment Instituts zum Zusammenhang von Einkommen und CO2-Ausstoß im internationalen Vergleich sowie auf globaler Ebene auf.
Die Zahlen machen deutlich, wie immens die Unterschiede der Pro-Kopf-CO2-Emission zwischen den Einkommensgruppen sind. Abbildung 1 zeigt, dass die unteren 50 Prozent (3.270 USD pro Kopf und Jahr) weltweit für nur 0,8 Tonnen CO2 pro Jahr und Kopf verantwortlich sind, während das obere 0,1 Prozent (1.434.250 USD pro Kopf und Jahr) sogar 304,8 Tonnen pro Kopf und Jahr verantwortet (SEI 2026). Eine durchschnittliche Person der oberen 0,1 Prozent ist damit für 381-mal so viel CO2 verantwortlich wie eine durchschnittliche Person aus den unteren 50 Prozent.
Auch in Deutschland bestehen enorme Unterschiede zwischen den oberen und unteren Einkommensgruppen. Während im Jahr 2022 die unteren 50 Prozent (23.890 USD pro Kopf und Jahr) nur 5,9 Tonnen verantworteten, lagen die obersten 0,1 Prozent (880.160 USD Einkommen pro Kopf und Jahr) der deutschen Bevölkerung bei durchschnittlich 307 Tonnen pro Person und Jahr (SEI 2026).
Was in Abbildung 1 außerdem gut zu sehen ist: Da Deutschland im globalen Maßstab ein reiches Industrieland ist, sind die absoluten Werte für CO2-Emissionen in allen Einkommensgruppen höher. Das wird gerade bei den untersten 50 Prozent sichtbar, die in Deutschland 7-mal so viel verbrauchen wie weltweit. Die großen CO2–Verantwortlichen sind allerdings auch hierzulande die oberen Einkommensgruppen.
Sieht man sich die historisch kumulierten Emissionen auf einer globalen Ebene an (Abbildung 2), wird deutlich, dass sich die Ungleichheit des CO2-Ausstoßes zwischen den Einkommensgruppen seit 1990 eklatant verstärkt hat. Während die kumulierten Emissionen der unteren 50 Prozent zwischen 1990 und 2023 fast gar nicht bis nur sehr leicht gestiegen sind, ist sowohl bei den mittleren 40 Prozent als auch bei den oberen 10 Prozent bzw. 1 Prozent ein klarer Trend nach oben erkennbar. Damit verschärft sich die Ungleichheit der Emissionen seit den 1990ern immens: Die oberen 10 Prozent sind für 44 Prozent des CO2-Ausstoßes zwischen 1990 und 2023 verantwortlich (Oxfam 2025).
Oxfam analysiert den Ausstoß von Emissionen anhand der unterschiedlichen Einkommensgruppen. Auch wenn damit die Vermögen indirekt mitbetrachtet werden, weil die Rendite aus dem Vermögen als Einkommen in die Statistik fließt, ist es wichtig hervorzuheben, dass für einen umfassenden Eindruck der Blick auf Vermögen UND Einkommen relevant ist. Ansätze, die ausschließlich auf Einkommensdaten basieren, betrachten in der Regel konsumbezogene Emissionen. Es wird geschätzt, wie viele Emissionen auf den Konsum in einer Einkommensgruppe zurückgehen. Die Integration von Vermögen in die Analyse hat den Vorteil, dass damit auch die CO2- Emissionen berücksichtigt werden können, die durch Investitionen – z.B. das Eigentum an Unternehmen, Maschinen oder Immobilien – verursacht werden: Investiert ein Anleger sein Geld in ein fossiles Energieunternehmen, wären seine CO2-Emissionen in dieser Betrachtung höher, als wenn er Anteile erwerben würde, die einen Kindergarten finanzieren.
Da, wie schon erwähnt, genaue Zahlen zur Verteilung von Vermögen schwer verfügbar sind, liegen nur wenige aktuelle Statistiken vor. Es gibt jedoch erste wichtige Arbeiten von Wissenschaftler*innen, die empirische Annäherungen vornehmen.
So integriert Chancel neben Daten zu Einkommen auch Vermögensdaten und berücksichtigt damit neben konsumbezogenen Emissionen auch Emissionen, die Kapitalbesitz und Investitionen zugerechnet werden (Chancel 2022). Nimmt man seine Datensätze und berechnet damit zum Vergleich die globalen Durchschnittswerte der oberen 0,1 Prozent (425 t CO2 pro Person und Jahr), der nächsten 0,9 Prozent (65 t CO2 pro Person und Jahr) und der nächsten 9 Prozent (21 t CO2 pro Person und Jahr), wird ersichtlich, dass die Ungleichverteilung zwischen den verschiedenen Gruppen noch größer ist als bei einer Betrachtung des Zusammenhangs von Einkommen und CO2.
Doch auch wenn sich der Grad der Ungleichheit und die konkreten Zahlen je nach Betrachtungsweise unterscheiden, wird deutlich: Ökonomische Ungleichheit führt zu einer Ungleichheit in Emissionen – denn je reicher die Menschen, umso größer ihr ökologischer Fußabdruck. Die Gründe dafür liegen zum einen am ressourcenintensiven Lebensstandard, den viele Menschen – besonders aber Superreiche (darunter verstehen wir Milliardäre) und Reiche (Menschen, die von den Erträgen ihres Vermögens leben können) – pflegen. Erheblich ins Gewicht fallen hier Yachten und Privatjets, die sich unter den reichsten Bewohner*innen – in der Mehrheit männlich – dieser Erde einer großen, stetig wachsenden Beliebtheit erfreuen. So emittieren die 20 reichsten Milliardäre ca. 8000 Tonnen CO2 jährlich – 2/3 davon werden von ihren Yachten ausgestoßen (Wilk 2021). Zum anderen spielen die Investitionen in klimaschädliche Branchen eine Rolle. Die größten Renditen können auch heute noch in der fossilen Wirtschaft erzielt werden (Christophers 2022; Semienuik et al. 2025).
Die enorme Ungerechtigkeit, die mit der Ungleichheit der Emissionen zwischen armen und reichen Bevölkerungsteilen einhergeht, verstärkt sich, wenn man sich den folgenden Zusammenhang bewusst macht: Diejenigen, die am wenigsten zum globalen Klimawandel beitragen und am schlechtesten mit finanziellen Ressourcen ausgestattet sind, sind meist diejenigen, die am meisten unter Klimawandelfolgen zu leiden haben (IPCC 2022). Sie haben weniger Ressourcen, um sich anzupassen oder zu schützen (z.B. durch Anschaffung einer Klimaanlage) und sind häufiger gesundheitlich vorbelastet – sodass z.B. Hitzewellen bei ihnen körperlich stärker zu Buche schlagen (Palinkas et al. 2022, Borrell et al. 2006). Außerdem haben sie weniger Möglichkeiten, mit den Folgeschäden umzugehen (Osberghaus/Abeling 2022) – wie z.B. durch Extremwetter zerstörte Gebäude wieder aufzubauen. Gleichzeitig haben Menschen aus den unteren Einkommensgruppen auch politisch weniger Teilhabe (Spannagel 2025) und einen sehr viel geringeren Einfluss darauf, welche Politik gemacht wird, um dem Klimawandel und Ungleichheit Einhalt zu gebieten – insbesondere im Vergleich zu Reichen und Superreichen (Hagelüken 2026). Letztere können mit ihrem Geld durch gut ausgestattete Lobbyorganisationen und Parteispenden direkten politischen Einfluss ausüben.
Unumstritten ist: Wenn wir das im Rahmen des Pariser Klimaabkommens vereinbarte 1,5 Grad-Ziel langfristig noch einhalten wollen, brauchen wir eine drastische Reduktion der globalen CO2-Emissionen. Es ist zwar schwierig, einen eindeutigen Wert zu bestimmen, wieviel Tonnen CO2 pro Kopf und pro Jahr im Durchschnitt dafür noch ausgestoßen werden können, weil die Menge von der Entwicklung der Weltbevölkerung abhängig ist und davon, wie viele zusätzliche natürliche und technische Senken realisiert werden können (UBA 2026). Es kann aber nach aktuellem Stand des Wissens davon ausgegangen werden, dass wir maximal 1 t CO2 pro Person und Jahr erreichen müssen, um Netto-Null Emissionen zu erlangen (UBA 2026). Wie die weiter oben gezeigten Zahlen deutlich machen, sind wir davon sehr weit entfernt. In Deutschland müssen alle Einkommensgruppen ihren Fußabdruck deutlich reduzieren. Die Daten zeigen aber auch, dass aufgrund der Diskrepanzen zwischen den Einkommens- und Vermögensgruppen die Reichsten besonders zentral als Ansatzpunkt sind, um dem menschengemachten Klimawandel etwas entgegenzusetzen.
„We can´t afford the super rich“ („Wir können uns die Superreichen nicht leisten“) deklarieren Klimaaktivist*innen darum immer wieder in Protesten. Auch der Club of Rome hat in seinem neuesten Bericht konstatiert, dass Ungleichheit heute eines der zentralen Risiken für das Klima darstellt (Club of Rome und Wuppertal Institut 2024). Ihre Position ist deutlich: Die Klimakrise lässt sich nur lösen, wenn die Ungleichheit reduziert wird. Doch wie lässt sich das umsetzen?
Umverteilungsmaßnahmen für einen sozial gerechten ökologischen Umbau unserer Wirtschaft
Eine wichtige politische Maßnahme ist die Besteuerung von Reichen. Sie ist in Deutschland und Europa seit einiger Zeit wieder stärkerer Teil des öffentlichen politischen Diskurses geworden (vgl. Rebhandl 2026, DLF 2026, Vieweger 2026). So fand im November 2025 in der Schweiz eine (leider gescheiterte) Volksabstimmung statt, die darauf abzielte, Erbschaften über 50 Millionen Franken mit 50 Prozent zu besteuern und das dadurch eingenommene Geld für eine sozial gerechte Bekämpfung der Klimakrise zu nutzen (Rigendinger 2025). Auch die deutschen Gewerkschaften äußern sich immer wieder mit Nachdruck zu Steuergerechtigkeitsfragen und setzen sich für eine höhere Besteuerung von hohen Vermögen und Reichen ein (DGB 2026) – wenn auch nur mit indirektem Bezug zum klimaneutralen Umbau.
Die wohl am prominentesten diskutierte Maßnahme ist die Einführung einer Vermögensteuer. Hier werden fiktive Renditewerte des Vermögens gebildet und diese entsprechend besteuert – in dem Fall, dass keine laufenden Erträge aus Renditen vorhanden sind, kann dies zu einer Reduzierung der Vermögenssubstanz (Bach et al. 2026) und dementsprechend zu einer Verringerung der ökonomischen Ungleichheit führen. Da sich an der Höhe des bemessenen Renditewerts (d.h. dem letztendlichen Steuersatz) entscheidet, ob die Vermögenskonzentration nur verlangsamt wird oder ob die Ungleichheit in Bezug auf Vermögen wirklich abnimmt, scheiden sich hier die Geister. Aktuell diskutiert werden Konzepte, die eine Vermögenssteuer von wenigen Prozent fordern, wie z.B. der französische Ökonom Gabriel Zucman, der aufgrund von politischer Machbarkeit und Rückhalt in der Bevölkerung auf eine zweiprozentige Besteuerung von Vermögen ab 100 Millionen Euro setzt (Zucman 2026). Ähnliche Vorschläge liegen beispielsweise von der britischen NGO Oxfam (Oxfam 2026) oder in Deutschland von der Partei Die Linke (Bach 2026) vor. Laut Berechnungen von Oxfam hat sich aber das Vermögen der weltweiten Milliardär*innen 2025 um 16,2 Prozent erhöht (in Deutschland sogar um 30 Prozent) (Oxfam 2026). Wenn man dem Trend zur Vermögenskonzentration bei Milliardär*innen Einhalt gebieten oder ihn sogar umkehren will, müsste eine Vermögensteuer also noch deutlich höher ausfallen.
Ebenfalls wichtig, um Vermögenskonzentration anzugehen, ist eine Reform der Erbschaftsteuer. Hier gibt es in Deutschland aktuell immer noch große Lücken durch die Ausnahmen für Betriebsvermögen, die dazu führen, dass besonders reiche Menschen keine oder sehr wenig Erbschaftsteuer auf geerbtes Betriebsvermögen zahlen, denn bei Vererbungen von Betriebsvermögen von bis zu 26 Millionen Euro ist unter bestimmten Voraussetzungen – die Bewahrung der Arbeitsplätze für eine bestimmte Zeit bei einer Mindestlohnsumme – eine Steuerbefreiung von bis zu 100 Prozent möglich (Dennerlein 2018). Dies führte dazu, dass zwischen 2009 bis 2020 mindestens 409 Millionen Euro Betriebsvermögen steuerfrei vererbt oder verschenkt wurden (Jirmann 2022). Da vor allem sehr reiche Menschen ihr Vermögen in Form von Betriebsvermögen halten, werden diese steuerlich bevorteilt. Die Sorge um die Liquidität von Unternehmenserben bei hohen Erbschaftssteuern ist unbegründet. Durch Stundungen oder Verrentungen kann die zusätzliche Steuerlast über zehn bis fünfzehn Jahre aus laufenden Erträgen getragen werden (Fratzscher 2025). Abseits der Ausnahmen beim Erbe von Unternehmensvermögen bieten auch komplizierte Konstruktionen mit separat dafür gegründeten Familienstiftungen legale Schlupflöcher für Vermögende – mit großen Verlusten für den Staat (Trautvetter/Ötsch/Henn 2018).
Auch wenn die Vermögensteuer und eine Reform der Erbschaftsteuer wichtige Maßnahmen wären, bräuchte es aus Sicht des Klimaschutzes noch weitergehende steuerpolitische Veränderungen. Dazu gehören unter anderem Maßnahmen, die direkt bei der Verursachung ansetzen, wie beispielsweise eine höhere Besteuerung von Luxuskonsum (Oswald et al. 2023). Das würde den exzessiven Lebensstil, den viele vermögende Menschen heute pflegen, weiter verteuern und den Statuskonsum – der Konsum zur Demonstration der sozialen Klasse – aller Bevölkerungsgruppen reduzieren. Es ist allerdings schwer vorstellbar, dass sich über Steuern allein das Konsumverhalten der Reichen und Superreichen ändert. Sie sind kaum preissensitiv, d.h. steigende Preise haben wenig Einfluss auf ihren Konsum. Um einen positiven Effekt auf das Klima zu erwirken, müsste man also noch einen Schritt weitergehen und beispielsweise jährliche Emissionsbudgets festlegen oder gar Verbote von besonders klimaschädlichem Konsum oder Produktion, wie beispielsweise von Yachten und Privatjets, festlegen.
Höhere Steuern auf Vermögen, Erbschaft oder Luxuskonsum hätten im Vergleich zur Beschränkung der Emissionen der Reichen und Superreiche durch Budgets aber noch einen anderen Vorteil: Sie könnten die dringend benötigten Gelder für die Finanzierung einer gerechten Transformation generieren. Denn ob Klimageld, Subventionen für den Umbau der Industrie, Umschulungen für Beschäftigte in Industrien im Umbruch oder der Ausbau einer ökologischen Daseinsvorsorge wie eines bezahlbaren nachhaltigen Mobilitätssystems mit fairen Löhnen: In vielen Bereichen, sind staatliche Intervention und Investitionen notwendig, um den ökologischen Umbau gerecht zu gestalten.
Was der Blick auf die Statistiken aber auch zeigt: Dauerhaft wird es klimatechnisch nicht ausreichen, wenn wir uns auf die Reichen und Superreichen konzentrieren. In den einkommensstärksten Ländern liegen auch die untersten 50 Prozent weit über einem CO2-Verbrauch von einer Tonne pro Jahr. Um dies soweit zu reduzieren, braucht es einen weitreichenden Umbau unserer Wirtschaft und Gesellschaft durch den Aufbau von sozial-ökologischen Infrastrukturen – und damit verbunden ein neues Wohlstandsverständnis, das auf die Erfüllung von Grundbedürfnissen für alle ausgerichtet ist (Hickel 2023, Raworth 2023). Auch hierfür braucht es die Einnahmen aus der Besteuerung von Reichen.
Die Blogserie ist eine Zusammenarbeit zwischen dem WSI und dem Next Economy Lab (NELA). Das WSI-Herbstforum 2025 hat sich unter dem Titel „Krisen, Kämpfe, Lösungen: Transformationskonflikte im sozial-ökologischen Wandel“ dem Thema ebenfalls gewidmet. Bei NELA entsteht diese Reihe im Rahmen des Projektes „Team soziale Klimawende“, in dem Gewerkschaftsmitglieder aus IG Metall und ver.di in einer übergewerkschaftlichen Fortbildungsreihe zu Transformationspromotor*innen ausgebildet werden. Sie lernen die soziale Klimawende vor Ort und in ihren Betrieben selbst mitzugestalten, Unterstützer*innen zu gewinnen und Widerständen aktiv zu begegnen. Das Projekt wird von der Mercator Stiftung unterstützt.
Die Beiträge der Serie
- Neva Löw/Sarah Mewes/Magdalena Polloczek: Konflikte um eine sozial gerechte Klimawende (08.10.2025)
- Markus Wissen: Transformationskonflikte und globale Klimagerechtigkeit (09.10.2025)
- Neva Löw/Maximilian Pichl: Wie Klimakrise und globale Migration miteinander verbunden sind (13.10.2025)
- Silke Bothfeld/Peter Bleses: Gleichstellung im Arbeitsmarkt – Welche Herausforderungen bringt die ökologische Transformation? (21.10.2025)
- Marischa Fast/Stefanie Bühn/Johanna Weis: Gesundheitsschutz im Kontext der Klima- und Umweltkrisen – ein Thema für die Arbeitswelt (27.11.2025)
- Rahel Weier/Miriam Rehm/Neva Löw: Wie Gendereinstellungen Klimasorgen prägen (29.01.2026)
- Marian Jacobs: Wärme als öffentliche Aufgabe (16.04.2026)
- Indira Dupuis: Gleichstellung mit zukunftsorientierter Weiterbildung in der Chemie- und Pharmabranche (07.05.2026)
- Tanja Brumbauer/Sarah Mewes: Reichtum und Klimakrise: Können wir uns die Reichen noch leisten? (21.05.2026)
weitere Beiträge in Vorbereitung
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Autorinnen
Tanja Brumbauer ist Ökonomin, Mitgründerin des NELA Next Economy Labs und Projektkoordination von „Team Soziale Klimawende – Engagierte Gewerkschaftsmitglieder gestalten sozial-ökologische Zukunft“.
Sarah Mewes ist Nachhaltigkeitsökonomin, Mediatorin und Mitgründerin des NELA Next Economy Labs.