Quelle: WSI
Michael Simon, 21.04.2026: Gibt es in deutschen Krankenhäusern im internationalen Vergleich viel Pflegepersonal?
In Deutschland seien Krankenhäuser überdurchschnittlich gut mit Pflegekräften besetzt, heißt es oft. Dabei wird jedoch häufig auf das Pflegepersonal im gesamten Gesundheitswesen Bezug genommen – und damit der Vergleich verfälscht.
Die Situation des Pflegepersonals in Krankenhäusern ist seit langem immer wieder Gegenstand der medialen Berichterstattung und gesundheitspolitischen Diskussion. Dabei wird von Seiten des Pflegepersonals, der Pflegeverbände und Gewerkschaften in vielen Bereichen Unterbesetzung und chronische Arbeitsüberlastung kritisiert und eine Verbesserung der Personalbesetzung gefordert.
Andere Akteure halten der Forderung nach mehr Pflegepersonal in Krankenhäusern allerdings entgegen, dass dazu keine Notwendigkeit bestehe, denn es gebe pro Kopf der Bevölkerung in deutschen Krankenhäusern im internationalen Vergleich viel Pflegepersonal (vgl. u.a. Busse 2020; Leber 2019; Stoff-Ahnis/Leber 2021). Die Argumentation dieser Akteure baut allerdings auf einer falschen Kennzahl auf. Verwendet wird nicht die Zahl des Pflegepersonals in Krankenhäusern, sondern die des Pflegepersonals in allen Bereichen des Gesundheitswesens. Dennoch wurde daraus ein gesundheitspolitisches Narrativ, eine Erzählung, die in den letzten Jahren sowohl in gesundheitspolitischen Diskussionen als auch in der medialen Berichterstattung Verbreitung fand.
Im Folgenden soll anhand von Daten der OECD der Frage nachgegangen werden, ob es im internationalen Vergleich tatsächlich vergleichsweise viele Pflegekräfte in deutschen Krankenhäusern gibt.
Das Narrativ vom vielen Pflegepersonal in deutschen Krankenhäusern
Die Behauptung, es gebe in Deutschland im internationalen Vergleich pro Kopf der Bevölkerung überdurchschnittlich viel Pflegepersonal in Krankenhäusern, wurde erstmals 2016 in die gesundheitspolitische Diskussion eingebracht, allerdings ohne Nennung konkreter Zahlen (Busse et al. 2016: 14).
Im darauffolgenden Jahr wurden Daten publiziert, mit denen die These von einer überdurchschnittlichen Ausstattung deutscher Krankenhäuser mit Pflegepersonal belegt werden sollte. In einem von der OECD und einem europäischen Institut der WHO erstellten Länderprofil für Deutschland findet sich im Abschnitt zur Krankenhausversorgung die Feststellung, Deutschland weise eine „hohe und steigende Zahl an Ärzten und Krankenpflegern auf“ und deren Zahl liege im Verhältnis zur Bevölkerung „weit über dem EU-Durchschnitt“ (OECD/European Observatory 2017: 7).
Als Beweis wurden in einer Grafik Daten verschiedener EU-Staaten zur Zahl der Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte und pro 1.000 Einwohner präsentiert (ebd.). Bei genauerer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass es sich nicht um Daten zur Zahl des Personals in Krankenhäuser handelt, sondern vielmehr um die Gesamtzahl aller praktizierenden Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte in allen Bereichen des Gesundheitswesens. Sie schließen folglich auch das Personal in Arztpraxen, Pflegeheimen, ambulanten Pflegeeinrichtungen etc. ein. Aus diesen Daten kann somit keine Aussage zur Zahl des Pflegepersonals in Krankenhäusern abgeleitet werden. Dennoch fanden die in dieser Studie enthaltenen Aussagen und Behauptungen Eingang in die deutsche Diskussion (vgl. u.a. Busse 2018; Busse 2020; GKV-SV 2018; Lauterbach 2022; Stoff-Ahnis/Leber 2021).
Dabei wird vielfach wie folgt vorgegangen: In einem Text oder einem Vortrag zur Krankenhausversorgung wird behauptet, es gebe in deutschen Krankenhäusern im internationalen Vergleich pro Kopf der Bevölkerung überdurchschnittlich viel Pflegepersonal. Als Beweis werden in einer Grafik Daten der OECD oder von Eurostat gezeigt, die für Deutschland die Zahl von 12 oder 13 Pflegekräften (Beschäftigten) pro 1.000 Einwohner ausweisen.
Da die Zahl im Zusammenhang mit einer Aussage über die Ausstattung von Krankenhäusern mit Pflegepersonal genannt wird, ist es für die Leserinnen und Leser bzw. Zuhörerinnen und Zuhörer naheliegend anzunehmen, dass es sich bei der Kennzahl um die Zahl der Pflegekräfte in Krankenhäusern handelt. Dies ist jedoch nicht der Fall. Das kann man allerdings nur feststellen, wenn man die genannte Zahl mit den Daten der OECD abgleicht. Dabei wird man feststellen, dass es sich bei dem Wert von 12 oder 13 nicht um die Zahl der Pflegekräfte in Krankenhäusern handelt, sondern um die Zahl aller Pflegekräfte in allen Bereichen des Gesundheitswesens.
Dieser argumentative ‚Kunstgriff‘ war bislang sehr erfolgreich, denn wer macht sich schon die Mühe, die genannte Zahl anhand der OECD-Daten zu überprüfen. Auch Journalistinnen und Journalisten, deren Aufgabe eigentlich die Prüfung des Wahrheitsgehaltes solcher Behauptungen wäre, haben das Narrativ und diese Kennzahl vielfach übernommen und weiterverbreitet (so bspw. Balzter 2026; Bublies/Grabbe 2023; Hassenkamp 2023).
Nachfolgend wird darauf eingegangen, welche Daten der OECD zur Besetzung der Krankenhäuser mit Pflegepersonal verfügbar sind und wie viel Pflegepersonal in deutschen Kliniken im Vergleich zu anderen Ländern tätig ist.
Daten der OECD als Grundlage für einen internationalen Vergleich
Für den internationalen Vergleich von Gesundheitssystemen werden üblicherweise Daten zweier Institutionen verwendet: die Gesundheitsdaten der OECD und die Daten von Eurostat, der Statistikbehörde der Europäischen Union (EU). Beide Institutionen beziehen ihre Daten von den Statistikbehörden ihrer Mitgliedsstaaten und stellen aufbereitete Daten auf ihren Internetseiten zur Verfügung. Da die Daten aus denselben Quellen stammen, sind sie für die Staaten der EU in der Regel auch identisch. Hier werden nachfolgend Daten der OECD genutzt, um auch die USA und Australien einbeziehen zu können.
Für den Vergleich der Besetzung von Krankenhäusern mit Pflegepersonal stellt die OECD Daten zu mehreren Kennzahlen zur Verfügung, darunter auch die Zahl des Pflegepersonals in Krankenhäusern pro Kopf der Bevölkerung. Deren Zahl ist als Anzahl der Beschäftigten (Personen) und als Zahl der Vollzeitäquivalente (VZÄ) verfügbar. Bei der Ermittlung der Zahl der VZÄ werden Teilzeitbeschäftigte mit ihrem jeweiligen Anteil an der Arbeitszeit einer Vollzeitbeschäftigung berücksichtigt.
Da sich die Teilzeitquoten des Pflegepersonals international unterscheiden, ist die Zahl der VZÄ für Vergleiche aussagekräftiger und besser geeignet als die Beschäftigtenzahl (Personen). Dies gilt in besonderem Maße für einen Vergleich der Personalbesetzung deutscher Krankenhäuser mit denen anderer Länder, da die Teilzeitquote im Pflegedienst deutscher Krankenhäuser mit über 50 Prozent vergleichsweise hoch ist. Für die nachfolgenden Vergleiche wurde darum die Kennzahl „Vollzeitäquivalente pro 1.000 Einwohner“ verwendet.
Verglichen werden die Werte einer Reihe von Ländern, die für einen Vergleich als geeignet erscheinen. Im Fall der Besetzung von Krankenhäusern mit Pflegepersonal können insbesondere die USA, Großbritannien und Australien sowie die nordeuropäischen Staaten und die Schweiz als geeignet gelten. In diesen Staaten ist der Prozess der Professionalisierung der Pflege im internationalen Vergleich weit vorangeschritten. Die USA und Australien sind darüber hinaus in besonderem Maße für einen Vergleich der Personalbesetzung im Pflegedienst der Krankenhäuser geeignet, weil sie mit ihren Modellen einer staatlichen Regulierung der Personalbesetzung im Pflegedienst der Krankenhäuser international beachtete Maßstäbe gesetzt haben (Simon/Mehmecke 2017).
Dänemark und die Schweiz sind aus deutscher Sicht auch insofern von Interesse, als sich die 2004 beschlossene Reform des deutschen Krankenhaussystems explizit an diesen beiden Ländern orientiert. Das dänische Krankenhaussystem, mit starker Zentralisierung und deutlich weniger Krankenhäusern und Betten als in Deutschland, diente in der deutschen Diskussion als Vorbild für die angestrebte Neustrukturierung der Krankenhausversorgung. Die im Rahmen der Reform von 2004 beschlossene Einführung von Leistungsgruppen mit Qualitätsanforderungen an Krankenhäuser, zu denen insbesondere auch Personalbesetzungsstandards gehören, hat das Schweizer Leistungsgruppensystem zum Vorbild.
Da für einige Kennzahlen und Jahre nicht für alle Länder Daten vorliegen, konnten nicht immer alle genannten Länder in den Vergleich einbezogen werden.
Erläuterungen zu den OECD-Daten
Die OECD stellt Daten für drei Gruppen von Pflegekräften in Krankenhäusern zur Verfügung: „professional nurses“, „midwives“ und „associate professional nurses“ (OECD 2026). In der Statistik werden die ersten beiden Gruppen zu einer Gruppe „professional nurses and midwives“ zusammengefasst. Der hier verwendete Begriff „Pflegepersonal“ schließt „professional nurses and midwives“ und „associate professional nurses“ ein.
Die von der OECD verwendeten Gruppenbezeichnungen sind, außer im Fall der „midwives“, selbst keine eigenständigen Berufsbezeichnungen, sondern Sammelbegriffe für Gruppen von Pflegeberufen, die dazu dienen, die Vielfalt unterschiedlicher Pflegeberufe und Qualifikationsstrukturen der verschiedenen Länder in einem einheitlichen Klassifikationsschema zusammenzuführen und dadurch vergleichbar zu machen. Die von der OECD verwendeten Definitionen folgen der „International Standard Classification of Occupations“ (ISCO), einem von der „International Labour Organisation“ (ILO) herausgegebenen Klassifikationsschema für Berufe (zu Erläuterungen und der deutschen Version vgl. BIBB 2026).
Zu den „professional nurses“ rechnet die OECD Pflegefachkräfte, die die Verantwortung für die Planung und Durchführung der Patientenversorgung, einschließlich der Überwachung anderer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen übernehmen, und dabei selbstständig oder in Teams mit Ärztinnen und Ärzten und anderen Fachkräften bei der praktischen Anwendung präventiver und kurativer Maßnahmen arbeiten (OECD 2025b). Die Definition von „midwives“ entspricht dem deutschen „Hebammen“.
Zu den „associate professional nurses“ rechnet die OECD Assistenz-Pflegefachkräfte, die unter Aufsicht von Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachkräften und anderen Gesundheitsfachkräften tätig sind und diese bei der Festlegung von Gesundheits-, Behandlungs- und Überweisungsplänen und deren Umsetzung unterstützen (OECD 2025a).
Welcher Pflegeberuf in welchem Land welcher Gruppe zugeordnet wird, ist den länderspezifischen Informationen der OECD zu entnehmen (OECD 2025a, 2025b).
OECD-Daten zeigen: Deutschland hat eine vergleichsweise geringe Ausstattung der Krankenhäuser mit Pflegepersonal
Betrachtet man die Zusammenstellung verfügbarer Daten der in den Vergleich einbezogenen Länder, zeigt sich, dass gemessen in Vollzeitäquivalenten pro 1.000 Einwohner deutsche Krankenhäuser mit deutlich weniger Pflegepersonal besetzt sind als Krankenhäuser in den anderen in den Vergleich einbezogenen Ländern (Abb. 1). Während 2022/2023 in Großbritannien in Krankenhäusern 7,56 VZÄ pro 1.000 Einwohner tätig waren, in Norwegen 7,41 VZÄ, in Australien 7,16, in den USA 7,14, in der Schweiz 7,1 und in Dänemark 6,2, waren es in Deutschland lediglich 4,97 VZÄ.
Die Ausstattung der Krankenhäuser mit Pflegepersonal lag 2022/2023 somit gemessen in VZÄ pro 1.000 Einwohner in Großbritannien und Norwegen um etwa 50 Prozent, in Australien und der Schweiz um mehr als 40 Prozent und in Dänemark um knapp 25 Prozent über der Personalbesetzung deutscher Krankenhäuser.
Rechnet man die prozentualen Differenzen in Vollzeitäquivalente um, werden die quantitativen Dimensionen der Unterschiede deutlich. Laut OECD waren in deutschen Krankenhäusern 2023 etwa 414.000 Pflegekräfte tätig. Um die Besetzung auf das Niveau Großbritanniens anzuheben, wären folglich ca. 200.000 zusätzliche VZÄ notwendig, für das Niveau Australiens oder der Schweiz ca. 160.000 und zur Erreichung des Besetzungsniveaus dänischer Kliniken ca. 100.000 VZÄ.
Weniger Pflegepersonal – das mehr Fälle versorgen muss
Im internationalen Vergleich gibt es nicht nur Unterschiede bei der Zahl des Pflegepersonals in Krankenhäusern pro Kopf der Bevölkerung, sondern zudem auch deutliche Unterschiede bei der Zahl der stationären Krankenhausfälle. Deutschland liegt seit langem bei der Fallzahl weit über den Werten anderer Länder. Dies zeigt sich auch im Vergleich zu den hier einbezogenen Ländern. Während 2022/2023 in Dänemark ca. 130 stationäre Fälle pro 1.000 Einwohner versorgt wurden, in Norwegen ca. 146 und in Australien ca. 175, waren es in Deutschland 221 (Abb. 2).
In deutschen Krankenhäusern gibt es somit pro Kopf der Bevölkerung nicht nur weniger Pflegepersonal, das vorhandene Pflegepersonal muss auch mehr stationäre Fälle versorgen.
Dies zeigt sich nicht nur bezogen auf die Gesamtzahl des Pflegepersonals, sondern auch bei der Umrechnung auf ein Vollzeitäquivalent (Abb. 3). Das Krankenhauspflegepersonal in Deutschland hat 2023 pro Vollzeitäquivalent und Jahr 44,4 Fälle versorgt. Das waren mehr als doppelt so viele Fälle wie in Norwegen (19,9) und Dänemark (20,7) und fast doppelt so viel wie in der Schweiz (23,1).
Pflegepersonal und Patientengesundheit
Es bleibt noch, auf die Bedeutung der Personalbesetzung des Pflegedienstes der Krankenhäuser für die Patientengesundheit hinzuweisen. Eine hohe Arbeitsbelastung des Pflegepersonals ist von erheblicher Relevanz für die Gesundheit der Krankenhauspatientinnen und -patienten. Eine Vielzahl internationaler Studien wurde in den letzten Jahrzehnten dazu durchgeführt. Bereits seit langem gilt als hinreichend bewiesen, dass eine unzureichende Personalbesetzung der Pflege im Krankenhaus das Risiko für Patientinnen und Patienten erhöht, eine schwere Komplikation zu erleiden und schlimmstenfalls daran zu versterben (vgl. u.a. Griffiths et al. 2014; Kane et al. 2007).
Personalbedarfsermittlung statt Daten des internationalen Vergleichs
Bei all den hier vorgestellten Zahlen ist zu beachten, dass sich Gesundheitssysteme in vielfältiger Weise unterscheiden und folglich auch die Krankenhausversorgung in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich organisiert ist. Insofern ist bei der Interpretation von Daten der OECD oder von Eurostat immer Vorsicht geboten.
Insbesondere ist zu bedenken, dass die Daten der OECD und von Eurostat keine Auskunft darüber geben, ob die personelle Ausstattung eines Gesundheitswesens insgesamt oder eines Teilbereichs wie der pflegerischen Versorgung in Krankenhäusern bedarfsgerecht, zu niedrig oder unnötig hoch ist. Die Daten internationaler Organisationen wie der OECD bilden – bestenfalls – die Ist-Besetzung korrekt ab, mehr nicht.
Ob die Ist-Besetzung im Pflegedienst der Krankenhäuser zur Deckung des Pflegebedarfs ausreichend, zu gering oder unnötig hoch ist, lässt sich nur feststellen, wenn auf Grundlage des Pflegebedarfs der Patientinnen und Patienten eine Personalbedarfsermittlung durchgeführt und die so ermittelte Soll-Besetzung der Ist-Besetzung gegenübergestellt wird. Wenn eine solche Personalbedarfsermittlung für jedes Krankenhaus eines Landes durchgeführt wird, kann auf dieser Datenbasis auch der landesweite Personalbedarf berechnet werden.
Sofern international überhaupt landesweite Verfahren der Personalbedarfsermittlung für den Pflegedienst der Krankenhäuser durchgeführt werden, liegen deren Ergebnisse in den OECD-Daten nicht vor. Auch für Deutschland sind bislang keine Daten zum deutschlandweiten Personalbedarf im Pflegedienst der Krankenhäuser verfügbar.
Allerdings befindet sich gegenwärtig ein von allen zugelassenen Krankenhäusern anzuwendendes Verfahren der Personalbedarfsermittlung im Pflegedienst der Krankenhäuser in der Einführung. Grundlage ist die 2024 in Kraft getretene Pflegepersonalbemessungsverordnung (PPBV). Erste Daten sind Ende 2026 für das Jahr 2025 zu erwarten (§ 8 Abs. 2 PPBV).
Erst wenn diese Daten vorliegen, wird man auf einer fachlich anerkannten Grundlage die Frage diskutieren und beantworten können, ob es im Pflegedienst deutscher Krankenhäuser insgesamt ausreichend, zu wenig oder unnötig viel Pflegepersonal gibt. Bis dahin kann der Blick auf Daten anderer Länder informativ und interessant sein. Die Frage nach der Bedarfsgerechtigkeit der Personalausstattung deutscher Krankenhäuser beantworten helfen kann er nicht.
Wenn Daten des internationalen Vergleichs genutzt und in Argumentationen verwendet werden, dann sollten es auch die richtigen Kennzahlen sein. Deshalb hat zu gelten: Wenn man über die Personalbesetzung der Krankenhäuser mit Pflegepersonal redet oder schreibt und auf Daten des internationalen Vergleichs verweist, dann sollte es sich auch um Daten zur Zahl des Pflegepersonals in Krankenhäusern handeln und nicht – wie in dem oben kritisierten Narrativ – um Daten des Pflegepersonals im gesamten Gesundheitssystem.
Literatur
Balzter, Sebastian (2026): „Wir vergeuden viel Geld und Personal in der Pflege“. Interview mit dem Gewerkschafter Marcus Jogerst-Ratzka. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.02.2026, S. 19.
BIBB, Bundesinstitut für Berufsbildung (2026): International Standard Classification of Occupations 2008 (ISCO-08). Online verfügbar unter: https://metadaten.bibb.de/.
Bublies, Pia; Grabbe, Hanna (2023): Vor der Operation. In: DIE ZEIT, 29.06.2023, S. 42.
Busse, Reinhard (2018): Im Gespräch. Reinhard Busse, Professor für Management im Gesundeitswesen an der TU Berlin. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2018, S. 19.
Busse, Reinhard (2020): „Debatte nicht der Pandemie opfern“. Interview mit Reinhard Busse. Tagesspiegel Online vom 04.05.2020.
Busse, Reinhard; Ganten, Detlev; Huster, Stefan; Reinhardt, Erich R.; Suttorp, Norbert; Wiesing, Urban (2016): Zum Verhältnis von Medizin und Ökonomie im deutschen Gesundheitssystem. 8 Thesen zur Weiterentwicklung zum Wohle der Patienten und der Gesellschaft Zum Verhältnis von Medizin und Ökonomie im deutschen Gesundheitssystem. Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften. Diskussionspapier Nr. 7. Berlin: Leopoldina, S. 11-16.
GKV-SV, GKV-Spitzenverband (2018): Pflegepersonal-Stärkungsgesetz bringt Verbesserungen – zentrale Punkte fehlen aber. Pressemitteilung vom 10.10.2018. Berlin: GKV-Spitzenverband.
Griffiths, Peter; Ball, Jane; Drennan, Jonathan; James, Liz; Jones, Jeremy; Recio, Alejandra; Simon, Michael (2014): The association between patient safety outcomes and nurse/healthcare assistant skill mix and staffing levels and factors that may influence staffing requirements. GB. University of Southampton. Online verfügbar unter: https://eprints.soton.ac.uk/.
Hassenkamp, Milena (2023): Notfall Krankenhaus. In: Der Spiegel, Jg. 76, Heft 6, S. 32-34.
Kane, Robert L.; Shamliyan, Tatyana; Mueller, Christine; Duval, Sue; Wilt, Timothy J. (2007): Nurse Staffing and Quality of Patient Care. Evidence Report/Technology Assessment Number 151. Prepared for: Agency for Healthcare Research and Quality, U.S. Department of Health and Human Services. Online verfügbar unter: http://www.protectmasspatients.org/.
Lauterbach, Karl W. (2022): Prof. Karl Lauterbach zu den Reformvorschlägen der Regierungskommission Krankenhausversorgung. Video-Aufzeichnung der Bundespressekonferenz vom 6. Dezember 2022. YouTube-Kanal des Bundesministeriums für Gesundheit. Online verfügbar unter: https://www.youtube.com/.
Leber, Wulf-Dietrich (2019): DRGs ohne Pflege aus Sicht der Krankenkassen. Vortrag im Rahmen der Reihe „Gesundheitsökonomische Gespräche“. Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft, Ludwigshafen 25.10.2019. Online verfügbar unter: https://www.hwg-lu.de/.
OECD, Organisation for Economic Co-Operation and Development (2025a): OECD Health Statistics 2025. Definitions, Sources and Methods. Associate professional nurses (ISCO-08 code: 3221). Online verfügbar unter: http://stats.oecd.org/.
OECD, Organisation for Economic Co-Operation and Development (2025b): OECD Health Statistics 2025. Definitions, Sources and Methods. Professional nurses (ISCO-08 code: 2221). Online verfügbar unter: http://stats.oecd.org/.
OECD, Organisation for Economic Co-Operation and Development (2026): Hospital employment. Online verfügbar unter: https://data-explorer.oecd.org/.
OECD, Organisation for Economic Co-Operation and Development; European Observatory, European Observatory on Health Systems and Policies (2017): Deutschland. Länderprofil Gesundheit 2017. Online verfügbar unter: https://www.oecd.org/.
Simon, Michael; Mehmecke, Sandra (2017): Nurse-to-Patient Ratios. Ein internationaler Überblick über staatliche Vorgaben zu einer Mindestbesetzung im Pflegedienst der Krankenhäuser. Working Paper der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung, Nr. 27, Februar 2017. Online verfügbar unter: https://www.boeckler.de/.
Stoff-Ahnis, Stefanie; Leber, Wulf-Dietrich (2021): Drei Säulen für gute Pflege im Krankenhaus. Folienpräsentation zur Pressekonferenz des GKV-Spitzenverbandes vom 26.08.2021. Online verfügbar unter: https://www.gkv-spitzenverband.de/.
Letzter Abruf der Online-Quellen: 24.03.2026.
Zurück zum WSI-Blog Work on Progress
Die Beiträge der Serie
- Florian Blank/Jutta Schmitz-Kießler/Eike Windscheid-Profeta: Mythen der Sozialpolitik: Eine Blogserie (30.07.2024)
- Camille Logeay/Florian Blank: Das Generationenkapital – alle profitieren? (30.07.2024)
- Jennifer Eckhardt: Von wegen Hängematte: Zur Unzugänglichkeit von Sozialleistungen (01.08.2024)
- Dagmar Pattloch: Das Zugangsalter in die Rente der Deutschen Rentenversicherung Bund. Eine Richtigstellung (08.08.2024)
- Johannes Geyer: Die Grundrente: Was ist das eigentlich? (15.08.2024)
- Eileen Peters/Yvonne Lott: Die unbezahlte Doppelbelastung: Warum Frauen nicht noch mehr arbeiten können (22.08.2024)
- Jutta Schmitz-Kießler: Hartnäckig, aber falsch: Die Kritik an der Bürgergelderhöhung (30.08.2024)
- Eike Windscheid-Profeta: Jung, faul, wehleidig: Hat die „Gen Z“ den Generationenvertrag gekündigt? (04.09.2024)
- Ingo Schäfer: Die Wahrheit: Warum Bundeszuschüsse zur Rentenversicherung richtig sind (27.09.2024)
- Nina Weimann-Sandig: Betreuungskrise: Warum mehr Stunden nicht helfen (04.10.2024)
- Andreas Jansen: Nein! Die Rentenangleichung ist nicht für alle Menschen in Ostdeutschland von Vorteil (29.11.2024)
- Eike Windscheid-Profeta: Krankheitsbedingte Fehlzeiten: Zwischen Bettkanten und dünnen Personaldecken (13.12.2024)
- Johannes Steffen: Die Bürgergeld-Reform von 2023 – Quelle allen Übels? (04.02.2025)
- Michaela Evans-Borchers/Christoph Bräutigam: Zukunft der Pflege: „Die“ Pflege gibt es nicht! (07.02.2025)
- Eike Windscheid-Profeta: Arbeitsvolumen in Deutschland: (Wieder) mehr und länger arbeiten für Wohlstand und Wohlfahrt? (07.04.2025)
- Magnus Brosig: Faire Haltelinie: Warum ein dauerhaft stabiles Rentenniveau sinnvoll und gerecht ist (14.04.2025)
- Reinhold Thiede: Umlagefinanzierte Alterssicherung funktioniert – auch wenn die Bevölkerung altert (24.04.2025)
- Manuel Schmitt: Vermögensteuer? Geht! Die Schweiz widerlegt den Mythos vom Unmöglichen (14.05.2025)
- Heinz Rothgang: Mythen in der Pflegeversicherung (22.05.2025)
- Eike Windscheid-Profeta: Alt, krank, weiblich: Abwertung im Betrieb verhindert die Ausschöpfung von Erwerbspotenzialen (05.02.2026)
- René Böhme/Irene Dingeldey: Mythos der Sozialpolitik: Die Rückkehr des „arbeitsunwilligen Arbeitslosen“ (09.03.2026)
- Michael Simon: Gibt es in deutschen Krankenhäusern im internationalen Vergleich viel Pflegepersonal? (21.04.2026)
weitere Beiträge in Vorbereitung
Zentrale Thesen und Argumente im Überblick
„Oft gehört, trotzdem falsch" Magazin Mitbestimmung Ausgabe 02/2025
Interview zur Blogserie
„Wir wollen Unwahrheiten etwas entgegensetzen” Magazin Mitbestimmung Ausgabe 02/2025
Autor
Prof. Dr. Michael Simon lehrte bis 2016 in den Pflegestudiengängen der Fakultät V der Hochschule Hannover. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Gesundheitssystem und Gesundheitspolitik.